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Pottblog — 3. Januar 2019, 09:09 Uhr

Rettet die SG Wattenscheid 09!


#wirsindSGWattenscheid09

#wirsindSGWattenscheid09

Der Traditionsverein SG Wattenscheid 09 droht unterzugehen. Im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne unter dem Motto #wirsindSGWattenscheid09 soll die SG Wattenscheid 09 gerettet werden. Sich daran beteiligen kann man über den nachfolgenden Link: SG Wattenscheid 09 unterstützen. Nachfolgend ein Beitrag zur Unterstützung der SG Wattenscheid 09:

Doch vorab – gibt es noch weitere Informationen zum Crowdfounding im Video: Rettet die SG Wattenscheid 09


Nachfolgend nun der Text von Jan Bühlbecker:

Jan Bühlbecker im Lohrheidestadion der SG Wattenscheid 09

Jan Bühlbecker im Lohrheidestadion der SG Wattenscheid 09

Ich wurde 1995 geboren, ein Jahr nachdem das Bundesliga-Abendteuer der SG Wattenscheid 09 endete – Ein idealer Zeitpunkt, um den folgenden Abstieg des Traditionsvereins bis in die Niederungen des Amateurfußballs aus nächster Nähe mitzuerleben. Und nachdem mein Vater mich als Kind einmal ins Stadion mitgenommen hatte, stand für mich fest: Genau so würde ich meine Kindheit und Jugend auch verbringen.

Das erste Spiel an das ich mich erinnern kann? Es war das letzte Spiel eines heutigen Co-Trainers des VfB Stuttgarts und eines ehemaligen Spielers von Real Madrid im schwarz-weißen 09-Trikot – oder kürzer: Das letzte Spiel von Halil und Hamit Altintop für Wattenscheid. Mein erster Lieblingsspieler? Das war der Torhüter Michael Joswig. Mein bis dahin größtes Highlite der Kindheit: Der Aufstieg in die Oberliga in Ahlen – Nach dem Spiel sollten die Wattenscheid-Fans zum feiern auf den Rasen gelassen werden. Wir Kinder wurden schon vor Spielschluss in den Innenraum vorgelassen. Natürlich nutzte ich so meinen Vorsprung, um vor allem anderen besagtem Schlussmann zu gratulieren und als Souvenir seine Aufstiegs-Torwandhandschuhe zu ergattern. Sie hängen bis heute – neben einem signierten Foto von Willy Brandt – über meinem Schreibtisch. Und sie hingen da auch, als „Jossi“ vor einigen Jahren schwer erkrankte und von den Wattenscheider Fußballfans viele Grüße und Solidaritäsbekundungen erhielt.

Im Ruhrgebiet, so sagt man, da hält man zusammen. Und so passte zwischen Fans und Spieler der SG Wattenscheid 09 – zumindest nachhaltig – auch dann kein Blatt als auf dieses up ein lang anhaltendes down folgte. Existenzkampf und Abstieg bis in die sechste Liga. Das schlimmste Spiel meines Lebens? Es war am vorletzten Spieltag der Oberliga West gegen die TSG Sprockhövel. Verloren, der sichere Stoß in die sechstklassige Westfalenliga. Ein Trainer aus dem Schalker Nachwuchsbereich kam und ich entschied mich, dass mir mitfiebern auf der Tribüne nicht mehr reicht und fing an mich ehrenamtlich für meinen Verein zu engagieren: Erst organisierte ich für die Halbzeitpause ein Fan-Elfmeterschießen und suchte Einlaufkinder zusammen, dann kümmerte ich mich um die Öffentlichkeitsarbeit und half später zudem immer wieder auf der Geschäftsstelle aus.

Eines änderte sich in trotz alledem übrigens bis heute nie: Wenig mache ich lieber als Samstagnachmittag auf den Holzbänken der alten Tribüne des Wattenscheider Lorheidestadions zu sitzen, eine Bratwurst zu essen und die in schwarz und weiß gekleideten Spieler lautstark dahingehend zu bestärken, doch (endlich) das (verdammte) Tor zu treffen. Und wenn sie es geschafft haben, mit meinem Vater abzuklatschen.

In den folgenden Jahren hat wir dazu auch wieder öfter die Gelegenheit. Die SG Wattenscheid 09 schafft die Rückkehr in die Regionalliga. Den Aufstieg feierten Fans und Spieler gemeinsam in der alteingesessenen Kneipe „Eulenspiegel“. Wir sangen: „Eine neue Liga ist wie ein neues Leben. Was einmal war, ist vorbei und vergessen und zählt nicht mehr.“ Am nächsten Morgen fuhr mich mein Vater zur Schule – Um acht hatte ich Chemie-Unterricht.

Auf den Tribünen des Lorheidestadions sind alle gleich. Jede*r klatscht mit jeder oder jedem ab und alle feuern gemeinsam an. In den letzten Jahren gab es rund um unseren Verein immer wieder Streit, doch während der neunzig Minuten auf dem Rasen war der immer auch auf der Tribüne vergessen. Mich hat das beeindruckt und darin bestärkt, das es sich auch über den Fußball hinaus lohnt, nach Verbundenen zu suchen statt das Trennende zu bestärken.

Kommen wir aber auch noch einmal auf die Altintops oder vielmehr auf die Jugendarbeit der SGW zu sprechen: Seit einiger Zeit engagiere ich mich nämlich auch politisch in Bochum und Wattenscheid. Nicht nur in diesem Funktion habe ich gelernt, wie wichtig zum Beispiel der Sport für gelingende Integrationsarbeit ist. Für das Stadionmagazin der 09er habe ich einmal einen Artikel über die damalige D-Jugend und ihren überaus sympathischen Trainer Bartosz Maslon geschrieben. Bartosz, ein im Ruhrgebiet geborener junger Mann, Ende zwanzig, hatte zu Beginn seiner Zeit als Fußballer in Polens Jugendnationalmannschaften gespielt, auch in der polnischen zweiten Liga als Sturmpartner eines gewissen Robert Lewandwoski gekickt und kehrte anschließend, als im große Durchbruch verwehrt blieb, nach Wattenscheid zurück, um sich gemeinsam mit seinem Bruder mit einem Übersetzungsbüro selbstständig zu machen, für die SG Wattenscheid 09 zu spielen und sich als Jugendtrainer zu engagieren. Wie die anderen 09er-Nachwuchs-Verantwortlichen setzt er sich für gelingende Integration so ganz praktisch ein. Das macht die SG Wattenscheid 09 nicht nur auf dem Papier gemeinnützig.

Übrigens: Das größte Spiel meines bisherigen Fan-Lebens folgte nur kurze Zeit später. Zum ersten Mal seit über zehn Jahren qualifizierte sich die SGW wieder für den DFB-Pokal. Nach all den Enttäuschungen und Lektionen über Orte, von deren Existenz man vorher gar nicht wusste (oder kannten Sie etwa Hönnepel-Niedermörmter), waren wir damit zurück auf der großen Fußballbühne und schieden nur ausgesprochen knapp und wirklich sehr unglücklich gegen den 1. FC Heidenheim aus. Die Trikots: Wie mein politisches Herz – Rot. Mit auf dem Platz: Daniel Keita Ruel – Ein Spieler, der das Leid der letzten Jahre fast schon personifiziert.

Und da kommen Sie ins Spiel. Denn die SG Wattenscheid 09 befindet sich aktuell in einer schweren finanziellen Krise. Eigentlich seit jeher schon, aber im Moment besonders akut. Mit einem Corwdfounding soll deswegen nun noch wenige Tage Geld gesammelt werden, um den Spielbetrieb rund um die altehrwürdig Lohrheide aufrecht erhalten zu können. Mehr dazu unter den externen Links unten. Und beim Crowdfounding als Preis u. a. vorgesehen: Keitas Pokaltrikot. Ich schrieb also einem Freund, der als Fan des KFC Uerdingen auf eine ähnliche Leidensgeschichte zurückblicken kann wie ich, ob es vielleicht übertrieben sei,500€ aufzuwenden, um zum einen die SGW zu retten und zum anderen dieses besondere Erinnerungsstück zu erhaschen. Seine kurze und sehr wahre Antwort: „Nö, mach doch.“ Also hinterlegte ich diese Summe als Spende.

Bitte helfen nun auch Sie der SG Wattenscheid 09. Damit dieser großartige Verein weiter machen kann. Damit neben mir weiterhin viele Leute ihre Samstagnachmittage auf alten Holzbänken sitzend und Bratwurst essend Fußball gucken können, die Jugendabteilung weiter integrationsstiftend tätig seien kann und über meinem Schreibtisch neben dem Autogramm von Willy und den Handschuhen von Joswig bald auch das Trikot von Keita hängt. Ich danke Ihnen dafür, ganz ehrlich!

Lohrheidestadion in Bochum-Wattenscheid

Lohrheidestadion in Bochum-Wattenscheid

Jan Bühlbecker ist Student, freischaffender Künstler und studentischer Mitarbeiter der Herner und Bochumer Bundestagsabgeordneten Michelle Müntefering. Er engagiert sich seit 2010 politisch als Mitglied der SPD und lebt seit seiner zweiten Lebenswoche in Wattenscheid. Die Spiele der SG Wattenscheid 09 besucht er spätestens seit der Jahrtausendwende. Als Slam Poet bereist er überdies seit 2013 die Live-Literatur-Bühnen im gesamten deutschsprachigen Raum.

Mehr: www.jan-buehlbecker.de und www.janbuehlbecker-spd.de sowie in den sozialen Netzwerken Twitter und Instagram.


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