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Jens Matheuszik — 23. August 2018, 11:44 Uhr

Bochumer Balkongespräch mit Baustadtrat Dr. Markus Bradtke zur Innenstadt (Umgestaltung und Erscheinungsbild), der Wohnsituation und neuen (Obst-)Bäumen #ratBO


Balkongespräche (mit dem Verwaltungsvorstand der Stadt Bochum) - auf dem Balkon des historischen Rathauses ... mit zu den Stadtfarben passenden GetränkenIm Rahmen der Bochumer Balkongespräche stehen in der Sommerzeit die Mitglieder des Verwaltungsvorstandes der Stadt Bochum Rede und Antwort.

Die von Oberbürgermeister Thomas Eiskirch neu eingeführte Reihe findet jetzt seit drei Jahren statt und in diesem Jahr gibt es da einige „Premieren“:

Denn es gibt ja inzwischen die eine oder andere Person, die neu im Verwaltungsvorstand ist.

Die sogenannten „Balkongespräche“ finden in diesem Jahr grundsätzlich im historischen Rathaus bzw. auf einem Balkon zum Innenhof statt (… passend zu den Stadtfarben Bochums gibt es auch ein blaues Getränk (ohne Alkohol!)…)

Nach den ersten Gesprächen mit Stadtkämmerin Dr. Eva-Maria Hubbert, der Sozialdezernentin Britta Anger und Ralf Meyer von der Bochumer Wirtschaftsentwicklung und Kultur-, Schul- und Sportdezernent Dietmar Dieckmann stand diesmal der Stadtbaurat Dr. Markus Bradtke zur Verfügung.


„Das schöne an den Themen des Baudezernenten ist: man kann alles anfassen.“
Dr. Markus Bradtke, Stadtbaurat Bochum

Das Ressort, das Dr. Markus Bradtke in der Stadtverwaltung verantwortet, hat viel Außenwirkung für die Bochumer Stadtgesellschaft: Bauordnung, Stadtplanung und Wohnen, Tiefbau sowie Umwelt- und Grünflächenamt sind nur einige der ihm zugeordneten Ämter der Stadtverwaltung.

Das Balkongespräch umfasste als Themen die Entwicklung der Innenstadt, den Aspekt Bauen und das geplante StadtBaumKonzept.

Bochumer Bürgerkonferenzen – sehr wertvolle Beiträge im Rahmen der Bürgerbeteiligung

Die beiden stattgefundenen Bürgerkonferenzen 2017 und 2018 hätten wichtige Impulse gegeben. Diese wären insofern auch besonders wichtig, als dass sich hier deutlich mehr Leute sich beteiligt hätten als bei einer normalen Bürgerbeteiligung. Dort wären manchmal nur 10-20 Leute vor Ort – und alleine die Hälfte davon stamme schon von der Verwaltung. Und die andere Hälfte bestehe oft aus bestimmten Interessensvertretern. Das sei zwar legitim, aber durch die Bürgerkonferenzen würde man eine höhere Beteiligung der Bevölkerung erreichen.

Generelle Entwicklung der Innenstadt:

Für den Stadtbaurat ist es wichtig festzustellen, dass sich das Einkaufsverhalten stark geändert hätte. Während das KaDeWe, eines der größten stationären Kaufhäuser Deutschland, nur rund 440.000 Produkte anbietet, würde alleine der deutsche Ableger von Amazon mehr als 280.000.000 Produkte haben. Dem geänderten Einkaufsverhalten müsse man Rechnung tragen. Eine Stadt müsse sich fragen, was eine vitale Innenstadt ausmachen würde – und da sei der Aspekt Wohnen elementar.

Wer aber das Wohnen in der Innenstadt stärken will, der muss auch für eine Nahversorgung sorgen. Dafür sei die Markthalle angedacht, die inzwischen von vielen politischen Akteuren mitgetragen werde.

Haus des Wissens mit Markthalle:

(Entwurf) Markthalle Bochum

(Entwurf) Markthalle Bochum

Während Markthallen in touristisch geprägten Städten alleine durch den Zustrom an Touristen von alleine laufen, sei das in Bochum anders zu erwarten. Siehe dazu auch die beiden Pottblog-Beiträge

„Nicht nur drüber reden, sondern auch machen. Machen heißt hier kaufen!“
Dr. Markus Bradtke, Stadtbaurat Bochum

Wichtig sei es ihm auch, dass es nicht helfen würde, wenn man über die Innenstadtentwicklung nur reden würde – zwingend sei es auch, dass man den Worten auch Taten folgen lässt. In diesem Fall sei das dann auch der Erwerb des Telekomblockes (siehe oben) durch die Stadt Bochum.

Da das Bildungs- und Verwaltungszentrum (BVZ) abgerissen werden soll, müssen Büroflächen der Stadt aber auch die Volkshochschule (VHS) und die Stadtbücherei verlagert werden. Der Gedanke hier sei es, diese in das Gebäude der Markthalle zu integrieren, die dadurch zu einem Haus des Wissens werden soll.

Viktoria Karree:

Damit das Viktoria Karree (das ehemalige Justizgelände am Husemannplatz) vernünftig funktioniert sei es hier erforderlich, dass man verschiedene Nutzungsmöglichkeiten und nicht nur Einkauf schafft. Hier seien beispielsweise neben gastronomischen Angeboten auch ein Fitnessstudio und ein Hotel geplant. Außerdem sollen auch städtische Ämter hier angesiedelt werden.

Dr. Markus Bradtke, Baudezernent der Stadt Bochum, im Rahmen der Balkongespräche auf dem Balkon des historischen Rathauses

Dr. Markus Bradtke, Baudezernent der Stadt Bochum, im Rahmen der Balkongespräche auf dem Balkon des historischen Rathauses

Husemannplatz:

Der Husemannplatz gehört Dr. Bradtke zufolge zu einem der wichtigsten Plätze der Stadt.

Plätze funktionieren seiner Meinung nach dann gut, wenn es an den Rändern des Platzes gut läuft. In der Vergangenheit war das hier beispielsweise durch die Banken gegeben, da man hier regelmäßige Besucherströme hatte. Im Zeiten des Internets und des Online-Bankings sei das aber anders. Angesichts der „überdimensionierten Möblierung“ auf dem Husemannplatz müsse man sich überlegen, was man hier eigentlich alles brauchen würde. Definitiv nur die Zugänge zur Tiefgarage unter dem Platz.

Man müsste sich aber auch fragen, welche Funktion der Platz haben soll. Denn bestimmte Dinge funktionieren eher eingeschränkt. Hier nannte Dr. Bradtke die Nutzung von Wasser, denn im Grunde genommen sei der Husemannplatz in Wirklichkeit das Dach einer Tiefgarage und das würde die Nutzungsmöglichkeiten einschränken.
Auch müsse man berücksichtigen, dass bestimmte Nutzungsarten andere traditionelle Nutzungen ausschließen würden – hier sprach er den Weihnachtsmarkt an.

Die Vorarbeiten zur Planung laufen gerade, man setzt jedoch auch eine ordentliche Bürgerbeteiligung. Ziel sei es jedoch fertig zu sein, wenn auch das Viktoria Karree fertig wird.
Es sei nicht wünschenswert, dass die eine Baustelle (Viktoria Karree) fertig sei, während die andere (Husemannplatz) noch nicht abgeschlossen sei.

Innenstadt-Gestaltung und Mißstände:

Natürlich gibt es in der Innenstadt auch noch Mißstände, auch welche die städtischerseits zu verantworten sind. Aber so ein CityTeam, welches inzwischen dafür eingesetzt wurde, kann nicht alles sofort beheben.

Für die Gestaltung schlägt der Baustadtrat vor, dass man Empfehlungen erarbeitet. Das solche sich positiv auswirken können würde man beispielsweise am Ruhr-Park sehen, wo quasi alles den Händlern vorgeschrieben sei. In dieser Form wäre das vielleicht für die Innenstadt nicht sinnvoll, aber die Entwicklung in anderen Städten (Siena, Maastricht aber auch Bonn) würde zeigen, dass es sinnvoll wäre, mal ein paar grundlegende Dinge (Werbung, Bestuhlung etc.pp.) festzulegen. Dabei würde es nicht darum gehen, dass die Stadt gegen die Akteure der Innenstadt agiert, sondern dass man sich gemeinsam Gedanken macht. Nicht abstrafen sei das Motto, sondern eine höhere Innenstadtqualität. Ein mit der IBO (Initiative Bochumer City) zu erarbeitenden Gestaltungshandbuch soll positive Anregungen geben. Die Stadt sich sich dahingehend als Partner der Akteure in der Innenstadt.

Der Rat der Stadt Bochum wird dann auch über eine Gestaltungssatzung diskutieren, die bestimmte „Bausünden“, reglementiert – hier seien beispielsweise großformatige leuchtende Werbeflächen gemeint.

Positiver Einfluss durch Innenstadtakteure

Auf die Pottblog-Nachfrage, wie man beispielsweise Initiativen wie „Bochum: Deins, mein, unseres?“ (die ihre Arbeit heute vorstellen wollen) begegnet, erklärte der Stadtbaurat sich kooperativ. Man sei mit vielen Akteuren im Gespräch, ob nun mit dem Mieterverein aber auch Gruppen wie „Stadt für Alle“ oder BOLOG.

„Wir freuen uns, dass Leute Ideen entwickeln.“
Dr. Markus Bradtke, Stadtbaurat Bochum

Solche Impulse finde man gut, vor allem wenn diese im Vorfeld eingebracht werden. Das sei besser, als wenn das im Nachhinein geschehen würde. Am Ende würden aber die politischen Gremien entscheiden und da kann es dann sein, dass nicht jeder Vorschlag aufgegriffen wurde.
Bei diesem Thema zitierte er dann auch den aus Bochum stammenden ehemaligen Bundestagspräsidenten:

„Buh-Rufe von den Tribünen sind zulässig, ersetzen aber nicht das eigene Engagement und verändern – wie in Fußballstadien – nur selten den Spielverlauf.“
Norbert Lammert (CDU), ehemaliger Bundestagspräsident

Handlungskonzept Wohnen:

Seit 2014 wächst Bochum. Während der Wohnungsmarkt in Bochum die letzten 10 Jahre davor ziemlich rückwärtsgewandt war, habe es unter dem neu gewählten Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD) eine neue Wohnbauoffensive gegeben. Für Dr. Bradtke ist Wohnen ein Grundrecht und daher sei das sehr wichtig, dass das in Bochum auch weiter forciert wird. Ein wichtiger Aspekt sei die Vermeidung von „Wohnclustern“ nach bestimmten Kriterien (beispielsweise Einkommen, Herkunft).

Bisher hatte die Wohnbauoffensive einen Schwerpunkt im preiswerten Segment, der zum Teil auch öffentlich gefördert wird. Hier sei es jedoch auch notwendig für die gesamte Breite des Marktes Angebote zu haben.

Während landesweit die Zahlen der Bauvorhaben immer noch rückläufig seien, steigen diese in Bochum deutlich. Im letzten Jahr wurden in Bochum 570 neue Wohnungen fertiggestellt, in den Jahren zuvor waren es eher 100-120.

Doch noch sei man vom Ziel der insgesamt 800 neuen Wohneinheiten pro Jahr entfernt, strebe dies aber natürlich auch weiterhin an und hätte dazu auch einen Handlungsplan erarbeitet.
Das zweite Ziel, das ein Viertel (also 200) Wohnungen davon im geförderten Bereich liegen sei jedoch im letzten Jahr geschafft worden und auch in diesem Jahr sieht es gut aus.
Aus Abrechnungsgründen (die Förderanträge werden oft erst wohl im letzten Quartal gestellt) sei das aber jedoch jetzt noch nicht absehbar.

Was wichtig sei auch eine Offensive im Wohnbestand: 3/4 aller Wohneinheiten sind älter als 40 Jahre und da gäbe es viel Nachholbedarf, beispielsweise im Rahmen der energetischen Sanierung. Aber auch bei so Punkten wie Wohnungen geschnitten sind – da könne man nicht von Barrierefreiheit reden, aber auch barrierearm seien diese Wohnungen oftmals nicht. Während große Vermieter hier Möglichkeiten (z.B. Freizug von Wohnungen zur Modernisierung, gute Nutzung von Fördermitteln) haben, sieht das bei privaten Vermietern oft nicht so gut aus und hier müsse man schauen, wie man dort als Stadt helfen könne.

StadtBaumKonzept: 1600 Baumstümpfe werden herausgefräst und ersetzt

Die Bürgerkonferenzen haben die Stadtverwaltung insofern überrascht, als dass man davon ausgegangen sei, dass viele Bürgerinnen und Bürger an bestimmten stadtweit wichtigen Orten mehr Bäume und mehr Grün wünschen, beispielsweise am Kemnader See. Aber den Teilnehmern ging es primär um die Stadtquartiere. Die Frage was die Stadt mit den vielen Baumverlusten (seit 2014: Sturm Ela und weitere…) machen würde, das würde die Leute beschäftigen.

Insofern wurde das StadtBaumKonzept erarbeitet, und in dessen Rahmen wird es mindestens 1600 neue Bäume für Bochum geben (siehe dazu auch das Video StadtBaumKonzept: 1600 neue Bäume für Bochum – aber erst kommen Rohrfräse, Wurzelratte & Co. zum Einsatz).

Ein solches

Ein solches „Loch“ bleibt nach dem Einsatz der Rohrfräse

Im Balkongespräch sprach Dr. Bradtke sogar von 2000 Bäumen, denn es sei jetzt auch geplant, dass in Bereich von Schulen bzw. Schulhöfen verstärkt Bäume gepflanzt werden.

Doch zuerst müssen – an den Stellen, wo die Stürme der Vergangenheit wüteten – die Baumstümpfe (Baumstubben) entfernt werden, was jetzt derzeit akutell geschieht:

Pflanz‘ einen Baum: 500 Obstbäume zu verschenken

Die im vergangenen Jahr durchgeführte Aktion Aktion „Pflanz einen Baum – ein Engagement das Früchte trägt“ wird auch in diesem Jahr stattfinden. Auch wieder im November – aber diesmal mit einem anderen Sponsor (letztes Mal war dies der VfL Bochum – und das Pottblog hat da auch eine V ermutung, wer folgen könnte, aber Dr. Bradtke wollte damit noch nicht herausrücken).

Schön fand der Stadtbaurat es auch, dass es den wenigsten Teilnehmern der damaligen Aktion einfach nur darum ging, etwas bzw. einen Baum umsonst zu bekommen. Ihnen war es wichtig für mehr Natur und mehr Grün vor Ort zu sorgen – und mit einem solchen Baum, der dann angepflanzt wird, sind ja auch Erinnerungen verbunden, die das Verbundenheitsgefühl stärken.

Dr. Markus Bradtke, Baudezernent der Stadt Bochum, im Rahmen der Balkongespräche auf dem Balkon des historischen Rathauses

Dr. Markus Bradtke, Baudezernent der Stadt Bochum, im Rahmen der Balkongespräche auf dem Balkon des historischen Rathauses


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