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Jens Matheuszik — 1. August 2015, 19:09 Uhr

Franz-Josef Ermann: Der unbekannte zwölfte Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters von Bochum + Kurzinterview mit Wolfgang Wendland #OBwahlBO #ratBO


Rathaus der Stadt Bochum

Rathaus der Stadt Bochum

Da behaupte noch einer, das Aufhängen von Wahlplakaten bringe nichts, würde die Leute nicht informieren und hätte keinerlei Mehrwert. Das das nicht stimmt, zeigt sich an der Oberbürgermeisterwahl in Bochum:

Schon seit Tagen ist bekannt, dass bei der Oberbürgermeisterwahl am 13. September 2015 insgesamt zwölf Kandidaten kandidieren wollen (die endgültige Entscheidung über die Erfüllung der formalen Zulassungskriterien wird am Montag getroffen). Aber wer die 12. Person nach

  1. Thomas Eiskirch (SPD)
  2. Klaus Franz (CDU)
  3. Monika Engel (Grüne)
  4. Horst Hohmeier (Die Linke)
  5. Wolf-Dieter Liese (AfD)
  6. Jens Lücking (Freie Bürger)
  7. Günter Gleising (Soziale Liste)
  8. Claus Cremer (NPD)
  9. Wolfgang Wendland (parteilos)
  10. Omid Pouryoursefi (parteilos)
  11. Markus Zarske (parteilos)

ist, war erstmal unbekannt.

Das Pottblog hatte den Namen Ermanns zwar schon aus einer Quelle vor einigen Tagen erfahren, aber wie das so ist – eine Quelle alleine (wenn es jetzt nicht gerade die Top-Quelle überhaupt – der Kandidat selbst – ist…) reicht nicht immer.

Durch das Aufhängen der Plakate ist es jedoch quasi bestätigt worden:

Franz-Josef Ermann, Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters von Bochum #OBwahlBO

Franz-Josef Ermann, Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters von Bochum #OBwahlBO

Franz-Josef Ermann: Der bisher unbekannte Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters von Bochum

Unter dem abgewandelten Musketier-Motto Einer von euch – für euch tritt Franz-Josef Ermann bei der Oberbürgermeisterwahl 2015 in Bochum als unparteiischer Kandidat an (bzw. will es).

Und das sind eigentlich auch schon die Informationen die man hat. Mehr nicht. Das ist tatsächlich insofern überraschend, als dass eigentlich gerade unabhängige und unparteiische Kandidaten eigentlich möglichst viel für sich und ihre Ideen werben sollten.
Das macht man beispielsweise auch schon bei der Sammlung der notwendigen Unterstützungsunterschriften für eine Kandidatur. Über 400 Unterschriften lassen sich nicht mal eben so leicht gewinnen.

Auch verschenkt man im Vorfeld viele Möglichkeiten der persönlichen und inhaltlichen Profilierung, wenn man quasi erst auf dem letzten Drücker als Kandidat bekannt wird. Von Franz-Josef Ermann, den das Pottblog erfolglos versucht hat zu kontaktieren, gibt es daher keine weiteren Informationen – außer, dass er bei einer Hilfsorganisation arbeitet. Was jetzt aber auch zur Entscheidungsfindung nicht wirklich viel beiträgt.

Die Rolle der Öffentlichkeit bei einer Kandidatur als unabhängiger Kandidat – nachgefragt bei Wolfgang Wendland:

Dazu hat das Pottblog bei Wolfang Wendland nachgefragt, der der erste unabhängige Kandidat war, der sich dahingehend erklärte, dass er Oberbürgermeister von Bochum werden möchte.

Pottblog: Inzwischen ist Mr. X bekannt, der 12. Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters von Bochum. Dieser war bis heute unbekannt – und jetzt kennt man wenigstens seinen Namen.

Bei Dir war das anders, Dich kannte man schon vor vielen Wochen. Bist Du daher der Meinung, dass bei einer solchen Kandidatur Öffentlichkeit wichtig ist?

Wolfang Wendland, Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters von Bochum Foto: Lutz Keiss #OBwahlBO

Wolfang Wendland, Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters von Bochum Foto: Lutz Keiss #OBwahlBO

Wolfgang Wendland: Ich hab mir zu dem Zeitpunkt keine Gedanken darüber gemacht, ich kannte es nicht anders, als dass man auch z. B. das Internet nutzt um die notwendigen Unterschriften zu sammeln, deswegen wäre ich auf eine „geheime Kandidatur“ überhaupt nicht gekommen.

Pottblog: Gehört es nicht eigentlich auch zur demokratischen Kultur irgendwie dazu, dass im Vorfeld über Kandidaten gesprochen wird und man sich mit ihnen auseinandersetzt?

Wolfgang Wendland: In einer Partei sicher, aber dass im Vorfeld einer Kandidatur jemand nur in seinem persönlichen Umfeld bzw. nur bei seinen Patienten Unterschriften sammelt halte ich jetzt nicht für ein Problem. Es ist ja noch Zeit genug, um sich über Kandidaten Gedanken zu machen. Da finde ich es schon eher problematisch, dass der Wahlkampf von einigen mit emotionalen Leerformeln jenseits der Kommunalpolitik gemacht wird.

Pottblog: Warum bist Du denn im Vorfeld der Bestätigung Deiner Kandidatur dann so offensiv auf die Medien zugegangen? SPIEGEL Online bei Wahlkampfbesuchen und SPIEGEL TV hat jetzt nicht jeder Kandidat an seiner Seite…

Wolfgang Wendland: Ich kontrolliere als Kandidat ja die Presse nicht, wenn einer vorbeikommen bzw. was schreiben will hab ich nichts dagegen, wieso sollte ich auch? Und grundsätzlich gehe ich mal davon aus, dass die Bestätigung der Kandidatur durch die Stadt eher ein formaler Akt ist, nachdem ich die Bestätigungsunterschriften zusammen habe.

Pottblog: Wenn ab Montag die Kandidaten dann vermutlich alle hochoffiziell bekannt sind – falls es keine Widersprüche gibt: Wie hast Du dann Deinen Wahlkampf vor? Wie möchtest Du Dich und Deine Positionen dem Volk bekannt machen? Oder ist das einfach nur der Punkrocker, der sich gerne auszieht und einfach mal so aus Spaß an der Freude kandidiert?

Wolfgang Wendland: Naja, nach den Rückmeldungen, die ich bisher erhalte muss ich nicht mehr so viel machen. Meine Sorge geht eher in die Richtung dass Wähler vergessen zur Wahl zu gehen.

Pottblog: Wie kann man das verhindern? Oder hat die SPD recht, dass man sich deswegen nicht auf 500 Plakate pro Kandidatur beschränken sollte? Schließlich wird die Oberbürgermeisterwahl nicht auf Landes- und Bundesebene medial begleitet.

Wolfgang Wendland: Sich auf 500 Plakate zu beschränken hielt ich für eine gute Idee. Die Plakate der SPD zeigen ja überwiegend einen Hinterbänkler aus dem Landtag und weisen ja nicht auf den Wahltermin hin, das bringt ja nichts in Richtung Wahlbeteiligung.

Pottblog: Das wird die SPD sicherlich anders sehen… da wird vermutlich argumentiert, dass durch die Wahlplakate an sich schon Aufmerksamkeit dafür geschaffen wird. Aber welche Wege würdest Du denn vorgeschlagen, um die Wahlbeteiligung zu erhöhen, damit beispielsweise extreme Kandidaturen keine Chance haben?

Wolfgang Wendland: Ich denke dass eine geringe Wahlbeteiligung leider der Erfahrung der Wähler geschuldet ist, dass sich durch Wahlen nur wenig verändern lässt. Wenn man z. B. feststellt, dass sich durch die Beteiligung der Grünen an der regierenden Mehrheit in Bochum nichts an der Politik geändert hat oder dass die CDU außerder mantraartigen Wiederholung des Satzes „man hätte die RWE-Aktien verkaufen sollen“ auch nicht viel zur Kommunalpolitik beigetragen hat, bedarf es schon neuer politischer Ansätze um die Menschen zum Wählen zu bewegen.

Behavioristische Konzepte wie mehr Plakate gleich mehr Wähler helfen da nicht. Dass heute rechtsextreme Parteien mehr Stimmen bekommen als früher ist sicher ein großes gesellschaftliches Problem, aber eins, dass komplexer ist als dass man es mit geringer Wahlbbeteiligung erklären kann oder im Rahmen eines solchen Interviews darstellen könnte.

Pottblog: Abschließend gefragt – oder gibt es noch was besonderes den Pottblog-Lesern mitzuteilen? Wer glaubst Du, wird am 13. September 2015 auf den Plätzen 1-3 und mit wieviel Stimmen jeweils stehen?

Wolfgang Wendland: Naja, denjenigen, die in Bochum wahlberechtigt sind würde ich dringend raten, bei ihrer Wahl zu prüfen, welchem Kandidaten es um die persönliche Karirere geht, wer nur kandidiert, damit seine Partei mal wieder in den Medien ist und wem es wirklich um diese Stadt geht. Letzteren würde ich wählen. Ich würde bei dieser Wahl nicht mitmachen, wenn ich nicht mindestens mit Platz 2 im ersten Wahlgang rechnen würde. An weitergehende Spekulationen möchte ich mich zu diesem Zeitpunkt nicht beteiligen.

Pottblog: Vielen Dank für das kurze Gespräch!

Wolfgang Wendland: Gerne!


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