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Achim Hepp, Jens Matheuszik, Christina Quast & Sonja Rümenapp — 17. März 2015, 17:21 Uhr

Filmkritik: Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB


Trikots in gelb - mit schwarzem B (aus dem Film: Am Borsigplatz geboren - Franz Jacobi und die Wiege des BVB)

Trikots in gelb – mit schwarzem B (aus dem Film: Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB)

Vorab in einem Satz: Lohnt sich der Film? Für jeden Borussia Dortmund-Fan ist diese Dokumentation eine Pflichtveranstaltung, aber auch allgemein für Fußballfans und Freunde von guten Dokumentationen lohnt sich dieser Film sehr!

Am Borsigplatz geboren - Franz Jacobi und die Wiege des BVB (DVD-Cover)

Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB (DVD-Cover)

Der Film Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB ist eine Dokumentation, die die Gründung des wohl erfolgreichsten deutschen Fußballvereins Borussia Dortmund (BVB) sehr detailliert beleuchtet.

Die drei Macher Jan-Henrik Gruszecki, Marc Quambusch und Gregor Schnittker hatten im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne für den „niemals umsetzbaren“ Film Geld gesammelt (der Autor dieser Zeilen hat auch was gespendet) und es mit Akribie und Leidenschaft geschafft dieses Werk zu erstellen.

Man erfährt in dem Film nicht nur, wie es am besagten 19. Dezember 1909 dazu kam, dass einige Freunde die aus der Gegend um den Borsigplatz im Dortmunder Norden stammten, den Verein gegründet haben, der heute Millionen hierzulande und darüber hinaus begeistert.

Dreifaltigkeitskirche um 1910

Dreifaltigkeitskirche um 1910

Vorab wird man noch über die Historie Dortmunds sehr anschaulich und mit schönen Bildern (teilweise mit schön gestalteten Animationen) informiert. So steht im Dortmunder Norden die Dreifaltigkeitskirche und Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die Institution Kirche noch eine ganz andere gesellschaftliche Stellung als heutzutage. Was die Kirche sagte, wurde gemacht – und deswegen ist die Gründung von Borussia Dortmund als noch mutigere Tat einzuschätzen, als man es heutzutage vermuten mag.

Wildschütz (Am Borsigplatz geboren - Franz Jacobi und die Wiege des BVB)

Wildschütz (Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB)

Die jungen Männer rund um Franz Jacobi waren allesamt in der Kirche aktiv und engagierten sich in der sogenannten „Jünglings-Sodalität“ (heutzutage würde man das wahrscheinlich kirchliche Jugendgruppe nennen).
Sportliche Aktivitäten gehörten dazu – aber das war primär die Leichtathletik, denn Fußball war damals verpönt und wurde als undeutsche „Fußlümmelei“ bezeichnet.

Doch durch das Wirken von Konrad Koch, der den Fußball in Deutschland einführte und vor allem seine aus dem englischen Mutterland stammenden Fachbegriffe konsequent eindeutschte.
Deswegen gibt es bei uns keinen Goalie, wie der Torhüter in der Schweiz beispielsweise genannt wird. Durch Kochs Wirken wurde Fußball hierzulande immer bekannter und auch etablierter – und Franz Jacobi wusste sich für diesen Sport zu begeistern.

Interview mit Franz Jacobi (1978)

Interview mit Franz Jacobi (1978)

Doch die katholische Kirche, in Form des Kaplans Dewald, hatte etwas dagegen, wie Franz Jacobi in ausführlichen Gesprächen erklärte (siehe obiges Foto von 1978). Dass sich Franz Jacobi und seine Freunde auch noch in einer Gaststätte, die von einem Protestanten betrieben wurde, trafen, nahm der Kaplan auch nicht wirklich positiv auf.

So überlegte er sich, wie er den „Fußlümmeleien“ Einhalt gebieten konnte und erklärte, dass am heiligen Sonntag die Jung-Sodalen auch die Nachmittagsmesse besuchen müssten. Ein Zeitpunkt, wo sie eigentlich Fußball spielen wollten…

Wambeler Str. - die Idee zur Gründung wird gefasst (aus dem Film: Am Borsigplatz geboren - Franz Jacobi und die Wiege des BVB)

Wambeler Str. – die Idee zur Gründung wird gefasst (aus dem Film: Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB)

Daher fassen die Männer rund um Franz Jacobi den Entschluss, dass sie einen eigenen Fußballverein – abseits von der katholischen Kirche gründen. Die Idee dazu kam ihnen – ein wenig beeinflusst – zu Hause an der Wambeler Straße und abends war man dann im Gesellschaftsraum des Wildschützes, wo man energisch über die mögliche Vereinsgründung diskutierte (wie energisch sieht man gut an den Videos von den Dreharbeiten zum Franz Jacobi-Film in diesem Pottblog-Beitrag!).

Gründungsszene von Borussia Dortmund (aus dem Film: Am Borsigplatz geboren - Franz Jacobi und die Wiege des BVB)

Gründungsszene von Borussia Dortmund (aus dem Film: Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB)

Wir alle wissen heutzutage, dass auch die letzten Versuche des Kaplans die Vereinsgründung zu verhindern nicht erfolgreich waren – und so wurde am 19. Dezember 1909 der Ballspielverein Borussia 09 in Dortmund gegründet.

Doch damit fingen einige der Probleme ja erst an – schließlich hatte man ja kaum Unterstützer und war auf sich selbst gestellt. So trug man weiter die blau-weiße Sportkleidung der Jünglings-Sodalität, um sich aber von dieser abzugrenzen griff man zu einem einfachen Kniff – man trug noch eine rote Schärpe darüber, die auch für die Verbindung zur Arbeiterklasse stand.
Es dauerte aber nicht lange, bis die gewohnten und inzwischen wohl schönsten Farben der Welt (siehe Bild ganz am Anfang) als Vereinsfarben genutzt wurden – und wie es dazu kam, erfährt man in dem Film auch.

Trikots in blau und weiß... (aus dem Film: Am Borsigplatz geboren - Franz Jacobi und die Wiege des BVB)

Trikots in blau und weiß… (aus dem Film: Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB)

Neben den „normalen“ Dokumentationsbeiträgen kommen auch immer wieder Expertinnen und Experten wie z.B. Annette Kritzler (Borsigplatz-Verführung; hier kann man z.B. Informationsgänge in der Nordstadt buchen) zu Wort – aber natürlich auch anerkannte BVB-Experten wie beispielsweise Gerd Kolbe.

Weitere Stilmittel des Films sind einerseits Erzählungen zu animierten Filmsequenzen und teilweise zu nachträglich animierten Fotos.

Bei der Befragung der „Augenzeugen“, die die Gründer noch selbst erlebt haben, zeigt sich, dass das Filmprojekt kein Jahr zu spät begonnen wurde, schließlich hatte man jetzt noch die Möglichkeit mit Leuten zu sprechen, die aus erster Hand – von Franz Jacobi und anderen BVB-Gründern selbst – informiert waren.

Zusätzlich gibt es noch weitere Stilelemente in dieser Dokumentation wie z.B. die nachgestellten Szenen z.B. von der Sitzung der Vereinsgründung, als die Probleme zur Aufnahme im Ligaverband geschildert wurden oder auch wie das bekannte BVB-Logo entstand:

Das Logo von Borussia Dortmund entsteht (aus dem Film: Am Borsigplatz geboren - Franz Jacobi und die Wiege des BVB)

Das Logo von Borussia Dortmund entsteht (aus dem Film: Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB)

Der Film selber bietet natürlich relativ bekannte Informationen (das zum Beispiel die ersten Trikots blau und weiß waren), aber das Rechercheteam hat ganze Arbeit geleistet und viele weitere Details ausgegraben, die vielen BVB-Fans nicht bewusst sein dürften – die aber dennoch interessant waren.

Im Rahmen dieser Filmkritik werden diese Details natürlich nicht alle genannt – man soll sich den Film ja selbst anschauen. Daher steht jetzt hier auch nicht en detail, warum dieser Film nicht nur informativ ist, sondern auch sehr gut unterhält und auch die Lachmuskeln ordentlich bedient werden…

Das erste Borussia Dortmund (BVB)-Mannschaftsfoto (aus dem Jahr 1913) mit schwarz-gelben Trikots

Das erste Borussia Dortmund (BVB)-Mannschaftsfoto (aus dem Jahr 1913) mit schwarz-gelben Trikots

Jens‘ Fazit zu „Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB“:

Man kann es kurz machen: Diese Filmdokumenation ist einfach toll! Was die Macher da geschaffen haben, ist echt bewundernswert. Schön auch, wie sich diese Dokumentation von anderen Dokumentationen die man so gewohnt ist positiv abhebt.

Besonders hervorzuheben ist da beispielsweise die „heimliche“ Hauptdarstellerin des Filmes die immer wieder mit ihren Dönekes für herzliche Lacher sorgt (auch im Abspann!) aber auch vor allem die Arbeit des Rechercheteams: Was da an Details rund um Borussia Dortmund noch entdeckt wurde, ist teilweise wirklich phänomenal. Ich nenne da beispielsweise die Verbundenheit der schwarz-gelben BVB-Familie im ersten Weltkrieg und eine damit verbundene Szene, die wirklich Gänsehaut erzeugte. Eine Gänsehaut die es aber immer wieder im Film gab, der tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut fährt.

Ich könnte jetzt noch viel mehr loben, sei es beispielsweise die Schauspieler für ihre grandiose Nachstellung der historischen Szenen, die akribischen Experten, die das Hintergrundwissen der Zuschauer durch ihre Beiträge erweitern, die tollen „Sandgemälde“ (wer den Film sieht, der weiß was gemeint ist) mit den Original-Zitaten von Franz Jacobi usw.usf.

Aber da dieser Beitrag schon sowieso sehr lang ist und man glaube ich schon weiß, dass es sich um einen guten sehr guten Film handelt, schließe ich mich mit der Punktevergabe:

Von 10 möglichen Punkten bekommt Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB 19,09 Punkte!

Das Fazit von Sonja dazu:

Als gebürtige Dortmunderin mit schwarz-gelber Seele, freue ich mich schon sehr lange auf diesen Film. Ich selber war beim legendären „Tanz für Franz“ dabei und habe das Glück einen klitzekleinen Teil des Spiegelsaals1 mein eigen zu nennen.

Ich konnte mein Glück kaum fassen, dass ich zur Premiere kommen konnte. Die Premiere war ganz dortmunderisch unspektakulär, mit Sekt und Bier. Leute wie Sebastian Kehl und andere Spieler mussten sich selber Plätze suchen. Sehr FAMILIÄR.

Der Film an sich ist eine sehr gefühlvolle und „leise“ Dokumentation. Die Gründer und insbesondere Franz Jacobi bekommen endlich die Ehre die Ihnen gebührt. Ich nehme viele kleine Infos mit aus diesem Film, die mir noch nicht bekannt waren obwohl ich durch Anette Kritzler schon sehr gut informiert bin. Aber das aller wichtigste ist die „Borussen Familie“, das Gefühl, die Einstellung, ein Leben. SO SCHÖN: „ECHTE LIEBE“ nicht nur als Marketing-Spruch.

Andere Berichte zu „Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB“:

Im Fliggwerk gibt es eine Filmkritik zu „Am Borsigplatz“ geboren. Von der Premiere berichtete nicht nur das Pottblog („Premiere mit Gänsehaut & vielen Emotionen: Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB“), sondern auch Sport1 mit diversen Videosequenzen aus der Dokumentation. Außerdem berichten u.a. die Nordstadtblogger über die Premiere und den Film.

Wann und wo läuft „Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB“ im Kino?

Der Film wird am 23., 24. und 26. April 2015 im Dortmunder U gezeigt (aber die Karten muss man reservieren!). Außerdem ist es auch geplant den Film im Roxy Dortmund zu zeigen. Das mit dem Roxy wird aber – genau wie der DVD-Verkauf direkt bei den Filmemachern – noch dauern, denn noch fehlt die FSK-Freigabe.

Trailer zu „Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB“:

  1. dem Saal, wo der Verein gegründet wurde und dessen Interieur inzwischen vom neuen Besitzer – einer der Filmemacher – versteigert wurde []

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