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Jens Matheuszik — 20. Oktober 2014, 09:23 Uhr

VfL Bochum 1848: Unverständnis in der Bochumer Politik über Schließung der Frauenfußball-Abteilung


VfL_Bochum_1848_Logo_eVAls zum (natürlich 1:1 endenden) Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg die Pressemitteilung des VfL Bochum bekannt wurde, dass man zum Ende der Saison auf die Frauen- und Mädchenmannschaften verzichten wolle, war die Aufregung groß.

Nicht nur ob der Tatsache an sich, sondern vor allem über die Art und Weise: Da wurde eine Pressemitteilung veröffentlicht und teilweise erfuhren Spielerinnen des VfL Bochum während eines Turniers via Facebook(!) und SMS davon.

Auch stellte sich durch Medienberichte im Anschluss heraus, dass diese Maßnahme wohl nur eine Summe von 120.000 bis 150.000 Euro einsparen würde, eine Summe, die jedoch der Bochumer Trainer Peter Neururer als Luxus bezeichnete, den man sich nicht mehr leisten könne…

Der Frauenfußball beim VfL Bochum hat eine recht junge Geschichte – denn die „Abteilung“ der Frauen1 entstand erst Mitte Juli 2010 als die Frauenfußballabteilung des TuS Harpen vom VfL Bochum und die Spielrechte von der SG Wattenscheid 09 übernommen wurden. Dies geschah damals sicherlich auch, weil sich damals die Stadt Bochum um die Austragung von Spielen während der Frauenfußball-WM 2011 bewarb.

Im Zuge der WM wurde dann auch das Stadion für rund 13 Millionen Euro ertüchtigt und die Stadt Bochum selber hatte da einen Millionen-Betrag investiert. Jetzt, wenige Jahre später, scheinen dem Verein jedoch rund 150.000 Euro pro Jahr zu viel zu sein.

Die Aufregung über diese Entscheidung des VfL Bochum wächst und auch beim letzten Heimspiel (der Herren) sah man dazu was im Stadion:

Protestplakat (unten links) gegen die Schließung der Frauen-Abteilung bei der Partie VfL Bochum gg. SV Darmstadt 98

Protestplakat (unten links) gegen die Schließung der Frauen-Abteilung bei der Partie VfL Bochum gg. SV Darmstadt 98

Protestplakat gegen die Schließung der Frauen-Abteilung bei der Partie VfL Bochum gg. SV Darmstadt 98Beim vergangenen Zweitliga-Spiel gegen SV Darmstadt 98 gab es ein Plakat gegen die Schließung (siehe Abbildung oben, dort unten links, bzw. etwas größer links). Auf dem Plakat erklären die Schiedsrichterinnen, dass sie für den Erhalt der Frauen- und Mädchenmannschaften [beim VfL Bochum] sind.

Beim letzten Heimspiel der Frauen gegen den VfL Wolfsburg gab es einen Rekordbesuch.

Auch in der Politik regt sich Widerstand, wie die ersten Stellungnahmen der verschiedenen Parteien dazu zeigen.

Das Pottblog hat dazu beim Spiel gegen SV Darmstadt 98 ein Interview mit Hans Peter Herzog, den sportpolitischen Sprecher der SPD-Ratsfraktion Bochum, geführt. Die SPD hatte zur der geplanten Maßnahme erklärt, dass man erwartet (und hofft), „dass der VfL Bochum seine Entscheidung korrigiert.“. Nachfolgend das Interview mit Hans Peter Herzog:

Doch auch andere Fraktionen/Gruppierungen äußern sich zur Thematik:

Die Grünen-Fraktion ist empört, wie Züleyha Demir, sportpolitische Sprecherin der Grünen Ratsfraktion mitteilt:

„Wir können nur den Kopf schütteln über dieses grobe Foul gegen die Spielerinnen und die engagierten Betreuerinnen. Es ist nicht hinzunehmen, dass der VfL mit Millionenbeträgen aus den Kassen der Stadt bzw. der städtischen Töchter unterstützt wird und nun wegen 120.000 Euro den Frauen- und Mädchenfußball gleich ganz vom Platz nimmt. Hier werden falsche Prioritäten gesetzt. Mit Blick auf die Identifikation der vielen weiblichen Fans mit dem Verein ist die Entscheidung auch sehr kurzsichtig.“

Seitens der FDP/UWG-Fraktion wird ein „Zweckbündnis für Frauenfußball“ vorgeschlagen, damit die „Qualität im Frauenfußball in Bochum auf jeden Fall erhalten bleibt“. Luisa-Maximiliane Pischel, sachkundige Bürgerin der FDP/UWG-Fraktion im Ausschuss für Sport und Freizeit, äußert sich zu den VfL-Plänen wie folgt:

„Die plötzliche Entscheidung des VfL Bochum hat uns schon überrascht, schließlich hat sich der Frauen- und Mädchenfußball in der letzten Zeit positiv entwickelt. […] Die Art, wie die Betroffenen über den Vorgang informiert wurden, hat jetzt dazu geführt, dass durch eine hitzige Diskussion das Image ramponiert wird. Frauenfußball war ja zuletzt – auch durch die Frauen-WM 2011 – ein Aushängeschild für Bochum. Die Mitgliederversammlung des VfL Bochum am 20. Oktober ist jetzt in der Verantwortung, bei der Abwägung aller Argumente eine umsichtige Entscheidung zu treffen.“

Doch auch wenn sich die (heutige) „Mitgliederversammlung gegen eine Fortführung der Frauen- und Mädchenfußballabteilung entscheidet, darf dies jedoch nicht das Ende eines qualitätsvollen Frauenfußballs in Bochum sein“, so Wilfried Flöring, sportpolitischer Sprecher der FDP/UWG-Fraktion. Er spricht weiter an, dass es bereits jetzt andere Vereine gibt, die Interesse an den Bochumer Frauen- und Mädchenmannschaften angemeldet haben und sieht in diesem Fall den VfL Bochum in der Pflicht den Übergang optimal zu gestalten und auch für eine Übergangsphase zu begleiten:

„Mir nichts, dir nichts darf sich der Verein der Verantwortung, die er 2010 übernommen hat, nicht entziehen. Das wäre unfair gegenüber den Fußballerinnen, die schließlich Leistung gezeigt haben. Zur Not muss dann eben mit anderen Vereinen ein Zweckbündnis geschmiedet werden, um in Bochum die Qualität im Frauenfußball auch weiterhin zu erhalten.“

Die Stadtgestalter schlagen eine überparteiliche Petition im Rat vor, damit der VfL Bochum die Entscheidung zur Ausgliederung des Frauenfußballs rückgängig macht. Außerdem gehört für die Stadtgestalter das Sponsoring der Stadt bzw. der städtischen Tochtergesellschaften auf den Prüfstand.

Dahingehend soll der Rat den Vorstand des VfL Bochum nicht nur auffordern die Entscheidung rückgängig zu machen, sondern gleichzeitig klarmachen, „dass das Engagement des VfL in diesem Bereich eine Grundvoraussetzung für das Sponsoring durch städtische Unternehmen ist.“

Zusätzlich wird auf die Petition Verbleib der Frauen- und Mädchenabteilung beim VfL Bochum hingewiesen, an der sich bereits jetzt mehr als 6.000 Personen beteiligt haben.

Die Linksfraktion kritisiert mangelndes Fairplay beim VfL. Andrea Klotz, Mitglied der Linken im Bochumer Frauenbeirat, äußert sich zur Thematik wie folgt:

„Es ist bedauerlich, dass ausgerechnet hier zu Lasten des Frauenleistungssports der Rotstift knallhart angesetzt wird. In einer Hauruck-Entscheidung sollen nun die Bochumer Spielerinnen aus dem Verein geworfen werden, ohne dass alternative Lösungsmöglichkeiten auch nur andiskutiert wurden.

In diesem Zusammenhang muss besonders erwähnt werden, dass der VfL im Zuge der Bewerbung zur Frauenfußball-WM 2011 Millionen aus der Stadtkasse erhalten hat und hier in der Pflicht steht, den Bochumer Frauenfußball auch in Zukunft zu unterstützen.

Auch zeugt es von besonderer Respektlosigkeit vor dem Einsatz und der Trainingsleistung der VFL-Frauen, dass die meisten betroffenen Spielerinnen erst über die Medien von dieser Entscheidung erfahren konnten. Dass die Spielerinnen sich nur noch zu sportlichen Belangen äußern sollen, wurde von ihren Familienmitgliedern zurecht als Maulkorb bezeichnet und ist nicht akzeptabel. Auch beim VfL Bochum muss die Meinungsfreiheit gewährleistet sein. […]“

Auch die Linkspartei will das Sponsoring für den VfL Bochum überprüft wissen, wenn die Entscheidung so bleibt, wie es der VfL Bochum vor hat.

Von den anderen im Rat vertretenen Parteien/Gruppierungen (AfD, CDU, Freie Bürger Bochum, NPD, Piraten, Pro NRW und Soziale Liste) gab es keine offiziellen Statements.

Wie es weiter geht?

Am heutigen 20. Oktober 2015 findet die Mitgliederversammlung des VfL Bochum statt2. Dort wird das Thema auch präsent sein und man darf gespannt sein, wie die Diskussionslage dort ist, ob es ggf. Anträge gibt, die sich gegen die Abtrennung aussprechen (und wie darüber entschieden wird). Seitens der FDP/UWG-Fraktion setzt man sich dafür ein, dass über die Entwicklung auch im kommenden Sportausschuss am 24. Oktober berichtet wird (was aber von der Tagesordnung her noch nicht der Fall ist).

  1. formell gehören die Frauenteams zur Nachwuchs-Abteilung []
  2. ab 19:30 Uhr im Audimax der Ruhr-Universität Bochum []

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