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Jens Matheuszik — 20. Oktober 2014, 13:23 Uhr

VfL Bochum Mitgliederversammlung: Antragsteller retten Frauenfußball? Bedrohliche Finanzsituation; eine Zusammenfassung #VfLmv


Mitgliederversammlung des VfL Bochum: Gerd Kirchhoff erläutert den gemeinsamen Antrag mit Dieter Bongert zur Rettung des Frauenfußballs beim VfL Bochum

Mitgliederversammlung des VfL Bochum: Gerd Kirchhoff erläutert den gemeinsamen Antrag mit Dieter Bongert zur Rettung des Frauenfußballs beim VfL Bochum

Gestern fand die Mitgliederversammlung des VfL Bochum statt und nachdem bekannt wurde, dass Vorstand und Aufsichtsrat sich entschieden haben zum Ende der Saison den Frauenfußball-Betrieb einzustellen, hatte diese Mitgliederversammlung auch ein erstes brisantes Thema – aber nur ein erstes, wie sich während der Versammlung herausstellte.

Im Vorfeld gab es viel Kritik an der Entscheidung des VfL Bochum – auch und gerade aus der Politik (siehe auch: VfL Bochum 1848: Unverständnis in der Bochumer Politik über Schließung der Frauenfußball-Abteilung).

Unter diesen Voraussetzungen (und durch einen Spalier der Mädchen und Frauen vom VfL Bochum) kamen die Mitglieder des VfL Bochum im Audimax der Ruhr-Universität Bochum (RUB) gestern zusammen. Von der Mitgliederversammlung berichtete das Pottblog live via Twitter – eine Zusammenstellung dazu gibt es am Ende des Beitrages.

Zuerst ging es aber um die normalen Formalitäten, wobei Aufsichtsratschef Hans-Peter Villis da schon Dampf aus dem Kessel nahm:

Revidierung des bisherigen Beschluss:

Denn Hans-Peter Villis erklärte schon bevor im Rahmen der regulären Tagesordnung darüber diskutiert werden sollte, dass Vorstand und Aufsichtsrat die nicht leicht getroffene Entscheidung revidieren wollen. Schon im Vorfeld der Mitgliederversammlung waren entsprechende Informationen ansatzweise durchgesickert, doch die Erleichterung war groß, als Villis das verkündete, was mit viel Applaus bedacht wurde.

Der (nur) am frühen Abend gültige neue Plan sah vor, dass die Frauen des VfL Bochum eine Saison länger Zeit gewinnen würden. Innerhalb dieser Zeit müsse man jedoch mit der Politik und Wirtschaft eine tragfähige finanzielle Basis erarbeiten, damit der Frauenfußball auf eigenen Füßen mit einem eigenen Budget stehen könne.
Über weitere Details sollte später informiert werden.

Finanzielle Situation des VfL Bochum:

Insbesondere der neue Finanzvorstand Wilken Engelbracht schilderte die finanzielle Lage des VfL Bochum mehr als deutlich. Da sei alles auf Kante genäht, neue Kredite würde man nicht bekommen und es sei ja schön, dass auf den Videoleinwänden zuletzt immer wieder Zuschauerzahlen von rund 25.000 gezeigt werden – aber solange der Anteil der „Kaufkarten“1 weiterhin so gering sei, würde das nicht helfen.

Engelbracht schilderte, dass es ihnen nicht leicht gefallen sei, den Beschluss über die Beendigung des Spielbetriebs im Frauenfußball zu treffen, aber die Summe von 150.000 Euro sei halt auch die Summe, die man beispielsweise für einen neuen Mitspieler der Profis, für drei Mitarbeiter der Geschäftsstelle oder aber für die notwendige Ertüchtigung der Trainingsplätze für den Nachwuchs brauchen würde. 150.000 Euro seien für den VfL Bochum eben kein Pappenstiel.

Vorstand und Aufsichtsrat wollen Frauenfußball doppelt so lange Übergangszeit:

Zum neuen Beschluss in Sachen Frauenfußball, den Aufsichtsratschef Villis ja schon andeutete, führte Engelbracht weiter aus, was man vorhabe.

Demnach würde man eine weitere 2. Saison extra finanzieren. Aber in zwei Jahren muss dann ein eigenständiges Budget da sein, das wird beispielweise über städtische Partner zu realisieren sein. Als Verein könne der VfL Bochum das nicht dauerhaft finanzieren, aber man gebe sich da jetzt zwei Jahre Zeit und er glaubt, dass das klappt.
Dazu wird es bereits bald Gespräche geben, so wird beispielsweise Engelbracht auch bei der konstitutierenden Sitzung des Sportausschusses der Stadt vor Ort dabei sein.

Mitgliederversammlung des VfL Bochum: eine Abstimmung im Audimax (nicht die zum Frauenfußball!)

Mitgliederversammlung des VfL Bochum: eine Abstimmung im Audimax (nicht die zum Frauenfußball!)

Weiter wurden „übliche“ Formalitäten abgehandelt – so beispielsweise Ehrungen und die Nachwahl für den Aufsichtsrat, sowie die Entlastungen für Aufsichtsrat und Vorstand (die diesmal quasi einstimmig – bei einer Enthaltung – ausgingen).

Frauenkoordinator Willi Wernick:

Mitgliederversammlung des VfL Bochum: Frauenkoordinator Willi Wernick zur Bedeutung des Frauenfußballs beim VfL Bochum

Mitgliederversammlung des VfL Bochum: Frauenkoordinator Willi Wernick zur Bedeutung des Frauenfußballs beim VfL Bochum

Der Koordinator des Frauenfußballs beim VfL Bochum, Willi Wernick, erklärte noch einmal sehr ausführlich, wie es zum Frauenfußball beim VfL Bochum gekommen sei, wie wichtig der Frauenfußball auch für die Frauen-Fußball WM 2011 gewesen sei, durch die der VfL Bochum eine Ertüchtigung des Stadions erhalten habe. Er ging auch noch einmal auf das eher unwürdige Kommunikationsverhalten bzgl. der Schließung ein und das obwohl der VfL Bochum ein Leitbild besitze, welches kein kein Leitbild des Geldes, sondern der Menschlichkeit sei.

Noch vor 16 Monaten sei man vom Vorstand des VfL Bochum geehrt worden und die Feier vor der Ostkurve sei mit das größte gewesen, was er je erlebt hätte – und jetzt das.

Vier Anträge und ein Vorschlag vom Vorstand/Aufsichtsrat:

Insgesamt wurden vier Anträge fristgemäß eingereicht, die das Thema Frauenfußball hatten. Der Vorstand und der Aufsichtsrat hatten ja ihren Kompromiss (doppelt so lange Zeit, bis der Fraußenfußball auf eigenen Füßen stehen muss) bereits vorgestellt.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Villis wollte daraufhin von den vier Antragstellern wissen, ob sie ihre Anträge aufrecht erhalten würden. Im Zuge dessen richtete sich Gerd Kirchhoff an die Mitgliederversammlung. Kirchhoff war in der Vergangenheit in vielen Ämtern2 dem VfL Bochum und dem Frauenfußball verbunden.

Er erklärte, dass er seinen Antrag, den er gemeinsam mit dem ehemaligen Aufsichtsratskollegen Dieter Bongert gestellt habe, weiterhin aufrecht. Das Vorgehen des amtierenden Vorstandes und Aufsichtsrates gegenüber den Frauen hält er für „inakzeptabel und nicht hinnehmbar“, was ihm breiten Applaus einbrachte.

Es sei ja notwendig alles zu tun, damit die Herren wieder die 1. Liga erreichen – aber es dürfe nicht sein, dass die sportlich erfolgreichen Frauen und Mädchen aus dem Verein rausgeschmissen werden!

Kirchhoff berichtete, dass bis kurz vor der Mitgliederversammlung noch ein Kompromiss zwischen Vorstand/Aufsichtsrat und den Antragstellern gesucht wurde. Dieser wurde jedoch nicht gefunden. Daher erklärte Kirchhoff, dass er den von ihm formulierten Kompromissvorschlag als Änderungsantrag einreichen würde, damit die Mitgliederversammlung darüber abstimmen könne.

Der Kompromissvorschlag sah so aus:

  1. Umsetzung des Beschlusses (zum Ende des Frauenfußballs) wird ausgesetzt.
  2. Der Vorstand soll ein Konzept erarbeiten, mit dem Ziel den Frauen- und Mädchenfußball mittel- und langfristig zu sichern.
  3. Das Konzept ist mit dem Aufsichtsrat abzustimmen und der Mitgliederversammlung 2015 vorzustellen.

Nachdem Kirchhoff diesen Antrag bzw. in Form des Änderungsantrags vorgestellt hatte, zogen alle anderen Antragsteller (die ihren fristgemäß eingereicht hatten…) ihre Anträge zurück. Somit stand eigentlich nur noch der Kirchhoff/Bongert-Antrag gegenüber den revidierten Plänen des Vorstandes/Aufsichtsrates zur Abstimmung.

In den weiteren Wortbeiträgen ging es teilweise recht emotional zu, so wurde beispielsweise von einem weiblichen Mitglied hinterfragt, ob jetzt jede Entscheidung des Vorstandes, die menschliche Schicksale berühren würde, auch von der Mitgliederversammlung getroffen werden sollen. Oder halt nur die, die eine große Medienresonanz erzeugen.
Ernst-Otto Stüber, Bochums ehemaliger Oberbürgermeister und auch ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender, richtete auch noch das Wort an die Mitgliederversammlung und erklärte, dass es schlecht sei, dass die Anträge, über die zu entscheiden sei, den Mitgliedern nicht vorher vorlagen. Das sei ein Mangel der überarbeiteten Satzung und sollte korrigiert werden.

Man müsste seiner Meinung nach länger diskutieren, damit das ganze sorgfältiger passiert. Es sei ja schon bezeichnend, dass die Bekanntgabe über die geplante Beendigung des Frauenfußballs so kurzfristig erfolgt sei, dass kaum noch die Antragsfrist zur Mitgliederversammlung eingehalten werden konnte.

Die Abstimmung:

Mitgliederversammlung des VfL Bochum:  Abstimmung zum Frauenfußball

Mitgliederversammlung des VfL Bochum: Abstimmung zum Frauenfußball

Die eigentliche Abstimmung war dann so unklar, dass sie gleich zweimal durchgeführt werden musste, damit genauer gezählt werden konnte. Vorher gab jedoch Aufsichtsratsvorsitzender Villis die Versammlungsleitung ab, da ja Vorstand und Aufsichtsrat zu dem Thema bereits einen eigenen Entschluss gefasst hätten und es jetzt mit dem Antrag von Kirchhoff/Bongert in der geänderten Kirchhoff-Fassung um eine Sache geht, wo man ja selber quasi befangen sei (denn der Antrag richtete sich ja gegen diesen Beschluss).

Insgesamt waren 611 Mitglieder bei der Mitgliederversammlung angemeldet (weniger als es beim letzten Spiel der Frauenmannschaft des VfL Bochum Zuschauer gab…), teilweise stimmten diese dann sogar widersprüchlich ab (im 1. Wahlgang und bei der Wiederholung zur besseren Zählung). Das Ergebnis sah dann aber wie folgt aus:

Damit hatte sich um ca. 22:45 Uhr eine Mehrheit im obersten Entscheidungsgremium des Vereins für den oben vorgestellten Kompromissvorschlag auf Basis des Antrags von Gerd Kirchhoff und Dieter Bongert entschieden. Interessant jedoch, dass Aufsichsratsvorsitzender Hans-Peter Villis vor allem mitteilte, dass man das Votum der Mitgliederbasis „zur Kenntnis“ nehmen würde. Das klang jetzt nicht gerade nach Begeisterung. Vielleicht wird auch noch geprüft, inwiefern dieser Beschluss wirksam sein kann und den Vorstand bindet.

Auch wenn danach noch kurz diskutiert wurde, endete die Mitgliederversammlung quasi dann innerhalb kürzester Zeit.

Live-Berichterstattung via Twitter von der MV des VfL Bochum 1848 e.V.

Via Twitter berichtete das Pottblog mit dem Hashtag (Erkennungszeichen) #VfLmv über den Twitter-Account @PottblogLive von der Mitgliederversammlung.

Nachfolgend eine Zusammenfassung (mit ergänzenden Kommentaren und weiterführenden Links) der gestrigen Tweets von der Mitgliederversammlung:

Ursprünglicher Beitrag des Pottblogs (in der Fassung vom 20.10.2014):

+++ EIL +++ Der Beschluss über die Aussetzung des Spielbetriebs der Frauenmannschaften des VfL Bochum wird erstmal ausgesetzt! Entscheidung des Vorstandes und Aufsichtsrates aber aufgehoben.

Damit hat der Verein einen Großteil Druck aus dem Kessel genommen. Der breite gesellschaftliche Druck hat gezeigt, dass Sparen doch nicht immer alternativlos ist. Die breite Phalanx der Unterstützer der Mädels- und Damenteams hat sicherlich auch bei den Verantwortlichen des VfL Bochum für ein Umdenken gesorgt. Weitere Details gibt es im Live-Ticker via @PottblogLive (siehe weiter unten).

22:45 Uhr: Insgesamt gab es vier Anträge zu den Frauenmannschaften. Diese wurden zu einem gemeinsamen Antrag zusammengefasst (auf Basis des Antrags von Gerd Kirchhoff und Dieter Bongert). Dieser Änderungsantrag (statt des Beschlusses von Aufsichtsrat und Vorstand) sah wie folgt aus:

  • Umsetzung des Beschlusses über die Beendigung des Frauenfußballs beim VfL Bochum wird ausgesetzt.
  • Der Vorstand soll ein Konzept erarbeiten, mit dem Ziel den Frauen- und Mädchenfußball mittel- und langfristig zu sichern.
  • Das Konzept ist mit dem Aufsichtsrat abzustimmen und der Mitgliederversammlung 2015 vorzustellen.

Insgesamt waren 611 Mitglieder in der Mitgliederversammlung anwesend, über den Änderungsauftrag wurde wie folgt abgestimmt:

  • JA: 270
  • NEIN: 203
  • Enthaltung: 46

Damit ist der Änderungsantrag angenommen. Die Mitgliederversammlung des VfL Bochum, als oberstes Gremium des Vereines, hat damit den Beschluss von Vorstand und Aufsichtsrat damit aufgehoben.

Ruhr-Universität Bochum (RUB): Audimax und Mensa. Foto von Tuxyso, Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0-Lizenz

Ruhr-Universität Bochum (RUB): Audimax und Mensa. Foto von Tuxyso, Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0-Lizenz

Heute Abend findet ab 19:30 Uhr (Einlass: 18:30 Uhr) im Audimax der Ruhr-Universität Bochum (RUB) die Mitgliederversammlung (MV) des VfL Bochum 1848 e.V. statt.

Auf der Tagesordnung stehen neben den obligatorischen Ehrungen der Bericht des Aufsichtsrates, der Bericht des Vorstandes, die Aussprache zu den vorherigen Berichten, die Entlastung vom Aufsichtsrat und des Vorstandes, die Nachwahl des (bereits kooptierten) Aufsichtsratsmitgliedes Uwe Tigges und verschiedenes. Dazu gehören auch Anträge, von denen es einige gibt.

VfL_Bochum_1848_Logo_eVEs ist davon auszugehen, dass die geplante Schließung der Frauenfußball-Abteilung des VfL Bochum3 auch ein großes Thema bei dieser Mitgliederversammlung sein wird.

Zur Frauen-Fußball-WM 2011 wurde das Ruhrstadion erst mit einem größeren Millionbetrag ertüchtigt und auch die Stadt Bochum hatte da einige Millionen gezahlt – gerade auch wegen der Aktivitäten im Bereich des Frauenfußballs. Der VfL Bochum hatte hier ja erst kurz vorher den Fußballbetrieb (des TuS Harpen) und die Spielberechtigung (von SG Wattenscheid 09) übernommen. Jetzt wenige Jahre später, will man den Bereich des Frauenfußballs nicht weiter aufrecht erhalten – aus Kostengründen…

Insofern wird eine sicherlich spannende Mitgliederversammlung erwartet, von der das Pottblog auch berichten wird.

  1. in Abgrenzung zu Freikarten (Verlosungen, Erstsemester usw.) bzw. vergünstigten Ticket-Aktionen wie von Netto []
  2. Sportdezernent der Stadt Bochum, Stadtdirektor, Mitglied im Aufsichtsrat und auch kurz im Vorstand des VfL Bochum []
  3. die nominell zur Nachwuchsabteilung gehört []

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