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Jens Matheuszik — 11. Dezember 2013, 06:42 Uhr

Ruhr Nachrichten im Internet: Relaunch, Paywall und Preiserhöhung u.a. der eZeitung um 34,4 Prozent!


Ruhr NachrichtenDas Medienhaus Lensing aus Dortmund hat gestern Abend den Knopf gedrückt, damit der Internet-Auftritt der Ruhr Nachrichten in überarbeiteter Form für die Besucher zugänglich ist. Im Rahmen des Relaunches wurde das Layout etwas „luftiger“, es gibt neue inhaltliche wie technische Features – und en passant werden auch mal eben die digitalen Ruhr Nachrichten deutlich teurer:

Dem überarbeiteten Internet-Auftritt widmet der RN-Chefredakteur Wolfram Kiwit den aktuellen Leitartikel Neuer Netz-Auftritt: Übersichtlicher, persönlicher, nützlicher. Im Layout ist da hinter dem „nützlicher“ übrigens noch tatsächlich Platz für ein zusätzliches Wort ((das „teurer“ habe ich hinzugefügt)):

rn-relaunch-dezember-2013

Denn was Wolfram Kiwit und die Ruhr Nachrichten (RN) zu mindestens in den Schlagworten unterschlagen: Die digitalen Angebote der Ruhr Nachrichten werden kostenpflichtig bzw. teurer. So wird das „metered model“ einer Zahlschranke (Paywall) bei den Ruhr Nachrichten eingeführt. Darunter versteht man, dass man als nicht-zahlender Kunde nur eine gewisse Anzahl von Artikeln pro Monat kostenlos lesen kann.

Im oben verlinkten Artikel wird die Bezahlschranke unter dem Stichwort „Nützlicher“ beschrieben – und zwar wie folgt:

Nützlicher: Ob Sie Ihre Zeitung in Ruhe morgens beim Frühstück lesen oder aktuelle Informationen auf dem Weg zur Arbeit abrufen – ab sofort können Sie maßgeschneiderte Pakete abonnieren, die Ihnen die Nutzung unserer Inhalte und Services noch bequemer machen. Papier oder iPad, Desktop-Computer oder Smartphone – eines unserer Angebote ist das richtige für Sie. Als Abonnent eines unserer Internet-Pakete ((der Link auf die entsprechende Seite ging bei mir gestern Abend mobil übrigens nicht und führte immer wieder zum Ursprungsartikel)) haben Sie unlimitierten Zugriff auf alle Artikel, Fotostrecken, Liveticker und Videos. Abonnenten unserer Zeitung oder der eZeitung profitieren dabei von besonders günstigen Einführungsangeboten. Für alle anderen Besucher unserer Seiten ist der Abruf von Inhalten ab sofort auf 15 Artikel, Fotostrecken oder Videos pro Monat begrenzt.

Natürlich ist es irgendwie „nützlicher“, wenn der bisherige kostenfreie Zugang für alle Internet-Benutzer wegfällt. Das ist aber nicht nützlich für die Besucher, das ist nützlicher für den Verlag. Insofern finde ich es schon famos, wie man den objektiven Nachteil für die Besucher mit einem positiven Wort wie nützlich versucht zu verkaufen.

„Internet-Pakete“ der Ruhr Nachrichten im Detail:

Insgesamt drei Pakete für’s Internet schnürt der Verlag und die sehen wie folgt aus:

ruhrnachrichten-paywall-preismodell

Internet-Paket

Das „Standard-Internet-Paket“ (so nenne ich es mal, offiziell heißt es Internet-Paket, was sich ein wenig mit der Vorstellung der „Internet-Pakete“ im Leitartikel beißt…) sorgt dafür, dass man alle Inhalte von RuhrNachrichten.de lesen kann und man bekommt einen Newsletter per E-Mail. Wer kein „Print-Vollabonnement“ besitzt, zahlt dafür monatlich 9,90 Euro. Also von 0,- Euro (wie bisher) auf 9,90 Euro. Prozentual lässt sich die Steigerung ja gar nicht ausrechnen. ;)

Hat man ein „Print-Vollabonnement“ zahlt man an und für sich 2,90 Euro pro Monat, kann jedoch den Einführungsrabatt (bis zum 31.12.2014 – ja, 2014 steht da wirklich!) nutzen und zahlt dann nur 0,- Euro im Monat. Sprich: Die Print-Abonnenten eh die Bezieher eines „Print-Vollabonnement“ zahlen indirekt wie bisher auch durch ihr Abo die Internet-Seite, müssen aber erst ab 2015 auch dann noch was zusätzlich dafür zahlen.

Kleiner Exkurs zum „Print-Vollabonnement“: Es wird sicherlich einen Grund haben, warum die RN hier immer vom „Print-Vollabonnement“ reden. Ich vermute sehr stark, dass die Bezieher von preisreduzierten Abonnements eben nicht ein „Print-Vollabonnement“ haben und somit vermutlich nicht die günstigeren Preise bekommen können.

A propos Preise und Vollabonnement: Man könnte sich natürlich auch anhand der einzelnen Ausgaben der Ruhr Nachrichten mal darüber unterhalten, was denn ein „Vollabonnement“ ist:
Etwa das Abonnement am Stammsitz in Dortmund, wo man für die Botenzustellung pro Monat 27,70 Euro zahlt und einen recht prall gefüllten Lokalteil bekommt?
Oder ist es vielleicht die Ausgabe für Selm, Olfen und Nordkirchen, wo man mehr zahlt (29,50 Euro) und dafür weniger lokale Inhalte bekommt?
Oder gar die Bochumer Ausgabe, die mit 29,90 Euro für die Botenzustellung die teuerste Ausgabe der Ruhr Nachrichten überhaupt ist, aber – vor allem verglichen mit der Dortmunder Ausgabe – eher wenig Inhalte bietet. Selbst die wöchentliche Lidl-Anzeige findet man in dieser Ausgabe nicht (und stattdessen Eigenwerbung für den Verlag).

eZeitung

Anfang 2011 war die Ruhr Nachrichten mit der eZeitung einer der Vorreiter in Sachen elektronische Regional- bzw. Lokalzeitung mit eigener App. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und einem Wechsel des technischen Dienstleisters wurde die App der eZeitung sogar richtig nutzbar.

Die eZeitung konnte man mit allen Lokalteilen der Ruhr Nachrichten für 15,90 Euro im Monat abonnieren, wer schon ein Abonnent hatte, der zahlte nur 2,90 Euro extra im Monat.

Das wird jetzt anders, denn für die nicht-Abonnenten steigt der Preis der eZeitung von 15,90 Euro auf 19,90 Euro (das ist eine Preiserhöhung um ca. 25,1 Prozent!), während der Preis für Print-Abonnenten von 2,90 Euro auf 3,90 Euro (+ 34,4 Prozent mehr!) steigt. Inwiefern es sinnvoll ist, gerade den treuen Stammkunden eine deutlich höhere Preiserhöhung anzudienen – das kann ich persönlich nicht beurteilen.

Insgesamt gesehen kann man sich jedoch auch fragen, ob es tatsächlich sinnvoll ist, wenn Print-Abonnenten, die teilweise jahrelang für ihre Print-Ausgabe Geld bezahlt haben und deren Gelder auch in die Entwicklung der digitalen Angebote wie der Website und der eZeitung gegangen sind noch einmal extra zahlen lässt. Da gibt es inzwischen auch Verlage in Deutschland die den deutlich kundenfreundlicheren Weg gehen und den Print-Abonnenten die entsprechenden elektronischen Ausgaben ohne zusätzliche Kosten zur Verfügung stellen.

rn-exklusiv-bochum-nichtsNeben der eigentlichen eZeitung gibt es auch noch RN-Exklusiv, hierbei handelt es sich um eine App mit digitalen Gutscheinen, die man beispielsweise vor Ort in einem Laden eintauschen kann (wie z.B. den „60 € Rabatt auf Messerblock“ beim Service Center der RN).

Inwiefern man von RN-Exklusiv wirklich profitieren kann ist relativ. Wohnt man beispielsweise in dem eingekreisten Gebiet (siehe den Screenshot der Karte aus der App RN-Exklusiv), dann wohnt man zwar im teuersten Ruhr Nachrichten-Gebiet – eben in Bochum – hat aber vor Ort keinen einzigen Händler, der irgendwas via RN-Exklusiv günstiger abgibt. Das hat wohl was damit zu tun, dass die RN-Card (die wohl die Basis für RN-Exklusiv ist) schon vor einigen Jahren quasi für Bochum wohl aufgegeben wurde.

(Unser Tipp!) Komplett-Paket

Die Mischung aus beiden Paketen ist dann – aus Sicht der RN – „Unser Tipp!“ und besteht dann aus beiden Paketen. Die nicht-Vollabo-Bezieher zahlen dafür erstmal (bis 31.12.2014) 19,90 Euro im Monat (danach sollen sie dann 29,80 Euro zahlen), während die Vollabonnenten dafür erstmal 3,90 Euro (statt 6,80 Euro) zahlen können.

Natürlich ist das Komplett-Paket insgesamt gesehen preislich am attraktivsten. Die Preiserhöhungen (von 0 auf irgendwas für die Web-Ausgabe bzw. bei der eZeitung um 25 oder gar 34 Prozent) sind da aber natürlich auch eingepreist.

1. Fazit zur Preiserhöhung der Ruhr Nachrichten

Welch Chuzpe ohne gleichen:

Da wird mal eben locker von 0 auf 9,90 Euro erhöht, da werden mal eben (die zugegebenermaßen) moderaten 2,90 Euro extra für die eZeitung als Bezieher eines Print-Abonnements um mehr als ein Drittel verteuert (während unverständlicherweise die nicht-Abonnenten bei der Preiserhöhung relativ gesehen günstiger wegkommen) – und der Chefredakteur verkauft das für die Leser in einem Artikel als „nützlich“.

Chapeau – das würde sich glaube ich nicht jeder trauen. Es ist natürlich klar, dass Journalismus finanziert werden muss – aber muss man da gerade die treuen Kunden mehr schröpfen? Oder läuft das nach dem Motto „Die zahlen ja eh, die können auch gerne noch mehr zahlen!“?

Ob diese Paywall, bei der man gratis nur 15 Sachen im Monat sich anschauen kann, lohnen wird, das wird sich zeigen. Die Zugriffszahlen der Ruhr Nachrichten dürften dadurch eher sinken als steigen – und das wo sich die Vertreter der RN in den vergangenen Monaten immer wieder über die IVW-Zahlen gefreut haben. Die Freude werden sie wohl nicht mehr haben. Der Boom von umfallenden Blumentöpfen und Giraffen, die Nutzung von innovativen Diensten, die den Ruhr Nachrichten zu recht ein positives Image eingebracht haben – das wird wohl auch in dieser Form nicht mehr existieren.
So die Ruhr Nachrichten (RN) sich auch um das Schicksal ihrer potentiellen Leserinnen und Leser vor Ort kümmern, wird die Paywall wahrscheinlich auch gefühlte 250 Tage im Jahr ausgeschaltet bleiben müssen – schließlich haben in der Vergangenheit viele Medien mit Paywall diese Schutzmauer eingerissen, wenn es irgendwelche Katastrophen vor Ort gab. Bei der nahezu täglichen #DObombe wäre eine analoge Anwendung begrüßenswert, würde aber das neue Modell ad absurdum führen.

Das ganze Modell bietet aber natürlich auch noch weitere Chancen für andere Anbieter: Ob nun die Ruhrbarone Dortmund, den Nordstadtblogger oder andere Angebote aus und in Dortmund – die werden sicherlich von einer Paywall des Platzhirschen profitieren.

Restlicher Relaunch: Neues Layout, neue Funktionen

Eigentlich hätte ich viel lieber darüber was geschrieben, dass es jetzt u.a. ein neues luftigeres Layout gibt – aber das mit der Paywall und den Preiserhöhungen war leider wichtiger.

Außerdem gibt es auch neue Funktionen (Stichwort: Themen-Timeline), denn die nur sporadisch freigeschalteten Kommentarfunktionen der RN sind jetzt für die meisten Artikel freigeschaltet (Trackbacks zur besten Sicherung des „Linkfriedens“ gibt es leider immer noch nicht!) und man möchte in Zukunft noch service-orientierter werden. Auch persönlicher soll es werden, wenn man jetzt neben den Artikeln Infos zum jeweiligen Autoren erfährt:

wolfram-kiwit-ruhr-nachrichtenInwiefern solche Autorenboxen neben einem Artikel jedoch einen Mehrwert bringen, da kann man sich auch drüber streiten (aber immerhin noch besser als beispielsweise nur „Harald Büse, dpa“ – was es auch (ohne Foto) neben einem aktuellen RN-Artikel gibt). Auf den Autorenseiten kann man dann doch noch etwas mehr finden (vergleiche hier Wolfram Kiwit mit Mathias Dersch). Doch auch hier stellt sich die Frage beispielsweise warum man Facebook und Twitter nur in Textform (und dann noch nicht einmal als komplette URL) erwähnt, statt da einfach die Links hinzupacken, die man anklicken kann. Und eigentlich gehören solche Links auch direkt in die Autorenbox neben den Artikel.

Man darf gespannt sein, was da noch an weiteren Funktionen hinzukommen wird – angekündigt ist, dass der Relaunch nicht abgeschlossen sei und immer wieder was neues dazukommen wird (was aber auch irgendwie an sich selbstverständlich ist).

Schade nur, dass das eigentlich schön anzusehende Ruhr Nachrichten-Layout dann demnächst wohl deutlich weniger Leser sehen werden – denn es ist nicht davon auszugehen, dass die RN ihre bisherigen Zugriffszahlen beibehalten werden. Ob sich die Paywall lohnen wird, das wird sich zeigen – während aber anderswo überlegt wird, Paywalls wieder einzureißen, geht es in Deutschland erst mal einen anderen Weg. A propos:


17 Kommentare »

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