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Jens Matheuszik — 19. Juli 2013, 19:34 Uhr

Warum Marc Jan Eumann nicht als Staatssekretär zurücktreten muss (und es vielleicht auch gar keinen titelnehmenden Anlass gibt!) …


Marc Jan Eumann (SPD) ist Staatssekretär bei Angelica Schwall-Düren, der Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien, in Nordrhein-Westfalen und Vorsitzender der SPD-Medienkommission. Seit einigen Monaten gärt da eine gewisse Angelegenheit herum – er soll ggf. seinen Doktor-Titel verlieren, da er des Plagiats verdächtig wird. Im Gegensatz zu anderen Verfahren dieser Art ist das jedoch eine Besonderheit – denn er soll bei sich selbst abgeschrieben haben.

Seit heute gibt es dahingehend eine neue Entwicklung, denn wie man unter anderem bei RP-Online recht aktuell nachlesen kann, soll Staatssekretär Eumann seinen Doktortitel verlieren. So titelt man es jedenfalls. Die Pressemitteilung der Technischen Universität Dortmund schreibt dazu recht nüchtern:

„In Würdigung des Kommissionsberichts und des externen Rechtsgutachtens stellt das Rektorat erhebliches wissenschaftliches Fehlverhalten des Herrn Dr. Eumann fest und beschließt daher, die Angelegenheit dem Fakultätsrat der Fakultät 15 zur Einleitung eines Verfahrens zur Aberkennung des Doktorgrads gem. § 19 der ‚Promotionsordnung der Universität Dortmund der Fakultät Kulturwissenschaften vom 06.12.2001‘ zuständigkeitshalber zuzuleiten.“

Dass die Einleitung eines Verfahrens nicht auch automatisch den Vollzug und damit den Entzug (des Doktortitels) bedeutet wird natürlich bei den Nachrichtenartikeln dazu nicht ganz klar.

Ob Marc Jan Eumann (SPD) in die Reihe der Politiker, die ihren Doktortitel verloren haben, gehört (da seien bspw. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) oder zuletzt Bildungsministerin (!) Annette Schavan (CDU) zu nennen), das halte ich noch für offen. Das sehen auch andere so, wie beispielsweise Professor Ulrich Pätzold:
Dieses Mal verrennt sich die Meute – Marc Jan Eumann gehört nicht in die Schusslinie – Jagdfieber beschädigt guten Journalismus (ein Beitrag, den er schon im Januar 2013 schrieb).

Dessen Argumentation, dass man sich selber eigentlich nicht beklauen kann halte ich nämlich gar nicht für so unwahrscheinlich. Aber das genauere wird von anderen Leuten in den zuständigen Gremien geklärt werden.

Merkwürdig Interessant finde ich jedoch, dass die CDU NRW da versucht Kapital herauszuschlagen. So heißt es im RP-Bericht:

Die CDU deutete bereits Rücktrittsforderungen an:
„Klar ist: Wenn Herr Eumann seinen Doktortitel nicht rechtmäßig erworben hat, kann er nicht länger Staatssekretär bleiben“, betonte der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, Lutz Lienenkämper, am Abend.

So klar finde ich das nicht. Es gibt schließlich einen fundamentalen Unterschied zwischen Marc Jan Eumann auf der einen Seite und anderen Politikern wie Annette Schavan und Karl-Theodor zu Guttenberg auf der anderen Seite: Eumann hat sein Amt nicht als Doktor erhalten. Er wurde auch nicht Landtagsabgeordneter als Doktor. Es ist schon was anderes, ob man als adliger Doktor oder Doktorin der Philosophie in den Wahlkampf zieht und dann in ein Kabinett einzieht – oder ob man seine Doktorwürden erst danach erhält.
Hier kann man dann kaum davon sprechen, dass irgendwelche Wählerinnen und Wähler oder aber die Regierungschefin bezüglich der Qualifikation getäuscht worden sind.

Oder um Angela Merkel zu zitieren:

Sie habe Guttenberg schließlich als Minister bestellt „und nicht als wissenschaftlichen Assistenten“.
Quelle: faz.net

Theoretisch könnte Hannelore Kraft das selbe sagen – nur wäre es in diesem Fall sogar richtig, denn als Hannelore Kraft sich entschied den damaligen Landtagsabgeordneten Marc Jan Eumann als Staatssekretär in die Landesregierung zu berufen, da war er kein Doktor.

PS: Mir ist natürlich auch klar, dass man das dennoch anders beurteilen kann. Nur eines ist mir wichtig: So klar, wie Lutz Lienenkämper von der CDU-Landtagsfraktion es sieht, so klar ist es definitiv nicht! Auch wenn die Ruhrbarone es anders sehen – was mich jedoch nicht wundert.

PPS: Man kann mir persönlich natürlich jetzt vorwerfen, dass das ein Beitrag ist, um einen Parteifreund argumentativ zu unterstützen. Wer jedoch Marc Jan Eumann und mich kennt – der weiß zwar, dass wir in der selben Partei sind aber in inhaltlichen Fragen dann doch eher unterschiedliche Meinungen vertreten (als Stichworte nenne ich da mal den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) oder aber das Leistungsschutzrecht (LSR)).


10 Kommentare »

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