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Jens Matheuszik — 29. April 2013, 05:23 Uhr

Deutsche Telekom: Wird bald nicht nur Neukunden, sondern auch 11 Millionen Altkunden das Breitband-Internet gedrosselt? #Drosselkom


Logo Deutsche Telekom (auf dem Dach), Foto: Deutsche Telekom

Die Kurzfassung (tl;dr):

Telekom-Drosselung des Breitband-Internets gilt ggf. auch für Altkunden wg. “Vertrags-Tricks” bei IP-Umstellung #Drosselkom

Inzwischen diskutiert die halbe Republik über die Pläne der Deutschen Telekom AG ((von der auch das obige Bild stammt)) eine Datendrosselung in die Flatrate-Internet-Tarife zu schreiben. Neuverträge, die ab Mai 2013 abgeschlossen werden, werden dann Klauseln enthalten, wonach die Telekom das Recht hat technisch gesehen den Zugang auf minimalste Geschwindigkeiten (quasi „Bauern-DSL“ mit 384 kbit/s für alle) reduzieren kann ((bei Zugängen via VDSL (ohne gleichzeitig gebuchtes Entertain) oder Glasfaser gab es das schon bisher)), wenn bestimmte Volumina im Monat überschritten wurden. Die Telekom möchte das ganze jedoch erst ungefähr ab 2016 umsetzen – aber schon jetzt in die Verträge hineinschreiben lassen.

Inzwischen ist selbst die Bundesregierung auf das Thema, welches heute auch in den Nachrichtenmagazinen (DER SPIEGEL: „Klassisches Eigentor“, FOCUS: „Deutschland geht T-Offline“) groß thematisiert wird, aufmerksam geworden und mahnt Schritte dazu an.

So hat sich beispielsweise auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (siehe DerWesten) sich kritisch geäußert und sieht die Pläne der Telekom kritisch und sieht auch die Netzneutralität gefährdet.

Netzneutralität betroffen?

Der Dienst Entertain, mit dem man über IPTV der Deutschen Telekom Fernsehen gucken kann, taugt jedoch nicht unbedingt als Kronzeuge für die Netzneutralität (siehe auch die technischen Ausführungen auf sw4.de). Bei weiteren Diensten der Telekom ist eine Bevorzugung auch nicht zu erwarten, denn in der Antwort von Telekom-Chef René Obermann an Minister Philipp Rösler (siehe dazu auch Caschys Blog und RP-Online) heißt es dazu:

Die Internet-Dienste der Telekom, wie Videoload.de, Telekom-Cloud und andere, werden ebenso in das individuell verfügbare Volumen eingerechnet wie die Dienste von Wettbewerbern […]

Das bedeutet natürlich dann ganz konkret, dass es sein könnte, dass man als Entertain-Kunde über Entertain zwar kein Problem hat die Fernsehsender zu schauen, aber die beworbenen pay per view-Dienste von Videoload, wo man pro Film eine gewisse Summe zahlen soll, dann nicht mehr richtig angezeigt werden können.

Nur Neukunden betroffen? Wirklich?!

Im Antwort-Brief an Philipp Rösler gibt es eine andere Passage, die ich viel interessanter finde (die Hervorhebung stammt von mir):

Es geht aktuell in 2013 übrigens nur um eine Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen neuer Verträge. Die technische Begrenzung bzw. die Aufpreisangebote wollen wir, wie schon erwähnt, nicht vor 2016 umsetzen. Aufgrund gesetzlicher Regelungen gibt es lange Vorlaufzeiten zur Änderung von Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Niemand hat also aktuell derzeit was anderes vor, als die AGB von neuen Verträgen zu ändern.

Wie wichtig solche sprachlichen Nuancen sind, sieht man beispielsweise am Blogbeitrag Neue Spielregeln für DSL?:

Dieser am 22. März 2013 geschriebene Artikel behandelte die damals bekannt gewordenen Gerüchte über eine Volumengrenze der Breitband-Tarife der Telekom im Festnetz. Also genau das, was gerade Thema ist!
„Damals“ gab es entsprechende Gerüchte und anstatt klarer Dementis durch die Telekom gab es diesen Beitrag. Ein Beitrag, der den Gerüchten nicht ein klares „Nein, das machen wir nicht!“ entgegensetzte, sondern eine solche Maßnahme sogar begründete – um im selben Atemzug aber zu erklären, dass man es derzeit nicht vorhabe.

Am Ende des (inzwischen aktualisierten) Beitrages hieß es ursprünglich (die Hervorhebung stammt wieder von mir):

Um es noch einmal klarzustellen: Bisher gibt es keine neuen Tarife.

Diese Aussage hat gerade mal einen Monat gehalten – denn dann wurde bekannt, dass die Telekom die Tarifstruktur für das Festnetz ändern wird.

Aus Altkunden werden drosselbare Neukunden?

Den offiziellen Ankündigungen zufolge betrifft das alles nur Neukunden. Wer also jetzt noch einen Festnetz-Vertrag mit Breitband-Internet via DSL ((wie beschrieben: für VDSL- oder Glasfaser-Anschlüsse sind die AGB bereits entsprechend formuliert – wobei die dort fixierte Bremse bei 6.016 kbit/s und nicht bei 384 kbit/s liegt)) abschließt, hätte noch Glück. Insofern: Da sollte man sich beeilen.

Wer jetzt dann einen solchen Vertrag abschließt, der bekommt einen Vertrag basierend auf IP-Technologie. Also keinen klassischen Analog- oder ISDN-Anschluss ((ISDN heißt seit einiger Zeit bei der Telekom „Universalanschluss“)) – das wurde vor einiger Zeit bei der Telekom geändert. Wenn man in einem solchen Vertrag via DSL auch das Internet gebucht hat, der hat keine Drosselung in seinen AGB. Bisher nutzen laut Auskunft der Deutschen Telekom bereits eine Million der derzeit rund 12 Millionen Breitbandkunden die IP-Technologie.

Deutsche Telekom stellt auf IP-Anschlüsse um

Wie man der Meldung Telekom beginnt mit Umstellung herkömmlicher Telefonanschlüsse auf VoIP entnehmen kann, stellt die Telekom die bisherigen Analoganschlüsse auf IP-Technologie um. In einem teltarif.de-Beitrag heißt es explizit:

Die Telekom plant, alle Bestandskunden innerhalb der nächsten drei Jahre – also bis 2016 – auf IP-basierte Anschlüsse umzustellen.

Der Wechsel der Basistechnologie bedingt dabei jedoch anscheinend einen neuen Vertrag – und diese unterliegen dann den zu dem Zeitpunkt gültigen AGB. Wer also jetzt noch einen Analoganschluss hat, der könnte dann Pech haben, da er dann quasi „Neukunde“ (ab Mai 2013) ist.
Nicht umsonst nennt man das ganze in der CHIP dann schlicht und ergreifend einen Vertrags-Trick, um die DSL-Drossel auch für Bestandskunden zu ermöglichen.

Anfrage bei der Telekom dazu

Bevor man dazu was veröffentlicht, wollte ich die Position der Deutschen Telekom dazu erfragen. Ich habe mich daher an die Deutsche Telekom gewandt und gefragt, ob es so sei, dass die 11 Millionen Breitbandkunden der Telekom, die noch nicht auf IP-Technologie umgestellt worden sind, von der Drosselung betroffen seien, da diese im Rahmen der Umstellung neue Verträge mit den neuen AGB erhalten würden.

Explizit lautete meine Anfrage wie folgt:

Das heißt im Endeffekt sind 11 Mio Breitbandkunden demnächst von der möglichen Drosselung betroffen, da die nicht IP-Kunden nach Telekom-Auskünften bis 2016 alle umgestellt werden. Diese bekommen nach meinen Informationen neue Verträge – die dann mit den neuen Regelungen ausgestattet wären. Oder irre ich mich da?

Als Antwort erhielt ich folgende Aussage:

[…] von der Volumenbegrenzung ist bis 2016 faktisch niemand betroffen, weil wir sie bis dahin nicht technisch umsetzen werden. Und selbst wenn sie umgesetzt ist, werden die allermeisten Kunden davon nichts merken, weil die Inklusivvolumina ausreichen. Wenn das Volumen nicht reichen sollte, können die Kunden problemlos Highspeedvolumen nachbuchen – wie im Mobilfunk auch.

Das klingt jetzt nicht nach einem Dementi – daraus schließe ich: Bis 2016 werden 11 Millionen Breitbandkunden der Deutschen Telekom die neuen AGB haben – und könnten daher gedrosselt werden!

In einer weiteren Anfrage hatte ich das ganze noch einmal explizit erfragt, aber auf die Frage, ob alle „nicht-IP-Nutzer“ betroffen seien, auf die man eigentlich nur noch mit „Ja“ oder „Nein“ hätte antworten können, kam keine Antwort mehr…

Was kann man machen, um der Datendrosselung zu entgehen?

Wenn man als Nutzer eines normalen Analoganschlusses eh bis 2016 auf IP-Technologie umgestellt wird, könnte man sich überlegen, ob man nicht vorher schon auf die IP-Technologie umstellt. Vorher heißt bevor die Datendrosselung in die AGB einfliesst. Das ist für den 2. Mai 2013 geplant. Insofern: Da hat man nicht mehr viel Zeit.

Nach Auskunft der Telekom gegenüber dem Pottblog ist das relevante Datum dahingehend der Vertragsabschluss – und nicht der technische Zeitpunkt der Schaltung des neuen Anschlusses. Insofern hätte man noch wenige Tage Zeit.

Es gibt zwar eine Petition gegen die Drosselung bei der Deutschen Telekom, aber ob sich die Telekom davon beeindrucken lässt, kann man derzeit nicht absehen (auch wenn die Unterstützerzahl beeindruckend ist!).

Insofern halte ich persönlich ein „Umgehen“ der Datendrosselung im Rahmen der Telekom-Tarife für sinnvoller – denn das dürfte kurzfristig gesehen erfolgreicher sein. Nicht umsonst gibt es anscheinend schon entsprechende inoffizielle ((ich vermute nicht, dass diese von der Zentrale so genehmigt wurde)) Werbung, wie man dem nachfolgenden Tweet mitsamt dem dazugehörigen Bild entnehmen kann:

Tipp: Man muss nicht vor Ort in einem T-Shop das ganze durchführen oder per Telefon via Hotline – man kann sich auch über das Kunden-Center der Telekom einloggen und einen Tarifwechsel beauftragen.


26 Kommentare »

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