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Jens Matheuszik — 2. April 2013, 13:35 Uhr

DerWesten sucht „die nervigsten Schlaglöcher“ eh Leserreporter // „Kahlschlag“ beim WAZ-Fotopool?


WAZ-Artikel (02.04.2013): In der heutigen Ausgabe der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) gibt es den Artikel „Schicken Sie uns Ihre Bilder!“ (siehe Abbildung).

Online findet sich das ganze unter Zeigen Sie uns mit Scoopshot die nervigsten Schlaglöcher (interessanterweise ohne die Möglichkeit den Artikel zu kommentieren – das hat man sonst eher bei so Themen wie Islam, Moscheebau, Rechtsradikalismus).

Laut dem Artikel der WAZ-Mediengruppe möchte man „das Leben der Menschen in der Region abbilden“. Als Thema zum Start dieser neuen Aktion werden „die nervigsten Schlaglöcher in der Region“ gesucht.

Die Abbildung der „Lebenswirklichkeit in der Region“ bedeutet konkret, dass „die Zeitungen und Online-Portale der WAZ Mediengruppe ab sofort regelmäßig die Bilder ihrer Leser veröffentlichen“ – und sowohl Hobby- als auch Profi-Fotografen können damit Geld verdienen.

Wem das ganze bekannt vor kommt – ja, das erinnert doch ein wenig an die so genannten Leserreporter, die vor allem durch die BILD-Zeitung bekannt geworden sind. Dahingehend übrigens auch der Verweis auf den BILDblog-Artikel Vom Risiko, ein „BILD-Leser-Reporter“ zu sein, der meines Wissens trotz seines Alters von über sechs Jahren nichts von seiner Aktualität und Relevanz dazu verloren hat.

Technisch gesehen regelt die WAZ-Mediengruppe das über die App Scoopshot1. Diese kostenlose App (der Link geht auf die iOS-Version, es gibt aber auch eine Android-Variante) ermöglicht es ganz einfach Bilder (und Videos) vom iPhone (respektive iPod touch bzw. iPad) auf den Scoopshot-Server hochzuladen. Man gibt erstmalig ein paar Daten zu sich selber an und dann beim Upload der entsprechenden Bilder/Videos auch Informationen zu den jeweiligen Medien – und auch einen Preis. Laut appgefahren.de kann der zwischen 9 und 999 Euro liegen. Fotografiert man gerade einen auf dem Rhein wassernden Jumbo-Jet wäre man wohl eher beim Höchstbetrag – die WAZ-Mediengruppe jedoch will für die Schlaglöcher der Region jeweils 20,- Euro zahlen. Ursprünglich mal für Bochumer leicht verdientes Geld, aber leider wird die Oskar-Hoffmann-Straße derzeit saniert…

Es ist natürlich zu früh um ein Fazit zu ziehen…

… dennoch kann man schon jetzt das ganze ein wenig bewerten. Natürlich ist es toll, wenn die WAZ-Mediengruppe ihren Lesern ermöglicht die eigenen Werke zu veröffentlichen und auch sogar zu honorieren. Fraglich wäre da nur, inwiefern die 20,- Euro eine gerechte Summe sind. Während vielleicht der eine oder andere interessierte Bürger solche Fotos auch kostenlos zur Verfügung stellen würde (um einen Missstand zu beheben!), mag man ggf. die 20,- Euro für zu gering halten – wobei natürlich die Fotografen die Preise selber bestimmen und die 20,- Euro momentan in Sachen Schlaglöcher genannt werden (im Vorfeld suchte die WAZ-Mediengruppe beispielsweise die schönste Kaffeetasse). Hat man ein tolles Motiv vor der Linse kann man ja mehr verlangen.

Fraglich ist jedoch, ob nicht durch solche Leserreporter-Initiativen nicht auch eventuell Nachteile einhergehen. Nutzt man an einer Unfallstelle das Handy zu erst um den Notarzt zu rufen oder doch eher um den Unfall zu fotografieren um es mal etwas provokant zu formulieren.

Auch muss man natürlich rechtlich gesehen sicherlich aufpassen, denn es ist davon auszugehen (ja, ich habe mir die Scoopshot-AGBs noch nicht durchgelesen), dass man als Fotograf für seine jeweiligen Bilder verantwortlich ist und somit auch die rechtlichen Bedingungen beachten muss. Mal eben einen Rewe to go-Laden im Kölner Hauptbahnhof fotografieren kann da schon Probleme bedeuten (siehe diesen Beitrag).

NRZ-Betriebsversammlung: Wegfallende Stellen bei der WAZ-Mediengruppe

Wenn man dann jedoch noch den Ruhrbarone-Beitrag NRZ-Betriebsrat mit Sorgen liest, dann sieht man das ganze noch einem ganz anderen Aspekt:

Die WAZ-Mediengruppe streicht weiterhin anscheinend Stellen – so heißt es im Schreiben des NRZ-Betriebsrates wie folgt (die Hervorhebung stammt von mir):

Von den insgesamt 39 WAZ- und 11 NRZ-Stellen in Duisburg, Oberhausen, Mülheim und Essen sollen „bis zu 8“ Stellen eingespart werden. […]
Gestrichen werden auch je zwei Stellen in den Titelredaktionen, gleichzeitig hat die WAZ-Chefredaktion den Auftrag, am Content Desk 21 Jobs zu kippen […]
Schließlich ist auch beim Fotopool ein Kahlschlag geplant: Hier sollen etwa 20 der 41 Stellen wegfallen. […]

Auf der einen Seite werden Stellen gerade im Bereich des Fotopools gestrichen, auf der anderen Seite dürfte wahrscheinlich fast jedes Foto eines WAZ-Lesers ein Foto der entsprechenden Fotografen verdrängen, was deren Situation nicht wirklich verbessert.

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2 Kommentare »

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  1. (1) Pingback by Der Ruhrpilot | Ruhrbarone @ 3. April 2013, 07:18 Uhr

    […] WAZ II: DerWesten sucht Leserreporter…Pottblog […]


  2. (2) Kommentar by Martin @ 4. April 2013, 15:46 Uhr

    Schon traurig, das so eine Schlaglochsuche durch eine Zeitung initiiert werden muss. In England gibt’s dafür ein Fix-it – Programm, mit dem Probleme im öffentlichen Raum gemeldet werden können. Ein Tracking gibt’s dann noch dazu. In Deutschland gibt es das auch vereinzelt (z.B. Bonn). Hier nennt es sich das dann etwas verschwurbelt ‚Anliegenmanagement‘.


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