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Jens Matheuszik — 7. Februar 2013, 18:32 Uhr

PeerBlog: War da was?


Letzten Sonntag morgens war ich ein wenig verwirrt – nicht nur, weil „meine“ Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAS) meine geliebte Technik-Beilage quasi abgeschafft hat, sondern auch weil ich in der iPad-Ausgabe des SPIEGELs einen Artikel über das PeerBlog, ein neues Unterstützer-Blog für den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, las.

Ich war ein wenig verwundert, dass ich als ein SPD-Mitglied, welches zwar an sich derzeit eher eine Karteileiche ist (im Gegensatz zu meiner Zeit als SPD-Ratsmitglied in Olfen), aber dennoch einigermaßen vernetzt ist, vorher nichts davon erfahren habe. Aber gut, muss ja nicht sein.

Dennoch fand ich das alles ein wenig merkwürdig, vor allem weil die Website die dort aufgesetzt wurde mal eben einen sechsstelligen Betrag kosten sollte. Also ein Blog für 100.000 Euro – das klingt doch schon gut… wenn man mir 100.000 Euro für ein Blog geben würde, da könnte ich hier so einiges anstellen. 😉

Was ein wenig verwunderte: Die sechsstellige Summe sollte auch noch von anonymen Spendern bezahlt werden. Nun ja, das scheint nicht nur ein Geschmäckle zu haben, sondern könnte auch rechtlich nicht in Ordnung sein: Das wird eng für Peer: Abgeordnetengesetz greift. Inwiefern das jedoch jetzt immer noch zutrifft, mag man spekulieren – da das PeerBlog nur wenige Tage existierte, dürften die Kosten unter 10.000 Euro liegen.

Dann kam es zu Hackaktionen gegen das PeerBlog, die ich persönlich verurteile – egal was man von Peer Steinbrück, dem PeerBlog usw. halten mag – ich finde es ist kein Mittel der Auseinandersetzung, dass man solche Websites lahm legt. Auch da klammheimliche Freude zu zeigen, was ich an der einen oder anderen Stelle gelesen habe, missfällt mir.

Inzwischen wurde bekannt, dass das PeerBlog aufgibt:


Inzwischen gibt es auch die weiteren Informationen (siehe steinkuehler-com):

Permanente Cyber-Attacken
peerblog.de geht vom Netz

Düsseldorf. Fortwährende Cyber-Attacken auf den Server der Website peerblog.de haben seit dem 6. Februar 2013, 20 Uhr, zu dauerhaften Unterbrechungen geführt. Die technische Analyse hat ergeben, dass die Cyber-Angriffe durch Massenfragen von sogenannten Zombies (infizierte Rechner unbeteiligter Personen) ausgelöst worden sind. Hinter den Virus- und Trojaner-Attacken steckt die Hacker-Gruppe „T3AM M3DUSA“, die auf Twitter ankündigte, den PeerBlog auf Dauer anzugreifen. Damit bleibt peerblog.de faktisch offline. Wir sehen uns deshalb gezwungen, die Website vom Netz zu nehmen.
Der peerblog.de ist als normale Website online gegangen. Firewalls gegen unerwünschte Eindringlinge auf CIA-Niveau kamen und kommen für uns nicht in Frage. Das offene Konzept führt nun dazu, dass unsere Inhalte nicht geschützt sind, von Hackern jederzeit gefälscht und manipuliert werden können.
Wir wissen nicht, ob diese Attacken von Dritten bestellt oder gar bezahlt worden sind. Diese Angriffe aus dem Netz waren zusätzlich mit Erpressungsversuchen verbunden, unsere Geschäftsbeziehungen offenzulegen. Darauf werden wir aus grundsätzlichen Erwägungen selbstverständlich nicht eingehen. Jedenfalls ist nun der politische Dialog über und für Peer Steinbrück auf dieser außerparteilichen Plattform brachial zerstört worden.
Die kriminellen Attacken auf das von uns herausgegebene Medium peerblog.de haben zu der Entscheidung geführt, dass wir unsere Sponsoren, Unterstützer und uns selbst nicht länger diesen skrupellosen und inhaltsleeren Anfeindungen aussetzen wollen. Wir bedauern, dass wir unter diesen Umständen den PeerBlog nicht fortführen können.
Unsere Juristen prüfen die Einleitung von strafrechtlichen Schritten gegen die Täter.

Im Grunde kann ich dem vollkommen zustimmen. Dass jedoch zur möglichen Rechtsproblematik (siehe Link oben) nichts steht, das finde ich schade (aber es hätte mich auch gewundert, wenn das thematisiert worden wäre)…


9 Kommentare »

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  1. (1) Kommentar by Chris @ 7. Februar 2013, 18:41 Uhr

    Vier Anmerkungen:
    1. „Das offene Konzept führt nun dazu, dass unsere Inhalte nicht geschützt sind, von Hackern jederzeit gefälscht und manipuliert werden können.“ – Offenes Konzept?! Klingt nicht gerade so, dass da jemand weiß, wovon er spricht.
    2. „Wir wissen nicht, ob diese Attacken von Dritten bestellt oder gar bezahlt worden sind.“ – Diese Vermutung ist m. E. ziemlich albern.
    3. Ansonsten ist es natürlich richtig, dass diese Art und Weise der politischen Auseinandersetzung nicht richtig ist.
    4. Trotzdem ist es richtig, dass dieses Blog bzw. dessen Finanzierung äußerst kritisch zu hinterfragen war/ist!


  2. (2) Kommentar by Jens @ 7. Februar 2013, 18:49 Uhr

    @Chris (1):

    zu 1) Vielleicht meinten die mit „offen“ außerhalb der Parteistrukturen? Nicht, dass es notwendig gewesen wäre…

    zu 2) Ausschließen würde ich es nicht, halte ich aber auch eher für unwahrscheinlich.

    zu 3) Ja, das geht leider mir momentan bei einigen Berichten eher etwas unter.

    zu 4) Mich würde da vor allem mal die geplante Berechnung interessieren: Wie kommt man en detail auf so eine Summe?


  3. (3) Kommentar by Chris @ 7. Februar 2013, 19:03 Uhr

    zu 1: Das wäre dann aber ein sehr merkwürdiger Begriff für „außerhalb der Partei“. Zumal ja explizit von Inhalten die Rede ist. Also, ich würde diese Aussage auf die Technik beziehen.

    zu 2: Bestimmt „Die Chinesen“… die waren ja angeblich auch schon beim Superbowl verantwortlich… ;D

    zu 4: Vielleicht war es auch einfach nur eine Null zu viel.


  4. (4) Kommentar by Dennis @ 7. Februar 2013, 19:19 Uhr

    Gut, ich stimme dir zu, dass es kein Mittel der Auseinandersetzung ist, eine Website einfach illegal vom Netz zu nehmen. Schließlich ist auch das eine Form der Zensur. Die Erklärung auf der Steinkuehlerwebsite ist jedoch offengestandener Blödsinn. Der Angriff „rockt“ insofern er entlarvt, dass hinter dem Projekt alles andere Stand als offen und ehrlich gemeinte Kommunikation. Sonst hätte man weiter gemacht und die Netzgemeinde gefragt, woran es denn fehle. Was der Grund für den Unmut sei, was man besser machen könne. Dialog statt Monolog. Das dies das Prinzip des Web 2.0 ist, weiß mittlerweile meine Oma, schade dass es in Kommunikationsagenturen wie diesen noch nicht angekommen zu sein scheint. Oder präsziser: Es interessiert die einen Scheissdreck, was das Netz will. Deswegen sind die ja jetzt auch offline.


  5. (5) Kommentar by Jens Best @ 7. Februar 2013, 20:14 Uhr

    Wie passend kamen diese „Hacker-Attacken“ – pöses, pöses Handeln von außen, wegen dem man sich „gezwungen“ sieht, den Propaganda-Blog wieder einzustellen.
    Wer’s glaubt, freut sich auch auf den Weihnachtsmann.


  6. (6) Kommentar by Jens @ 7. Februar 2013, 23:05 Uhr

    @Chris (3):
    zu 1): Das kann natürlich auch sein.

    zu 2) 😉

    zu 4) Ich meine im Bericht stand „sechsstellig“, insofern ist da ein Tippfehler eher ausgeschlossen.

    @Dennis (4):
    Über die Qualität der Erklärung müssen wir uns nicht streiten. :)

    @Jens Best (5):
    Ja, die Angriffe kamen ja gerade rechtzeitig… aber ich frage mich, warum Du sie in Anführungsstriche setzt – sie waren ja wirklich da.


  7. (7) Kommentar by Jens Best @ 8. Februar 2013, 00:27 Uhr

    @Jens DDoS-Aggressivitäten von gemieteten Skriptkiddies sind keine Hacker-Attacken. Deswegen die Anführungszeichen.
    Das ganze aufgeblasene Blablubb von Steinkühler ist auch hier schlicht realitätsfremd: „Hacker-Attacken“, CIA-blabla, „offenes Konzept“ – das zeigt, dass diese PR-Mietlinge einfach keine Ahnung haben und auch keine haben wollen. Aber gut, wenn der Peer auf solche Leute hört, da fühle ich die sozialdemokratische Netzpolitik in besten Händen……


  8. (8) Pingback by Das Ende vom PeerBlog: Digital Relations Learnings? @ 8. Februar 2013, 14:28 Uhr

    […] gezogen werden können. Zum einen haben die Macher (bzw. Spender, angeblich hat das PeerBlog gut 100.000 Euro gekostet) die politische Kultur in Deutschland vollkommen falsch eingeschätzt. Es bringt nichts, ständig […]


  9. (9) Kommentar by Jens @ 14. Februar 2013, 07:18 Uhr

    @Jens Best (7):
    Okay, bei sowas mit DDoS kenne ich mich nicht so wirklich aus. Danke für die Infos!


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