Search:

Werbung:

Google+:

Archiv:


Jens Matheuszik — 11. Dezember 2012, 07:57 Uhr

Es gilt das gesprochene Wort – nur nicht bei WAZ, DerWesten & Co.? Am Beispiel vom „wohlhabenden Sozialdemokraten“ Peer Steinbrück…


Am Sonntag fand der Bundesparteitag der SPD statt, auf dem Peer Steinbrück zum Kanzlerkandidaten der SPD gewählt wurde ((das nebenstehende Bild ist ein „Symbolbild“, da es Peer Steinbrück bei einem Landesparteitag der NRWSPD in Münster zeigt)). Natürlich wurde die Rede des da noch designierten Kanzlerkandidaten vorab der Presse zur Verfügung gestellt. Das macht das ganze ja auch etwas leichter, wenn man weiß, ob man noch bei Einleitung, Hauptteil oder gar in der Nähe des Schlusses der Rede ist.

Das mit der „Vorab-Rede für die Presse“ dokumentierte Thorsten Denkler (@thodenk) von der Süddeutschen Zeitung mit diversen Tweets am Sonntag, unter anderem mit einem Bild der Rede vorab:

Ich selber habe mir die Rede von Peer Steinbrück auch angehört und dann bei der Lektüre der Tageszeitung (in diesem Fall der WAZ) am nächsten Morgen mich ein wenig gewundert…

Rede von Peer Steinbrück auf dem SPD-Bundesparteitag

Erst einmal hier die Aufzeichnung der Rede:

WAZ-Artikel vom 10. Dezember 2012

WAZ 10.12.2012 zur Rede von Peer Steinbrück (SPD)In der gestrigen Print-Ausgabe der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) findet sich natürlich auch die Berichterstattung zum Parteitag der SPD und zur Wahl von Peer Steinbrück.

In dem auch online bei DerWesten verfügbaren Artikel (SPD wählt Steinbrück zum Kanzlerkandidaten der Wir-Partei) wird auf die Rede von Peer Steinbrück eingegangen. Im Bericht wird dann auch erwähnt, wie Peer Steinbrück relativ zum Schluss der Rede auch auf die Diskussion der vergangenen Wochen um seine Honorare für Vorträge einging ((man erinnert sich: Vertreter von CDU/CSU/FDP forderten eine vollständige Transparenz von Peer Steinbrück, die dieser dann auch lieferte – im Gegensatz zu den Abgeordneten der schwarz-gelben Koalition, die die Transparenz nur für Steinbrück forderten)). Dort sprach er dann etwas demütig von „Wackersteinen“ und der Bürde für die SPD dadurch.
Im Artikel wird das ganze dann wie folgt beschrieben bzw. fortgesetzt: ((klickt man das Bild an, kann man es sich in größer anschauen))

Das war es aber auch schon mit der Zerknirschung des selbstbewussten Kandidaten. Sein Kontostand als „wohlhabender Sozialdemokrat“ sage nichts aus über seine Fähigkeit, sich für Bürger einzusetzen, denen es schlechter gehe, versichert er.

Leider muss man feststellen, dass er das eben nicht versicherte…

Als ich das im WAZ-Artikel las wunderte ich mich – denn ich konnte mich nicht erinnern, so etwas gehört zu haben. Stattdessen hatte ich dazu was gelesen am Sonntag – und zwar folgenden Tweet:

Nichtsdestotrotz erweckt die WAZ den Eindruck, als ob Steinbrück diesen Satz mit dem „wohlhabenden Sozialdemokraten“ so gesagt hat – was aber nicht der Fall war, wie man auch der PDF-Fassung der Steinbrück-Rede entnehmen kann.

Den Fehler findet man nicht nur bei der WAZ/DerWesten, sondern auch beispielsweise bei der Braunschweiger Zeitung – was nicht verwundert, denn diese gehört auch zur WAZ-Mediengruppe und wenn man Artikel innerhalb einer Mediengruppe für mehrere Zeitungen übernimmt, dann übernimmt man auch die eventuell vorhandenen Fehler. Aber auch der Tagesspiegel zitierte aus dem Vorab-Exemplar der Rede für die Presse so, als ob die Aussage dort tatsächlich gefallen wäre:

Der Sozialdemokrat der Vernunft präsentiert sich auf einmal als Herzenssozialdemokrat.
[…]
Sehr persönlich wird er da, erzählt von seinem Weg als Sozialdemokrat in die SPD als einer, der nicht von unten kommt. Der wisse, dass er in den Augen vieler Menschen „ein wohlhabender Sozialdemokrat“ sei. Und er gesteht: „Meine Vortragshonorare waren Wackersteine, die ich in meinem Gepäck habe und leider auch euch auf die Schultern gelegt habe.“ Und er dankt den Sozialdemokraten im Saal, „dass ihr mit mir diese Last getragen und ertragen habt“.

Da zeigt sich mal wieder, dass man lieber so einer Rede komplett zuhören sollte, um getreu dem Motto „Es gilt das gesprochene Wort“ festzustellen, was wirklich gesagt wurde. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass ein Politiker eine etwas andere Rede als ursprünglich geplant hält. Zur Ehrenrettung muss gesagt werden, dass es auch noch Zeitungen gibt, die so etwas bemerken – so z.B. die Neue Osnabrücker Zeitung.

Korrektur des Fehlers durch die WAZ?

WAZ (21.11.2012) zu Fehlern im Journalismus (im Rahmen der ZEUS-Beilage)Ende November gab es in der ZEUS-Beilage der WAZ ((da wo Schülerinnen und Schüler an das Thema Zeitung herangeführt werden und auch selber Artikel veröffentlichen können)) einen Artikel namens Einblick in die Welt der Journalisten.

In diesem Artikel erklärt der zuständige ZEUS-Redakteur der WAZ-Mediengruppe den Reporterinnen der Klasse 8a der Schiller-Schule in Bochum wie das mit Journalismus so funktioniert.

Dort erfährt man dann, dass natürlich Artikel vor der Veröffentlichung geprüft werden und im Falle eines Fehlers das ganze in der nächsten Ausgabe korrigiert wird.

Konkret heißt es dort ((klickt man das Bild an, kann man es sich in größer anschauen)):

Werden die Artikel vor der Veröffentlichung geprüft?

Na klar. Die Artikel werden von Kollegen gegengelesen und auf Fehler geprüft. Es sollte nie passieren, das etwas in die Zeitung kommt, das nicht geprüft ist.

Was passiert, wenn ein Journalist ein Plagiat oder etwas falsches in die Zeitung bringt?

Das sollte natürlich nie passieren. Aber falls es passiert, muss der Journalist dazu stehen und es in der nächsten Ausgabe korrigieren. […]

Da bin ich dann ja mal auf die morgige Ausgabe der WAZ gespannt ((oder sogar schon auf die heutige?))…


9 Kommentare »

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI.

    Es gab einen kritischen Fehler auf deiner Website.

    Erfahre mehr über die Fehlerbehebung in WordPress.