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Jens Matheuszik — 23. Oktober 2012, 13:08 Uhr

Nach dem Revier-Derby: Ratlosigkeit und viele Fragezeichen. Ach ja, Glückwunsch an den FC Schalke 04.


Evonik-Werbung: Hier unsere Nominierung für den Friedensnobelpreis 2009Vor drei Jahren konnte Evonik noch zum Revier-Derby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 mit einer Nominierung zum Friedensnobelpreis 2009 werben (siehe Bild; ursprünglich entstammt das diesem Beitrag).

Jetzt sieht das nach dem Revier-Derby doch leider etwas anders aus. Chaoten auf beiden Seiten, die sich offiziell wahrscheinlich sogar noch Fans nennen, haben dafür gesorgt, dass nicht mehr das sportliche Element im Vordergrund steht, sondern die Vorkommnisse vor, während und nach dem Spiel. Wobei das natürlich für Anhänger von Borussia Dortmund gut ist, wenn die Derbyklatsche nicht mehr thematisiert wird – aber nicht um diesen Preis. Dann lasse ich mich lieber von wohlmeinenden Bekannten, Freunden, Kollegen und Verwandten aufziehen, als dass stattdessen das Thema „Gewalt“ die Berichterstattung dominiert.

Gewalt im Fußball ist abzulehnen – egal von wem. Das hat auch schon Hans Sarpei sehr schön formuliert:

Eigentlich brauche ich zu dem Thema nicht mehr viel schreiben, denn das was Rutger Koch bei Gib mich‘ Die Kirsche ((für die ich auch schreibe)) geschrieben hat, trifft es eigentlich auf den Punkt: Und jetzt? Galgenfrist bis zum Geisterspiel?

Was ich jedoch sehr schade finde ist bei der Berichterstattung die Einseitigkeit: Natürlich ist Gewalt im Fußball schlimm, aber manchmal glaubt man ja wirklich, dass im Fußball Bürgerkrieg herrscht – jedenfalls kann man so den Aufregungspegel in manchen Medien deuten:

Man erinnere sich an den Platzsturm von Fortuna Düsseldorf – hörte man dort nur den TV-Kommentar und sah nicht das Bild, musste man fast davon ausgehen, dass gleich die Bundeswehr einmarschieren müsste um dem ganzen einen Einhalt zu bieten, auf dem TV-Bild sah man jedoch glückliche Fans, Familien mit kleinen Kindern usw. die ihre pure Freude über den Aufstieg ihres Vereins feierten. Ja, es war ein Regelverstoß, aber sicherlich kein Gewaltexzess.

Jetzt aktuell wurde immer wieder gerne berichtet, dass eine Gaststätte in Dortmund quasi zum Symbolopfer geworden ist: Alles kurz und klein geschlagen, doch in Wirklichkeit war das doch anders (was übrigens auch durch Medien aufgedeckt wurde, die die Polizeimeldung hinterfragten). Dazu schreibt Rutger Koch:

Und dank der bequemen und wahlweise desinteressierten oder unwissenden Medienschar hat die Polizei sogar so etwas wie das Monopol auf die Berichterstattung.

Ihre Berichte werden von den meisten Medien eins zu eins übernommen. Wenn sich dann nachher die Wirtin der Kneipe meldet, deren Interieur laut Polizeiangaben angeblich nicht nur verwüstet und zerstört, sondern auch mehrheitlich als Wurfgeschoß missbraucht worden war, und angibt, es wäre eigentlich nur ein Plastikgartenstuhl unter der Last eines etwas korpulenteren Fußballfreundes zu Bruch gegangen, ist das nur eine Randnotiz.

Sehr erhellend ist übrigens das 11 Freunde-Interview mit ex-DFB-Sicherheitschef Helmut Spahn, der mal die Verhältnisse gerade rückt. Demnach sind Oktoberfest-Ausgaben, die laut Polizeiberichten harmlos waren, von der Anzahl der Vorfälle auf die Besucher umgerechnet, deutlich gefährlicher als Bundesliga-Spiele.

Aber ein Geisteroktoberfest ohne Besucher wurde wohl noch nicht gefordert. Das wäre vielleicht auch populistisch nicht so gut vertretbar.


3 Kommentare »

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