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Jens Matheuszik — 5. Oktober 2012, 07:51 Uhr

Warum können etablierte Medien keine Fehler korrigieren? Beispiel: Aktuelle Stunde (WDR Fernsehen)


Sehr gerne hätte ich einen Beitrag mit der Überschrift Aktuelle Stunde (WDR Fernsehen) korrigiert Berichterstattungsfehler vorzüglich: Lob an die Redaktion! (oder so ähnlich1) veröffentlicht.

Das hätte ich aber nur machen können, wenn die Redaktion der Aktuellen Stunde ihren Berichterstattungsfehler (siehe dazu den Beitrag Der Fall Hammer der NRW-Piraten: Dreifacher Fail des WDR Fernsehen) korrigiert hätte.

Wer das ganze nicht mitbekommen hat, hier die Kurzform: Der Vorstand der Piratenpartei NRW hat ihren politischen Geschäftsführer Klaus Hammer entlassen. Die „Aktuelle Stunde“ berichtete einige Stunden später darüber und machte dabei einige Fehler, u.a. wurde suggeriert, dass Hammer Mitglied des Landtags (und parlamentarischer Geschäftsführer) sei und jetzt den Landtag verlassen müsse. Dabei hat der WDR schlicht und ergreifend die Partei und die Fraktion verwechselt.

Im originären Beitrag hatte ich dann noch einige weitere Dinge kritisiert, Dinge die alleine für sich zwar vielleicht ärgerlich, aber sicherlich nicht unbedingt erwähnenswert gewesen wären. Zusammen kulminierte das jedoch für mich in einer Art dreifachem Versagen des WDR bzw. der Aktuellen Stunde.

Gestern reagierte dann (was ich persönlich sehr gut finde!) die Redaktion:

Reaktionen via Twitter:

Erst einmal wurde in einem Tweet (der im 3. Update zum ursprünglichen Beitrag zu sehen ist) behauptet, dass man nur etwas verkürzt dargestellt habe, da jetzt Klaus Hammer seinen Arbeitsplatz im Landtag (aber nicht als MdL) verlieren würde. Klaus Hammer hatte jedoch nie einen Arbeitsplatz im Landtag.

Dann ging es weiter mit folgenden Beiträgen via @aktuelle_stunde, dem offiziellen Twitter-Account der Redaktion der Aktuellen Stunde:


Ich persönlich finde die Bezeichnung „Dreifach #fail“ gar nicht verkehrt, da ich drei Dinge aufgelistet habe, die mir an dieser Berichterstattung missfallen haben. In der Diskussion gab ich zu, dass das wirklich hart sei (jedoch in dem Sinne, dass es hart sei, wenn der WDR solche Fehler macht):


Sehr gut fand ich jedoch dann den letzten Tweet in der Angelegenheit:


Und tatsächlich, die Redaktion hatte per Blogkommentar reagiert (das es dabei inhaltlich immer noch falsch war, kann vielleicht der Eile geschuldet sind?).

Wie die Aktuelle Stunde ihre Zuschauer über die Fehler der Berichterstattung informiert:

Mit zwei Worten: Gar nicht.

Natürlich liest nicht jeder das Pottblog oder die Kommentare dort. Von den 710.000 Zuschauern der besagten Ausgabe der Aktuellen Stunde dürfte das nur ein minimalster Bruchteil gewesen sein. Jedoch informierte die Redaktion weder über den offiziellen Twitter-Account oder aber über die Facebook-Seite. Auch nicht auf der Internet-Seite der Aktuellen Stunde.

Wenn man dort schon nicht informiert (was jetzt wirklich kein Akt gewesen wäre), dann informiert man natürlich auch nicht im Fernsehen, an dem Ort, wo der Fehler entstanden ist. Meine negative Befürchtung bestätigte sich dann auch gestern, als ich mir die gestrige Ausgabe der Aktuellen Stunde anschaute. Mit keinem Wort wurde darauf eingegangen. Vielleicht hat man gehofft, dass sich das ganze versendet.

Qualitätsjournalismus (und dafür steht die Aktuelle Stunde laut ihren eigenen Prämissen) sieht anders aus.

Wie es anders geht, zeigt ein anderer TV-Sender aus Nordrhein-Westfalen2:

Wie reagiert Sat.1 NRW auf Fehler in der Berichterstattung?

Fast vor genau einem Jahr veröffentlichte das Pottblog den Beitrag Nordrhein-Westfalen: Piratenpartei käme mit 8 % in den Landtag und würde angeblich rot-grüne Koalition unter Hannelore Kraft gefährden!. Das ganze geschah aufgrund einer Vorab-Pressemeldung3.

Als ich jedoch die zugrundeliegende Sendung später sah, war ich ein wenig entsetzt und formulierte das in dem neuen Blogbeitrag Entsetzen über Sat.1 NRW und YouGov / Unkenntnis über das Wahlrecht in Deutschland4.

Die meiner Meinung nach mehr als vorbildliche Reaktion von Sat.1 NRW auf diese Kritik habe ich in einem weiteren Beitrag beschrieben: Sat.1 NRW reagiert vorbildlich auf die Vorwürfe zur Wahlumfrage für NRW

Mir geht es dabei natürlich nicht um die schriftliche Entschuldigung(!) bei mir, sondern darum, dass der Sender auf all seinen „Kanälen“ (Internet UND Fernsehen) auf die Fehler aufmerksam gemacht hat.

Wenn man will, dann geht es also. Warum will der WDR es jedoch nicht?

  1. zugegebenermaßen, das mit dem Lob hätte ich vielleicht nicht so geschrieben, klingt jetzt aber besser… []
  2. der jedoch am Tag viel weniger sendet als das WDR Fernsehen []
  3. in der die Umfragezahlen bereits mitgeteilt wurden []
  4. denn man hatte dort ignoriert, dass es so etwas wie eine 5 %-Hürde im Wahlrecht gibt []

8 Kommentare »

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URI.

  1. (1) Kommentar by egghat @ 5. Oktober 2012, 08:15 Uhr

    Das sind Broadcast Medien. Einmal geschrieben/gedreht, dann ausgesendet und vergessen. Einen Rückkanal (im Medium) gibt es defakto nicht, zumindest ist er bei den Machern extrem unbeliebt. Anschließende Korrekturen sind teuer und aufwändig und da man das eh nie korrigiert, klemmt man sich irgendwann das Zuhören auf den Rückkanal der Zuschauer.

    Da lassen die Redakteure lieber Mist in der Mediathek stehen als einen Fehler zugeben zu müssen.

    Siehe auch:

    http://www.iphone-ticker.de/smartphone-sicherheit-wdr-bessert-ein-drittes-mal-nach-38410/


  2. (2) Kommentar by Tobias Bayer @ 5. Oktober 2012, 08:43 Uhr

    Ich finde, dass du im Kern recht hast. Die Aktuelle Stunde hätte ihren Fehler online und onair korrigieren sollen, zumindest die Sache mit dem Landtag… der Rest ist IMHO geschenkt…

    Ziemlich unlogisch finde ich den Bezug Überschrift zu Text. Du fragst „Warum können etablierte Medien keine Fehler korrigieren?“ und bringst einen ganzen Absatz darüber, wie Sat1 einen Fehler korrigiert hat. Die würde ich auch als etabliertes Medium sehen.

    Auch das pauschale „der WDR“ klingt so sehr nach „die Politiker“ oder „die Stromkonzerne“… ziemlich indifferent, so wie in der Eckkneipe gesprochen wird… 😉


  3. (3) Pingback by Markus Beckedahl | Ruhrbarone @ 5. Oktober 2012, 09:11 Uhr

    […] Medien: Warum können etablierte Medien keine Fehler korrigieren? Beispiel: Aktuelle Stunde…Pottblog […]


  4. (4) Kommentar by Aktuelle Stunde @ 5. Oktober 2012, 16:25 Uhr

    Lieber Pottblog,

    wir haben uns jetzt mehrfach entschuldigt, die Fehler auf Twitter und auf unserer Homepage „gestanden“.
    Wir haben auch versucht Klaus Hammer selbst zu erreichen, und werden auch mit Ihm noch einmal sprechen.
    Wir hoffen, damit ist es jetzt gut?

    Lieben Gruß

    Die Aktuelle Stunde


  5. (5) Kommentar by Tim Shady @ 5. Oktober 2012, 21:27 Uhr

    Jaaaaaaaaaaaa, meinm lieber Herr Pottblog!

    IST DENN NU GUT???

    :mrgreen:

    Auf Twitter amüsiere ich mich regelmäßig über die Tweets des Senders PRO7, bzw. die Tweets desjenigen, der da so wenig professionell sitzt und tippt.

    Genauso kommt mir der Kommentar des Vertreters der Aktuellen Stunde in Deinem Blog vor. Nur weil es die „Öffentlich-Rechtlichen“ sind, heisst das nicht, dass sie perfekt sein müssen und alles immer glatt läuft.

    Zu gutem Journalismus gehört aber auch, dass man Fehler ernsthaft und ehrlich eingesteht und sich dafür entschuldigt. Wer es so macht, wie ich es gerade gelesen habe, entwertet alles. Da kommt in mir die Vermutung auf, ein Praktikant musste da neu recherchieren und hat aufgrund der Mehrarbeit jetzt Frust.

    Also ganz ehrlich: Ich finde, für einen Vertreter eines öffentlich-rechtlichen Senders ist der Kommentar hier im Blog schon ganz schön…peinlich (ich halte mich mal zurück!). Vielleicht ist es auch einfach nur die falsche Wortwahl und es kommt ganz anders rüber, als eigentlich beabsichtigt. Naja, soll jeder selbst entscheiden, wie es wirkt.

    Jedenfalls ist der Bericht wieder einmal ein Beweis dafür, dass man Nachrichten/Berichte nicht immer unbedingt glauben sollte. Dabei ist es eigentlich ganz einfach, sofern man gut informiert ist, einen korrekten Bericht zu erstellen! Tja… 😛


  6. (6) Kommentar by Jens @ 6. Oktober 2012, 16:17 Uhr

    @egghat (1):
    Das ist schlecht. Da sollte man mal entgegenwirken. Aber ohne, dass dann wieder irgendwer Mimimi schreit.

    Das mit der iPhone/Markt-Sache: Stimmt, gut dass Du mich erinnerst.

    @Tobias Bayer (2):
    Ja, das mit dem Landtag alleine hätte sicherlich gereicht.

    Das das ganze zum Teil widersprüchlich ist, sehe ich ein. Der Absatz ist erst ganz am Ende in den Beitrag gerutscht. Da ich mich halt dran erinnerte, wie es ein kleiner Sender (Sat.1 NRW hat ja nur 30 Minuten am Tag, der WDR ca. 24 Stunden *g*) besser gemacht hat.

    @Aktuelle Stunde (4):
    Liebe Redaktion der Aktuellen Stunde!

    Dass Ihr auf Eurer Homepage den Text (hier) zwischenzeitlich aktualisiert habt, ist super. Hättet ihr auch ruhig verlinken können, übernehme ich aber gerne für Euch. :)

    Eurer Hoffnung, dass es „damit […] jetzt gut [ist]“, kann ich nur teilweise entsprechen: Ich werde für Euch keinen weiteren Blogbeitrag schreiben, da gibt es ja gerade keinen aktuellen Anlass, denn der Vorwurf, dass Ihr das nicht korrekt richtigstellt, bleibt ja weiterhin bestehen.

    Vollständig „gut“ wäre es, wenn Ihr das nicht nur via Twitter und Homepage, sondern auch in der Sendung selbst korrigiert hätten, da wahrscheinlich nur ein minimalster Bruchteil der 710.000 Zuschauer der Sendung das mit der Online-Korrektur mitbekommen haben.

    @Tim Shady (5):
    Ich finde es aber an sich gut, dass sie reagiert haben. Wenigstens das. Hätten Sie das ganze so korrigiert, wie das Beispiel Sat.1 NRW zeigt, dann hätte ich einen Jubelbeitrag geschrieben. Der wäre dann auch von @WDR auf Twitter garantiert retweetet worden… 😉


  7. (7) Pingback by Kuhlmann’s Surftipp: Pottblog – Aktuelle Stunde | Bottblog.de - Blog zum Ruhrmetropölchen Bottrop anne Emscher @ 6. Oktober 2012, 23:05 Uhr

    […] Der Pottblog macht die Redaktion der “Aktuellen Stunde” darauf aufmerksam, dass ihr in einem Bericht über die Entlassung des politischen Geschäftsführers der Piratenpartei diverse sachliche Fehler unterlaufen sind. Die Reaktionen der Redaktion bewegen sich stilistisch irgendwo zwischen Eiertanz und Mummenschanz. Fazit des Pottblog: “Qualitätsjournalismus (und dafür steht die Aktuelle Stunde laut ihren eigenen Prämissen) sieht anders aus.” Klasse Geschichte, toll dokumentiert unter http://www.pottblog.de/2012/10/05/warum-konnen-etablierte-medien-keine-fehler-korrigieren-beispiel-aktuelle... […]


  8. (8) Pingback by Klaus Hammer, der geschasste politische Geschäftsführer der Piraten NRW, äußert sich zur Angelegenheit #Hammergate » Pottblog @ 8. Oktober 2012, 22:04 Uhr

    […] anne Ruhr (05.10.2012)Warum können etablierte Medien keine Fehler korrigieren? Beispiel: Aktuelle Stunde (WDR Fernseh…Der Fall Hammer der NRW-Piraten: Dreifacher Fail des WDR Fernsehen (3. Update: Mit Reaktion des […]


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