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Jens Matheuszik — 3. Oktober 2012, 21:42 Uhr

Der Fall Hammer der NRW-Piraten: Dreifacher Fail des WDR Fernsehen (3. Update: Mit Reaktion des WDR!)


Im Laufe des heutigen Tages (der Deutschen Einheit) wurde bekannt, dass der Vorstand der Piratenpartei NRW gegenüber ihren politischen Geschäftsführer Klaus Hammer (@Klaus_Hammer) eine Ordnungsmaßnahme eingeleitet hat: Im Beschluss des Landesvorstands vom 2. Oktober 2012 heißt es:

Klaus Hammer wird die Befähigung, ein Parteiamt zu bekleiden, auf 2 Jahre aberkannt.

Damit verbunden ist auch quasi eine Entlassung als politischer Geschäftsführer der NRW-Piraten. Ich muss zugeben, dass ich bis dato nicht einmal wusste, dass es einen solchen politischen Geschäftsführer der NRW-Piraten gibt. Vielleicht hätte er barfuß mit Sandalen in Talkshows gehen sollen und mit seinem Hartz IV-(nicht)-Bezug auffallen müssen, damit ich das mitbekommen hätte ((das ist eine etwas verkürzte Anspielung auf den politischen Geschäftsführer der Piratenpartei auf Bundesebene: Johannes Ponader)).

Über die genauen Gründe schweigen sich die Piraten aus, aber genauere Details erfuhr man bereits um 15:16 Uhr beim „Zentralorgan der Piraten Deutschlands“ vulgo SPIEGEL Online im Beitrag „Schwerer Datenschutzverstoß“: NRW-Piraten feuern Geschäftsführer. Die stets gut informierte Annett Meiritz (@AnnMeiritz) berichtet da abenteuerliches, was auch für eine Agentenklamotte im Privatfernsehen taugen würde (siehe auch DerWesten als auch RP-Online).

Und was macht das WDR Fernsehen daraus?

In der Sendung Aktuelle Stunde berichtete das WDR-Fernsehen darüber. Die Aktuelle Stunde sieht sich übrigens selbst wie folgt (die Hervorhebungen stammen von mir):

Die Aktuelle Stunde ist die wichtigste landesweite Informationssendung des WDR Fernsehens. Ihr Erfolgsrezept ist einfach: schneller, besser, kompetenter und seriöser sein als die Mitbewerber. Die Zuschauer können sich auf die Aktuelle Stunde verlassen: Berichte und Nachrichten, Informationen zu allen wichtigen Ereignissen und Entwicklungen, praktischer Service und nicht zuletzt unterhaltsame Geschichten aus dem Alltag – dafür steht die Aktuelle Stunde.
Quelle: Die Aktuelle Stunde – Alles, was Sie angeht

Die Aktuelle Stunde vom 3. Oktober 2012 berichtete über die Angelegenheit wie folgt:

In der Anmoderation wird auf das Geschehen bei der Piratenpartei NRW berichtet. Es fällt dann folgendes Zitat:

Die haben heute Klaus Hammer ihren politischen Geschäftsführer entlassen.

Soweit so richtig. Doch dann beginnt der eigentliche Beitrag als Einspieler und da weiß man nicht worüber man sich mehr schämen muss. Er fängt mit einem großen Bild des ehemaligen politischen Geschäftsführers an udn das ganze ist wie folgt untertitelt (die Hervorhebung stammt wieder von mir):

Klaus ist raus. Was für ein Hammer der NRW-Piraten. Klaus Hammer, parlamentarischer Geschäftsführer der Partei muss gehen. […]

Abgesehen von dem ziemlich dämlichen Spielen mit den Namen von Klaus Hammer gewinnt man als TV-Zuschauer den Eindruck, dass da der parlamentarische Geschäftsführer der Piraten im nordrhein-westfälischen Landtag gemeint ist. Was sicherlich auch damit zutun haben könnte, dass man auch den einen oder anderen Abgeordneten der Piratenpartei im Hintergrund sehen kann.

Einen parlamentarischen Geschäftsführer der Piratenfraktion NRW gibt es aber nicht. Dafür aber eine parlamentarische Geschäftsführerin – und das ist Monika Pieper. Ähnlichkeiten zu Klaus Hammer liegen außer den üblichen (Kopf mit Mund, Nase, Augen usw.) eher nicht vor.

Fail #1: Unterschiede Partei/Fraktion ?

Man muss also festhalten, dass A. Klein / M. Schülke ((die für den Beitrag laut Bauchbinde des WDR verantwortlich sind)) die Unterschiede zwischen der Piraten als PARTEI und der Piraten als FRAKTION nicht kennnen.

Sorry, das erwarte ich vielleicht bei den Nachrichten von RTL II (falls die welche haben), aber doch nicht vom öffentlich-rechtlichen WDR. Wenn es bei der Live-Berichterstattung des WDR vom Rosenmontagsumzug in Düsseldorf passiert wäre („Ey, hasse den Jack Sparrow dort gesehen? Das war der parlamentarische Geschäftsführer der Piraten, bevor er wegen einer Mülltonnengeschichte gehen musste!“), dann wäre es auch noch okay, aber doch bitte nicht bei der Aktuellen Stunde des WDR, die sich als „das Informationsmagazin im WDR Fernsehen“ bezeichnet. Wenn man dann noch bedenkt, dass anscheinend mindestens eine verantwortliche Person für Westpol arbeitet („das politische Fernsehmagazin für Nordrhein-Westfalen“), dann wird es richtig peinlich.

Peinlich auch, dass der WDR eigentlich wusste, was passierte – in einer WDR Kompakt-Meldung von 10:35 Uhr wurde der Sachverhalt korrekt(er) beschrieben. Es hätte aber auch der Redaktion der AKS auffallen müssen, dass die Sprechzettel der Moderatoren von was anderem sprachen als der eigentliche Beitrag.

Update: Auch der Moderator wusste nicht Bescheid.

Zu Beginn der Sendung sagte der Moderator folgendes (und verwies damit auf den später laufenden Beitrag; die Hervorhebung stammt wieder von mir):

NRW-Piraten feuern ihren Geschäftsführer. Klaus Hammer soll Geheimnisse verraten haben und muss jetzt den Landtag verlassen.

Für den Moderator der Aktuellen Stunde ist also der Vorstand der Piratenpartei NRW der Landtag… ah ja. Wenn man sich die Leistung der Moderatoren genauer anschaut, dann kann man auch die Aussage

„Die Nachricht kam über Twitter und auch der Rest der Geschichte spielt im Netz.“

deutlich hinterfragen ((schließlich spielt ein Teil der Geschichte vor allem in einer Hausmülltonne!)). Aber wahrscheinlich wusste man es einfach nicht besser.

Fail #2: Fehlende Informationen

Die Aktuelle Stunde wurde um 18:50 Uhr erstmalig ausgestrahlt. Natürlich gibt es so etwas wie Redaktionsschluss und man kann nicht alle Informationen, die erst kurz vor der Sendung bekannt geworden sind, in die Sendung einbringen.

Warum man jedoch nicht in der Lage ist, um 18:50 Uhr die Informationen eines SPON-Artikels (siehe obigen Link) von 15:16 Uhr zu bringen, in der deutlich mehr Details und Hintergrundwissen zur Angelegenheit zu finden sind, das erschließt sich mir nicht.
Die eigenen Maximen („schneller, besser, kompetenter und seriöser“) sind so ziemlich gar nicht erfüllt, eher trifft es „langweiliger, schlechter, inkompetenter und kindischer“… ((kindisch wegen der Namensspielchen))

Fail #3: Falsche Twitter-Einbindungen

Man kann sich darüber streiten, ob die Guidelines for Use of Tweets in Broadcast so zu befolgen sind oder nicht (ich erinnere mich an einen Mitarbeiter eines öffentlich-rechtlichen Senders, der mir gegenüber erklärte, dass man das so nicht machen würde).

Hätte der WDR das jedoch gemacht, dann wäre nicht folgendes passiert:

und

Abgesehen davon, dass beim ersten Tweet nicht wirklich ganz erkenntlich ist, wer da was getwittert hat (im Hintergrund sieht man ja das Twitter-Profil von Klaus Hammer), sind die Namen auch noch falsch geschrieben, denn es gibt schon einen Unterschied zwischen einem Bindestrich – und einem Unterstrich _ … nur nicht für den WDR.

PS: Als Service-Tweet hier mal die Tweets korrekt eingebunden:

Reaktionen des WDR?

Obwohl der WDR und die Aktuelle Stunde natürlich direkt nach Ausstrahlung darauf in den sozialen Medien angesprochen wurden ((übrigens heißt es bei der Aktuellen Stunde dazu: „Jeden Tag erreichen uns per Mail, Post , Telefon und über unsere Facebook-Seite und Twitter viele Anregungen und Vorschläge für Themen, die wir in unserer Sendung behandeln sollen. Jeden Vorschlag nehmen wir ernst […]“)), gab es weder bei Facebook noch bei Twitter Reaktionen.

Aber das liegt wohl daran, dass am Feiertag schon Feierabend ist, denn Ingo Schulze Schneider ((ich korrigiere Fehler transparent! *g*)) (@happylev), der Pressesprecher der Piratenfraktion NRW, twitterte folgendes:

Updates #1 und #2:

Das erste Update hat (vor dem ersten Kommentar unten *g*) den Namen des Pressesprechers der Piratenfraktion korrigiert. Wobei der korrekte Name ja in der korrekten Fassung kurz dadrunter stand.

Im zweiten Update ging es darum, dass auch der Moderator der Aktuellen Stunde sich vertan hat – seinen einleitenden Worten zu Beginn der Sendung zufolge, müsste jetzt Klaus Hammer den Landtag verlassen. Da war er aber nie drin – jedenfalls nicht als Landtagsabgeordneter. Ist schon schwer der Unterschied zwischen Partei und Fraktion.

Danke an die Twitter-Hinweise (@Maltis, @KompaLaw und @shuteyed), die zu den Updates führten.

Update #3: Reaktion des WDR

Inzwischen hat sich der WDR, respektive die Redaktion der Aktuellen Stunde, gemeldet. Bei Twitter schrieb man beispielsweise:

und als direkte Reaktion auf mich

Meiner Meinung nach ist das jedoch keine Verkürzung oder ein Missverständnis, sondern einfach falsch, da Klaus Hammer keinen Arbeitsplatz im Landtag hat(te), wie unter anderem er selbst auf Nachfrage bestätigte:

Schön finde ich jedoch, dass die Aktuelle Stunde mit einem Kommentar direkt im Pottblog reagiert hat. Ich bin da zwar zum Teil anderer Meinung (siehe oben das mit der „Verkürzung“ in Sachen Arbeitsplatz im Landtag), aber ich finde es gut, dass man doch drauf reagiert ((bin aber gespannt, ob auch die TV-Zuschauer davon was haben werden…)), und dass man Besserung gelobt.

Um übrigens auch einigen Kommentatoren die Illusion zu rauben – mit diesem Artikel verfolge ich kein bestimmtes Kalkül. Ich war einfach nur entsetzt, wie falsch der WDR, den ich in Angelegenheiten der Landespolitik eigentlich schätze, über so eine Sache berichten kann. Auch dass man hier Namensspielchen macht, fand ich eher befremdlich und nicht dem Niveau eines öffentlich-rechtlichen Senders angemessen.

Wenn es jedoch Kalkül sein soll, dass ich einen qualitativ guten öffentlich-rechtlichen Rundfunk will, der fehlerfrei und kompetent informiert – dann kann man das ruhig gerne Kalkül nennen…


19 Kommentare »

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