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Jens Matheuszik — 4. September 2012, 17:13 Uhr

Initiatoren des Bürgerbegehrens Musikzentrums vergreifen sich mal wieder im Ton (Update)


Das die Befürworter des Bürgerbegehrens gegen das Musikzentrum Bochum keine Mittel scheuen um ihr Anliegen durchzusetzen ist bekannt. Grundsätzlich ist das auch in Ordnung, auch wenn man das Bürgerbegehren an sich für falsch und nicht juristisch durchsetzbar hält.

Dennoch sollten sich die Befürworter des Bürgerbegehrens mal fragen, ob ihre Klamaukaktionen (wie z.B. der angebliche griechische Millionär, der Geldscheine vom Rathaus regnen ließ oder lassen wollte) der Sache angemessen sind. Da wird dann unterschwellig mit antigriechischen und antieuropäischen Ressentiments gespielt, was man sonst nur aus bestimmten anderen Richtungen kannte. Vor einiger Zeit fragte Dr. Volker Steude, der Initiator und Kopf des Bürgerbegehrens des Musikzentrums Bochum, in einer Pressemitteilung (siehe dazu den Pottblog-Beitrag Bürgerbegehren zum Musikzentrum in Bochum eskaliert sprachlich: “Ist Townsend jedes Mittel recht?”), ob dem Kulturdezernenten der Stadt Bochum jedes Mittel recht sei.

Jetzt gibt es eine erneute Aktion, von der man Teile um 18:00 Uhr im RTL-Fernsehen (Explosiv) beobachten kann:

Wenn Dr. Volker Steude selbst im Lokalkompass in der von ihm selbst geschriebenen Pressemitteilung dem von ihm selbst geschriebenen Artikel von einer „Satire-Trash-Aktion“ schreibt, dann ist das wirklich Müll was da passiert ist.

In Anlehnung an die russische Band Pussy Riot die in Russland aufgrund fadenscheiniger Vorwürfe für mehrere Jahre ins Gefängnis gesteckt worden sind, hat nun Pussy Riots (Chapter Bochum) eine Aktion rund um das geplante Musikzentrum Bochum in Form einer Ankettaktion an Platanen rund um die Marienkirche durchgeführt.

Es ist absolut geschmacklos, wie Dr. Steude und seine Mitstreiter das menschliche Schicksal der Sängerinnen von Pussy Riot missbrauchen um ihr politisches Ziel, der Verhinderung des Musikzentrums Bochum, durchzusetzen!

Anscheinend reichen Dr. Steude & Co. nach den sprachlichen Entgleisungen gegenüber den Verantwortlichen der Stadt Bochum und das Spielen mit antieuropäischen und antigriechischen Ressentiments nicht aus. Mit dieser Aktion missbrauchen die Initiatoren des Bürgerbegehrens das Schicksal der verurteilten Band! Da fragt man sich ja fast schon: Was kommt als nächstes?

Politische Auseinandersetzung in der Sache, Diskussionen und den Streit der inhaltlichen Argumente gerne – aber sowas nicht. Vielleicht hätten Dr. Steude & Co. den jetzt eingesetzten Brachialaktivismus in der Vergangenheit produktiver genutzt – beispielsweise zu einem Zeitpunkt als sowohl ein Bürgerbegehren als auch ein Ratsbürgerentscheid sicher im Bereich des möglichen lag.

Die Stadt Bochum hat inzwischen auch schon Stellung bezogen – die Pressemitteilung dokumentiert das Pottblog nachstehend:

“Absoluter Missgriff”

Mit Kopfschütteln reagiert Bochums Stadtspitze auf die Aktion Demonstrantinnen und Demonstranten, die sich selbst als “Pussy Riots / Chapter Bochum” ankündigt hatten, um an der Marienkirche gegen das geplante Musikzentrum zu protestieren.

Als geschmacklos empfindet Bochums Kulturdezernent den Vergleich, den die Aktivistinnen und Aktivisten an der Marienkirche zu “Pussy Riot” ziehen. “Den verurteilten Musikerinnen gehört meine volle Solidarität”, sagt Michael Townsend entschieden.
Den Schauprozess und die Verurteilung der russischen Frauenband in einem nicht rechtstaatlichen System zu missbrauchen, um in einem demokratischen Land Aufmerksamkeit für eine inhaltlich ganz anders gelagerte Protestaktion zu erheischen, findet er unsäglich. “Man kann für oder gegen das Musikzentrum sein, aber dieser politische Vergleich ist ein absoluter Missgriff.” Und weiter:

“Es handelt sich bei dem Musikzentrum nicht um ein Privatprojekt, wie behauptet wird, das von einer kleinen Clique vorangetrieben wird, sondern um eines der wichtigsten Kultur- und Bildungsvorhaben für unsere Stadt, das von einem starken bürgerschaftlichen Engagement getragen wird”, stellt Bochums Kulturdezernent richtig.

20 000 Spenderinnen und Spender unterstützten den Bau des Musikzentrums.

“Dies ist sicher eine der größten Spendenaktionen, die es in Bochum je gegeben hat”, unterstreicht Michael Townsend die Zustimmung, die das Bauvorhaben in der Bürgerschaft findet. Dafür fließen zweckgebunden 30 Millionen Euro Förder- und Stiftungsgelder. Es sind zusätzlich bereit gestellte Mittel, die damit keinem anderen Kultur- und Bildungsprojekt verloren gehen.
“Der städtische Anteil von 2,4 Millionen Euro ist vergleichweise gering”, betont der Kulturdezernent.

Im Rahmen der Grünflächenplanung überprüft die Stadt zurzeit, welche Platanen an der Marienkirche erhalten bleiben können. Für diejenigen Bäume, die voll im Baufeld stehen und fallen müssen, pflanzt das Umwelt- und Grünflächenamt Ersatz. “In der Summe wird es nicht weniger Grün in der Stadt geben”, versichert Michael Townsend. Es stünden Gelder für neue Bäume bereit.

Spricht man mit führenden Vertretern der Piratenpartei Bochum möchten diese die Aktion des Piratenmitglieds Steude nicht kommentieren und würde es für „entnervtes Augenrollen“ ein Symbol geben, würde dieses hier abgedruckt sein…

Nachtrag:

Oben wurde die Piratenpartei Bochum erwähnt – zur Erklärung hier der Zusammenhang, der aus der ursprünglichen Fassung nicht unbedingt direkt hervorging:
Dr. Volker Steude, der Kopf des Bürgerbegehrens gegen das Musikzentrum, ist Mitglied der Piratenpartei Bochum (und kandidierte unlängst für die Piraten für den NRW-Landtag) und hatte versucht in seiner Partei Unterstützung für das Bürgerbegehren zu gewinnen, war jedoch damit gescheitert.

Außerdem berichten inzwischen weitere Medien: So beispielsweise die WAZ bzw. DerWesten. Bisher berichtete man dort teilweise recht wohlwollend zum Bürgerbegehren, doch der Artikel Pornostars sollen Platanen retten bzw. der eindeutig formulierte Kommentar („Griff ins Klo“) sehen das jetzt etwas anders. Der Kommentar schließt mit den Worten:

Diese Aktion – offensichtlich made by Volker Steude – war eine Ohrfeige für alle, die sich ernsthaft um unsere Umwelt sorgen.

Auch die Ruhr Nachrichten berichten über die Aktion und die Reaktion der Stadt.


7 Kommentare »

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  1. (1) Kommentar by Chris @ 4. September 2012, 19:36 Uhr

    Bleibt nur zu hoffen, dass diese Personen mit dem Begehren krachend scheitern!


  2. (2) Pingback by Links anne Ruhr (05.09.2012) » Pottblog @ 5. September 2012, 07:44 Uhr

    […] Initiatoren des Bürgerbegehrens Musikzentrums vergreifen sich mal wieder im Ton (Pottblog) […]


  3. (3) Kommentar by Michel Ney @ 5. September 2012, 13:27 Uhr

    Nebenbei:
    Warum wird allenthalben eigentlich immer penetrant der Doktortitel von Herrn Steude genannt? Das ist ein akademischer Grad, der hinsichtlich wissenschaftlicher Befähigung (vielleicht) etwas aussagt, aber im öffentlichen/politischen Raum nicht von Belang ist.


  4. (4) Pingback by Vorschläge für weiteren kreativen Protest gegen das Musikzentrum Bochum | Ruhrbarone @ 5. September 2012, 13:43 Uhr

    […] mal wieder mit einer geschmacklosen Aktion auf sich und ihr Anliegen aufmerksam zu machen, wie das Pottblog gestern […]


  5. (5) Kommentar by Jens @ 7. September 2012, 16:33 Uhr

    @Chris (1):
    Ich gehe davon aus, dass es a) zu keinem Bürgerbegehren kommen wird und – wenn doch – b) das Bürgerbegehren nicht erfolgreich wäre.

    @Michel Ney (3):
    In den Pressemitteilungen/Artikeln beim Lokalkompass, die von ihm selbst geschrieben werden steht der Titel auch dabei, insofern schreibe ich ihn auch. Hat auch etwas mit Höflichkeit zu tun nicht nur den Nachnamen, sondern auch noch Vornamen und ggf. den geführten Titel zu verwenden. Bisher hat sich Dr. Steude darüber nicht beschwert, wenn er es anders haben will, weiß er ja, wie er mich kontaktieren kann.


  6. (6) Pingback by Lässt die Stadt Bochum die Platanen für das geplante Musikzentrum Bochum vorzeitig fällen? » Pottblog @ 2. November 2012, 12:50 Uhr

    […] bestätigt Musikzentrum Bochum: Beanstandung der Linken zurückgewiesenInitiatoren des Bürgerbegehrens Musikzentrums vergreifen sich mal wieder im Ton (Update)Freie Bürger Bochum: Musikzentrum Bochum trifft Nerv der Zeit und könnte wirtschaftlicher […]


  7. (7) Pingback by Dr. Britta Freis (Stiftung Bochumer Symphonie) greift beim Spatenstich zum Musikzentrum Bochum Landtagsabgeordnete der Piraten an und leugnet es / Update #1 Verzicht auf Anzeige nach Entschuldigung » Pottblog @ 1. Mai 2013, 15:17 Uhr

    […] in der Sache [↩]Man erinnere sich – zur Rettung der Platanen gab es (siehe dazu auch diesen Beitrag) gemietete leicht bekleidete Damen, die sich als “Pussy Riot Chapter Bochum” […]


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