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Jens Matheuszik — 24. Mai 2012, 18:57 Uhr

Moonrise Kingdom – Schräger (und schöner!) Film von Wes Anderson


Am heutigen Donnerstag startet der Film Moonrise Kingdom von Drehbuchautor und Regisseur Wes Anderson in den Kinos, dessen bekanntester Film bisher wohl Die Royal Tenenbaums ist.

In diesem skurrilen ((das muss man eigentlich nicht gesondert erwähnen, wenn man Wes Anderson kennt)) Film geht es zurück ins Jahr 1965 auf irgendeine kleine Insel vor der Küste Neuenglands. Vordergründig geht es um den jungen Pfadfinder Sam, der eines Morgens fristlos sein „Engagement“ im Sommercamp gekündigt hat, und den daraufhin der Chefscout Ward (dargestellt von Edward Norton) mitsamt den anderen Pfadfindern sucht.
Nahezu zeitgleich verschwindet Suzy, die Tochter des Anwaltsehepaares Bishop (Frances McDormand und Bill Murray), was natürlich – wie man sich denken kann – jetzt nicht wirklich ein Zufall ist, denn die beiden sind seit über einem Jahr ineinander verliebt und haben beschlossen durchzubrennen.

Der Inselpolizist Captain Sharp (Bruce Willis) macht sich auf die Suche nach den beiden, wobei das Anwaltspaar Bishop eher im Weg als hilfreich zur Seite steht. Das Sharp und Mrs. Bishop eine heimliche Affäre haben, macht die Situation nicht wirklich leichter.

Sams Pfadfinder“freunde“ freuen sich auf die Suchaktion und hoffen auch auf die Genehmigung des obersten Scouts bei der Suche Gewalt anzuwenden – denn eigentlich mögen sie Sam nicht wirklich, der im Sommercamp immer ein Außenseiter war. Und so machen sie sich schwer „bewaffnet“ auf die Suche nach dem fahnenflüchtigen Pfadfinder

Die Insel mag ja klein sein, aber das ungleiche Paar schafft es sich durch die „Wildnis“ zu schlagen – was sicherlich auch an der guten Vorbereitung liegt, denn ein guter Pfadfinder wie Sam weiß, dass man beispielsweise Durst löschen kann, in dem man Kieselsteine lutscht. Nachdem der durchgeführte Test eher nicht auf Begeisterung stieß erzählt er nebenbei, dass er aber auch noch genügend Wasser dabei haben würde, was in dem eher skurrilen Gepäck der beiden eher zu den nützlicheren Dingen gehört (neben einem batteriebetriebenen Plattenspieler, einer Hauskatze im Reisekorb oder einer für die Geschichte wirklich wichtigen Linkshänderschere von Suzy).
Doch so groß ist die Insel dann doch nicht und nach einem durchaus nicht ungefährlichen Zwischenfall gewinnt die anfänglich eher dahinplätschernde Handlung deutlich an Fahrt, vor allem, als sich „das Jugendamt“ (Tilda Swinton) einschaltet, denn Sam ist, wie man inzwischen erfahren konnte Waise, und daher in der Obhut der Behörden.

Fazit zu „Moonrise Kingdom“:

Wenn man diesen Film nur mit einem Wort beschreiben müsste, würde ich das bereits verwendete Wort „skurril“ verwenden. Doch gottlob habe ich hier etwas mehr Platz als für ein Wort und auch nur in 140 Zeichen könnte man den Film nicht wirklich adäquat beschreiben.
Direkt zu Beginn des Films fällt erstmal die Detailverliebtheit auf – dem Film nimmt man ohne Probleme auch ab, dass er in den sechziger Jahren spielt. Da gibt es ja andere Produktionen, die zwar auch in der „nahen“ Historie spielen, aber irgendwie deutlich moderner wirken.

Doch auch hier ist natürlich die Ausstattung des Filmes (göttlich ist beispielsweise das Bühnenbild in der Vorführung von Noah und die Sintflut in der Kirche) nur die Verpackung für einen Inhalt. Der Inhalt ist aber auch sehr gut, denn die skurrilen Charaktere lassen einen manchmal dran verzweifeln, wer denn jetzt kindisch ist oder aber erwachsen, denn die älteren Rollen (angefangen über den Chefscout Ward über die Bishops bis hin zum Polizisten oder am Ende „das Jugendamt“ ((wenn ich das richtig in Erinnerung habe, wurde sie wirklich immer nur (auch von sich selbst!) als „das Jugendamt“ bezeichnet))) stehen sich selbst im Weg und sind viel kindischer als die rational denkenden Suzy und Sam, die wenigstens einen Plan haben.

Auch wenn der Film eine traurige Grundgeschichte hat (denn es hat ja Gründe warum Suzy und Sam durchbrennen wollen) ist es doch ein Film, über den man sich angesichts seiner obskuren Situationskomik sehr gut amüsieren kann.

Das ganze lebt natürlich von den Schauspielern, denn nicht nur Suzy und Sam (Kara Hayward, Jared Gilman) sind gut besetzt worden, sondern auch gerade die Erwachsenen. Ob nun der eher verwirrte Scout Ward (Edward Norton) der zu sehr in seinen Ritualen verhaftet ist, bevor er merkt was Sache ist, oder aber das Ehepaar Bishop (grandios hier vor allem Bill Murray). Doch Sympathieträger (unter den Erwachsenen) ist vor allem der Inselpolizist Sharp, wo Bruce Willis mal wieder zeigen kann, was er schauspielerisch auch abseits von Actionfilmen kann.

Wer nicht alltägliche Filme, skurrile Geschichten, gute Charakterdarsteller und eine gute Ausstattung mag – der kommt bei „Moonrise Kingdom“ mehr als auf seine Kosten!

Trailer zu „Moonrise Kingdom“:

Andere Berichte:

Zu dem Film gibt es auch Berichte bei derFreitag und LR-Online.

Hinweis: Die Eintrittskarte für den Film wurde mir vom Tobis-Filmverleih kostenlos zur Verfügung gestellt. Das (und die kostenlose fritz kola) haben jedoch meine Meinung zu dem Film nicht beeinflusst.


4 Kommentare »

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