Search:

Werbung:

Google+:

Archiv:


J. Matheuszik — 5. April 2012, 06:57 Uhr

Norbert Röttgen (CDU) attackiert Rot-Grün und Hannelore Kraft (SPD) und nutzt seine letzte Chance


Norbert Röttgen (CDU)Jetzt hat er es allen gezeigt – der Bundesumweltminister und nordrhein-westfälische CDU-Vorsitzende Norbert Röttgen hat bei der CDU-Landesvertreterversammlung, bei der er auf Platz 1 der Landesreserveliste gewählt wurde, seine Rede zu den CDU-Delegierten von Anfang bis Ende unter das Motto „Attacke!“ gestellt und frontal die amtierende Landesregierung von SPD und Grünen angegriffen (siehe dazu auch das Live-Blogging im Pottblog).

Zwar blieb er immer noch im gesellschaftlich akzeptablen Ton und überzog seine Aussagen nicht hin bis zur Schmähkritik (wie es einige seiner vor allem jüngeren Parteifreunde gerne mal machen…), aber er ließ kein gutes Haar an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), die er ja beerben will. Dass es dahingehend auch anders geht, zeigte diese beispielsweise am letzten Samstag, wo sie explizit die Mitarbeit der CDU am Schulkonsens nannte un dafür dankte.

Feinsinnige Ironie war es jedoch nicht, als Röttgen die seiner Meinung nach Unbekannten aus dem Landeskabinett angriff, denn ob jetzt beispielsweise eine Ursula Heinen-Esser wirklich so extrem bekannt ist, sei mal dahingestellt.

Den versammelten CDU-Delegierten gefiel auf jeden Fall das ordentliche Draufhauen auf die Landesregierung und die sie tragenden Parteien und ignorierten dann auch mal, die Lücken im Vortrag ihres Landesvorsitzenden. Denn wer andauernd die rot-grüne Finanzpolitik als unsolide darstellt, sollte dann mal erklären, warum man vor einem Monat noch die Gebührenfreiheit für das letzte Kita-Jahr und den Verzicht auf Studiengebühren brandmarkte, aber jetzt eher still und heimlich diese beiden originär rot-grünen Maßnahmen beibehalten wird.

Aber um harte Fakten geht es bei einem solchen Auftritt ja sowieso eher nicht, sondern darum die eigenen Parteifreunde zu mobilisieren – und das gelingt bei Angriffen auf Rot-Grün einem CDU-Politiker relativ einfach, wie sich auch schnell am rhythmischen Klatschen in der vollen Halle1 zeigte.

Norbert Röttgen hatte gestern die letzte Chance seinen verkorksten Wahlkampfbeginn einigermaßen zu retten – sein Wahlergebnis zeigte, dass Norbert Röttgen und die CDU in NRW diese letzte Chance genutzt haben. Zwar sprachen einige Delegierte auf dem Weg nach Hause davon, dass dies „kein ehrliches Ergebnis“ war, aber nach den 99 %-Vorlagen der FDP und der SPD wäre es ein schlechtes Signal gewesen, wenn Norbert Röttgen deutlich schlechter abgeschnitten hatte.

Ob Röttgen jedoch mit seiner Strategie des frontalen Angriffs auf Rot-Grün unter Vermeidung eigener Aussagen zur Finanzpolitik (bis auf das Revidieren von nur vier Wochen alten Positionen) durchkommen wird, wird sich zeigen. Die Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ist über ihr Lager hinaus sehr beliebt, während Röttgen weniger Zustimmung im Land erfährt als seine eigene Partei. Insofern könnte es sich als Bumerang erweisen, dass er Kraft direkt angreift.

Wenn man übrigens die Delegierten nach den Erfolgschancen der Wahl fragte, war man zuversichtlich – jedenfalls der Presse und den Blogs gegenüber. Interessanter dann jedoch die Aussagen von führenden CDU-Politikern die Wahlkreiskandidaten mit sehr unsicheren Direktwahlkreisen (aber dafür sehr guten Listenplätzen) mit einem „wir sehen uns in Düsseldorf“ verabschiedeten. Wer das besondere NRW-Wahlrecht kennt, der weiß, dass die CDU-Liste eigentlich nur dann zieht, wenn die CDU eher schlechter als die SPD abschneidet…

PS: Das Bild von Norbert Röttgen stammt von Laurence Chaperon bzw. dem Wikimedia-Nutzer Cducsu, steht unter CC-BY-Lizenz und wurde dem Archiv Wikimedia Commons entnommen.

  1. auch ein guter Trick um Masse zu erzeugen: man nehme zwar viel weniger Delegierte als beispielsweise die SPD am letzten Samstag, aber auch einen viel kleineren Raum []

4 Kommentare »

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URI.

  1. (1) Pingback by Links anne Ruhr – und am Rhein (Landtagswahl #nrw12) 05.04.2012 » Pottblog @ 5. April 2012, 07:19 Uhr

    […] 1995 (1) « Norbert Röttgen (CDU) attackiert Rot-Grün und Hannelore Kraft (SPD) und nutzt seine letzte…   Pottblogger — 5. April 2012, 07:19 […]


  2. (2) Pingback by Der Ruhrpilot | Ruhrbarone @ 5. April 2012, 07:23 Uhr

    […] NRW IV: Norbert Röttgen (CDU) attackiert Rot-Grün und Hannelore Kraft…Pottblog […]


  3. (3) Kommentar by Marc Nemitz (Literaturasyl) @ 5. April 2012, 10:49 Uhr

    Hallo,

    zunächst dachte ich, dass Frau Kraft es ganz geschickt eingefädelt hätte und ihre Wahl praktisch schon fest stände. Mittleriwele halte ich den Ausgang jedoch für offen, denn das starke Auftreten der Piraten war kaum vorhersehbar für die gesetzten Parteien.

    Wie gesagt, ich bin jetzt sehr gespannt und freue mich auf den Wahlabend.

    mfG

    Marc


  4. (4) Kommentar by Jens @ 18. April 2012, 06:24 Uhr

    @Marc Nemitz (3):
    Naja, vorher zu wissen, wie eine Wahl ausgeht ist schwierig. Ich bin aber auch sehr gespannt.


Schreib einen Kommentar

Line and paragraph breaks automatic, e-mail address never displayed, HTML allowed: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Mit dem Absenden eines Kommentars wird akzeptiert, dass der angegebene Name, die eMail-Adresse und die derzeit aktuelle IP-Adresse Ihres Internetanschlusses zusammen mit dem Kommentar gespeichert wird. Weiteres hierzu in den entsprechenden Datenschutzhinweisen.