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Jens Matheuszik — 19. März 2012, 15:38 Uhr

Reaktionen auf homophobe Plakate auf der Dortmunder Südtribüne: „BVB verurteilt Schmäh-Plakate“


Nachtrag: Inzwischen gibt es jetzt (Ende März/Anfang April) auch die so genannte „Entschuldigung“ der Verursacher.

Am vergangenen Samstag konnte man in Bezug auf Borussia Dortmund eine geteilte Medienwelt erkennen:

Während die klassischen Medien (Zeitungen, TV, Radio und z.T. auch die Online-Presse) primär über das 1:0 des BVB gegen den SV Werder Bremen berichteten, wurde in den sozialen Netzwerken etwas ganz anderes diskutiert: Homophobe Plakate auf der Südtribüne von Borussia Dortmund bestimmten dort die Diskussion. Das Entsetzen über diese Plakate bei vielen BVB-Fans, die Aussagen von Fans anderer Vereine, dass das klar gegen den BVB sprechen würde und natürlich auch die Diskussion über die Hintergründe – das war viel mehr ein Thema als ein erneuter Sieg des BVB (das wird ja auch schon fast langweilig – aber nur fast!).

Zu den Hintergründen zu den Plakaten gibt es eine ausführliche Diskussion in den Kommentaren des Pottblog-Beitrages, aus der man auch meiner Meinung nach glaubhaft entnehmen kann, dass viele dort gar nicht wussten, was das für merkwürdige Plakate waren, als sie sich wegen der Sichtbehinderung beschwerten. Nachdem dann aber klar war, wes Geistes Kind die Aussagen waren, gab es ja entsprechende Reaktionen darauf. Das zeigt übrigens, dass die Südtribüne keine homogene (sic!) Gruppe ist, sondern dass es da vielfältige Einstellungen gibt – und anscheinend sind die, die homophobes Gedankengut in sich tragen, in der deutlichen Minderheit – was auch Gesänge wie „Und ihr wollt Borussen sein?“ mehr als eindrucksvoll demonstrierten.
Insofern ist pauschales Verurteilen der BVB-Fans, wie es auch in den letzten Tagen deswegen geschah, absolut fehl am Platz.

Inzwischen gibt es neben Reaktionen aus den Medien auch eine Stellungnahme von Borussia Dortmund (BVB) selbst:

Reaktion des Aktuellen Sportstudios (ZDF)

Nach dem Spiel und vor dem Aktuellen Sportstudio am Samstag wurde versucht die Redaktion des Aktuellen Sportstudios auf die Thematik aufmerksam zu machen, in dem der Twitter-Account @ZDFsportstudio entsprechend informiert wurde. Dabei wurde auch darum gebeten, das Thema in der Sendung anzusprechen und das entsprechende Plakat zu zeigen. Michael Steinbrecher, der Moderator des Aktuellen Sportstudios, sprach das Thema dann wie folgt an:

„Vor Ergebnissen & Tabelle etwas zu einer sehr intensiv und heftig geführten Diskussion im Netz & bei Twitter – es geht um das Dortmund-Spiel. Auf der Tribüne in Dortmund gab es ein großes homophobes Transparent. Unsere Follower haben uns das über Twitter geschickt & intensiv diskutiert. Danke an alle dafür. Aber wir haben entschieden, dass Transparent nicht zu zeigen: so einem Schwachsinn wollen wir kein Forum bieten.“

Das ist eine Entscheidung die man so akzeptieren muss, auch wenn ich beispielsweise anders gehandelt hätte (und habe). Beispielsweise frage ich mich, ob die Zuschauer der Sendung anhand dieser Sätze überhaupt alles verstanden haben, was es da zu verstehen gab.

Reaktionen von Borussia Dortmund (BVB)

Von Borussia Dortmund gibt es gleich zwei offizielle Reaktionen – hier die der Vereinsführung, wie sie per Pressemitteilung bekannt gegegeben wurde:

Pressemitteilung zu den Schmähplakaten

Borussia Dortmund verurteilt Schmähplakate

Borussia Dortmund verurteilt scharf die homophoben Schmäh-Plakate, die am Samstag beim Bundesligaspiel gegen Werder Bremen auf der Südtribüne zu sehen waren. „Der BVB wird die Urheber sanktionieren und erwartet darüber hinaus eine öffentliche Entschuldigung der Verantwortlichen“, erklärte Hans-Joachim Watzke, Vorsitzender der BVB Geschäftsführung.

„Wir sind beschämt und entsetzt über die Intention dieser Banner“, heißt es in einer Stellungnahme der Fan- und Förderabteilung, die die einhellige Meinung des gesamten BVB wiedergibt. „Wir und unsere Mitglieder“, so die Erklärung weiter, „stehen für einen toleranten, weltoffenen, vielseitigen und respektierenden Umgang untereinander. Wir verurteilen Gewalt und Rassismus. Wir wollen, dass Borussia Dortmund und die Fans ihren Teil für mehr Miteinander und weniger Gegeneinander in unserer Gesellschaft leisten.“

Die Pressemitteilung bezieht sich auf die Stellungnahme der Fan- und Förderabteilung, die aus Dokumentationsgründen hier vollständig wiedergegeben wird:

Fan- und Förderabteilung des BVB

Aus gegebenem Anlass spricht sich die BVB | Fan- und Förderabteilung klar für Toleranz, Demokratie und Vielfalt aus. Zugleich beziehen wir eindeutig Stellung gegen Rassismus, Homophobie und Gewalt im Fußball und in der Gesellschaft.

Der BVB steht für eine bunte und vielfältige Fangemeinde. In Paragraph 2, Absatz 3 der Satzung des BVB e. V. sind der Zweck und die Aufgabe des Vereins verankert. Der BVB soll „die Funktion des Sports als verbindendes Element zwischen Nationalitäten, Kulturen, Religionen und sozialen Schichten“ fördern und „Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft, Glauben, sozialer Stellung oder sexueller Identität eine sportliche Heimat“ bieten.

Durch zahlreiche Aktionen und Projekte setzt sich die BVB | Fan- und Förderabteilung immer wieder für Toleranz, Demokratie und Vielfalt ein. Diese Weltanschauung werden wir auch zukünftig vorantreiben und unterstützen und auf diese Weise unsere Vereinssatzung als Grundordnung unseres Vereins mit Leben füllen.
Aufgrund der Vielzahl von Rückmeldungen und Gesprächen wissen wir, dass sehr viele Fans diese Grundwerte teilen. Wir sind daher davon überzeugt, dass es uns gemeinsam auch in Zukunft gelingen wird, für diese Ideale einzustehen und diese Werte nach außen zu verteidigen.

Leider müssen wir feststellen, dass Einzelne ein anderes Bild von unserem Verein zeichnen und das Stadion als Plattform für die Verbreitung respektloser, gewaltverherrlichender und menschenunwürdiger Ansichten missbrauchen.

Aus Sicht der BVB | Fan- und Förderabteilung wird ein solches Verhalten dem BVB und seinen vielen Fans in keiner Weise gerecht. Daher ist es Aufgabe aller, sich wahrnehmbar für die Ideale unseres Vereins und unserer Gesellschaft einzusetzen.

Für Rassismus, Homophobie und Gewalt gibt es keinen Platz – weder bei uns im Stadion noch darüber hinaus.

BVB | Fan- und Förderabteilung

Reaktionen der Medien

Am Wochenende fand sich in den klassischen Medien zu dem Thema… quasi nichts. Jedenfalls nichts, worauf man online verlinken kann. Zwar hatte die Ruhr Nachrichten (RN) in ihrer BVB-Sonderseite (die es aber nur in Teilen der Auflage gibt) kurz drüber berichtet, aber das Thema, welches online diskutiert wird, auch online zu bringen, fand nicht statt. Erst die offizielle Pressemitteilung des BVB sorgte dann für online verfügbare Artikel zu dem Thema:

Die beiden Artikel der wohl größten BVB-Berichterstatter in der Region beziehen sich nur auf die reine Pressemitteilung vom heutigen Montag. Am Wochenende selbst wurde nicht darüber berichtet, obwohl das Thema ja nicht „nur im Internet“, sondern auch im Aktuellen Sportstudio thematisiert wurde und somit eigentlich hätte bekannt sein dürfen.

Zwar soll noch Pottblog-Informationen sowohl bei den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe (WAZ/WR) als auch bei den Ruhr Nachrichten dazu etwas in Vorbereitung sein (was nicht wundert, denn das Thema kocht schon ein wenig hoch, wie ich an den Zugriffszahlen des Pottblogs sehen kann), aber es wundert schon, dass diese Berichte erst so spät kommen.

Nachtrag: Wie üblich berichtet das BVB-Magazin (Gib mich‘) Die Kirsche in der WR-Fankolumne nach dem Spieltag bei DerWesten auch zu dieser Thematik – mit einer Stellungnahme der gesamten Kirsche-Redaktion (zu der ich auch gehöre):
Kleine Gruppe missbraucht die Südtribüne für Hass-Botschaften


7 Kommentare »

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