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Jens Matheuszik — 19. Februar 2012, 20:05 Uhr

Ein paar Worte zu Christian Wulff


Inzwischen ist Christian Wulff als Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland zurückgetreten.

Ob man jetzt darüber erleichtert sein kann oder nicht – das kann ich ehrlich gesagt zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht wirklich sagen. Ich wollte mich bisher zu dieser Personalie auch eher nicht äußern und so finden sich in den vergangenen Wochen und Monaten eher keine Beiträge1 zu Christian Wulff hier im Pottblog, während sich andere Medien da teilweise überschlagen haben und tägliche Updates brachten. Ich habe extra mal nachgeschaut – explizite Erwähnung findet Christian Wulff nur im Beitrag Christian Wulff (CDU) ist rechtmäßiger Bundespräsident aus dem Juli 2010, der a) inzwischen jetzt veraltet ist und b) sich einer merkwürdigen Verschwörungstheorie2 widmet.

An der Affäre von Christian Wulff empfand ich übrigens bei weitem nicht die Medien als Hetzer, die Wulff drangsaliert haben. Man muss sich hier immer noch vor Augen führen, dass wir hier von einem Politiker reden, der keine Probleme hatte sein Privatleben mit der Presse zu teilen (wie besonnen er doch damals seine erste Ehefrau verließ…), ein Politiker, der anderen Politikern bei den kleinsten Verfehlungen schon moralisch ins Gewissen sprach und Rücktritte forderte und und und – sprich: ein Politiker, der Wasser predigt und (von wem auch immer bezahlten) Schaumwein trinkt. Das er einer Salamitaktik gleich erst immer das zugab, was kurz zuvor bekannt wurde, sprach jetzt auch nicht unbedingt für ihn. Andere Aspekte (Stichwort: BobbyCar) waren jedoch eher peinlich für die Berichterstatter, auch wenn sie vielleicht zum „Gesamtbild“ gehörten.

Es gibt zwei Dinge, die für mich an dieser Angelegenheit bemerkenswert sind, weswegen ich sie hier noch einmal dokumentiere:

Christian Wulff und die BILD-Zeitung

Das (und vor allem was) Christian Wulff beim BILD-Chefredakteur Kai Diekmann auf die Mailbox gesprochen hat – das konnte ich nicht glauben, das hielt ich im ersten Moment für einen schlechten Scherz. Das sprach jetzt nicht gerade für den ehemaligen Bundespräsidenten.
Noch weniger sprach jedoch für den ehemaligen Bundespräsidenten, dass man in dieser Angelegenheit den Eindruck gewinnen konnte, dass die BILD-Zeitung einen wahrhaftiger (vielleicht nicht über die Motivation, aber die reinen Fakten an sich schon) über die Angelegenheit informierte, als der damals noch amtierende Bundespräsident. Wenn man mich vor einiger Zeit gefragt hätte, ob ich eher der BILD-Zeitung oder dem Bundespräsidenten glauben würde, dann wäre meine Antwort klar – und jetzt nicht unbedingt positiv für die BILD-Zeitung. Ein Christian Wulff hat das geändert – da wurde quasi „der Rubikon überschritten“, um mal bei seiner Ausdrucksweise zu bleiben.

Christian Wulff und der Anschein der Vorteilsnahme

Bedienstete im öffentlichen Dienst3 lernen es relativ schnell, dass man sich nicht bestechen lassen sollte und dass man auch nicht den Anschein erwecken sollte. Ich erinnere mich noch gut, wie ich mal Eintrittskarten für einen geplanten Messebesuch nicht annehmen durfte. Diese wurden von einer Firma, die in dem Bereich für meinen Arbeitgeber tätig war, uns kostenlos angeboten, da man als Aussteller über ein bestimmtes Kontingent an Freikarten verfügte.
Doch wir durften diese Karten4 nicht annehmen, denn das hätte ja den Anschein.
Abgesehen davon, dass zu dieser Messe meinen Beobachtungen zufolge eh keiner die regulären Tickets kauft, da da viel über Freikarten läuft, fand ich das in dieser Form auch schon etwas übertrieben – aber okay, es gibt Regeln, an die hält man sich. Und so gilt das auch für die Annahme von anderen Dingen, ob nun Kugelschreibern oder gar eine Tasse Kaffee.

Wenn man sich dann die Berichte über Christian Wulff durchliest und erfährt, was da alles ggf. gelaufen sein soll, dann ist der „Anscheint der Vorteilsnahme“ doch schon irgendwie gegeben. Ich persönlich finde es auch eher unrealistisch, dass man die drei- bzw. vierstelligen Summen von Hotelrechnungen und dergleichen mal eben per Bargeld begleicht.

Amüsante Anekdote am Rande: Hat Pfarrer Peter Hintze den Sturz von Christian Wulff veranlasst?

FAS: Der tödliche VermerkHeute morgen las ich die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) und dort den Artikel Der tödliche Vermerk (siehe Bild links).

Demnach hat einer der obersten Wulff-Verteidiger im Fernsehen, der Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Peter Hintze (CDU), mit seinen Aussagen in einer Talkshow anscheinend den finalen Tropfen dazu beigesteuert, dass das Fass überläuft und die Staatsanwaltschaft offizielle Ermittlungen einleiten wollte. Um diese Ermittlungen durchführen zu können wäre die Aufhebung der Immunität von Wulff erforderlich gewesen – das, was letztlich zum Rücktritt des Bundespräsidenten führte.

Schon ein Treppenwitz der Geschichte, wenn einer der letzten politischen Verteidiger von Christian Wulff quasi selbst für den Fall von Wulff verantwortlich gewesen sein sollte – siehe dazu auch RP-Online.

PS: Das Bild von Christian Wulff stammt von Pujanak, steht unter CC-BY-SA-Lizenz und wurde dem Wikimedia Commons-Archiv entnommen.

  1. außer ggf. Verweise in den Links anne Ruhr []
  2. wie ich sie eher aus den USA kenne []
  3. denn das gilt nicht nur für Beamte, sondern auch für Angestellte, wobei bei Beamten Verstöße u.U. gravierendere Folgen haben []
  4. Preis: ein kleinerer zweistelliger Betrag []

1 Kommentar »

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  1. (1) Pingback by Der Ruhrpilot | Ruhrbarone @ 20. Februar 2012, 09:50 Uhr

    […] Debatte III: Ein paar Worte zu Christian Wulff…Pottblog […]


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