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Jens Matheuszik — 12. Februar 2012, 19:10 Uhr

Adolf Sauerland (CDU), umstrittener Oberbürgermeister von Duisburg, ist abgewählt – politischer Neuanfang nach der Loveparade 2010 möglich


Jetzt ist es amtlich von der BILD-Zeitung gerade aktuell so berichtet worden – der umstrittene Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU), der aufgrund seiner Amtsführung in Bezug auf die Bewältigung der Loveparade 2010-Katastrophe, stark in die Kritik kam, wurde von einer Mehrheit der Duisburgerinnen und Duisburger heute (und in den Wochen der Briefwahl vorher) abgewählt!

Siehe auch: DerWesten, Ruhrbarone und RP-Online.

Zwar war von politischen Beobachtern eine Mehrheit im Abwahlverfahren für möglich gehalten worden, das notwendige Quorum hätte das jedoch alles verhindern können. Denn die nordrhein-westfälische Gemeindeordnung schreibt vor, dass die Anzahl derer, die für die Abwahl stimmen, mindestens 25 % der gesamten Wahlberechtigten entspricht – was rund 91.250 Stimmen sind1.

Da Duisburg nicht unbedingt als „Hochburg“ der Wahlbeteiligung gilt, war es immer kritisch, ob dieses Quorum erreicht wird – aber es hat sich ja dann doch gezeigt, dass das Thema die Leute zur Wahlurne zieht.

Interessantes Faktum am Rande:

Als Adolf Sauerland im August 2009 als Oberbürgermeister von Duisburg bestätigt wurde, hatte er nur 74.186 Stimmen auf sich vereinigen können – was damals 44,61 % entsprach, aber dennoch ausreichte, da die CDU/FDP-Landesregierung unter dem damaligen Ministerpräsideten Jürgen Rüttgers (CDU) die vorher jahrzehntelang notwendige Stichwahl abgeschafft hatte, was insofern ironisch ist, als dass die Bundesrepublik Deutschland Soldaten ins Ausland schickte, um Stichwahlen zu sichern, während sie hierzulande abgeschafft wurde2.

Das bedeutet, dass zur Abwahl von Adolf Sauerland mehr Stimmen notwendig gewesen wären als er selber damals bei seiner Wiederwahl im Jahr 2009 erzielte. Auch das zeigt übrigens, dass Sauerlands Aussage, dass das Gesetz, welches seine Abwahl ermöglichte, eine „Lex Sauerland“3 sei, falsch ist. Abgesehen davon, dass die Regierungsparteien SPD und die Grünen schon lange vor der Loveparade 2010 Änderungen an der Gemeindeordnung vorgesehen hatten…

Politischer Neuanfang für Duisburg ist notwendig

Duisburg hat einen Oberbürgermeister (oder eine Oberbürgermeisterin?) verdient, der/die sich um die Stadt kümmert, die Stadt repräsentieren kann und keine Angst hat, vor öffentlichen Terminen vor Ort. Das alles war mit Adolf Sauerland nicht mehr gegeben.

Bei all diesen Diskussionen sollte man übrigens nicht die Opfer der Loveparade 2010 vergessen – die Personen, die dort ihr Leben ließen, die Personen, die dort Angehörige, Freunde und Bekannte verloren haben oder aber die, die dort körperlich und seelisch verletzt wurden. Diesen wäre es wahrscheinlich nicht besser gegangen, wenn Sauerland abgewählt worden wäre. Aber sicherlich geht es ihnen eher schlechter als besser, wenn Sauerland, der das Gesicht der Loveparade 2010 war, im Amt bleibt.

Interessant wird es jetzt sein, wie es politisch in Duisburg weiter geht. Eine Nachfolgerin bzw. ein Nachfolger von Adolf Sauerland ist zu wählen – und hier ist es spannend, wie sich die politischen Akteure vor Ort positionieren werden. Faszinierenderweise wäre es wahrscheinlich sogar möglich, dass die CDU Duisburg als OB-Kandidaten erneut Adolf Sauerland nominiert – angesichts der Nibelungentreue der Christdemokraten Duisburgs wäre das wahrscheinlich noch nicht mal so unwahrscheinlich. Wobei man sich nicht unbedingt vorstellen kann, dass man die entsprechende Chuzpe dafür hat – aber gerade in Duisburg und gerade in Bezug auf die CDU und Adolf Sauerland hat man schon Sachen erlebt, die man sich nicht hätte träumen lassen. Aber das wäre kein politischer Neuanfang für Duisburg – ein Neuanfang den Duisburg notwendig hat. Der erste Schritt hierfür wurde heute getan – dank der Mehrheit der Duisburgerinnnen und Duisburger!

PS: Das oben verwendete Bild von Adolf Sauerland von Xtranews stammt ursprünglich aus dem Flickr-Account Xtranews und steht unter CC-BY-Lizenz.

  1. siehe dazu auch den Live-Ticker von DerWesten []
  2. siehe dazu diesen Bericht []
  3. also ein speziell für ihn geschriebenes Gesetz []

5 Kommentare »

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  1. (1) Pingback by Der Ruhrpilot | Ruhrbarone @ 13. Februar 2012, 07:39 Uhr

    […] Duisburg V: Politischer Neuanfang nach der Loveparade 2010 möglich…Pottblog […]


  2. (2) Kommentar by spatz07 @ 13. Februar 2012, 12:53 Uhr

    Dummheit, Rachegelüste,damit kommt ihr nicht weiter.
    Es gab und gibt keinen besseren Oberbürgermeister.

    ila gehanam


  3. (3) Kommentar by Jens @ 26. Februar 2012, 19:17 Uhr

    @spatz07 (2):
    Das sehen ja inzwischen auch viele CDU-Anhänger anders…


  4. (4) Pingback by Stichwahl in Duisburg: Sören Link (SPD) verfehlt mit 48,3 % knapp die notwendige Mehrheit bei der Oberbürgermeister-Wahl um die Nachfolge von Adolf Sauerland (CDU) » Pottblog @ 17. Juni 2012, 19:20 Uhr

    […] Erklärung von Adolf Sauerland (CDU), Duisburgs Oberbürgermeister in Sachen Loveparade 2010Adolf Sauerland (CDU), umstrittener Oberbürgermeister von Duisburg, ist abgewählt – …Morgen keine Demonstration gegen Adolf Sauerland (CDU), den Oberbürgermeister von DuisburgNur […]


  5. (5) Pingback by WDR TV: “Tiere suchen ein Zuhause” statt OB-Stichwahl in Duisburg und uninformierte WDR 2-Nachrichten » Pottblog @ 2. Juli 2012, 05:24 Uhr

    […] oder weniger bekanntlich wurde im Februar 2012 Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) von den Duisburgerinnen und Duisburgern abgewählt, da man mehrheitlich der Meinung war, dass er mit der Loveparade-Katastrophe nicht richtig […]


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