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Jens Matheuszik — 5. Januar 2012, 13:06 Uhr

Jonas – der Film: Christian Ulmen inkognito wieder in der 10. Klasse – als Schüler, dem man das abnimmt


Der 18-jährige Jonas ist nicht gerade das was man an der Schule einen Überflieger nennt – eher im Gegenteil. An der Paul-Dessau-Gesamtschule (irgendwo in Brandenburg) erhält er eine letzte Gelegenheit einen Schulabschluss zu erhalten, wenn er es denn schafft die „Probezeit“ zu überstehen ((anscheinend eine Besonderheit des brandenburgischen Schulgesetzes – nach einer gewissen Zeit kann ein Gremium von Lehrern demokratisch abstimmen und entscheiden, ob der Schüler auf der Schule bleibt oder nicht)).

So erlebt man wie Jonas auf die für ihn völlig neue Schule kommt, wie er sich mit den ersten Mitschülern anfreundet, eine eigene Band gründet und wie er sich schulisch bewährt.

Auf den ersten Blick klingt die Geschichte von Jonas – Der Film, der am heutigen Donnerstag offiziell in den Kinos startet, jetzt nicht so spannend.

Wenn man jedoch die Hintergründe kennt, wird es umso interessanter:
So spielt den 18-jährigen Jonas der mehr als doppelt so alte Christian Ulmen, dessen Verwandlungskünste seit der Serie Mein neuer Freund bekannt sind.

Außerdem spielt nur Christian Ulmen eine Rolle – die Schule, die Lehrer und vor allem seine Mitschüler sind „real“. Offiziell begleitet die Kamera den fast gescheiterten Schüler Jonas um das ganze für eine Dokumentation zu verarbeiten. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Mockumentary ((eine Art gefälschte Dokumentation)), denn in Wirklichkeit wurde für den Kinofilm „Jonas“ gedreht. Eingeweiht sind neben dem Filmteam nur die Schulleitung und die Lehrer, während die Schüler das ganze nicht wissen ((im Interview der FAZ mit Christian Ulmen erklärte der Schauspieler zwar, dass er glaubt, dass die Schüler das irgendwann schon mitbekommen haben, aber sicher ist das natürlich nicht)).

Christian Ulmen musste seine Rolle als Jonas den ganzen Tag durchziehen – morgens in der Schule, wo er auch an Tests und Prüfungen teilnehmen musste, nachmittags/abends als „Freizeit-Jonas“, der sich da mit seinen neuen Mitschülern traf, für Tests lernte, Musik machte oder sich auch mal betrank.

Auf den ersten Blick (auf diese Zeilen?) findet man das ganze ziemlich illusorisch: Christian Ulmen ist ja nicht der unbekannteste Schauspieler hierzulande, wer ihn aber bei Mein neuer bester Freund oder aber bei ulmen.tv gesehen hat, der weiß, wie verwandlungsfähig Ulmen ist und nach wenigen Minuten sieht man auch selbst im Kino nur noch Jonas und nicht mehr Christian Ulmen. Hier sieht man, mit welch einfachen Mitteln (Eispads gegen Tränensäcke, glatte Rasur, neue Frisur und anderes Outfit) man in andere Rollen schlüpfen kann und während in den US-Serien die typischen Schüler meistens von so alten Schauspielern gespielt werden, dass es mehr als unrealistisch wirkt, so gelingt Jonas eh Christian Ulmen es, den 18-jährigen Schüler sehr realistisch darzustellen.

Fazit zu Jonas – Der Film:

Es wäre nicht angemessen über die „Schauspielleistung“ der anderen Personen in dem Film etwas zu sagen, denn diese Leute spielen ja keine Rolle, sondern stellen sich selber dar und wirken dabei – was nicht wirklich überraschend ist – sehr glaubwürdig, teilweise aber auch (und das soll kein Widerspruch sein) recht skurril ((fast ein bisschen zu skurril – nach dem Motto „das kann man nicht ins Drehbuch schreiben, das wirkt unrealistisch“)). Ich teile übrigens Christian Ulmens These (siehe das Interview mit Christian Ulmen bei DerWesten), wonach Menschen, die wissen, dass ihr Gegenüber eine andere Rolle spielt, nach einer gewissen Zeit, nur noch mit der Rolle und nicht dem Menschen im Hintergrund interagieren. Da die Dreharbeiten über mehrere Wochen gingen, kann man auch davon ausgehen, dass dies hier auch entsprechend der Fall gewesen ist.

Aufgrund des Dokumentationscharakters braucht man auch über die Filmausstattung an sich nicht reden – aber der Soundtrack ist dann doch noch der Rede wert: Helge Schneider, Deichkind und Die Sterne steuern Lieder dazu bei und natürlich werden diese zum Teil stilecht von der neuen Schulband, die Jonas gegründet hat, gespielt, was schon seinen eigenen Charme besitzt.

Die Grundidee des Filmes kann man jedoch sicherlich bewerten und um es kurz zu machen: Die Idee hinter „Jonas – Der Film“ ist schlicht und ergreifend gut. Denn eigentlich dürfte die Angst „Ich bin in der Schule, muss an die Tafel und vor allen etwas vorrechnen, was ich nicht kann!“ bekannt sein – wenn nicht aus eigener Erfahrung ((Streber! ;) )), dann aus den Erlebnissen von Schulfreunden. Dieses beklemmende Gefühl stellt Ulmen sehr gut dar – und mal ehrlich: Wer weiß denn jetzt noch, Jahre nach der Schulzeit, wie man einen Logarithmus rechnet? Also wenn man nicht gerade Mathelehrer geworden ist…

Vielleicht ist der Film für Schülerinnen und Schüler, die das ganze momentan hautnah mit erleben, nicht so interessant, wie für die, deren Schulzeit doch schon ein paar Jahre (oder gar Jahrzehnte!) zurückliegt. Ich habe mich selten bei einem Film aus einem deutschsprachigen Land so gut amüsiert und unterhalten gefühlt wie bei „Jonas – Der Film“. Schade, dass sich hier Fortsetzungen (Ausbildung/Lehre, Studium) eher nicht anbieten…

Trailer zu Jonas – Der Film:

Weitere Berichte:

Neben den oben verlinkten Interviews mit der FAZ/FAS und DerWesten gibt es unter anderem noch einen ausführlichen Bericht bei RP-Online und eine kurze Notiz bei LR-Online.


4 Kommentare »

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