Search:

Werbung:

Google+:

Archiv:


Jens Matheuszik — 19. August 2011, 14:40 Uhr

Video: Fanpages bei Facebook datenschutzwidrig – Interview mit Moritz Karg vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz (ULD)


Sven Thomsen, Moritz Karg, Henry Krasemann (ULD SH)

Im Rahmen des heute (und noch morgen!) stattfindenden BarCamps Kiel wurde auch direkt zu Beginn bei der Sessionplanung des BaCamps die heutige Pressemitteilung des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz (ULD) in Schleswig-Holstein (ULD an Webseitenbetreiber: „Facebook-Reichweitenanalyse abschalten“) thematisiert. Drei Mitarbeiter vom ULD haben angeboten zu diesem Thema, welches inzwischen auch bei diversen Medien (heise.de, Lausitzer Rundschau), NDR und netzpolitik.org) angekommen ist, eine Session zu halten.

Ganz überraschenderweise ((das war Ironie)) zeigten sich die BarCamp-Teilnehmer sehr interessiert, so dass gleich der größte Raum für diese Session genutzt wurde und doch konnten nicht alle Interessenten teilnehmen. In der Session stellten die drei ULD-Vertreter erst einmal die technischen Grundlagen dar, wie man als Facebook-Nutzer (von facebook.com) oder aber als Besucher von Seiten, die „Social Plugins“ von Facebook nutzen mit Facebook bzw. anderen Servern ((beispielsweise den Content Delivery Networks von Akamai)) kommuniziert. Auch wurden die datenschutzrechtlichen Grundlagen vorgestellt, wo nach beispielsweise eigentlich erst einmal alles verboten ist, so lange es nicht speziell erlaubt wurde.

Die Grundlagen der Präsentation, die leider aufgrund des Datenschutzempfinden des Beamers kaum gezeigt werden konnten ((da dieser die Daten nicht anzeigen wollte…)), kann man auch direkt beim ULD sehen, denn dort wird die „datenschutzrechtliche Bewertung der Reichweitenanalyse durch Facebook im Internet“ zum Download angeboten.

Der Analyse zufolge verstoßen Facebook Fanpages, eben weil sie den datenschutzrechtlichen Aspekten nicht entsprechen, gegen geltendes Recht und müssen abgeschaltet werden. Gleiches gilt auch für die beliebten „Social Plugins“, die auf zahlreichen Seiten dafür sorgen, dass man durch einen Klick auf „Das gefällt mir“ (I like) via Facebook für die jeweilige Seite werben kann. Daher fordert das ULD weitreichende Konsequenzen. In der Pressemitteilung heißt es dazu:

„Das ULD erwartet von allen Webseitenbetreibern in Schleswig-Holstein, dass sie umgehend die Datenweitergaben über ihre Nutzenden an Facebook in den USA einstellen, indem sie die entsprechenden Dienste deaktivieren. Erfolgt dies nicht bis Ende September 2011, wird das ULD weitergehende Maßnahmen ergreifen. Nach Durchlaufen des rechtlich vorgesehenen Anhörungs- und Verwaltungsverfahrens können dies bei öffentlichen Stellen Beanstandungen nach § 42 LDSG SH, bei privaten Stellen Untersagungsverfügungen nach § 38 Abs. 5 BDSG sowie Bußgeldverfahren sein. Die maximale Bußgeldhöhe liegt bei Verstößen gegen das TMG bei 50.000 Euro.“

Auch wenn das grundsätzlich erst mal nur für Schleswig-Holstein gilt, steht das ULD doch in Kontakt mit allen Datenschutzstellen der anderen Bundesländer, so dass man hier (Düsseldorfer Kreis?) auch versucht eine Koordinierung zu erzielen.

Im weiteren Verlauf der Session wurde auch über das Thema engagiert und auch kritisch diskutiert:

So wurde beispielsweise das Vorgehen des ULD beim Verfahren in Sachen Google Analytics kritisiert (hier hatte das ULD Seitenbetreiber, die Google Analytics verwendeten angeschrieben und um Entfernung gebeten). Das ähnliches für Facebook Fanpages (und Seiten mit Social Plugins) geplant sei, wurde nicht nur positiv aufgenommen. Doch im weiteren Verlauf der Diskussion wurde seitens der Mitarbeiter des ULD (Dr. Moritz Karg, Henry Krasemann, Sven Thomsen) klargestellt, dass primär versucht wird auf Facebook einzuwirken. Leider kann dass ULD gegenüber Facebook nicht aktiv werden, da die datenverarbeitende und somit verantwortliche Stelle „Facebook Inc.“ seinen Sitz in Kalifornien (USA) hat. Insofern hofft man hier auf ein Entgegenkommen durch Facebook. Beim Verfahren gegen Google in Sachen Google Analytics hat sich dies als erfolgreich erwiesen.

Interview mit Dr. Moritz Karg vom ULD

Nach der Session habe ich kurz die Gelegenheit genutzt um (quasi unvorbereitet) mit Dr. Moritz Karg vom ULD ein Interview durchzuführen. So habe ich beispielsweise gefragt, worum es eigentlich geht, ab wann das ULD gegen entsprechende Seitenbetreiber vorgehen wird, ob davon nur Wald- und Wiesen- oder Küstenblogger betroffen sind, was eigentlich der Unterschied zwischen einer Facebook Profilseite und einer Facebook Fanpage sei – jedenfalls aus datenschutzrechtlicher Sicht. Zu all diesen Fragen konnte mir Dr. Karg antworten – nachfolgend das Video dazu:

Auszug aus dem Interview

Pottblog: Und was ist der Unterschied zwischen einem Facebook-Profil und einer Facebook Fanseite? Wenn ich jetzt ein Facebook Profil habe und jemand darauf geht, wird ja auch irgendwas gescannt, mitgeschnitten und analysiert.

Dr. Moritz Karg: Ja, das ist richtig, da liegt aber die Verantwortung – das ist eine rechtliche Frage – die Verantwortung liegt da beim Facebook-Profil nicht beim Nutzer, sondern bei demjenigen der das Profil erstellt, sondern bei Facebook originär. Wenn ich eine Fanpage ins Netz stelle biete ich einen eigenen Inhalt an. Man kann natürlich sagen, dass Nutzer auch eigene Inhalte anbieten, wenn sie ein Profil einrichten, aber Fanpages sind hauptsächlich darauf gerichtet, nicht sich selbst darzustellen, sondern einen Dienst, eine Idee oder eben ein Blog. Dinge, die nicht unmittelbar mit der Nutzung von Facebook als eigener privater Nutzer, sondern im weitesten Sinne im geschäftlichen Umfeld [zu tun haben; Anm. d. Bloggers].

Gerade die Frage, ob vielleicht die datenschutzrechtlichen Regelungen enger ausgelegt werden und auch Facebook-Profile an sich betreffen, dürfte interessant sein. Spannend wird es jedoch vor allem sein, wie Facebook darauf reagieren wird.


15 Kommentare »

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI.

    Es gab einen kritischen Fehler auf deiner Website.

    Erfahre mehr über die Fehlerbehebung in WordPress.