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Jens Matheuszik — 24. Juli 2011, 20:09 Uhr

Versagen des WDR zur Duisburger Trauerfeier zur Loveparade 2010


Trauerfeier zur Loveparade-Katastrophe 2010 in DuisburgHeute vor einem Jahr passierte die große Katastrophe bei der Loveparade 2010 in Duisburg. Die Trauerfeier anlässlich dieser Tragödie fand in der MSV-Arena in Duisburg statt.

Eigentlich wäre es eine Selbstverständlichkeit, dass das WDR-Fernsehen diese Trauerfeier live ausstrahlt. Schließlich ist der WDR der maßgebliche TV- und Radiosender der Region und hat im Übrigen auch im Vorfeld der Loveparade 2010 in Duisburg massiv für diese Veranstaltung geworben und ähnlich wie viele andere Medien sich eher unkritisch gezeigt (siehe dazu auch den Beitrag Loveparade: Das Versagen der Vielen und der Tod der 21). Jedoch gab es keine Live-Berichterstattung, erst in der Aktuellen Stunde um 19:10 Uhr kamen Ausschnitte der Trauerfeier vor.

Offiziell erklärt der WDR den Verzicht auf Live-Bilder von der Loveparade-Gedenkfeier wie folgt:

Auch der WDR wird die Gedenkveranstaltung zum Jahrestag nicht übertragen. „Die Redaktion wollte den etwas intimeren Charakter der Veranstaltung nicht durch eine Live-Übertragung stören“, hieß es dazu von der Pressestelle des Senders.

Trauerfeier zur Loveparade-Katastrophe 2010 in DuisburgKlingt erstmal vernünftig. Aber die Veranstaltung war meines Wissens öffentlich, fast 7000 Leute folgten in der MSV-Arena der Trauerfeier und wenn die Angehörigen der Opfer etwas gegen eine Übertragung gehabt hätten, dann hätten sie das auch mitgeteilt. Genau so haben sie ja auch andere Wünsche zur Gestaltung der Trauerfeier mitgeteilt, die auch entsprechend realisiert wurden (beispielsweise zur grundsätzlichen Organisation, zur nicht-Anwesenheit von bestimmten Personen, bestimmte Auftritte bei der Trauerfeier usw.). Insofern ist die WDR-Aussage, dass man den „intimeren Charakter der Veranstaltung“ nicht stören wollte, nicht wirklich ernst zu nehmen!

Landesregierung erfüllt WDR-Aufgabe:

Trauerfeier zur Loveparade-Katastrophe 2010 in DuisburgDa der WDR sich unter meiner Meinung nach fadenscheinigen Gründen seine eigenen Aufgaben ignorierte, bot die NRW-Landesregierung einen Livestream zur Loveparade-Gedenkfeier an (siehe auch koeln-nachrichten.de).

Dieser Livestream der Landesregierung wurde über die eigene Landesseite nrw.de bzw. über die NRW-Seite bei Facebook verbreitet. Wer erste Seite aufrief, hatte irgendwann ein Problem, denn vermutlich aufgrund zahlreicher Besucher brach der Server zusammen. Wer jedoch schon auf der Seite war oder aber den Direktlink livestream.com/nrw2011 nutzte, konnte dennoch zuschauen (fraglich bleibt jedoch, warum neben NRW.de und Facebook nur noch Radio Duisburg und die BILD den Liveplayer einbinden durften).

Trauerfeier zur Loveparade-Katastrophe 2010 in DuisburgInsgesamt konnten – trotz des Ausfalls von nrw.de – einige tausend Besucher den Livestream über Internet verfolgen, in der Spitze waren es mehr als 4000 Besucher. Dies spricht schon für ein großes Interesse, denn auch wenn eine Anzahl von 4000 Zuschauern im Vergleich zu TV-Quoten quasi mickrig wirkt, ist es doch aufgrund der geringen Klientel, die sich so etwas über Internet anschaut, schon ein hoher Wert. Wobei es grundsätzlich dem WDR ja auch nicht um Quoten gehen sollte…

WDR verweigert TV-Ausstrahlung, wirbt aber mit Internet-Stream der Landesregierung:

Das Livestreaming der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen wurde übrigens vom WDR, genau, dem Sender, der keine Liveübertragung im TV wollte, prominent beworben. So hieß es beispielsweise bei Twitter:

In #Duisburg hat die #Gedenkfeier für die Opfer der #Loveparade begonnen, WDR.de zeigt den Videostream http://bit.ly/nF8AHH
Quelle: @WDR bei Twitter

Auf der Seite war ursprünglich dann der Link zum Videostream der Staatskanzlei verlinkt (übrigens: wenn ich das richtig sehe, die Seite nrw.de, die man kaum noch aufrufen konnte).

Die Trauerfeier bei WDR Event:

Trauerfeier zur Loveparade-Katastrophe 2010 in DuisburgDer WDR hat übrigens selber dann doch noch was gebracht – und zwar bei WDR Event. Via Internet und den knarzigen Mittelwelle-Frequenzen 720 KHz (Langenberg) und 774 KHz (Bonn) konnte man das ganze auch hören. Was jedoch für die automatische Ansage von Staunachrichten sinnvoll ist1, ist für eine solche Übertragung nicht wirklich angemessen.

Bei den Ruhrbaronen heißt es zur nicht-Übertragung der Loveparade-Gedenkfeier in Duisburg:

5000 – 7000 Besucher waren im MSV-Duisburg Stadion zusammen gekommen, um den 21 Opfern der Loveparade-Katastrophe zu gedenken. Und weil die in Duisburg und nicht in Köln stattfand, berichtet der WDR auch nicht live von der Veranstaltung, sondern zeigt lieber “Emma – Tierärztin auf Safari”.

Trauerfeier zur Loveparade-Katastrophe 2010 in DuisburgDas ganze klingt zwar etwas zugespitzt – aber irgendwie erweckt der WDR dann doch immer wieder den Eindruck, dass er primär ein Sender aus für Köln ist.

Man erinnere sich einfach nur an das letzte Jahr mit der Kulturhauptstadt Europas 2010:

Da werden beim Still-Leben Ruhrschnellweg A40 auf 60 km die Autobahn A40 bzw. Bundesstraße B1 gesperrt, ein Fest mit mehreren hunderttausend wenn nicht gar Millionen Besuchern findet statt und der WDR überträgt in wenigen Sendeminuten (2 x 30 Minuten). Am selben Tag findet mit den Kölner Lichtern eine alljährliche Veranstaltung statt – und da sendet der WDR gleich mal mehrere Stunden. Lag ja auch für die zahlreichen Kamera-Teams irgendwie näher…

Das ist schade, denn es ist noch nicht lange her, da konnte das Pottblog berichten, dass das WDR-Fernsehen doch das Ruhrgebiet kennt. War wohl nur eine Ausnahme…

  1. wenn es sehr viele Staus gibt, informiert der WDR über diese Frequenzen automatisch – und vor allem durchgehend – über die Staus auf den Straßen des Landes []

4 Kommentare »

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  1. (1) Kommentar by Stefan @ 24. Juli 2011, 21:57 Uhr

    Der WDR ist eben nur ein Kölner Sender, der es geschickt versteht, sich vom Rest des Landes finanzieren zu lassen.


  2. (2) Pingback by Links anne Ruhr (25.07.2011) » Pottblog @ 25. Juli 2011, 05:24 Uhr

    […] Versagen des WDR zur Duisburger Trauerfeier zur Loveparade 2010 (Pottblog) – […]


  3. (3) Pingback by Video: Gedenkfeier ein Jahr nach dem Loveparade-Unglück in Duisburg » Pottblog @ 27. Juli 2011, 07:03 Uhr

    […] Uhr auf Sport1) zugunsten der Opfer der Loveparade-Katastrophe 2010Links anne Ruhr (23.07.2011)Versagen des WDR zur Duisburger Trauerfeier zur Loveparade 2010Die Bandbreite: Sauerland – Revolutionsvideo in Sachen Duisburgs Oberbürgermeister Adolf […]


  4. (4) Kommentar by Jens @ 3. August 2011, 19:15 Uhr

    @Stefan (1):
    Traurig, aber leider anscheinend wahr.


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