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Jens Matheuszik — 18. Januar 2011, 13:33 Uhr

DerWesten führt Registrierungspflicht für Kommentare ein (aktualisiert)


Als Katharina Borchert vor Jahren – gefühlten Jahrzehnten? – verantwortlich für die Online-Aktivitäten der WAZ-Mediengruppe wurde, war eine ihrer ersten Amtshandlungen die Abschaffung des Registrierungszwangs. So berichtete das Pottblog im November 2006 vom Journalistentag des DJV NRW und dem Forum ONLINE unter anderem diese Meldung: Katharina Borchert: Den Registrierungszwang habe ich als erstes abgeschafft

Keine 50 Monate später macht die WAZ-Mediengruppe mit ihrem Internet-Portal DerWesten auch hier eine Rolle Rückwärts, nachdem zuletzt bereits das Kulturportal Westropolis und die DerWesten-Community abgeschaltet wurden bzw. deren Abschaltung angekündigt wurde.

In einer Pressemitteilung der WAZ-Mediengruppe heißt es zur Erklärung:

WAZ Mediengruppe führt Registrierungspflicht für Nutzer von DerWesten.de ein
Ausgewählte Online-Kommentare künftig auch in Print zu lesen

ESSEN, 18.01.2011. Die WAZ Mediengruppe führt auf DerWesten.de die Registrierungspflicht für Nutzer ein, die auf dem Regionalportal Artikel und Beiträge kommentieren wollen.  

Gleichzeitig setzt die WAZ Gruppe ihre Cross-Media-Strategie weiter konsequent fort und wird in Zukunft ausgewählte Diskussionsbeiträge der Online-User regelmäßig in den vier  Titeln — Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ), — Ne ue Ruhr / Neue Rhein Zeitung (NRZ),  — Westfälische Rundschau (WR) und —Westfalenpost ( WP) auf eigenen Seiten veröffentlichen.

„Die Meinungen unserer User sind uns sehr wichtig“, sagt Online-Chefredakteur Thomas Kloß. „Wir verleihen den Diskussionsbeiträgen damit noch mehr Gewicht.“

Ab Dienstag, 18. Januar, müssen sich die Nutzer des  Portals über eine gültige E-Mail-Adresse registrieren lassen, wenn sie Kommentare im Nachrichtenbereich der Seite abgeben möchten.

„Die Diskussionskultur auf DerWesten.de ist mit wenigen Ausnahmen sehr gut“, sagt Thomas Kloß. „Für uns ist die Registrierungspflicht eine wesentliche Maßnahme zur Qualitätssicherung.“

Bewertung:

Damals fand ich die Freischaltung der Seiten der WAZ-Mediengruppe gut. Schließlich stellte das ganze ein Hemmnis zur Kommunikation dar, was nicht unbedingt benötigt wird.

Doch die Entwicklung der Kommentare bei DerWesten hat eines gezeigt – es muss ein vernünftiges Moderationskonzept angewandt werden. In manchen Diskussionen stehen Kommentare die schlicht und ergreifend nicht veröffentlicht gehören, beispielsweise weil da Behauptungen über Personen aufgestellt werden, die nicht belegt sind und meiner Meinung nach zum Teil schon die Schwelle der Verleumdung überschritten haben. Dies fiel mir beispielsweise in den vergangenen Wahlkämpfe (auf allen politischen Ebenen) auf, wo teilweise tagelang entsprechende Aussagen unbehelligt standen. 

In anderen Diskussionen (Stichworte seien da einfach mal Hartz IV, Islam, Rechtsparteien, Loveparade, Sarrazin aber auch Bodo Hombach – einer der Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe) wurde, weil man den Kommentaren anscheinend nicht Herr wurde, gleich mal der komplette Kommentarbereich vorsorglich abgeklemmt.

Wenn jetzt die „wenigen Ausnahmen“ der an sich guten Diskussionskultur (und wenn das schon so in einer Pressemitteilung offiziell verkündet wird, dass es da Probleme gibt…) demnächst weniger Möglichkeiten haben, dann ist das an sich positiv.

Ob es jedoch – angesichts von Freemail- und Wegwerfmailadressen – überhaupt erfolgreich sein wird wird sich zeigen. Helfen würde meiner Meinung nach viel eher, wenn in den Kommentaren die Moderation etwas stringenter eingreifen und klare rote Linien setzen würde und das ganze dann auch konsequent durchhalten würde. Die „Pappenheimer“ sind ja größtenteils bekannt – nicht umsonst wird ja jetzt schon in mancher Diskussion darüber gescherzt, warum denn Person XYZ sich noch nicht „trollend“ eingemischt hat.

Wichtig wäre es auch, wenn die Autoren der einzelnen Artikel mal den Worten der Pressemitteilung folgen würden und die Cross-Media-Strategie konsequent umsetzen würden. Damit ist jetzt nicht gemeint, dass Kommentare aus dem Online-Bereich in den Print-Ausgaben landen (was ja sowieso schon immer wieder passiert – inklusive der geradezu niedlichen Erklärung, warum bei diesen Beiträgen oft Pseudonyme als Lesernamen angegeben werden), sondern dass Autoren sich an den Diskussionen beteiligen. Aber das wird wohl weiterhin ein Traum bleiben – vor allem auch, weil es den (nach Maßnahmen des Stellenabbaus) verbliebenden Journalisten der WAZ-Mediengruppe zeitlich wohl inzwischen noch weniger möglich ist, das ganze zu schaffen.

Was bleibt vom Wirken Katharina Borcherts?

Schon die Entscheidungen der vergangenen Wochen und Monate zeigen meiner Meinung nach leider auf, dass die an sich guten Ideen, die Katharina Borchert der WAZ-Mediengruppe in Sachen Internet nahegebracht hat, inzwischen nur noch Vergangenheit sind. Beispiele gibt es dafür genug, mit dieser heutigen Entwicklung gibt es ein weiteres.

Unabhängig von dieser Personalie bleibt es spannend wie es weitergeht, ob und wann wohl die WAZ-Mediengruppe die Rückkehr von waz.de, nrz.de & Co. ankündigt, die damals zugunsten von DerWesten abgeschaltet wurden.

Nachtrag: Der Artikel wurde ein wenig von der Formatierung her überarbeitet. Außerdem möchte ich noch auf zwei Beiträge verweisen:


9 Kommentare »

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  1. (1) Kommentar by Combo 59 @ 18. Januar 2011, 21:36 Uhr

    Die Probleme waren aber auch Teilweise hausgemacht. Mischt du dich als User in die Kommunalpolitik deiner Stadt ein, Gewerbegebiete, Neubaugebiete und soweiter, ließ die Lokalredaktion bewußt zu, das du von immer den gleichen unangemeldeten Personen angegriffen und beleidigt wurdest. Es kann auch nicht angehen, das z.B. ein SPD Ortsvereinsvorsitzender gleichzeitig in der selben Stadt in der Lokalredaktion der Zeitung sitzen Artikel schreiben und mitbestimmen kann welche Kommetare stehen bleiben und welche Offline gestellt werden. In unserer Stadt z.B ist dass der Fall! Ortsvereinsvorsitzender der SPD, Lokalredakteur der Rundschau und gleichzeitig Vorstandsmitglied der Jusos im Ennepe/Ruhr/Kreis. Ein weiteres Vorstandsmitglied der Jusos ist nebenbei zuständig für den Internetauftritt der SPD im selben Städchen. Klickte ich im nachhinein den Namen eines nicht gemeldeten Users an, der mich auch oft in beleidigender Weise angegriffen hat ( Dirty Danny) wurde ich weitergeleitet auf die Seite der Jusos in NRW! Ich hoffe das dass durch diese Neuerung jetzt ein Ende hat.


  2. (2) Pingback by Und wieder ein Zurück bei DerWesten: Diesmal aber ein positiver Schritt in Sachen Video: DSLR HD, Videografen und Videotage » Pottblog @ 19. Januar 2011, 16:05 Uhr

    […] der WAZ-Mediengruppe, wieder einmal irgendein Kernelement einstellt – zuletzt wurde der Registrierungszwang für Kommentare auf DerWesten wieder […]


  3. (3) Kommentar by Combo 59 @ 22. Januar 2011, 15:45 Uhr

    Das war es bei der Westen. Mein Profil ist gelöscht! Ich war zu kritisch. Mein Profil ist Futsch, meine Kommentare sind futsch. Naja am 28 wäre das Profil sowieso ins Nirwarna verschwunden. Gut das wir immer und alles gespeichert haben. Soviel zur freien Meinungsäüßerung.


  4. (4) Kommentar by Jens @ 27. Januar 2011, 07:00 Uhr

    @Combo 59 (1):
    Kannst Du Deine Verdächtigungen konkretisieren (und auch beweisen)? Meines Wissens können nämlich gerade nicht die Lokalredakteure vor Ort online großartig eingreifen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass gerade die WAZ-Mediengruppe freiwillig auf Seiten wie die der Jusos verlinkt.

    @Combo 59 (3):
    Es gibt glaube ich immer wieder Mißverständnisse zu den Begriffen „freie Meinungsäußerung“ und „Zensur“. Die kann DerWesten nicht verhindern bzw. ausüben, das kann nur der Staat.


  5. (5) Kommentar by Combo 59 @ 30. Januar 2011, 16:27 Uhr

    z.B. nutzer und schützer gegen gewerbe am stork-wetter-derwesten
    Kommentar. 25
    Ich hatte mal bei Frau Lessmann nachgefragt warum zahlreiche Kommentare verschwinden. Die Antwort lautete, es liegt in der Hand der Lokalredaktion Kommentare Off/Line zu stellen. Die Frage bezog sich auf eine Regionalseite.


  6. (6) Kommentar by Combo 59 @ 30. Januar 2011, 18:12 Uhr

    Die genaue Antwort:
    24.09 2008
    Betreff: vermisste Kommentare

    Sehr geehrter Nutzer, die von Ihnen vermissten Kommentare befinden sich in einer von der Lokalredaktion abgeschalteten Kommentarfunktion.
    Bitte beachten Sie, dass die Rechte an diesen Kommentaren bei uns liegen, (Siehe Nutzungsbedingungen) und dass Sie nebenbei gesagt als Combo59 keine juristische Person sind die Rechte einklagen kann.
    Der Westen-Redaktion
    Community Managment


  7. (7) Kommentar by Combo 59 @ 30. Januar 2011, 19:08 Uhr

    Zu Kommentar Nr.5
    Berichtigung: Der entsprechende Artikel hieß:
    nutzer und schützer der natur gegen gewebe am stork-wetter-derwesten


  8. (8) Kommentar by Marty @ 15. März 2011, 00:42 Uhr

    Wiese haben die eigentlich die Community abgeschaltet? Finde auch Drei Monate später irgendwie keine Begründung. Auch nicht durch diverse Suchmaschinen. Weißt du näheres?


  9. (9) Kommentar by Jens @ 15. März 2011, 23:51 Uhr

    @Combo 59:
    Hmm… natürlich hat man kein Anrecht auf Veröffentlichung, merkwürdig ist es dennoch.

    @Marty:
    Sehr gute Frage…


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