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Jens Matheuszik — 1. November 2010, 20:06 Uhr

CDU-Bezirk Ruhr will Armin Laschet als Landesvorsitzenden, die CDU im Ruhrgebiet jedoch Norbert Röttgen


Bis gestern hatten die CDU-Mitglieder in Nordrhein-Westfalen die Möglichkeit die Nachfolge für Jürgen Rüttgers als CDU-Landesvorsitzenden zu wählen.

Trotz der Unterstützung vieler Parteikader und auch der Medien1 entschieden die CDU-Mitglieder im Land, dass mit fast 55 % der abgegebenen Stimmen Norbert Röttgen neuer Landesvorsitzender der CDU NRW werden soll.

Zuvor sah eigentlich sein unterlegener Mitbewerber Armin Laschet als Favorit aus, der sich unter anderem darauf berufen konnte, dass er bei sechs von acht CDU-Bezirksvorsitzenden im Land vorne liegen würde.

CDU im Ruhrgebiet: Eher Laschet oder Röttgen?

Für das Pottblog ist natürlich die Frage interessant, wie die CDU-Basis sich im Ruhrgebiet entschieden hat. Eigentlich müsste das Ergebnis klar sein, schließlich hat sich Oliver Wittke, der Vorsitzende des CDU-Bezirkes Ruhr, schon frühzeitig für Norbert Röttgen ausgesprochen. Das könnte auch damit zu tun haben, dass einerseits Wittke kein Freund von Laschet sein soll und andererseits Wittke auch erste Wahl Röttgens für die Position des CDU-Generalsekretärs sein.
Denn dass der amtierende Generalsekretär Andreas Krautscheid, der sich vehement für Laschet aussprach, unter einem Landesvorsitzenden Röttgen im Amt verbleibt, dürfte eher unwahrscheinlich sein, vor allem auch, weil Röttgen vermutlich versuchen wird in der CDU-Landesgeschäftsstelle, aufzuräumen, um die von dort resultierenden Skandale zu beenden.

Schon im Februar war Wittke für den Posten des CDU-Generalsekretärs im Gespräch, doch während in den Medien noch gemunkelt wurde, dass Wittke Nachfolger des untragbar gewordenen (Hendrik) Wüst werden sollte, erklärte Wittke im exklusiven Pottblog-Interview, dass er nicht CDU-Generalsekretär werden wird. Unter einem Parteivorsitzenden Röttgen könnte das jetzt schon ganz anders aussehen…

Jedoch folgte der Vorstand des CDU-Bezirkes Ruhr dem eigenen Vorsitzenden in der Kandidatenfrage Laschet oder Röttgen nicht wirklich, denn dort sprach sich eine Mehrheit gegen Norbert Röttgen aus.

Verteilung der Stimmen

Die CDU NRW hat die Ergebnisse der Mitgliederbefragung (nach Kreisverbänden aufgeschlüsselt) veröffentlicht. Schaut man sich das Ergebnis an, stellt man ein leichtes Paradoxon fest:

CDU-Bezirk Ruhr: Für Laschet

Die Kreisverbände des CDU-Bezirkes Ruhr haben sich mehrheitlich mit 50,7 % für Armin Laschet entschieden, während Norbert Röttgen „nur“ auf 49,3 % kam. In absoluten Zahlen sieht das wie folgt aus:


Kreisverband Laschet Röttgen
Bochum 523 455
Bottrop 261 195
Dortmund 616 566
Duisburg 516 452
Ennepe-Ruhr 486 504
Essen 893 764
Gelsenkirchen 259 372
Hagen 251 351
Hamm 490 596
Herne 223 181
Mülheim 225 208
Oberhausen 212 168
Recklinghausen 1657 1467
Unna 654 781
GESAMT 7266 7060

CDU im Ruhrgebiet: Für Röttgen

Anders sieht es jedoch aus, wenn man noch die CDU im Kreis Wesel dazu zählt. Der Kreis Wesel gehört zwar dem Ruhrgebiet bzw. dem Regionalverband Ruhr (RVR) an, merkwürdigerweise aber nicht dem CDU-Bezirk Ruhr, sondern dem Bezirk Niederrhein. Im Kreis Wesel hat Norbert Röttgen mit 1131 Stimmen (55,7 %) zu 901 Stimmen (44,3 %) gewonnen (den Detailergebnissen zufolge hat Röttgen von Alpen über Dinslaken bis Xanten gewonnen, nur nicht in Neukirchen-Vluyn und Schermbeck2 ) und wenn man diese Ergebnisse zu den obigen dazu zählt, dann hat Norbert Röttgen im gesamten Ruhrgebiet mit einem Vorsprung von 24 Stimmen gegenüber Armin Laschet gewonnen.

Schaut man sich das gesamte Ruhrgebiet3, dann sieht man einen Flickenteppich: In orange gefärbt sind die Kreisverbände die sich für Armin Laschet ausgesprochen haben, in pink die für Norbert Röttgen. Hier fällt auf, dass fast das gesamte „Kernruhrgebiet“4 sich mehrheitlich für Armin Laschet entschieden hat, nur Gelsenkirchen fällt hier aus der Rolle5.
Das Gelsenkirchen zur Röttgens „Hochburg“ im „Kernruhrgebiet“ wurde, ist sicherlich dem Umstand geschuldet, dass man sich durch die Wahl Röttgens eine neue politische Rolle für den Gelsenkirchener Oliver Wittke versprochen hat, der nach der für die CDU desaströs ausgegangenen Landtagswahl nicht mehr im Düsseldorfer Landtag sitzt.

Was bedeutet die Wahl von Norbert Röttgen für die CDU im Ruhrgebiet?

Zwar ist das Ergebnis zwischen Röttgen und Laschet sowohl auf Landesebene als auch auf Ruhrgebietsebene (egal jetzt ob das gesamte Ruhrgebiet, oder das was die CDU als Bezirk Ruhr bezeichnet) sehr eng – aber interessant sind diese Ergebnisse schon, da sie auch auf Ruhrgebietsebene eine deutliche Spaltung bei der Kandidatenpräferenz zeigen. Jedoch muss sich auch Oliver Wittke, der stets für Norbert Röttgen getrommelt hat, fragen, ob er nicht ein König ohne Land ist – denn seine Truppen haben nicht wirklich dazu beigetragen, dass Norbert Röttgen gewählt wurde. Dies ist auch für die Personalie des CDU-Generalsekretärs sicherlich nicht uninteressant und man kann davon ausgehen, dass sich auch Norbert Röttgen die Ergebnisse en detail anschaut.

Auswirkungen auf die Landespolitik

Auf die nordrhein-westfälische Landespolitik hat das Ergebnis erstmal keine Auswirkungen – schließlich ist Norbert Röttgen, wenn er denn dann vom Landesparteitag Ende der Woche in seinem Amt bestätigt wird, weiterhin Bundespolitiker und nicht im Landtag präsent (was ein großer Kritikpunkt der Laschet-Befürworter war). In Düsseldorf selbst wird höchstens Laschet etwas griesgrämiger auftreten, da das die zweite verlorene Wahl innerhalb kürzester Zeit darstellt (bei der Wahl zum Fraktionsvorsitzenden unterlag er knapp gegenüber Karl-Josef Laumann) und somit die politische Karriere Laschets auf dem Abstellgleis zu enden droht.

Doch eigentlich ist – momentan – egal, wer in der CDU Nordrhein-Westfalen welche Rolle hat – denn auch wenn Hannelore Kraft nur einer Minderheitsregierung von SPD und Grünen vorsitzt, ist diese Landesregierung doch fest im Sattel. Interessanter wird es natürlich wenn es doch zu vorgezogenen Neuwahlen kommen sollte, denn dann wäre Röttgen der Spitzenkandidat seiner Partei und sollte wohl auch sein Amt als Bundesumweltminister abgeben. Denn man mag sich zwar vorstellen, dass er sich (wie geschehen) bei der CDU-Basis mit einem Wahlkampf primär von Berlin aus durchsetzen kann – doch bei einem „richtigen“ Wahlkampf, kann er wohl kaum sein Amt in Berlin behalten und müsste daher aus dem Kabinett Merkel zurücktreten, um vor Ort präsent zu sein.

PS: Das Bild von Norbert Röttgen stammt von Laurence Chaperon bzw. dem Wikimedia-Nutzer Cducsu, steht unter CC-BY-Lizenz und wurde dem Archiv Wikimedia Commons entnommen.

  1. beispielsweise klingt der Kommentar Smart sein wird für Röttgen nicht reichen des NRZ-Chefredakteurs fast wie ein Nachtreten, weil die CDU-Basis sich doch anders als gewünscht entschieden hat []
  2. und dem Kreisverband direkt selbst, wo anscheinend vier Stimmen keinem Ort zugeordnet werden, sondern direkt dem Kreisverband und – merkwürdigerweise – mit 100 % an Laschet gingen []
  3. wir sind hier ja nicht bei einem CDU-Blog und teilen das Ruhrgebiet einfach mal eben… []
  4. also die großen kreisfreien Städte []
  5. Hagen und Hamm gehören zwar meiner Meinung nach zum Ruhrgebiet, aber nicht zum „Kernruhrgebiet“ []

2 Kommentare »

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  1. (1) Pingback by Links anne Ruhr (02.11.2010) » Pottblog @ 2. November 2010, 06:24 Uhr

    […] CDU-Bezirk Ruhr will Armin Laschet als Landesvorsitzenden, die CDU im Ruhrgebiet jedoch Norbert R&ou… – […]


  2. (2) Pingback by Regionalkonferenz der CDU mit Angela Merkel, Norbert Röttgen usw. in Dortmund mit Live-Berichten » Pottblog @ 23. September 2011, 13:21 Uhr

    […] waren auch die Dortmunder CDU-Mitglieder eher für seinen Gegenkandidaten Armin Laschet; siehe diesen Beitrag [↩]damit die normalen Abonnenten von @pottblog nicht zu sehr genervt werden, von […]


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