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Jens Matheuszik — 5. Oktober 2010, 02:09 Uhr

Jahreshauptversammlung des VfL Bochum: Halber Aufsichtsrat um Boss Werner Altegoer zurückgetreten, Frank Goosen aber gewählt


Die für den gestrigen Abend angesetzte Jahreshauptversammlung des VfL Bochums sollte eine der spektakulärsten Sitzungen der vergangenen Jahre sein.
Doch wie sich das ganze entwickelte, ahnte wohl niemand vorher, obwohl die BILD-Zeitung bereits morgens nach der Quittung für Präsident Altegoer fragte…

Doch erstmal sollte alles mit einem wahren Ansturm der Mitglieder des VfL Bochums beginnen – denn der RuhrCongress, in dem die Mitgliederversammlung des VfL Bochums stattfand, war überfüllt. Ein sehr großes Interesse der Mitglieder des VfL Bochums zeigte sich anhand der Schlangen vor dem RuhrCongress.
Schon vor der eigentlichen Jahreshauptversammlung gab es teilweise Frust – denn der eigentliche Saal war zu klein und wurde daher für weitere Mitglieder gesperrt, die mit der Videoübertragung in einem Nebensaal vorlieb nehmen mussten.

Der eigentlich rein formale Vorgang der Entlastung des Aufsichtsrates kulminierte dann in einer Art Rücktrittsreigen:

Wie die geplante – und dann nicht stattgefundene – Entlastung des Vorstandes zu den gemeinschaftlichen Rücktritten im Aufsichtsrat führte, wurde bereits in diesem Abschnitt des Beitrages Werner Altegoer, Vorsitzender des Aufsichtsrates vom VfL Bochum, tritt bei Jahreshauptversammlung zurück!

Schlechte „Regie“?

Das ganze ist jedoch ehrlicherweise eher als lächerlich zu bezeichnen – denn eigentlich ist die formale Entlastung des Aufsichtsrates kein Grund für einen solchen Aufruhr. Wenn es bei den – für später geplanten und dann doch noch abgesagten – Satzungsänderungen zu hitzigen Debatten, Redeschlachten und knappen Ergebnissen gekommen wäre, dann wäre das der Sache sicherlich angemessen gewesen. Dass ganze bei der Entlastung ist jedoch nicht zielführend gewesen. Hier muss sich dann jedoch auch die – bei politischen Veranstaltungen so genannte – „Parteitagsregie“ fragen, inwiefern man das ganze nicht zum Teil mitverschuldet hat:
Neben der momentan sowieso eher mißlichen (sportlichen) Lage des VfL Bochums wird bei den Mitgliedern es sicherlich nicht positiv angekommen sein, dass es am Eingang lange Schlangen gab und man – wenn man zu spät kam – in einen Nebensaal musste. Dass dann bei einer – angeblichen – optischen Uneindeutigkeit von einer knappen Entlastung gesprochen wurde und man darauf beharrte, war sicherlich mit maßgeblich entscheidend für die dann folgende Abstimmungsniederlage.

Ursachen für den Rücktritt?

Insofern fragt sich beispielsweise Andreas Wiemers (siehe Abbildung), einer der Vertreter der Fan-Initiative Wir sind VfL, ob Werner Altegoer nicht eventuell schlecht beraten wurde.
So wirkte er auch auf dem Podium eher alleingelassen, obwohl da neben Altegoer auch noch verdiente Personen auf dem Podium saßen, die eigentlich genug Erfahrungen zu solchen Versammlungen haben sollten. Am Ende wird jedoch auch der Starrkopf Altegoers – gerade bei der Frage der umstrittenen Abstimmung zur Entlastung – zum Teil zu dieser Situation beigetragen haben.

Wer ist noch im Aufsichtsrat?

Werner Altegoer verkündete den Rücktritt von seiner Person aber auch für die Aufsichtsratsmitglieder Volker Goldmann, Heinz Hossiep und Gerd Kirchhoff den Rücktritt an. Demnach müssten dem Aufsichtsrat des VfL Bochums noch Prof. Dr. Klaus-Peter Schütt (als stv. Vorsitzender), Horst Christopeit, Frank Goosen, Axel Treffner, Hans-Peter Villis und Bernd Wilmert angehören.

Nachtrag (1): Radio Bochum verkündete gerade (05.10.2010 um 07:30 Uhr), dass auch Horst Christopeit seinen Rücktritt angekündigt hat. Außerdem berichtet DerWesten inzwischen ausführlicher…

Nachtrag (2): Wie man inzwischen einem einem Reviersport-Artikel des bisher gut informierten Günter Pohl entnehmen kann, hat auch der stellvertretende Aufsichtsratscvorsitzende Dr. Klaus-Peter Schütt seinen Rücktritt erklärt. Interessanterweise wollen jedoch – 11 Freunde zufolge – nur Volker Goldmann und Gerd Kirchhoff das ganze bestätigen.

Interessant ist übrigens folgender Artikel bei DerWesten: Altegoers Rücktritt ist „köhlermäßig“.

Wie geht es weiter?

Die Satzung des VfL Bochums schreibt nicht vor, wie ein Rücktritt aussieht. Insofern könnte es also sein, dass die spontanen und im Affekt geäußerten Rücktrittserklärungen nach der berühmten einen Nacht zum Drüberschlafen wieder ganz anders aussehen und zurückgezogen werden. Schließlich fehlt eine formelle Regelung in welcher Form ein Rücktritt zu erfolgen hat und ob ggf. ein Rücktritt vom Rücktritt möglich ist oder nicht.

Falls die Rücktritte jedoch Bestand haben sollten wird es interessant, da sehr wahrscheinlich ein Großteil der zurückgetretenen Mitglieder des Aufsichtsrates ordentlich gewählte ((und nicht ernannte)) Mitglieder waren. Denn dann greift wohl § 18 Nr. 1 a) Satz 4 in Verbindung mit § 18 Nr. 6 der Satzung des VfL Bochums – so dass in Konsequenz eigentlich der verbleibende Aufsichtsrat eine außerordentliche Jahreshauptversammlung einberufen muss, damit notwendige Nachwahlen stattfinden können.

Wahlausschuss

Zum Wahlausschuss wurden der Rechtsanwalt Günter (?) Bernshörster, Kerstin Kliß ((deren Kandidatur durch „Wir sind VfL“ unterstützt wurde)) und der CDU-Politiker Roland Mitschke gewählt. Der Wahlausschuss ist insofern entscheidend, als dass dieser der Mitgliederversammlung geeignete Kandidaten für die zu wählenden Mitglieder des Aufsichtsrates vorschlägt.

Satzungsänderungen

Die geplanten Satzungsänderungen wurden nicht durchgeführt. Einer der Anträge wurde nicht rechtzeitig eingereicht und konnte deswegen formal nicht behandelt werden und die von „Wir sind VfL“ eingereichten Anträge wurden aus aktuellem Anlass zurückgezogen, da sich die Ausgangslage stark verändert hat (so sollte beispielsweise nach Pottblog-Informationen das zurückgetretene Aufsichtsratsmitglied Goldmann Kirchhoff in der geplanten Satzungskommission mitarbeiten).

Waren die Fans schuld?

Angeblich sollen – das wurde durch einige Personen bestätigt – laut anwesenden Medienvertreter die Fans an der Misere schuld sein, da diese alles kaputt gemacht haben sollen. Hier denke ich gehört ein gehöriges Contra dagegen gesetzt – alleine die schiere Anzahl der Fans des VfL Bochums zeigte, dass viele Mitglieder sich um die Zukunft des VfL Bochums sorgen. Dass es jetzt – an einer oftmals als lappalienhaft eingeschätzten – Entlastung lag, dass das Pulverfass des VfL Bochums explodierte, kann man sicherlich nicht den Fans und Mitgliedern anlasten. Die Gruppendynamik der Jahreshauptversammlung, die in einer gereizten Stimmung begann, trug sicherlich nicht positiv zum Gelingen der Jahreshauptversammlung bei.

Und ob es im Sommer wirklich eine Hetzjagd gegeben hat, nur weil für wenige Tage oder gar nur Stunden „böse“ Plakate an den Bochumer Straßen zu sehen waren, kann man auch mal entspannter sehen.

PS: Mit einem sehr großen Dank an @awiemers, @cn3d, @derblauekanal und @ruhrpoet – ohne deren Beiträge es die Berichterstattung in Sachen VfL Bochum-Krise hier im Pottblog nicht gegeben hätte.


11 Kommentare »

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