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Jens Matheuszik — 29. Juli 2010, 21:18 Uhr

Loveparade 2010 in Duisburg: Traue keiner Besucherstatistik – außer der selbstgefälschten…


Der Aufmacher bei DerWesten ist gerade der Bericht Katastrophe: Teilnehmer-Zahlen zur Loveparade waren gefälscht, der auch (zumindestens gerade bei WDR 2) in den Nachrichten als erstes erwähnt wird. Dort wird darüber berichtet, dass sowohl die Teilnehmerzahlen der Loveparade in Essen (2007), Dortmund (2008) und jetzt in Duisburg gefälscht waren.

Mich wundert ehrlich gesagt die Überraschung darüber! Das solche Zahlen nicht korrekt sind, liegt meiner Meinung nach anhand der Erfahrungen auf der Hand!

Jeder der größere Veranstaltungen besucht (und sich für die Nachbereitung in den Medien interessiert) kennt das – da werden vom Veranstalter Besucherzahlen genannt und bei diversen Ereignissen gibt es dann auch eine entsprechende Zahl von der Polizei. Die liegt oft niedriger und manchmal sogar gleich hoch (und vielleicht sogar höher?). Doch wie kann es dazu kommen?

Was genau der Grund ist, warum eine Demonstration für oder gegen etwas oftmals niedrigere Besucherzahlen von der Polizei als vom Veranstalter genannt bekommt, bleibt wohl das Geheimnis der entsprechenden Stellen. Vielleicht will man seitens der Polizei eventuell übertriebene Zahlen der Veranstalter korrigieren, vielleicht ist es aber auch „nicht gewollt“, dass die Demo X soundsoviel Besucher hat. Denn gerade bei (vor allem politischen) Demonstrationen sieht man es immer wieder, dass die Besucherzahlen von der Polizei nach unten korrigiert werden.

Anders hingegen bei eher apolitischen Veranstaltungen – ob nun Karneval, Oktoberfest oder halt auch Loveparade. Dort werden die offiziellen Veranstalterzahlen von der Polizei meist bestätigt.

Manipulationen bei den Besucherzahlen der Loveparade 2008 in Dortmund?

Die Loveparade 2008 in Dortmund war bisher die besucherstärkste Loveparade weltweit. 1,6 Millionen Besucher soleln damals auf der B1 – dem „Highway to Love“ – gefeiert haben. Schon vor zwei Jahren kamen ersten Zweifel an diesen Zahlen auf. So berichteten die Ruhr Nachrichten aus Dortmund in einigen Artikeln dazu:

  • 20.07.2008: Langemeyer im Loveparade-Fieber
  • 20.08.2008: Loveparade: Schummel bei Besucher-Rekord

    […] „Es kann von ca. 850.000 Personen ausgegangen werden, die zur LOPA 2008 im Verlauf des Tages in Dortmund anwesend waren“, heißt es in einem internen Papier, das unserer Redaktion vorliegt.
    […]
    Von 450.000 Besuchern sprach nach RN-Informationen gegen 14 Uhr auch ein leitender Polizeibeamter.

    Und wie kam man am Ende auf 1,6 Mio? Die Verantwortlichen schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu. OB Langemeyer: „In diesen Zahlenstreit will ich mich nicht einmischen. Ich habe die Zahl nur weitergegeben, ob sie stimmt, kann ich nicht beurteilen.“ Björn Köllen, Pressesprecher der Loveparade: „Wir gehen von den Zahlen aus, die durch die Stadt Dortmund verkündet worden sind. Das sind die amtlichen Zahlen.“

    Die Schummelei bei den Besucherzahlen hat bei der Loveparade Tradition: Im vergangenen Jahr hatten Veranstalter und Stadtspitze von 1,2 Mio. Ravern gesprochen – als realistische Zahl nannte der Essener Feuerwehr-Chef später 600.000 Gäste. Auch in Berlin war regelmäßig über die tatsächliche Besucherzahl diskutiert worden.

  • 21.08.2008: Loveparade: Streit um Zahlen-Schummelei

    […] Bestätigt werden die 850.000, die ein Forschungsprojekt zum Thema „Risiko Großveranstaltung“ ermittelte, aber auch von den (geschätzten) Zahlen des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr. Angesichts der Tatsache, dass viele Züge völlig überfüllt waren, geht man dort von rund 800.000 transportierten Loveparade-Besuchern aus. Rechnet man die Autofahrer und Dortmunder Teilnehmer dazu, wäre eine Zahl von rund 1 Mio. realistisch.

    Polizei-Einsatzleiter Dieter Keil hält persönlich 850.000 Besucher als Minimum für realistisch, macht aber deutlich, dass es „für die Polizei keine Veranlassung gab, die offiziell genannte Zahl von 1,6 Mio. Besuchern in Frage zu stellen.“ […]

In interessierten Kreisen im Ruhrgebiet geht das Gerücht um, dass nach den „offiziellen“ 1.200.000 Besuchern bei der Loveparade 2007 in Essen es für gewisse Kreise in Dortmund ein Anliegen gewesen sein soll, mehr Besucher als in Essen zu haben – Dortmund ist ja schließlich auch die größte Stadt im Ruhrgebiet…

Dass solche Zahlen allgemein immer mit Vorsicht zu genießen sind, dürfte übrigens auch jedem Fußball-Fan bekannt sein. Ist man in einem Stadion, bei dem angeblich „volles Haus“ gemeldet wird, dann sieht man doch eigentlich immer noch irgendwo freie Plätze. Wenn also selbst bei einem solch geschlossenen System wo es Tickets, Einlasskontrollen usw. gibt solche Ungereimtheiten bei den Zahlen entstehen – erwartet da jemand wirklich, dass bei Freiluftveranstaltungen das ganze anders abläuft?


6 Kommentare »

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  1. (1) Pingback by Scheisse: Mehr als 20 Tote bei der Loveparade in Duisburg, viele Verletzte aufgrund einer Massenpanik (aktualisiert: Donnerstag 22:00 Uhr) » Pottblog @ 29. Juli 2010, 22:08 Uhr

    […] Ansonsten noch schnell ein Linkhinweis in eigener Sache: Loveparade 2010 in Duisburg: Traue keiner Besucherstatistik außer der selbstgefälschten&#8… […]


  2. (2) Kommentar by Kinski @ 30. Juli 2010, 10:26 Uhr

    Aber Bochum Total bringt natürlich jedes Jahr 1 Millionen Besucher in die Stadt – lächerlich!


  3. (3) Kommentar by christian @ 30. Juli 2010, 10:40 Uhr

    Ob die 3 Millionen bei Stillleben auf der A40 auch eine Lüge sind? Wem traut man denn da jetzt noch?


  4. (4) Kommentar by Ulrich Voß @ 30. Juli 2010, 11:10 Uhr

    Was mich allerdings doch verblüfft: Wie stark übertrieben wurde. Faktor zwei ist da ja scheinbar gar nichts …


  5. (5) Pingback by Besucherzahlen der Loveparade seit Jahren manipuliert @ 30. Juli 2010, 11:29 Uhr

    […] ist das aber auch nur ein Versuch, sich wegen dem Unglück in Duisburg herauszureden. Auch der pottblog.de berichtet über die manipulierten Besucherzahlen und erklärt das unter anderen am Beispiel […]


  6. (6) Kommentar by Jens @ 28. August 2010, 12:41 Uhr

    @Kinski (2):
    Naja, an vier Tagen halte ich es für möglich.

    @christian (3):
    Gute Frage…

    @Ulrich Voß (4):
    Das man gelegentlich mal vorsichtig aufrundet (wenn 44 Personen da waren, kann man ja ruhig von rund 50 schreiben…) okay – aber ist wirklich eine merkwürdige Veränderung.


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