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Jens Matheuszik — 24. Juli 2010, 18:39 Uhr

Scheisse: Mehr als 20 Tote bei der Loveparade in Duisburg, viele Verletzte aufgrund einer Massenpanik (aktualisiert: 18.01.2011 – 17:33 Uhr)


Am Samstag, den 24. Juli 2010, fand in Duisburg die Loveparade 2010 statt, die mit einem schrecklichen Unglück enden sollte. Mehr als 20 Tote und über 500 Verletzte sind nach aktuellem Kenntnisstand (8. August 2010) zu verzeichnen. Am Unglückstag selber hatte ich mit der Loveparade nicht so viel am Hut ((obwohl ich selber noch morgens an Bord eines Zuges am Gelände der Loveparade vorbeigekommen war, und auf meiner Rückfahrt Partygäste auf dem Weg von Hagen nach Duisburg im Zug hatte)), und erst am späten Nachmittag habe ich via Twitter von dem Unglück erfahren und dann unter dem spontanen Eindruck einen Blogbeitrag – diesen Beitrag hier – angefangen zu schreiben und stetig zu aktualisieren, so dass oben immer das aktuellste stand – für das übliche Lesen von oben nach unten nicht gerade die passende Form.

Daher habe ich mich jetzt entschlossen den Artikel umzustellen, so dass man ihn chronologisch korrekt von oben nach unten lesen kann. Der jeweils aktuellste Nachtrag ist über den vorhergehenden Link erreichbar. Falls es abseits von „X: Wir sind nicht schuld, Y ist schuld!“ bzw. „Y: Wir haben keine Fehler gemacht, das war X!“ Neuigkeiten gibt, werde ich den Artikel ggf. noch nachträglich aktualisieren, ansonsten findet man natürlich ggf. in den normalerweise täglich erscheinenden Links anne Ruhr Verweise auf aktuelle Artikel.

24. Juli 2010, 18:39 Uhr

Vor kurzem habe ich durch Twitter erfahren, dass es zu mindestens 10 Toten bei der Loveparade in Duisburg aufgrund einer Massenpanik gekommen ist.

DerWesten (siehe auch den Liveticker) und RP-Online berichten. Laut BILD (auf den Link dorthin, wo es Bilder von der Massenpanik gibt, verzichte ich sehr bewusst!) gibt es bereits 11 15 Tote.

Große Scheisse.

Heute morgen bin ich am Gelände der Loveparade vorbeigefahren und an dem Gelände komme ich sowieso öfters vorbei. Zwar stand für mich nicht zur Debatte zur Loveparade zu gehen (ich fand die Loveparade in Berlin ausreichend), aber ich sah heute diverse Loveparade-Besucher und habe von dem einen oder anderen Loveparade-Gast bei Twitter & Co. gelesen.

Ich hoffe, dass niemand dabei ist den ich kenne, doch selbst wenn das nicht der Fall ist, ist das ein ungeheurer Verlust, der hätte vermieden werden müssen. Wenn ich im Artikel Loveparade wird zum Tanz auf dem Drahtseil folgendes lese

Duisburg. Eine Million Raver werden zur Loveparade erwartet. Doch das Party-Gelände kann maximal die Hälfte zeitgleich aufnehmen.
[…]
An einem Punkt könnte sich das Mega-Event zum Tanz auf dem Drahtseil entwickeln: In Duisburg werden deutlich mehr Raver erwartet, als auf das Güterbahnhofsgelände passen. Während Sicherheitsdezernent Wolfgang Rabe auf DerWesten-Anfrage von „einigen hunderttausend Menschen“ spricht, die auf dem Gelände Platz haben, wird Kersten Sattler vom Veranstalter Lopavent etwas konkreter: „400.000 bis 500.000 Menschen“ könnten sich zeitgleich auf der abgesperrten Party-Fläche mit 230.000 Quadratmetern aufhalten. Die konkrete Zahl aus der Genehmigung der Stadt für die Loveparade wollte Rabe aus einsatztaktischen Gründen nicht nennen.

– dann frage ich mich, wer die Verantwortung dafür trägt, dass eine Millionenveranstaltung (so zeigten es ja die Erfahrungen der Vergangenheit) auf einem eingezäunten Gelände, auf das „400.000 bis 500.000 Menschen“ zeitgleich passen, stattfindet.

PS: SPIEGEL ONLINE berichtet auch.

24. Juli 2010, 20:15 Uhr

Es ist natürlich immer leichter hinterher etwas zu beurteilen. Aber hätte man sich die Probleme nicht denken können?! Dass mehr als eine Million Besucher zur Loveparade kommen würden, das war doch zu erwarten, nachdem in Essen und Dortmund (selbst bei schlechtem Wetter) die Millionenmarke jeweils deutlich geknackt wurde.

Im Gegensatz zu allen bisherigen Loveparades (in Berlin, Essen und Dortmund) war diesmal das Gelände eingezäunt(!) und bot (siehe den unten verlinkten Artikel „Loveparade wird zum Tanz auf dem Drahtseil“) Platz für 400.000 bis 500.000 Leute.

Vor kurzem berichtete DerWesten im Duisburger Lokalteil mit dem Artikel Bloss nicht in Flip-Flops zur Loveparade. Dort haben (mutmaßlich) Duisburger u.a. wie folgt kommentiert:

ich bin kein Nörgler, eigentlich, aber was sich Veranstalter und Stadt hier erlauben ist eine gefährliche Frechheit. Eine Örtlichkeit zur Verfügung zu stellen, die maximal 350.000 Leute aufnehmen kann obwohl man ahnt, dass ca. 800.000 Leute kommen werden, wird die Stimmung kippen lassen. […]
#3 von Lover__P, am 22.07.2010 um 09:55

Oder aber:

sehe ich das richtig, dass die versuchen 1 million menschen über die 1-spurige! TUNNELSTRAßE! Karl-Lehr-Straße mit zwischendurch 2 kleinen trampelpfaden hoch zum veranstaltungsgelände zu führen?
also in meinen augen is das ne falle. das kann doch nie und nimmer gut gehen. wer in essen und dortmund dabei war weiß, wie groß das gedränge schon auf recht weitläufigen zugangswegen war. das war ne katastrophe und die wollen ernsthaft den zugang über nen einspurigen TUNNEL leiten?
ich fass es nicht!!!!

ich seh schon tote wenn nach der abschlußkundgebung alle auf einmal über diese mickrige straße das gelände verlassen wollen.
#18 von klotsche, am 22.07.2010 um 17:08

In den Kommentaren geht es größtenteils munter weiter so. Wohl gemerkt – vor zwei Tagen, als über die Detailplanungen zur Loveparade berichtet wurde. Warum hat da niemand drauf reagiert?!

24. Juli 2010, 20:25 Uhr

Anfang Juni berichtete DerWesten Duisburger Loveparade viel kleiner als geplant. Schon damals (Anfang Juni) gab es in den Kommentaren Stimmen, die von Gefahren sprachen.

24. Juli 2010, 21:20 Uhr

Eigentlich wollte ich auf Aussagen von Augenzeugenberichten verweisen. Aber auf der entsprechenden Seite gibt es Bilder von (abgedeckten) Leichen. Das finde ich so abartig, dass ich auf diese Links verzichte.

Nach Berichten des Livetickers von DerWesten soll Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland erklärt haben, dass einige Opfer irgendwelche Treppen heruntergestürzt seien. Augenzeugenberichte sagen jedoch was anderes.

Die Absage der Loveparade in Bochum (aus Sicherheitsgründen) erscheint jetzt in einem anderen Licht.

A propos Absage: Die After Show-Party im Essener Grugapark (morgen früh) wurde abgesagt.

24. Juli 2010, 21:50 Uhr

Zur Riesenscheiße, die sich heute in Duisburg ereignete, wird im Lelei-Blog gefragt, ob es sich um eine vorprogrammierte Tragödie handelt.

24. Juli 2010, 22:15 Uhr

Bei RP-Online gibt es einen Artikel, der erklärt, wie die Katastrophe passiert ist.

Laut dem Duisburger „Sicherheitsdezernenten“ sind momentan nur noch 70.000 bis 80.000 Gäste auf dem Hauptgelände der Loveparade.

24. Juli 2010, 22:25 Uhr

Dem Liveticker von DerWesten zufolge gibt es 17 Tote, 40 Schwerstverletzte und 80 weitere Verletzte.

Eigentlich müsste ich das nachfolgende Bild jetzt mindestens siebzehn mal abdrucken. Aber ich denke einmal reicht:

Dort heißt es:

@DWDL: Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland sieht keine Fehler im Sicherheitskonzept. Tschuldigung Herr Sauerland, Sie sind ein Arschloch

In einem Folgebeitrag heißt es:

@DWDL: Egal wie sich das Unglück abspielte, wie kann der Oberbürgermeister erklären, es hätte keine Fehler im Sicherheitskonzept gegeben? Unfassbar

24. Juli 2010, 23:10 Uhr

Inzwischen ist die Loveparade offiziell beendet worden. Bald endet auch ein schrecklicher Tag und voraussichtlich damit dieser Beitrag.

Morgen um 11:00 Uhr wird das WDR-Fernsehen eine Sondersendung bringen.

25. Juli 2010, 11:16 Uhr

Heute um 11:00 Uhr gab es ein WDR Extra mit folgenden Informationen:

  • 19 Tote und weit über 300 Verletzte sind inzwischen zu bezeichnen. 1,4 Millionen Besucher waren zu Gast in Duisburg.
  • Zu dem Unglück kam es, weil von zwei Seiten Menschen in den Tunnel drängten. Inzwischen wurde auch bekannt, dass die Eins Live-Party im Delta-Musikpark eigentlich abgesagt werden sollte, aber die örtlichen Behörden auf eine Fortführung drängten – ähnlich wie bei der Loveparade selbst, die aus Sicherheitsgründen nicht abgesagt wurde.
  • Im WDR wird Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland mit seiner Aussage, dass es „individuelle Schwächen“ gab, zitiert. Die Frage ist, welche individuelle Schwächen die Verantwortlichen und Herr Sauerland hatten. Der WDR kritisierte zurecht, dass den Verantwortlichen anscheinend die Einsicht in die Problematik fehlt.
  • Die Aussage des Sicherheitsdezernenten Rabe, wonach das Festivalgelände nicht überfüllt war, wird seitens des WDR für den Südbereich, wo sich die Menschenmassen stauten, verneint.
  • Der Krisenstab stellt zum jetzigen Zeitpunkt das Sicherheitskonzept immer noch nicht in Frage. Vielleicht ändert sich das zur offiziellen Pressekonferenz um 12:00 Uhr (live ebenfalls im WDR)?
  • Selbst auf eindringliches Nachfragen erklärte Professor Schreckenberger vom Planungsstab, dass nichts passiert wäre, wenn sich alle an die Spielregeln gehalten hätten.
  • Über 500.000 Anrufe gab es bei der Hotline der Stadt Duisburg. Davon wurden 5.500 Anrufe bearbeitet.
  • Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft haben die Planungsunterlagen zur Loveparade 2010 in Duisburg beschlagnahmt.
  • Rund 6.000 Helfer waren vor Ort.
  • Um 12:00 Uhr das WDR Extra zur Pressekonferenz. Ich werde live berichten.

Der WDR hinterfragt sehr kritisch die Loveparade und das angebliche „Sicherheitskonzept“. Weiteres wird man nachher wohl zur Pressekonferenz erfahren. Wobei ich davon ausgehe, dass es weiterhin „individuelle Schwächen“ gewesen sein werden.

25. Juli 2010, 11:50 Uhr

  • Gleich findet um 12:00 Uhr die offizielle Pressekonferenz im Rathaus der Stadt Duisburg statt.
  • Fritz Pleitgen ist auch da und sieht sehr mitgenommen aus.
  • Angeblich soll die Pressekonferenz nicht-öffentlich sein – dabei soll sie doch im TV ausgestrahlt werden…

25. Juli 2010, ab 12:00 Uhr

Die offizielle Pressekonferenz im Rathaus der Stadt Duisburg hat begonnen. Vorher gab es Verwirrung ob diese Pressekonferenz öffentlich oder nicht-öffentlich ist. Angesichts des Charakters einer Pressekonferenz, die zudem live im Fernsehen ausgestrahlt wird, eher merkwürdig, wenn man so eine Veranstaltung für nicht-öffentlich erklärt.

Ich versuche nach und nach aus der Pressekonferenz zu berichten, kann jedoch kein Steno…

  • 11:55 Uhr: Die Pressekonferenz beginnt in wenigen Minuten, Oberbürgermeister Adolf Sauerland ist gerade eingetroffen. Der Saal(?) sieht voll aus.
  • 12:00 Uhr: WDR bringt jetzt nochmals die Informationen, die wir gerade schon hatten und will nachher wieder zur Pressekonferenz schalten. Schade WDR, das kennt man doch schon. Die Pressekonferenz live zu zeigen wäre interessanter. n-tv ist da besser.
  • Auf n-tv wird hingegen Pressekonferenz gezeigt. Gerade werden die Teilnehmer vorgestellt. Fragen sind zugelassen. Es wird keine Einzelgespräche geben.
  • 12:03 Uhr: Auf n-tv redet Oberbürgermeister Adolf Sauerland und teilt seine Erschütterung und sein Bedauern mit. Er verkündet noch einmal die Zahlen (19 Tote, 340 Verletzte).
  • Sauerland kann die Trauer nicht in Worte kleiden. Dieses Unglück ist so entsetzlich, dass man es nicht fassen kann.
  • Sauerland versteht die Frage nach dem „Warum?“, will jedoch den zuständigen Behörden genügend Zeit geben.
  • 12:05 Uhr: Inzwischen ist auch der WDR auf Sendung. Der Ton ist dort besser als bei n-tv.
  • Zum Schutz der Mitarbeiter will OB Sauerland „zum Ereignis“ hier nichts mehr sagen.
  • OB Sauerland wird gleich nach der Pressekonferenz die Überlebenden in den Kliniken besuchen und er steht natürlich der Presse und den ermittelnden Behörden zur Verfügung.
  • 12:09 Uhr: Jetzt redet Herr Schaller (von der Loveparade bzw. Lopavent): Schreckliche Tragödie, furchtbare Trauer.
  • Das Aus der Loveparade wird verkündet!
  • Also keine Loveparade 2011 in Gelsenkirchen. Die Loveparade in Duisburg 2010 wird die letzte Loveparade gewesen sein.
  • 12:11 Uhr: Jetzt redet der Sicherheitsdezernent Rabe: Er kann zur Angelegenheit nicht mehr Stellung nehmen, weil auch die Staatsanwaltschaft ermittelt.
  • Jetzt redet der stellvertretende Polizeipräsident von Duisburg und berichtet, dass man versucht alles zu klären und die Staatsanwaltschaft bereits gestern die Ermittlungen aufgenommen hat.
  • Keine Toten im Tunnel. Alle 16 Verstorbenen wurden auf der westlichen Seite der Zugangsrampe gefunden.
  • Zwei Tote wurden an irgendeiner Plakatwand gefunden.
  • 16 Opfer wurden identifziert. Angehörige und Konsulate (Australien, China, Italien, Niederlande) sind informiert.
  • 12:14 Uhr: Jetzt beginnt die Fragerunde. Man versteht kaum etwas.
  • Es wird gefragt (seitens des WDR), ob es zutreffend sei, dass der Leiter der Berufsfeuerwehr (?) kurz vorher im Vorfeld vor dem Nadelöhr gewarnt hat. OB Sauerland erklärt, dass man alle Fragen noch klären muss und man sie jetzt nicht beantworten kann.
  • WDR-Mitarbeiter berichtet, dass ein geplantes Portrait mit Prof. Schreckenberger nicht durchgeführt werden konnte, weil dieses angeblich „zu heikel“ war. OB Sauerland weiß davon nichts.
  • WDR fragt, ob in den Akten die Bedenken der Feuerwehr aufgenommen worden sind. Dezernent Rabe weiß davon nichts.
  • 12:15 Uhr: Auf die Frage, ob OB Sauerland die Verantwortung übernimmt, antwortet er ausweichend und will erstmal alles abgeklärt wissen, bevor das ganze geklärt werden kann.
  • 12:18 Uhr: Laut Rabe waren die Maßnahmen, die vorbereitet wurden, geeignet.
  • Seitens der Polizei gibt es bisher keinen vollständigen Überblick über alle Verletzte. Zuerst wird die Ermittlungen bei den Fällen der leider Verstorbenen konzentriert.
  • 12:20 Uhr: Zur Frage der Altersstruktur Todesopfer: Zwischen etwas über 20 und knapp 40 Jahren.
  • Frage: „Wieviele Menschen waren wirklich da? Für wieviele Personen ist der Platz gedacht?“ – der Vertreter der Polizei kann die Zahl von 1,4 Millionen Besuchern nicht bestätigen. Nach seinen Angaben war der Platz nie vollständig gefüllt. Die einzige belastbare Zahl die er nennen kann, sei die Zahl von der Bahn. Zwischen 09:00 und 14:00 Uhr wurden von der Bahn 105.000 Personen „zugeführt“. Das soll der überwiegende Teil gewesen sein.
  • 12:23 Uhr: Ob Duisburger betroffen sind ist unbekannt. Ein Düsseldorfer Opfer ist bekannt geworden. Über weiteres möchte man – aus Schutz der Angehörigen – nichts berichten.
  • Es wird erneut gefragt, für wieviel Personen der Platz zugelassen ist. Dezernent Rabe erklärt nur, dass der Platz weit mehr Personen als 250.000 bis 300.000 hätte aufnehmen können. Der Platz sei zu keinem Zeitpunkt gefüllt. Weiteres kann er nicht sagen.
  • 12:25 Uhr: Auf die Frage, wer die Verantwortung dafür zu tragen hat, dass Absperrungen nicht geöffnet wurde, antwortete der Polizeivertreter, dass es wohl eine Sache des Veranstalters war.
  • 12:28 Uhr: Es werden Berichte von Polizisten angesprochen, wonach den Polizisten nicht erlaubt wurde, dass man die Absperrungen öffnet. Es wird hitziger in der Diskussion!
  • Schon vor dem Zeitpunkt der Todesfälle wurde seitens der Polizei ein zweiter Zugang geöffnet. Er kann jedoch nicht bestätigen, dass seitens der Polizei der Zugang abgesperrt wurde.
  • Viele Fragen können nicht beantwortet werden, wegen der Staatsanwaltschaft und deren Ermittlungen.
  • Eine Vertreterin der WAZ fragt den Veranstalter, ob er keinerlei Bedenken hatte wegen des abgeriegelten Platzes hatte – im Gegensatz zu den anderen Loveparade-Veranstaltungen. Laut Herrn Schaller war das Veranstaltungsgelände in Duisburg größer als in Dortmund (bei der letzten Loveparade). Es gab daher keine Bedenken.
  • Ein Vertreter der Westfalenpost wundert sich über die Herunterrechnung der Besucherzahlen auf 150.000. Er hinterfragt sehr kritisch die Zahlen, vor allem von den geplanten Zuschauerzahlen her.
  • 12:32 Uhr: Jetzt antwortet ein mir nicht bekannter Pressesprecher (von Lopavent?). Weil die Staatsanwaltschaft ermittelt, kann man diese Fragen jetzt nicht beantworten. Der Pressevertreter der WP erklärt, dass das keine Detailfrage sei, sondern dass man das im Vorfeld hätte wissen müssen. Der WP-Vertreter kritisiert, dass 19 Menschen verstorben seien und die Vertreter auf der Pressekonferenz herumeiern.
  • 12:33 Uhr: Es wird gefragt, ob es stimmt, dass die Hotline 570.000 Anrufer hatte und davon nur 5.500 beantwortet wurden. Die angeblich abgeschaltene Hotline wird laut OB Sauerland wieder in Betrieb sein. Die Zahlen dazu kann OB Sauerland nicht beantworten.
  • Eine andere Vertreterin (der Stadt?) bestätigt so eben die Zahlen.
  • 12:36 Uhr: Es wird gefragt, was mit den Leuten geschehen sollte, die nicht mehr auf das Gelände konnten, da so was ja eingeplant gewesen sei. Der Polizeivertreter erklärt jetzt, dass er sich gerade missverständlich ausgedrückt habe. Die Polizei habe den Zulauf zum Gelände geregelt. Es habe „Vereinzelungssperren“ gegeben, damit der Zugang zum Tunnel reguliert werden konnte. Wenn der Druck auf das Veranstaltungsgelände zu groß wurde, kam es zu Sperrungen bei den Zuwegungen. Er kann nicht bestätigen, dass das Veranstaltungsgelände hinter der Zugangsrampe gesperrt wurde.
  • Seitens der Pressevertreter hätte man das ja alles ahnen können: Warum wurde dann im Vorfeld darüber nicht berichtet?
  • Der Polizeivertreter kann nicht bestätigen, dass es so einen großen Druck (wg. der Sperrungen) gab, dass es zu den Todesfällen kam.
  • Dezernent Rabe erklärt: Das Gelände ist „sehr groß“, „größer als in Dortmund“. Der eigentliche Bereich (mit den Floats) und der Bereich vor dem Veranstaltungsgelände: 120.000 qm. Das ganze Gelände war „sicherlich weit über 200.000, 240.000 qm groß“.
  • 12:42 Uhr: Bis 02:00 Uhr ist es gelungen alle Personen über die „großen Entfluchtungsmöglichkeiten nach allen Seiten hin gefahrlos zu entfluchten“.
  • Ein Pressevertreter spricht eine anscheinend besondere Äußerung im Vorfeld bei einer Pressekonferenz an. Diese Äußerung, die ich akkustisch nicht verstehen konnte, war dem Dezernenten Rabe nicht bekannt.
  • Der Polizeivertreter weiß nur aus den Medien vom angeblichen „Schusswaffengebrauch“ bzw. der Androhung desselbigen. Die Polizei hätte sich stets hilfreich verhalten und nennt einige Beispiele.
  • Auf die Frage, ob die Polizei im Vorfeld gewarnt wurde, antwortet der Polizeivertreter erst ausweichend, der Fragesteller wird wütend und will, dass nur seine Frage beantwortet wird, warum die Polizei auf die Warnungen der Besucher nicht reagiert habe. Dazu der Polizeivertreter: „Eine Massenpanik ist ein wertender Eindruck über den Umfang eines Geschehens.“ Persönlich sah der Polizeivertreter dort keine Massenpanik.
  • 12:47 Uhr: Das Gelände des alten Güterbahnhofs wurde deswegen eingezäunt, weil es zwischen den Bahnanlagen und der A59 lag. Die A59 war beispielsweise für die Rettungswege gesperrt.
  • OB Sauerland erklärt, dass wir alle Fragen haben, die beantwortet werden sollen. Das übernehme jetzt die Staatsanwaltschaft. Dadurch soll man schnell erfahren, wo Fehler begangen worden sind. Danach wird es dann eine Diskussion über die Verantwortung geben. Seine gestrigen Äußerungen versuchten darzustellen, was bisher an Informationen vorlag. Heute hat er keine gravierend anderen Informationen. Seit heute ermittelt die Staatsanwaltschaft, daher kann er diese Fragen heute nicht mehr beantworten.
  • Der Polizeivertreter kann nicht bestätigen, dass auf der Rampe vor allem Leute waren, die das Gelände wieder verlassen wollten.
  • Laut dem Polizeivertreter fand kein Gedränge runter vom Veranstaltungsgelände statt. Es wird kritisiert, dass es nur einen gemeinsam Ein- und Ausgang ab.
  • Der Sicherheitsdezernent Rabe will Aussagen Dritter (zur Absage der Loveparade in Bochum) nicht kommentieren.
  • 12:56 Uhr: Es wird nach Professor Schreckenberger gefragt, der nicht auf dem Podium ist. Seine Aussage im Vorfeld, die angeblich das ganze als „extrem heikel“ bezeichneten, sollen noch geklärt werden.
  • Die Frage nach Professor Schneckenberger wird erst ignoriert, jetzt heißt es, dass er nach der Pressekonferenz für Fragen zur Verfügung steht (obwohl das vorher ausgeschlossen wurde).
  • OB Sauerland erklärt, dass man zur Zeit nicht mehr weiß. Man weiß nur, dass es Tote gab, und dass das vor dem Tunnel passierte. Mehr weiß man derzeit nicht, alles andere sind nur Möglichkeiten und Spekulationen.
  • 12:58 Uhr: WDR schaltet sich wieder raus. Ab zu n-tv.
  • Laut dem Polizeivertreter wurde den ganzen Tag regelnd auf die Besucherströme eingewirkt wurde.
  • Der Veranstalter bestätigt, dass es Kameras gab. Das Bildmaterial ist bisher noch nicht bekannt. Die Polizei hat Luftbilder der Hubschrauber genutzt. Es gab keine Kameras in den Tunnels.
  • Eigentlich ist die Pressekonferenz schon zu Ende, aber es wird noch weiter gefragt.
  • „Der Auffindeort der Gestorbenen ist außerhalb des Tunnels auf dem Rampengelände“ – so der Polizeivertreter auf Nachfragen. Auf dem Rampengelände (nicht beim überdachten Teil des Tunnels) war der „Auffindeort der Getöteten“. Auf die Frage, ob um 16:00 Uhr der Tunnel der einzige Zugangsort war, wurde erst nach mehrmaligen Wiederholen geantwortet.
  • 13:04 Uhr: Die Pressekonferenz ist jetzt zu Ende.
  • Es gab eigentlich mehr Fragen als Antworten.

25. Juli 2010, 13:05 Uhr

Die Pressekonferenz ist vorbei. Schade, dass der WDR meiner Meinung nach zu spät zur Pressekonferenz schaltete und zu früh wieder ‚rausging, aber dafür gab es dann ja doch noch n-tv.

In der Pressekonferenz wurden viele Fragen nicht beantwortet, es wurde immer wieder auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hingewiesen. Interessant auch, dass die Besucherzahlen plötzlich deutlich reduziert wurden, obwohl man eigentlich keine „belastbaren“ Zahlen nennen konnte.

Schlimm ist, dass immer noch nicht alle Toten identifiziert wurden und somit immer noch irgendwelche Angehörige in Ungewissheit stehen.

25. Juli 2010, 16:04 Uhr

Gerade hat ein erneutes WDR Extra unter dem Motto Wer ist verantwortlich? zur Katastrophe bei der Loveparade 2010 in Duisburg begonnen. Nachdem ich inzwischen sogar Mails erreichen, wonach Personen, die gerade keine Möglichkeit haben das WDR-Fernsehprogramm zu sehen, versuche ich auch hiervon wieder zu berichten und vor allem Neuigkeiten zu thematisieren. Es bringt ja nichts, wenn man zum drölfsechzigsten Mal schreibt, was man schon kennt.

  • 16:04 Uhr: Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung.
  • Der WDR kritisiert die Pressekonferenz (mit 100 Journalisten): Sie können oder sie wollen nichts sagen.
  • Laut den Ruhr Nachrichten kommt ein Opfer aus Lünen und ist ein 18-jähriger Abiturient.
  • Ein anderer Panikforscher (als Professor Schreckenberg) erklärt, dass Tunnel ein großes Potential für eine Massenpanik darstellen.
  • Der WDR-Moderator interviewte Professor Schreckenberg. Dieser erklärte, dass er immer vor dem Tunnel gewarnt hätte. Dieser hätte schon immer ein Problem dargestellt. Man müsse das daher sehr genau planen, man müsse ein Evakuierungskonzept haben, damit man ihn schnell leeren kann. Der Tunnel würde das im Normalfall hergeben, aber er hätte darauf gepocht, dass Ausnahmesituationen berücksichtigt werden müssen. Seine vor einigen Wochen getätigte Ausgabe „das kann heikel werden“ will er nicht so wiederholen und redet sich meiner Meinung nach ein wenig drumherum.
  • Leider unterbrach der WDR-Journalist den Panikforscher als gerade die Frage nach den Kameras in den Tunneln aufkam. Die Polizei erklärte, dass es keine Videoaufzeichnungen von der Polizei gab. Bilder im Netz sprechen eine andere Sprache…
  • Von dem angeblich vorhandenen „Gegenkonzept“ zur Sicherheit der Polizei weiß er nichts.
  • Seine Disziplin hat seiner Meinung nach nicht versagt, man hat auch vorher auf ihn gehört.
  • 16:08 Uhr: Irgendwie klingt das ganze nach einem Widerspruch, was Professor Schreckenberg dort so sagt. Wenn ich das ganze im Vorfeld richtig mitbekommen habe, wollte er beispielsweise auch eine Kameraüberwachung des Tunnels, die wohl nicht stattfand.
  • An der Unglücksstelle hat sich eine improvisierte Trauerstelle gebildet, wo Kreuze, Blumen, angezündete Kerzen sind und gemeinsam gebetet wird.
  • Der WDR hat mit einem Augenzeugen gesprochen, der im Tunnel dabei war. Die Leute wollten aus Panik die Wände hochklettern. Menschen haben auf den Köpfen von anderen getreten.
  • Der WDR zeigt die Stelle des Unglücks, mit den stilisten weißen Kreidezeichnungen, wo die Opfer lagen. Dort liegen auch noch kaputte Sonnenbrillen und ähnliches herum.
  • Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Innenminister Ralf Jäger waren auch vor Ort und legten Blumen wieder.
  • 16:15 Uhr: Um 19:10 Uhr gibt es (bis 20:00 Uhr) eine Aktuelle Stunde und dann nachher noch eine weitere Sendung um 21:45 Uhr.

25. Juli 2010, 16:17 Uhr

Das WDR Extra brachte jetzt nicht viele Neuigkeiten, interessant war jedoch das Interview mit Professor Schreckenberg. Ich hatte den Eindruck, dass er zum Teil ausweichend geantwortet hat und vor allem seine vor einigen Wochen getroffene Aussage („das kann heikel werden“) in Bezug auf den Tunnel nicht wiederholen wollte…

25. Juli 2010, 19:15 Uhr

Um 19:10 Uhr hat im WDR eine Sondersendung der „Aktuellen Stunde“ begonnen, die natürlich über die Loveparade 2010 in Duisburg berichtet.

  • Die beiden verstorbenen Studentinnen aus Spanien studierten im Rahmen des Erasmus-Programmes in Münster – und wollten nächste Woche zurück nach Spanien fahren.
  • Dem WDR zufolge hat man dem Gutachter Professor Schreckenberg geraten „nie über Zahlen zu reden“.
  • 19:16 Uhr: Erst heute wurde angeblich im Rathaus erstmalig in einer Art großem Lagebericht über die Veranstaltung geredet. Nicht vorher.
  • Zwei Stunden vor Beginn der Loveparade 2010 sagte Oberbürgermeister Adolf Sauerland, dass man – nach der Bochumer Absage 2009 – die Loveparade in Duisburg durchführen musste, da ansonsten die Loveparade „für das Ruhrgebiet gestorben“ sei…
  • 19:21 Uhr: Ein Polizist wird zitiert, der morgens mit seinen Kollegen der Meinung war, dass dieser Einsatz nur schief gehen könne.
  • Seit rund zwei Stunden sind alle Opfer identifiziert. Ich zitiere die Pressemitteilung der Polizei Duisburg:

    Duisburg (ots) – Am 25.07.2010, gegen 17.00 Uhr, konnte die Kriminalpolizei die Identifizierung der Getöteten abschließen. Bei den Getöteten handelt es sich um 11 Frauen und 8 Männer. 11 Opfer sind aus Deutschland. Acht weitere Getötete stammen aus Australien, den Niederlanden, China, Italien, Bosnien-Herzegowina und Spanien. Die deutschen Opfer stammen aus Gelsenkirchen, Münster, Düsseldorf, Castrop-Rauxel, Bad Oeynhausen, Bielefeld, Mainz, Lünen, Hamm, Bremen, Steinfurt und Osnabrück. Die Angehörigen der Getöteten wurden bereits durch die entsprechenden Konsulate und die Polizei benachrichtigt oder deren Benachrichtigung veranlasst.

  • Ein Arzt der BG Unfallklinik berichtet, die Patienten kamen dreckig „wie Bergmänner von der Schicht unter Tage“ in die Klinik.
  • 19:30 Uhr: Als Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) an der improvisierten Trauerstelle Blumen niederlegte, wurde er ausgebuht.
  • Es wurde nochmal auf die Absage der Loveparade 2009 in Bochum abgesagt hingewiesen. Dort gab es Kritik, aber keine Tote.
  • OB Sauerland (zu Beginn der Loveparade 2010) im Zitat: „In diesem Jahr waren wir ja einfach in Zwang es hinkriegen zu müssen, sonst wäre die Loveparade endgültig gestorben gewesen für das Ruhrgebiet.“
  • Fritz Pleitgen, Geschäftsführer der Ruhr.2010 GmbH, äußerte sich (2009 – nach der Absage von Bochum): „Wenn Sie für das nächste Jahr abgesagt werden würde, dann wäre das ein schwerer Rückschlag. Das darf nicht passieren.“
  • Der NRZ-Chefredakteur Rüdiger Oppers schreibt Treten Sie zurück, Herr Sauerland!.
  • Bochums Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz (SPD) erklärte nochmal, warum die Loveparade 2009 (primär: aus Sicherheitsgründen) abgesagt wurde, und dass man dafür keine Verantwortung übernehmen wollte.
  • Die Pressekonferenz von heute mittag wird als „Dokument der Hilflosigkeit“ bezeichnet.
  • 19:36 Uhr: Der WDR hat einige Aussagen der Pressekonferenz zusammengeschnitten. Unter anderem auch die Passage, wo der Polizeivertreter indirekt andeutete, dass die Zeugenaussagen eventuell anders zu bewerten sind…
  • Nach einer Stunde Pressekonferenz gibt es für den WDR nur zwei Fakten:
    1. Die Staatsanwaltschaft wird ermitteln.
    2. Das Aus der Loveparade.
  • Nebenverweis: Bei SPIEGEL Online gibt es den Artikel Love-Parade-Debakel in Duisburg: Abwimmeln, wegschauen, sparen.
  • 19:44 Uhr: Via Twitter (Danke an Christian!) werde ich auf einen Widerspruch hingewiesen: Es werden 11 Opfer aus Deutschland genannt – und 12 Städte, aus denen sie kommen…
  • Der WDR wiederholt ein paar Szenen aus vergangenen Sendungen – aber das ist mehr als verständlich, bei der Schilderung der gestrigen Ereignisse.
  • 19:51 Uhr: Ein Seelsorger erklärte, dass die Opfer mehrere Jahren mit dieser Situation umgehen müssen. Dies würden Erfahrungen (Eschede, Tsunami) zeigen.
  • Der WDR berichtet über die Loveparade im World Wide Web: Facebook, Twitter und YouTube werden genannt. Einige Bilder werden durch die Filmplattform YouTube selber zensiert bzw. erst als FSK18-Filme gekennzeichnet. Bei Twitter werden die Suchanfragen für vermisste Personen genannt.
  • Zum Widerspruch der Opfer: Natürlich können auch Ausländer in Deutschland wohnen, aber irgendwie klang das dennoch merkwürdig…
  • Laut dem WDR werden noch Angehörige vermisst. Dabei sollen doch alle Opfer identifiziert sein?
  • 19:56 Uhr: Noch ein weiterer Verweis – auf das ZDF: User warnten Tage zuvor vor Sicherheitsproblemen
  • 19:59 Uhr: Einem bisher nicht bestätigten Bericht soll Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) seinen Rücktritt ankündigen.
  • 20:00 Uhr: Mal eben zur Tagesschau umgeschaltet. Bundesministerin Dr. Kristina Köhler (CDU) möchte, dass es Veranstaltungen und Feste wie die Loveparade auch zukünftig geben wird – das aber die Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden müssen.
  • 20:05 Uhr: Um 20:15 Uhr gibt es einen ARD-Brennpunkt. Dann berichte ich weiter.

25. Juli 2010, 20:06 Uhr

Das WDR Extra ist beendet – mit einigen erschütternden Zitaten, wonach die Loveparade 2010 in Duisburg unbedingt stattfinden musste. Hier gab es einige entscheidende Zitate, die jetzt im Nachhinein besonders bitter klingen.

Auch die Pressekonferenz heute mittag wird – meiner Meinung nach zurecht! – deutlichst kritisiert. So sagte Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) zu Beginn der Loveparade 2010, als die ersten Leute auf das Festivalgelände strömten:

„In diesem Jahr waren wir ja einfach in Zwang es hinkriegen zu müssen, sonst wäre die Loveparade endgültig gestorben gewesen für das Ruhrgebiet.“

Dass konnte man natürlich zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen. Angeblich soll der Duisburger Oberbürgermeister seinen sofortigen Rücktritt planen – ob das jedoch stimmt, dass ist nicht bekannt und die unten verlinkte Quelle ist mir bisher kaum bekannt gewesen. Kann aber dennoch richtig sein.

25. Juli 2010, 20:15 Uhr

Jetzt beginnt in der ARD ein Brennpunkt zur Loveparade in Duisburg:

  • Jörg Schönenborn (WDR Köln) will im Brennpunkt aufzeigen, wie es passiert ist und warum es massive Vorwürfe gibt.
  • Es wird ein Handyvideo mitten aus der Massenpanik im Tunnel gezeigt.
  • Die Massenpanik brach dem Augenzeugen zufolge aus, als die Treppe (die vorher abgesperrt war) aufgemacht wurde. Denn dann wollte die Masse dort hin.
  • 20:18 Uhr: Jörg Schönenborn erklärt die Begebenheiten und man kann in einem 3D-Modell gut das Gelände und die Treppe (ohne Gelände), die den Tatort darstellt, sehen.
  • Augenzeugen zufolge versuchten Leute die Treppe hoch zu gelangen, fielen wieder runter und andere Menschen kletterten über andere hinweg.
  • Ein Loveparade-Besucher berichtet von tollen Liedern und als man dann von den Toten hörten, wäre „das ein kleiner Bruch“ gewesen… aha.
  • Externer Link: Bei SPIEGEL Online wird im Artikel Partygelände war nur für 250.000 Menschen zugelassen unter anderem folgendes berichtet:

    Wie SPIEGEL ONLINE erfuhr, wurden bei der Bundespolizei inzwischen sämtliche Unterlagen zur Love Parade – Einsatzbefehle, Lagemeldungen, Karten – von den Computern der Beamten sowie aus deren E-Mail-Accounts gelöscht. „Da kam sehr schnell der ganz große Staubsauger“, sagte ein Beamter, der sogar eine konzertierte „Vertuschungsaktion“ im Gang wähnt.

    Nach der rückhaltlosen Aufklärung, von der Bundespräsident Wulff doch so salbungsvoll gesprochen hatte, sieht das jedenfalls nicht aus.

  • Der Brennpunkt weist im „Vorwurf 1“ darauf hin, dass schon im Vorfeld es Warnungen gab. Dabei werden die inzwischen schon lange bekannten Kommentare bei DerWesten erwähnt, aber auch Kritik von Behörden.
  • „Vorwurf 2“ ist das ungeeignete Gelände – von dem die Veranstalter immer noch nicht wissen, wieviele Personen dort waren.
  • In „Vorwurf 3“ wird mangelnde Durchführung der Organisation kritisiert. Die Polizei soll laut Brennpunkt jedoch keine Kameras in Einsatz gehabt haben. Es gibt aber Bilder, wo man teilweise Polizisten mit Kameras sieht.
  • Ein Vertreter der Polizeigewerkschaft vermutet, dass viel Druck auf die Entscheider ausgeübt wurde und die örtlichen Politiker in Zugzwang gebracht wurden – gerade wegen des Kulturhauptstadtjahres 2010.
  • 20:28 Uhr: Jörg Schönenborn berichtet, dass alle offiziellen Vertreter – mit Verweis auf die Pressekonferenz heute mittag – Interviews abgesagt hätten. Schönenborn weist nochmal darauf hin, dass diese öffentlichen Vertreter den Medien eigentlich Rede und Antwort stehen müssten.
  • Von der skandalösen Pressekonferenz berichtet der Brennpunkt kurz.
  • 20:30 Uhr: Das war der Brennpunkt. Eventuell gibt es heute um 21:45 Uhr weitere Neuigkeiten – dann berichtet wieder das WDR-Fernsehen.

25. Juli 2010, 20:40 Uhr

Laut Markus Peters (via Twitter), dem Chef vom Dienst bei der NRZ (Regio-Desk Niederrhein) wird Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) nicht zurücktreten. Er schreibt:

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland tritt nicht zurück. Entsprechende Meldungen wurden gegenüber der NRZ dementiert. #Loveparade

Insofern haben sich die von @NGC6544 geäußerten Zweifel über die entsprechende Quelle bewahrheitet.

25. Juli 2010, 20:49 Uhr

Während SPIEGEL Online über Löschaktionen bei der Bundespolizei berichtet, werden auch in diversen Portalen wie YouTube inzwischen Videos gelöscht. So gab es ein Video, welches eindringlich die Situation der vielen Leute und deren Wunsch das Partygelände zu verlassen demonstriert. Unter dem Namen Massenpanik am Tunnel wurde es erneut hochgeladen, dort sieht man jedoch keine wirklich extremen Szenen – ansonsten hätte ich es nicht verlinkt.

25. Juli 2010, 21:35 Uhr

Der Twitter-Account von DerWesten berichtet über den angeblichen Rücktritt von Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) wie folgt:

Kollege hat mit dem Referenten von OB Sauerland gesprochen. Tenor: Sauerland wird heute Abend nicht zurücktreten. #gerücht #loveparade

Also mir fällt da vor allem das „heute Abend“ dran auf…

25. Juli 2010, 21:46 Uhr

Das WDR berichtet in einer neuen Extrasendung. Ich versuche neue Informationen hier nachzupflegen.

  • 21:55 Uhr: Ein Vertreter vom Bund Deutscher Kriminalbeamter erklärt, dass es eindeutig zu wenig Platz auf dem Gelände gab.
  • Die kritischen Fragen müsse man dann der Stadt stellen.
  • 22:06 Uhr: Einer der Seelsorger kann auch berichten, dass auch die Seelsorger Betreuung erhalten.
  • Von den 340 Verletzten sind einige sehr schwer verletzt. Die Kliniken in Duisburg sind überlastet, die Angehörigen rufen deswegen von Krankenhaus zu Krankenhaus an. Die Hotline der Stadt ist überlastet.
  • Opfer berichten von dem Chaos in bzw. am Tunnel.
  • 22:11 Uhr: Die Bundespolizei dementierte – laut WDR – den Bericht über die gelöschten Unterlagen.
  • 22:15 Uhr: Das WDR-Extra endete so eben. Ohne die journalistische Leistung des WDR schmälern zu wollen – soviele Neuigkeiten waren da jetzt nicht dabei, was aber auch damit zu tun haben kann, dass ich schon die eine oder andere Extrasendung gesehen habe.

26. Juli 2010, 19:10 Uhr

Ich möchte die Sache nicht parteipolitisch bewerten – aber es gibt schon ein paar interessante Links, die ich einfach mal unkommentiert hier erwähnen möchte:

26. Juli 2010, 19:25 Uhr

Inzwischen gibt es (zum Teil leider…) neue Nachrichten, die ich hier auch noch eben schnell verlinken möchte:

26. Juli 2010, 19:40 Uhr

Gestern (Sonntag, 19:44 Uhr) berichtete ich schon von den Differenzen bei den Todeszahlen in Bezug auf Deutsche und Ausländer. DerWesten hat nachgehakt, nachdem @beratarici via Twitter auf den Widerspruch hingewiesen hat. Inzwischen ist dank @DerWesten via Twitter klar, wie es dazu kommen konnte:

Polizei hatte einen Fehler in ihrer Pressemitteilung. 7 ausländische Opfer, 12 aus Deutschland. Wir korrigieren.

Die Meldung über das 20. Todesopfer wurde zwischenzeitlich von Radio Duisburg relativiert verändert:

Offiziell noch 19 Tote. 20tes Opfer noch nicht für klinisch tot erklärt.

26. Juli 2010, 20:15 Uhr

Scheisse: Die Zahl der Toten steigt auf 20. Die 21-jährige Frau, die im Bethesda-Krankenhaus lag, wurde inzwischen für tot erklärt.

27. Juli 2010, 07:05 Uhr

Ich freue mich über jede eMail und jeden Kommentar (auch wenn ich leider noch keine Zeit hatte um großartig zu reagieren – nur bei einigen abscheulichen Kommentaren, habe ich schon eingegriffen). Auf Links bzw. die Einbindung von Fotos bzw. Videos, auf denen Sterbende oder gar Tote zu sehen sind, verzichte ich dankend! Sowas will ich hier nicht sehen und werde auch nicht aktiv auf so etwas verlinken.

Ansonsten: Inzwischen sind die Links zur Loveparade (als Teil von den Links anne Ruhr) fertig.

27. Juli 2010, 17:25 Uhr

Auf einer Pressekonferenz gab die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bekannt, dass alle 20 Todesopfer von der Loveparade durch „Brustdruckkompression“ (Brustquetschung) starben – was früheren Aussagen (wo Stürze als Todesursache genannt wurden) widerspricht. DerWesten berichtet auch schon darüber und wird sicherlich bald (momentan steht da noch nicht viel) ausführlichere Informationen haben.

A propos DerWesten: Im Artikel Loveparade: Sauerland kannte Details der Sicherheitsbedenken wird ein Sitzungsprotokoll erwähnt, aus dem hervorgeht, dass der noch amtierende Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland über Bedenken bezüglich der Sicherheit informiert war.

28. Juli 2010, 07:35 Uhr

Aktualisierung der Links anne Ruhr und Links zur Loveparade 2010 in Duisburg – unter anderem mit dem Versuch herauszufinden, warum es zu dieser ganzen Katastrophe kommen konnte.

28. Juli 2010, 13:00 Uhr

Inzwischen wurde bestätigt, dass eine 25-jährige Frau aus Heiligenhaus (Kreis Mettmann) an ihren Verletzungen gestorben sei. Ihr Leichnam wird obduziert um die genaue Todesursache zu ermitteln. Damit gibt es 21 Tdoesopfer und weit über 500 Verletzte.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger will um 15:00 Uhr im Rahmen einer Pressekonferenz Details zur Katastrophe am vergangenen Samstag bekannt geben.

Bei DerWesten, dem Internet-Portal der WAZ-Mediengruppe, gab es im Vorfeld der Loveparade bereits Kommentare, die vor der Loveparade-Durchführung in Duisburg warnten (die zum Teil mehrfach im Rahmen dieses Artikels hier verlinkt sind). Momentan gibt es Zugriffsprobleme und es werden Fehler-Seiten angezeigt. Nach Auskunft von DerWesten wurden diese Artikel aber nicht gelöscht, wie es teilweise behauptet wurde. Sie sind einfach nur derzeit nicht erreichbar und die Technik sei bereits an der Fehlerbehebung. Dieses Phänomen betrifft übrigens nicht nur Artikel in Bezug auf die Loveparade.

28. Juli 2010, 20:30 Uhr

Heute gab es eine Pressekonferenz des Innenministers Ralf Jäger (SPD) in Düsseldorf, der über den aktuellen Stand der Dinge informierte. Berichte dazu gibt es bei DerWesten und RP-Online. Bei den Ruhr Nachrichten (und auch bei DerWesten) gibt es auch einen Liveticker zum Nachlesen. Um das ganze abzukürzen:
Laut Innenminister Ralf Jäger ist nach jetzigem Stand der Dinge das Unglück vom vergangenen Samstag vor allem dem Veranstalter (Lopavent) und der Stadt Duisburg zuzuschreiben.

Einhelliger Tenor der Medienvertreter (mit denen ich gesprochen habe) beim lauen Lüftchen namens „Flashmob“ vor dem Duisburger Rathaus war übrigens, dass diese Pressekonferenz deutlich besser war als die am Sonntag von den Vertretern der Stadt, der Polizei und des Veranstalters.

Ansonsten möchte ich noch auf den Sprengsatz-Artikel Eine tragische Figur verweisen, der von Michael Spreng, dem ehemaligen Berater des CDU-Landesvorsitzenden und ehemaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers, stammt und den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland beschreibt.

29. Juli 2010, 06:35 Uhr

Links anne Ruhr und Links zur Loveparade 2010 in Duisburg

29. Juli 2010, 20:00 Uhr

So eben läuft in der ARD das Magazin Monitor und berichtet über die Loveparade 2010. Dort wird auch gerade die Rolle der Medien und der Kulturhauptstadt 2010 angesprochen. So wird beispielsweise Fritz Pleitgen von der Ruhr.2010 GmbH zitiert, der eine mögliche Absage der Loveparade in Duisburg im Jahr der Kulturhauptstadt 2010 sehr kritisch bewertete.

Ansonsten noch schnell ein Linkhinweis in eigener Sache: Loveparade 2010 in Duisburg: Traue keiner Besucherstatistik außer der selbstgefälschten…

29. Juli 2010, 22:30 Uhr

Fritz Pleitgen (von der Ruhr.2010 GmbH) äußert sich bei Maybritt Illner (ZDF) dahingehend, dass ihm Sicherheitsbedenken nicht bekannt waren und die Sicherheitsbedenken nicht öffentlich gemacht worden sind. Der Vertreter der Polizeigewerkschaft erwähnte den (damaligen) Polizeipräsidenten, der davor warnte. Dazu Fritz Pleitgen: „Das will ich sehen!“ – das dürfte kein Problem sein ihm das zu zeigen…

29. Juli 2010, 22:47 Uhr

Wolfgang Bosbach, der innenpolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, erklärt, dass auch die Politik vor Ort eine Verantwortung zu tragen hat. Er nennt den Namen des Oberbürgermeisters nicht, aber jeder weiß, dass Adolf Sauerland (CDU) gemeint ist…

29. Juli 2010, 22:55 Uhr

„Ein solches Amt ist nicht nur mit Würde, sondern gelegentlich auch mit einer Bürde verbunden“ – so Wolfgang Bosbach zur Position des Oberbürgermeisters der Stadt Duisburg. Er kann zwar verstehen, dass Adolf Sauerland nicht zurücktreten möchte, weil damit ein falscher Eindruck entstehen könne. Dennoch muss Sauerland seiner Meinung nach zurücktreten – das ganze hat er mit einigen verschwurbelten Sätzen gesagt, aber inhaltlich meinte er das wohl schon so.

Maybritt Illner fragte Fritz Pleitgen ob es seitens der Kulturhauptstadt 2010 Druck auf Duisburg in Sachen Loveparade gegeben hätte. Es ist wahrscheinlich der Freundlichkeit geschuldet, dass ein bekanntes Video von Fritz Pleitgen aus dem vergangenen Jahr nicht eingeblendet wird. Dort hatte er – nach der Absage der Loveparade 2009 in Bochum – sich sehr deutlich negativ ausgedrückt, falls die Loveparade 2010 in Duisburg nicht stattfindet.

Aber auch wenn das jetzt kritisch in Sachen Fritz Pleitgen klingt – wenigstens hat er genügend Rückgrat um (moralische) Verantwortung zu übernehmen.

29. Juli 2010, 23:05 Uhr

Fritz Pleitgen erklärte gerade, dass 3-4 Monate für die Vorbereitung der Loveparade 2010 in Duisburg (nach irgendeiner positiven Entscheidung dazu im Februar) nicht ausreichend gewesen sein. Hmm… ich glaube 3-4 Monate war genau der Zeitraum, den die Macher in Essen bei der Loveparade 2007 sein hatten.

Wendt, der Vertreter der Polizeigewerkschaft, kritisiert das das Sicherheitskonzept eher dilletantisch gewesen sei und erklärt Pleitgen, dass er – wenn er einen Gemüsestand auf der Straße betreiben wolle – bessere Sicherheitskonzepte vorlegen müsse.

29. Juli 2010, 23:10 Uhr

Pleitgen dementiert, dass es eine Erwartungshaltung „Loveparade 2010 in Duisburg muss stattfinden“ gegeben habe. Ein lautes „Hoh“ aus dem Publikum war zu hören. Zu Sauerland sagte er, dass er von einem Oberbürgermeister erwarten würde, dass er dann auch wirklich amtiert.

Pleitgen sprach an, dass die Pressekonferenz am Sonntag unglücklich war. Aber das sei sicherlich auch dem nahen Schockergebnis zur Loveparade geschuldet. Danach hätte er dann aber entsprechend informieren müssen.

Rainer Wendt von der Polizeigewerkschaft erklärte, dass er – im Vergleich zur städtischen Pressekonferenz – die Pressekonferenz des Innenministers Ralf Jäger gut fand und dass er das so ohne weiteres sagen könne, da er ihn (bzw. die SPD) eh nicht gewählt hätte (Wendt ist CDU-Mitglied). Er lobte auch noch einmal die Informationspolitik von Ralf Jäger und das Auftreten der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Beide hätten sich gekümmert, was Adolf Sauerland nicht gemacht hätte.

Gerade noch fertiggestellt: Ein Beitrag zum Monitor-Beitrag über die Loveparade 2010 in Duisburg: Unnötige Erhöhung der Rolle der CDU Duisburg.

30. Juli 2010, 05:55 Uhr

Links anne Ruhr und Links zur Loveparade 2010 in Duisburg

30. Juli 2010, 16:00 Uhr

Seitens der Berliner Morgenpost wird berichtet, dass Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) zurücktreten will.

30. Juli 2010, 16:40 Uhr

Das mit dem bevorstehenden Rücktritt von Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) scheint nicht korrekt zu sein: Sauerland dementiert Berichte über Rücktritt. Angeblich sollte Bundeskanzlerin (und CDU-Parteivorsitzende) Angela Merkel Sauerlands Rücktritt vor der Trauerfeier morgen gewünscht haben. Die oben erwähnte Berliner Morgenpost titelte übrigens ursprünglich noch mit dem sinngemäßen Zusatz „noch heute“, was dann jedoch entfernt wurde.

„Das können Sie in die Tonne kloppen“, soll Sauerland zu den Gerüchten um seinen Rücktritt gesagt haben. Nicht in die Tonne kloppen sollte man jedoch die Bemühungen der Ratsvertreter der Stadt Duisburg – denn diverse Ratsmitglieder Duisburgs wollen ein Abwahlverfahren gegenüber Adolf Sauerland anstrengen.

30. Juli 2010, 17:00 Uhr

Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) möchte sich Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) einer möglichen Abwahl durch den Stadtrat stellen. Den eigenverantwortlichen Rücktritt lehnte er mit den Worten „Das können Sie in die Tonne kloppen“ ab und zeigte – nicht zum ersten Mal – fehlende Sensibilität in dieser Angelegenheit.

Das er einen Rücktritt vermeiden will ist auf eine gewisse Art und Weise auch verständlich. Aufgrund des Beamtenrechtes des Landes Nordrhein-Westfalen würde er bei einem freiwilligen Rücktritt nicht nur seine Versorgungsbezüge aus seiner Tätigkeit als Oberbürgermeister von Duisburg verlieren, sondern auch die entsprechenden Ansprüche für seine bisherige berufliche Karriere im Schuldienst des Landes (siehe auch die Financial Times Deutschland. Diese beamtenrechtliche Regelung macht es eigentlich unmöglich für ihn zurückzutreten – und jede Person, die das kritisiert, sollte sich persönlich fragen, wie man selber in dieser Situation handeln würde.

31. Juli 2010, 07:55 Uhr

Links anne Ruhr und Links zur Loveparade 2010 in Duisburg – diesmal unter anderem mit Links zu einigen kritischen Beiträgen, die auch die Rolle der Medien beleuchten.

31. Juli 2010, 17:15 Uhr

Heute fand die Trauerfeier in Duisburg statt, bei der die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft eine bewegende Rede hielt.

Laut einem Bericht von SPIEGEL Online zeigen Überwachungsvideos fatale Kettenreaktion von Fehlern die bei der Loveparade gemacht wurden (im Artikel selber sieht man kein Video). Dem Artikel Nach der Loveparade-Katastrophe: Sauerland bereit zum Rückzug der Süddeutschen Zeitung zufolge soll Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland mit seiner Abwahl einverstanden sein. Einem Interview mit N24, über das Die Zeit berichtet, will Sauerland jedoch so lange im Amt bleiben, bis die Fragen der Verantwortung geklärt sind. Danach wolle er dann Konsequenzen ziehen.

1. August 2010, 14:30 Uhr

Links anne Ruhr und Links zur Loveparade 2010 in Duisburg.

1. August 2010, 17:30 Uhr

Heute morgen habe ich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) einen guten und nachdenklich machenden Artikel von Stefan Niggemeier gelesen, der hinterfragt, warum die Medien plötzlich schon vorher alles gewusst haben. Inzwischen gibt es den Beitrag auch online: Die Loveparade in den Medien: Ein einziger Blick in die Zukunft hätte doch gezeigt…

2. August 2010, 05:30 Uhr

Links anne Ruhr und Links zur Loveparade 2010 in Duisburg.

2. August 2010, 10:15 Uhr

Einem Artikel bei DerWesten zufolge will sich Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) abwählen lassen (anstatt selber zurückzutreten). Details möchte er heute mittag im Rahmen einer Pressemitteilung bekanntgeben. Eine Pressekonferenz, bei der es ggf. Rückfragen geben könnte, ist nicht geplant.
Die Zustimmung Sauerlands zu einer Abwahl ist insofern wichtig, als dass ein Abwahlantrag im Stadtrat ohne Unterstützung der CDU-Fraktion scheitern könnte. Wenn Sauerland selbst jetzt dafür ist, dürfte der Erfolg eines Abwahlantrages erfolgreicher sein. Wiewohl es ja auch schon aus Reihen der CDU Stimmen für eine Abwahl gegeben hat. Ob sich Adolf Sauerland selber an der Abstimmung beteiligen wird (oder wegen Befangenheit nicht) wird vielleicht die öffentliche Erklärung zeigen.

2. August 2010, 16:15 Uhr

Inzwischen ist die schriftliche Erklärung von Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) veröffentlicht worden. Die Presseinformation der Stadt Duisburg mit der Stellungnahme von Oberbürgermeister Adolf Sauerland ist beispielsweise bei DerWesten dokumentiert.

2. August 2010, 20:25 Uhr

Während es beamtenrechtlich noch umstritten ist, ob Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) bei einem freiwilligen Rücktritt alle Pensionsansprüche oder nur die aus seiner Zeit als Oberbürgermeister oder nur die seiner zweiten Wahlperiode verlieren würde, gibt es Neuigkeiten zur geplanten Abwahl im Rat der Stadt Duisburg.

Während sich Sauerland in seiner eigenen Pressemitteilung zufolge dem Abwahlverfahren stellen möchte, meldet der Landesdienst NRW der dpa, dass die CDU in Duisburg sich hinter Sauerland stellen wird und über einen möglichen Abwahlantrag je nach Situation entscheiden würde:

Die Duisburger CDU hat sich hinter ihren umstrittenen Oberbürgermeister Adolf Sauerland gestellt. In einer Erklärung vom Montagabend begrüßten Partei und Fraktion «die laufende Aufarbeitung» durch den OB und die Staatsanwaltschaft. Gleichzeitig wandten sie sich gegen «die einseitige Vorverurteilung» Sauerlands.

Damit ist die notwendige Ratsmehrheit für eine Abwahl Sauerland gefährdet. Ob Sauerland sich selber aktiv (mit seinem Stimmrecht) für oder gegen eine Abwahl aussprechen würde, geht aus der in seinen Namen verbreiteten Mitteilung nicht hervor.

3. August 2010, 07:10 Uhr

Links anne Ruhr und Links zur Loveparade 2010 in Duisburg. Außerdem noch ein Verweis auf den Beitrag David Schraven (WAZ-Recherche) sucht Fotos/Videos vom Unglück der Loveparade 2010.

4. August 2010, 07:00 Uhr

Heute wird in einer Sondersitzung des Landtages ein Bericht zur Loveparade durch Innenminister Ralf Jäger (SPD) vorgestellt.

Links anne Ruhr und Links zur Loveparade 2010 in Duisburg.

4. August 2010, 07:00 Uhr

Wie sich herausstellte, sind die Links anne Ruhr heute zum letzten Mal die Links anne Ruhr und Links zur Loveparade 2010 in Duisburg. Zwar gibt es in den Links anne Ruhr natürlich auch weiterhin Verweise auf Berichte rund um die Loveparade 2010 in Duisburg.

8. August, 19:20 Uhr

Dieser Artikel wurde umgestellt, das ganze ist jetzt chronologisch sortiert – siehe dazu auch den Beitrag Chronologie zur Pottblog-Berichterstattung über die Loveparade 2010 in Duisburg.

Crowd-Manager übernimmt moralische Verantwortung:
Morgen erscheint die neue Ausgabe des Spiegels. In diesem findet sich ein Interview mit dem Psychologen Carsten Walter. Dieser war als so genannter „Crowd-Manager“ für die Kanalisierung der Zuschauermassen vor Ort zuständig. Hierfür saß er im Container vor der zu trauriger Berühmtheit gelangten Eingangsrampe. Interessanterweise will er – gemäß § 55 StPO – der Staatsanwaltschaft und der Polizei keine Auskünfte geben, da er Angst hat sich ggf. selbst zu belasten. Dennoch äußert er sich in dem Interview, was er wie folgt begründet:

„[…] weil ich wie andere auch eine moralische Verantwortung habe. Ich kann die Menschen sehr gut verstehen, die jetzt wütend sind, dass sich niemand der Verantwortung stellt. Ich persönlich möchte das mit diesem Interview.“

Das Interview selbst bringt an sich nur eine neue Facette des „Wer ist schuld?“-Spieles, aber es ist dennoch interessant:

Denn es hat quasi mehr als zwei Wochen gedauert, bis nach Fritz Pleitgen, dem Geschäftsführer der Ruhr 2010 GmbH (die für die Kulturhauptstadt Europas zuständig ist), der eine gewisse moralische Schuld eingestand und dem erst vor wenigen Wochen ins Amt gekommenen Innenminister Ralf Jäger (SPD), der erklärte, dass natürlich bei einem Einsatz dieser Größe auch die Polizei nicht fehlerlos handelt, eine dritte Person zu mindestens moralische Verantwortung übernimmt.

Grüne streiten sich über mögliche Abwahl von OB Adolf Sauerland (CDU):
Eine mögliche Abwahl des Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland (CDU) ist nicht absehbar. Nachdem die CDU Duisburg selber ein Festhalten an ihrem Oberbürgermeister bekräftigte, stellten sich auch die Duisburger Grünen hinter OB Sauerland (Meldung vom 05.08.2010). Diese bildeten mit OB Sauerland und seiner CDU bis zur letzten Kommunalwahl eine schwarz-grüne Koalition im Duisburger Rat. Zwar gibt es darüber Streitigkeiten bei den Duisburger Grünen und auch die Grünen auf Bundesebene drängen auf eine Abwahl, doch entscheidend sind die Vertreter der Grünen im Rat.

Gutachten zur Entlastung der Stadt Duisburg:
Die Grünen-Fraktion im Rat der Stadt Duisburg hatte nach Bekanntwerden des städtisch beauftragten Zwischenberichts zur Loveparade 2010 erklärt, dass sie eine Abwahl Sauerlands nicht unterstützen würden, da es noch keine Belege für ein fehlerhaftes Verhalten des Oberbürgermeisters geben würde.

Dazu als interessante Randanmerkung: Der vorherige Link verweist im weiteren auf das 32-seitige Gutachten einer Rechtsanwaltskanzlei, die von der Stadt Duisburg beauftragt wurde – und deren Glaubwürdigkeit bei Xtranews angezweifelt wird. Siehe dazu auch den ergänzenden Beitrag Duisburg, Mülheim, Düsseldorf und Drumherum: Ein tödlicher Hauch von Bananenrepublik?.

Zu diesem Gutachten schreibt der SPIEGEL morgen (die Hervorhebung stammt von mir):

[…] Besonders der Zwischenbericht der Stadt Duisburg führt in die Irre. Denn die Anwälte der Kommune haben in ihrer 32-Seiten-Analyse vor allem die Argumente zusammengetragen, die Duisburg entlasten.
Mit guten Gründen hielten sie die Anlagen zu ihrem Bericht zunächst unter Verschluss. Aus diesen 338 Seiten ergibt sich ein ganz anderes Bild. Es zeigte eine Stadt, die offenbar ohne Rücksicht auf Verluste in letzter Minute fragwürdigste Sicherheitskonzepte abstempelte. Einen Oberbürgermeister, der wohl besser über das Planungschaos des Events informiert war, als er öffentlich zugibt. Und einen Veranstalter, der mit waghalsigen Prognosen die Gefahren herunterspielte. Hauptsache, die Love Parade fand statt – als Imageträger fürs Ruhrgebiet und Marketingcoup für McFit. […]

Das vollständige Gutachten habe ich leider noch nicht im Netz entdecken können, dahingehend aber bereits bei der Stadt Duisburg angefragt.

14. August, 14:25 Uhr

Am heutigen Samstag wurde bekannt, dass sich Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) im WDR-Kreuzverhör den Fragen von Gabi Ludwig und Jörg Schönenborn stellen wird.

14. August, 19:10 Uhr

Bei SPIEGEL Online gibt es einen Verweis auf die kommende Ausgabe des Spiegels, in der es ein Gespräch mit Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) gibt:
Im Artikel Love-Parade-Desaster: Duisburgs OB Sauerland gesteht Marketinglüge wird berichtet, dass Sauerland Morddrohungen (und mehr) erhalten hat und bei den Besucherzahlen von Anfang an gelogen wurde – aus Marketinggründen. Man darf gespannt sein, welche Informationen man noch zusätzlich dem Gespräch entnehmen kann.

15. August, 19:40 Uhr

Im WDR begann so eben das Interview mit Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU), der sich den Fragen von Gabi Ludwig und Jörg Schönenborn stellte. Im Vorfeld wurde Adolf Sauerland portraitiert. Bei DerWesten gibt es auch zwei Artikel:

Nachfolgend Informationen aus dem Interview:

  • Auf die Frage, warum Adolf Sauerland nach viel Schweigen jetzt wieder antwortet antwortet er, dass er nicht sofort geschwiegen hätte, sondern sich geäußert habe und dabei missverstanden wurde. Daraufhin hätte er sich zurückgezogen.
  • Ganz wichtig ist es ihm mitzuteilen, dass es ihm unwahrscheinlich leid tut, was passiert ist. Das würde in erster Linie natürlich die Angehörigen belasten, aber auch ihn und die Verwaltung. Deswegen wolle er sich nicht an Schuldzuweisungen beteiligen.
  • Auf die Frage, ob der Stadt Duisburg nicht ein Repräsentant gefehlt hat, antwortet er eher ausweichend. Außerdem stellte er fest, dass aus Datenschutzgründen die Adressen der Opfer nicht bekannt geworden sind und auch die vorbereiteten Kondolenzkarten nicht ausgehändigt wurden. Bisher hat man seitens der Stadt nur Kontakt mit der Mutter einer verstorbenen Tochter.
  • Auf die Frage, warum er nicht als Oberbürgermeister für die Stadt Duisburg bei der Trauerfeier anwesend war, antwortet er, dass „der Oberbürgermeister“ (er redete da in dritter Person von sich selbst) zwar nicht anwesend war, aber Vertreter der Stadt sehr wohl anwesend waren. Außerdem stellt er fest, dass egal wie er sich entschieden hätte, das die falsche Entscheidung gewesen wäre.
  • Sauerland erklärt – auf die Frage des Moderators Schönenborn – dass die Austragung der Loveparade 2010 in Duisburg ganz transparent vorgenommen wurde.
  • Merkwürdigerweise sagte Sauerland, dass im Ruhrgebiet die Loveparade-Planung wie folgt aussah: Essen, Dortmund, Duisburg, Bochum, Gelsenkirchen. Im Bericht Loveparade ab 2007 im Ruhrgebiet (vom 22. Juni 2007) war schon von einer anderen Reihenfolge die Rede. Im Grunde genommen kein wichtiger Punkt, aber dennoch ein kleiner Widerspruch…
  • Auf die Frage, ob er persönlich eine Mitschuld am Tod von 21 Menschen trage, antwortet Sauerland, dass das geklärt werden müsse. Es müsse geklärt werden, wer der Verursacher des tragischen Ereignisses war. Die Genehmigungsbehörde müsse das jetzt prüfen. Dass man davon ausging, dass alles richtig gelaufen sei, könne man daran erkennen, dass das ganze genehmigt wurde.
  • 19:50 Uhr: Auf die Frage, ob die Loveparade nicht auf den letzten Drücker genehmigt wurde, erklärt Sauerland, dass es üblich sei, dass bestimmte Genehmigungen erst ganz zum Schluss erteilt werden, da die ganzen Sachen auch vor Ort kurz vorher abgenommen werden.
  • Sauerland erklärte auf die Anfrage, ob es stimmen würde, dass der Oberbürgermeister die Veranstaltung auf jeden Fall wolle, dass das so gemeint sei, dass es den politischen Willen zur Loveparade gab. Die Hinweise auf diversen Verwaltungsakten würden sich nicht auf Sicherheitshinweise sondern auf das Verwaltungsverfahren beziehen.
  • Die Verwaltung hat sich Sauerland zufolge gegenüber dem Veranstalter mit ihren Wünschen durchgesetzt.
  • Adolf Sauerland wirkt übrigens im Interview sehr niedergeschlagen, die Stimme ist belegt und man kann wirklich sehen und hören, dass ihn das ganze sehr mitgenommen hat und weiterhin belastet.
  • Jörg Schönenborn fragt Adolf Sauerland, wann er zurücktreten würde, da dies der politischen Kultur entsprechen würde. Sauerland antwortet darauf, dass er als erste Aufgabe die Aufklärung ansehen würde und das könne er nur als Oberbürgermeister machen, da er ansonsten dafür keine Wege und Mittel hätte. Auf das Nachhaken, ob es nicht sinnvoller sei, wenn das jemand Unbeteiligtes (z.B. ein neu gewählter Oberbürgermeister) machen könne, erklärt Sauerland, dass das viel zu lange dauern würde.
  • Gabi Ludwig nennt ihn einen heimlichen Oberbürgermeister, der sich im Rathaus verschanzt und nicht mehr in die Öffentlichkeit traut. Diese Frage stellt sich für Sauerland jedoch erst, wenn die dringenden Antworten in Sachen Loveparade gefunden werden. Er will sich natürlich der politischen Verantwortung stellen, aber erst muss eine Aufklärung durchgeführt werden.
  • Am Ende erklärte Sauerland, dass das ganze ein schlimmer Alptraum sei, der jedoch leider Wahrheit entsprechen würde.

15. August, 20:15 Uhr

Meine Meinung zum Kreuzverhör mit Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) habe ich in einem gesonderten Beitrag geschrieben: Loveparade-Katastrophe: Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland windet sich im WDR-Kreuzverhör

16. August, 10:50 Uhr

Nach dem Spiegel, dem WDR-Fernsehen und dem WDR-Radio gibt es jetzt ein weiteres Interview mit Adolf Sauerland (CDU), dem Oberbürgermeister der Stadt Duisburg. Diesmal mit der Rheinischen Post: Interview mit Duisburgs OB Adolf Sauerland: „Mit so viel Hass habe ich nicht gerechnet“.

Doch auch dieses Interview hinterlässt mehr Fragen als Antworten. So frage ich mich beispielsweise unter welchen Bedingungen die Interviews stattgefunden haben und ob beispielsweise kritisches Nachhaken nicht gestattet wurde. Ansonsten hätte man wirklich mal die Aussagen Sauerlands hinterfragen können. Natürlich ist sein Wunsch, dass er an der Aufklärung mitwirkt verständlich. Nur: Seit wann können mutmaßliche Verdächtige in einem Ermittlungsfall sowas machen? Abgesehen davon, dass ja die wichtigsten Akten schon längst bei der Staatsanwaltschaft sind. Insofern wirkt das Argument nicht unbedingt glaubwürdig. Auch dass er erst nach Klärung aller offenen Fragen seine persönlichen Konsequenzen prüfen will ist so ein Punkt, der meiner Meinung nach zu betrachten ist. Es ist davon auszugehen, dass die Ermittlungen noch einige Jahre dauern, bis es einen endgültigen Bericht dazu gibt. Will Adolf Sauerland, als oberster Repräsentant der Stadt Duisburg, sich solange im Rathaus verschanzen? Will er sich das selbst und vor allem auch seiner Familie antun?

Auch hätte man meiner Meinung nach mal fragen können, wie Sauerland es bewertet, dass beispielsweise Ruhr2010-Geschäftsführer und der so genannte Crowd-Manager zumindestens eine moralische Schuld für sich jeweils selbst erklärt haben und warum er dazu nicht in der Lage ist. Um das abzuklären, braucht er nur Rücksprache mit seinem Gewissen und nicht mit der Staatsanwaltschaft oder irgendwelchen ggf. einzusetzenden Untersuchungsausschüssen zu halten…

17. August, 18:15 Uhr

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) erklärte in diversen Interviews in den vergangenen Tagen, dass es ihm um die Aufklärung geht. Wie das mit der Tatsache, dass die Stadt Duisburg (durch ihn vertreten) das Blog Xtranews wegen der Veröffentlichung von Loveparade-Gutachten abgemahnt hat – das kann ich mir persönlich nicht erklären.

Wenn es Adolf Sauerland wirklich um Aufklärung gehen würde, dann dürfte er eigentlich nichts dagegen haben, dass das von städtischen Mitteln bezahlte Gutachten einer Rechtsanwaltskanzlei zur Loveparade-Katastrophe, bei der 21 Menschen starben und über 500 Menschen verletzt wurden, öffentlich bekannt wird.

Ansonsten muss man ja geradezu glauben, dass da Inhalte drin stehen, die ihm nicht gefallen und die deswegen auf juristischem Wege aus der Öffentlichkeit gezogen werden sollen…

Als DER SPIEGEL vor rund einer Woche davon berichtete, dass in den über 330 Seiten umfassenden Anlagen zum eigentlichen – rund 30 Seiten umfassenden – Gutachten die Stadt Duisburg nicht so gut wegkommt, scheint das wohl der Wahrheit entsprochen zu haben… oder kann sich jemand anderes das Verhalten der Stadt Duisburg bzw. des Oberbürgermeisters Adolf Sauerland (CDU) erklären?

18. August, 23:40 Uhr

Einstweilige Verfügung gegen das kritische Blog Xtranews
Die Stadt Duisburg hat bekannt gegeben, dass der „Kampf gegen die Veröffentlichung der Loveparade-Gutachten“ aufhört. Die Verantwortlich wissen wohl jetzt was der Streisand-Effekt ist. Interessant ist, dass man inzwischen die Klage gegen das Xtranews-Blog mit dem Datenschutz begründet anstatt dem Urheberrecht wie ursprünglich.

Wenn die Stadt das von Anfang an so kommuniziert hätte, wäre die Aufregung sicherlich nicht so hoch gewesen, denn die Begründung mit dem Urheberrecht erschien vielen als höchst fadenscheinig.

PR-Berater hört auf
Irgendwie dazu passend erscheint die Meldung, dass Sauerlands PR-Berater hinschmeißt. Demnach soll Karl-Heinz Steinkühler, der ehemalige Focus-Journalist, sein Beratungsmandat nach nur wenigen Tagen niedergelegt haben. Der Grund hierfür soll laut WAZ die „mangelnde Offenheit der Stadtspitze gewesen sein“.

Das klingt plausibel. Die Rechtsanwaltskanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek, über die wohl der PR-Berater beauftragt wurde, war für eine Stellungnahme durch die WAZ nicht zu erreichen.

CDU-Kommunalpolitiker fordert den Rücktritt des Innenministers Ralf Jäger (SPD)
Ein CDU-Ratsherr möchte den Rücktritt von Innenminister Ralf Jäger (SPD). Dieser Bericht ist meiner Meinung nach in die Kategorie „Treppenwitz“ einzusortieren. Aber wenn es schon um Rücktritte geht, dann könnte doch der CDU-Ratsherr mal mit seinem Oberbürgermeister sprechen…

Applaus für Oberbürgermeister Sauerland im Rathaus / 8000 Unterschriften gegen ihn
Die Rheinische Post berichtet im Beitrag Applaus für Sauerland im Rathaus von einem Applaus, „der deutlich über das hinausging, was man als Höflichkeitsklatschen bezeichnen würde“ (bei DerWesten hingegen heißt es explizit „Höflichkeitsapplaus“).

Außerdem sind inzwischen genügend Unterschriften (RP: 8000, DerWesten: 8500) gesammelt worden, damit eine Abwahl von Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) im Stadtrat behandelt werden muss. Doch aufgrund der Anträge der politischen Parteien vor Ort wird dieses Thema sowieso in der Sondersitzung des Rates Anfang September behandelt werden.

18. Januar 2011, 17:33 Uhr

Heute wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Duisburg gegen 16 Personen wegen des Loveparade 2010-Unglücks ermitteln wird. Dabei sind jedoch Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) und Lopavent-Chef Rainer Schaller nicht dabei – vorerst, denn die Staatsanwaltschaft behält sich vor den Personenkreis der Verdächtigen auszuweiten.

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