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Jens Matheuszik — 21. Juli 2010, 02:42 Uhr

Gestern: Erste Fankonferenz von „Wir sind VfL“ (Bochum)


Gestern fand – wie bereits angekündigt – die 1. Fankonferenz von Wir sind VfL statt, bei der über die Ziele und Ideen der Initiative berichtet werden sollte1, die sich nach dem Abstieg des VfL Bochums aus der 1. Bundesliga – im wahrsten Sinne des Wortes – manifestierte.

Rund 100 Fans fanden – trotz des heißen Sommerwetters – den Weg in’s „riff“ und erlebten erstml eine kleine Historie über die Erfolge bzw. Misserfolge des VfL Bochums, die maßgeblich zur Gründung dieser Initiative beitrugen. Ob nun Aussagen über zu hohe Erwartungshaltungen der Fans, die Diskussion um die Bier- und Ausschanklizenz beim VfL Bochum usw.usf. – all das wurde recht kurzweilig, atmosphärisch und vielleicht auch an der einen Stelle etwas flapsiger vorgestellt.

Danach wurde es dann etwas trocken (nicht nur in den Kehlen), denn mögliche Satzungsänderungen wurden vorgestellt. So hat beispielsweise momentan die Mitgliederversammlung des VfL Bochum kaum eine Einflussmöglichkeit auf die Geschehnisse im Verein. Solche Regelungen wurden vor elf Jahren mal getroffen um irgendwelchen Sonnenkönigen oder ähnlichen Gestalten nicht zu ermöglichen, quasi den Verein zu übernehmen. Hier wurden Satzungsänderung vorgestellt, damit Fans bzw. Mitglieder (was ja ein Unterschied sein kann!) mehr Einfluss haben.
Auch beispielsweise auf die Wahl des Aufsichtsrates soll die Mitgliederversammlung mehr Einfluss nehmen können, denn momantan kann man hier nur die fünf zu wählenden Kandidaten in einem Block wählen und nicht einzelne Personen, bei denen dann auch mal individuell entscheiden könnte, jemanden nicht zu wählen.

Nach der Vorstellung der möglichen Satzungsänderungen wurde Frank Goosen (siehe Bild oben) nach vorne gerufen. Der bekannte Autor hatte Mitte Mai mit dem Text Gebt uns unseren Verein zrück für Aufsehen gesorgt und wohl vielen Fans (und auch Mitgliedern) aus der Seele damit gesprochen. Aktuell stellte er fest, dass beispielsweise das Aufsteiger-Zertifikat des VfL Bochum ein sehr schlechtes Zeichen sei, weil man damit noch belohnt wird, wenn der VfL Bochum weiter in der 2. Bundesliga spielt und eben nicht aufsteigt. Er hätte da lieber was gesehen, wo man als Fan der Mannschaft und Unterstützer des VfL Bochum in der 2. Liga im Fall des Aufstieges in die 1. Liga belohnt wird.

Im Anschluss kam es zur Diskussion zwischen den Fans und den Initiatoren . Diese wahr zum Teil recht lebhaft, da auch Kritik beispielsweise an einzelnen Forderungen aber auch am Auftreten der Initiative geäußert wurden. Als Außenstehender hatte ich jedoch das eine oder andere Mal das Gefühl, dass es manchmal mehr um Eitelkeit und Prestige als um konstruktive Kritik ging, denn einige der Gegenargumente klangen für mich nicht wirklich fundiert. Dass jedoch ein Vertreter eines „alten Fanclubs“2 vor dem Plenum eine Aussage eines der Initiatoren („Wir haben mit dem Fanclub XYZ gesprochen und werden demnächst dort vorbeischauen!“) korrigieren musste (nach dem Motto: „Mit uns hat niemand gesprochen!“) korrigierte, war da jedoch sicherlich nicht hilfreich3.
Es wurde sicherlich klar, dass die Verantwortlichen von „Wir sind VfL“ noch viel mehr versuchen müssen die Fanclubs zu erreichen und sie aktiv selber abholen, denn die geplanten Maßnahmen sind ohne die Unterstützung der organisierten Fans eher unmöglich.

Die Debatte, in die sich beispielsweise auch Uwe Fellensiek (siehe Bild) einmischte, hatte zwar zum Teil ein paar unfriedliche Vokabeln, wurde jedoch größtenteils sachlich und zielorientiert geführt. Es war jedoch schade, dass seitens des VfL Bochums – außer dem Fanbeauftragten Dirk „Moppel“ Michalowski4 – kein offizieller Vertreter da war, obwohl dies ursprünglich so angekündigt wurde. Jedoch ließ sich beispielsweise Ansgar Schwenken, der Finanzvorstand des VfL Bochum, wegen wichtiger Transferverhandlungen entschuldigen.

Kein Fazit

Ich denke es ist schwierig ein Fazit zu ziehen – deswegen lasse ich es mal. Klar ist, dass nahezu allen Teilnehmern dieser ersten selbstorganisierten (und inoffiziellen) Fankonferenz der VfL Bochum sehr am Herzen liegt. Die Wege, wie man gemeinsame Ziele erreichen kann, werden jedoch unterschiedlich gesehen. Ob „Wir sind VfL“ eine 75 %-Mehrheit für Satzungsänderungen für sich gewinnen kann, kann man nach dieser ersten Fankonferenz natürlich noch nicht sagen. Die Initiatoren werden jedoch erkannt haben, dass es nicht reicht bei Facebook und allgemein im Internet aktiv zu sein, sondern dass man auch noch versuchen muss, mehr die „Offliner“ in den Fanclubs zu erreichen. Wenn das gelingen sollte, manche konstruktive Kritik5 berücksichtigt wird – dann wäre es sicherlich möglich, beim VfL Bochum etwas zu bewegen.

PS: Vielen Dank an Michael für die Fotos!

  1. siehe bzw. höre dazu auch den Bericht bei Radio ct []
  2. ich lernte dabei, dass die „alten Fanclubs“ wohl was besonderes und anderes als „neue Fanclubs“ darstellten []
  3. und wohl eine Verwechslung []
  4. der jedoch meiner Beobachtung zufolge nur passiver Teilnehmer war []
  5. denn auch solche wurde geäußert []

11 Kommentare »

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  1. (1) Kommentar by Andreas @ 21. Juli 2010, 08:02 Uhr

    Werde einfachheitshalber den Fanclub „Die treuen Jungen“ gründen und mir Bismarcks Bündnispolitik noch mal zu Gemüte führen… :-)


  2. (2) Kommentar by Martin Busche @ 21. Juli 2010, 09:09 Uhr

    Was ich da lese, ist ja ein bisschen betrüblich, schließlich ist die Initiative ein wirklich ernstgemeinter Versuch, sich beim VFL konkret einzubringen. So weit ich mich erinnern kann, übrigens auch der erste. Mir fällt es aus der Ferne sehr schwer, die Befindlichkeiten einiger Fanclubs nachzuvollziehen, denke, die Forderungen sind klar und dürften doch eigentlich keinem Fan auf den Schlips treten. Wir alle haben die Schnauze von der momentanen Vereinsführung voll und suchen nach einer Möglichkeit, das auch konkret in den Gremien artikulieren zu können. Wo ist dann da das Problem?
    Das die VFL-Geschäftsführung nur den Fanbeauftragten schickt, zeigt mir, dass die Ini noch viel mehr Druck ausüben müss, um von denen tatsächlich ernst genommen zu werden, denn es gibt ja nicht nur Herrn Schwenken, der hätte kommen können.

    Aber ich bin weiter virtuell dabei und freue mich, dass es die Ini gibt


  3. (3) Kommentar by Andreas @ 21. Juli 2010, 09:19 Uhr

    Nur als Erklärung/Ergänzung:
    Moppel wurde nicht geschickt. Er ist von sich aus und aus Interesse gekommen. Darüber haben wir uns gefreut. Dass er passiver Teilnahmer war, wurde im Vorfeld so abgesprochen. Dass Ansgar Schwenken kurzfristig etwas dazwischen gekommen ist, ist schade, aber absolut nachvollziehbar.
    Bisweilen ist die Reserviertheit einiger Fanclubs nachvollziehbar, aber wir arbeiten dran bzw. bleiben am Ball.


  4. (4) Kommentar by Tom MacGregor @ 21. Juli 2010, 12:38 Uhr

    Hi Leute,

    bei aller Kritik, die man üben kann und ich auch gestern ausgesprochen habe, war es erst mal toll organisiert, strukturiert und flüssig moderiert, kurz professionell. Das gab es schon ganz lange in Bochum nicht mehr.

    Tom, CB’93


  5. (5) Pingback by „Wir sind VfL“ präsentierte sich im riff | Wir sind VfL @ 22. Juli 2010, 19:59 Uhr

    […] sagen andere über die Konferenz: Pottblog Commando Bochum […]


  6. (6) Kommentar by Willi @ 23. Juli 2010, 06:21 Uhr

    Schade finde ich immer nur, daß von den sogenannten Promis auch nur heiße Luft kommt. Wenn es darum geht mal Verantwortung im Verein zu übernehmen, machen sie einen Rückzieher. Nachdem gestern auch wieder nur knapp 100 Leute da waren, obwohl dieser Abend für alle Fans war, bestätigt sich meine Meinung immer mehr. Jeder weiß, daß sich etwas ändern muß, aber nur eine Handvoll Leute unternehmen etwas. Das ist das Traurige an der ganzen Sache. Und ein G.P klatscht bei provokanten Fragen von solchen Lauscheppern. Schade eigentlich, denn unsere Stadt hat eigentlich andere Fans und einen anderen Verein verdient.

    Willi


  7. (7) Kommentar by Jens @ 23. Juli 2010, 16:38 Uhr

    @Andreas (1):
    Hehe. :)

    @Martin Busche (2):
    Naja, dass dem Vorstand für Finanzen ein Transfer wichtiger ist als die Veranstaltung – das kann ich nachvollziehen.

    @Tom MacGregor (4):
    Wer warst Du denn? Die „Schokolade“?

    @Willi (6):
    Wobei es an dem Abend auch wirklich klimatisch schöneres gab als im Riff zu sein.


  8. (8) Pingback by Ritterschlag: Paul Freier lobt einen Busfahrer | deinfussball.de @ 10. August 2010, 13:39 Uhr

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