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Jens Matheuszik — 19. April 2010, 21:05 Uhr

Rot-Rot-Grün: Sigmar Gabriel hat sich versprochen – ja, und?!


Rot-Grün (SPD und Bündnis '90/Die Grünen)Heute traten seitens der SPD Hannelore Kraft und Sigmar Gabriel und seitens von Bündnis ’90/Die Grünen Sylvia Löhrmann, Cem Özdemir und Claudia Roth zusammen. Sprich: Die jeweiligen Parteivorsitzenden auf Bundesebene und die Spitzenkandidatinnen für die nordrhein-westfälische Landtagswahl ((die mit dem Kürzel #ltw10 bei Twitter & Co. „markiert“ wird)) am 9. Mai 2010.

Im Rahmen dieser Pressekonferenz erklärten die oben genannten Politiker, warum eine rot-grüne Koalition bestehend aus SPD und Bündnis ’90/Die Grünen die beste Wahl für Nordrhein-Westfalen sei. Damit grenzten sie sich von den „höchstens spießbürgerlichen“ Parteien CDU und FDP ab.

Dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel ist jedoch ein kleiner Fehler passiert:

Wie diverse Medien (u.a. DerFreitag, DerWesten, FAZ, Handelsblatt und SPON) berichteten hat Sigmar Gabriel sich versprochen. Beim Freitag wird das wie folgt geschildert:

Vielleicht erklärt sich so auch der Freudsche Versprecher von Sigmar Gabriel am Montag beim gemeinsamen Wahlkampf mit den Spitzen der Ökopartei. „Die Wahl ist entschieden, wenn die Wahlbeteiligung hoch ist“, warb der SPD-Vorsitzende versehentlich um eine Koalition, die der Auftritt eigentlich verhindern sollte, „dann hat Rot-Rot-Grün eine eigene Mehrheit.“ In Umfragen hätte sie die schon jetzt.

In dem Moment, wo Sigmar Gabriel sich versprach, scheinen die fxxxxxxx Träume von CDU-Sympathisanten im Internet Wahrheit geworden zu sein – wenn man jedenfalls die entsprechenden Reaktionen bei Facebook, Twitter & Co. beobachtete. Endlich wäre es ‚raus, das wäre ein freud’scher Versprecher und Kraftilanti ((eigentlich ist diese abwertende Bezeichnung ja mit dem Rücktritt von Hendrik Wüst Vergangenheit gewesen – leider musste man sich da irren)) ist sowieso doof und überhaupt.

Natürlich ist das für CDU-Sympathisanten ein gefundenes Fressen. Wer jedoch von dieser Personengruppe auch nur einmal kurz nachdenkt ((und das traue ich den meisten dann doch zu)), der wird natürlich wissen, dass Sigmar Gabriel sich schlicht und ergreifend versprochen hat. Die Erwähnung der hohen Wahlbeteiligung zeigt das ja deutlich, denn bei einer hohen Wahlbeteiligung ist die Chance für Rot-Grün (ohne das zweite Rot!) deutlich höher als jetzt schon. Umgekehrt – wenn Gabriel wirklich Rot-Rot-Grün gemeint hätte, dann hätte er das anders formulieren müssen, denn schließlich hat diese Konstellation schon seit langem in Umfragen die Mehrheit.

Ich kann verstehen, dass manche CDU-Sympathisanten sich daran ergötzen – aber im Grunde genommen lenken sie doch nur ab.

Sie lenken davon ab, dass

  • ohne einen Einzug der Linkspartei in den nordrhein-westfälischen Landtag die CDU/FDP-Koalition so gut wie keine Chance auf Wiederwahl hat und deswegen sich die CDU als größter inoffizieller Wahlhelfer der Linkspartei aufführt.
  • die CDU mit einer Kampagne vor „Rot-Rot“ warnt, dabei Ängste schürt und ignoriert, dass diese Konstellation alleine schon arithmetisch unmöglich (da ohne Mehrheit) ist.
  • die CDU kaum inhaltlichen Wahlkampf führt, sondern nur versucht andere Parteien schlecht zu machen.
  • seitens der regierenden CDU vor allem eine Art Oppositionswahlkampf betrieben wird ((drei von drei CDU-Spots arbeiten sich an der SPD ab, so nach dem Motto „eigene Inhalte können wir nicht präsentieren“)).

Bin ja mal gespannt, wie morgen die Zeitung mit den großen Buchstaben aufwarten wird – wird dieser kleine Versprecher, der natürlich nicht hätte sein sollen, die Chance haben „das Aschemonster“ von der Titelseite zu vertreiben oder wird Sigmar Gabriel einfach nur kurzfristig als Verlierer des Tages dargestellt werden?

Aber egal – die Wahl wird am 9. Mai 2010 entschieden und ich hoffe auf eine rot-grüne Koalition und sehe mich damit übrigens bei der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, von denen sich (laut diesem taz-Bericht) 49 % eine rot-grüne Koalition für NRW wünschen.


8 Kommentare »

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