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Jens Matheuszik — 30. März 2010, 07:23 Uhr

Interview mit Michael Townsend zur Kulturhauptstadt 2010, die Rolle von Bochum dabei usw.


Michael TownsendAktuell formulierte die WAZ/DerWesten gerade Kulturhauptstadt: Schachtzeichen dringend gesucht und berichtete darüber, dass bereits ein Viertel des Kulturhauptstadtjahres herum sei und man in Bochum davon kaum was bemerkt. Ein guter Zeitpunkt um das Mitte März durchgeführte Video-Interview mit Michael Townsend, den Beigeordneter der Stadt Bochum für Kultur, Bildung und Wissenschaft doch noch endlich zu veröffentlichen – vorher ging es aus zeitlichen bzw. technischen Gründen nicht. Da das Interview jedoch einigermaßen zeitlos ist ((okay, es sollte schon im Jahr der Kulturhauptstadt erscheinen)), ist es jedoch meiner Meinung nach nicht schlimm, dass es rund 14 Tage alt hat.

In diesem Interview geht es primär natürlich um die Kulturhauptstadt Ruhr.2010, die Bedeutung der Kulturhauptstadt 2010 für die Stadt Bochum (aber auch umgekehrt), angeblich gescheiterte Projekte usw.usf. In einem weiteren Teil des Interviews befrage ich Michael Townsend zum so genannten Web 2.0 und seiner persönlichen Nutzung von sozialen Netzwerken wie Facebook.

Das Video selbst dauert knapp 30 Minuten, jedoch habe ich es – neben der vollständigen Langversion – auch wieder in einzelne Teile geschnitten. Aus Gründen der Wahrung der inhaltlichen Zusammenhänge sind es vier YouTube-Teile, wobei eines davon recht kurz ist. Der Vorteil der YouTube-Einbindung ist jedoch, dass man bestimmte Interviewpassagen auch direkt ansteuern kann, was ich zum Teil auch genutzt habe:

Michael Townsend im Interview (komplett)


Interview mit Michael Townsend von Jens Matheuszik bei Vimeo

Michael Townsend im Interview (1/4)

Zur Person, zur Entwicklung im Victoria-Quartier, die dominierende Rolle Essens bei der Ruhr.2010, Bochumer Projekte zur Kulturhauptstadt und die negative Presse

Pottblog: „Im Victoria-Quartier […] war ja so einiges geplant: Das Konzerthaus sollte dort gebaut werden, das Prinz-Regent-Theater sollte dort hin umziehen, dann das Theater, das mit Frank Gossen in Verbindung gebracht wird und wenn man sich das jetzt so anschaut, dann ist da eigentlich nur Lidl neugebaut worden.“

Michael Townsend: „Naja, das kenne ich natürlich diesen Begriff. Ich habe auch schon gehört, auf dem Platz wo die Bochumer Symphonie ist, da kommt dann bestimmt der Aldi hin. Wenn man mal von solchen eher satirischen Aussagen absieht, muss man natürlich sagen, die Planungen laufen für alles weiter. […] Wir haben noch nicht ein einziges Groß- oder Kleinprojekt, was wir damals anvisiert haben, aufgegeben, das heißt wir sind in den Planungen. Was uns die Sache natürlich erschwert ist die schwerste kommunale Finanzkrise der Nachkriegszeit. […] Es gibt noch nicht ein Projekt, was bislang von uns ad acta gelegt worden ist.“
(Direktlink zu YouTube)

Die teilweise schlechte Presse begründet er wie folgt:

„[…] Aber nichtsdestotrotz: Probleme kommunizieren sich manchmal schneller, leichter, besser – aber wir arbeiten daran, sie zu beseitigen .“
(Direktlink zu YouTube)

Zu den Schwerpunkten Bochums zur Kulturhauptstadt 2010 erklärte er:

„Also wir haben zum Beispiel als einen der ganz großen Schwerpunkte angekündigt im Frühjahr 2009 den gesamten Bereich Victoriaquartier. Der Bereich Victoriaquartier als kreatives Quartier hat für uns auch dazu beigetragen, dass die Menschen zum ersten Mal in der Stadt sich emotional auch identifiziert haben mit dem ganzen Kulturhauptstadt-Thema, was bis dahin ein bißchen brach lag. Und wir wissen auch von Herrn Gorny, der einer der künstlerischen Direktoren der Kulturhauptstadt ist und für die Kreativwirtschaft dort verantwortlich zeichnet, dass wir mit dem Victoriaquartier – obwohl man noch nichts sehen kann in Baumaßnahmen – aber konzeptionell und in der Entwicklung das am weitesten entwickelte Kreativquartier der Kulturhauptstadt haben. […]“
(Direktlink zu YouTube)

Michael Townsend im Interview (2/4)

Bochumer Symphoniker und das Konzerthaus (warum Bochum es braucht), die Kontrollmöglichkeiten der Bezirksregierung in Sachen Konzerthaus, Subventionierung kultureller Angebote, persönliche Empfehlungen zur Kulturhauptstadt

Warum man ein Konzerthaus in Bochum benötigt, obwohl es in Nachbarstädten (Dortmund, Duisburg, Essen) ähnliche Einrichtungen gibt.

„Das was wir als Bochumer Symphonie projektiert haben unterscheidet sich ganz wesentlich von den Konzerthäusern in Essen, der Philharmonie, und dem Konzerthaus in Dortmund. Wir haben ein Orchester, das ist eines der besten symphonischen Orchester des Landes Nordrhein-Westfalen. Dieses Orchester hat in Bochum keine Spielstätte, die musikalischen Anforderungen auch nur annähernd genügt. […] Wir brauchen im Grunde genommen nichts anderes als einen Arbeitsplatz für 100 Musiker, so muss man das einfach sagen, wo die leben, wo die arbeiten, wo die proben, wo die produzieren, wo die entwickeln und wo die auftreten. Das Konzept sieht ja auch anders als die Gastspielhäuser in Essen oder in Dortmund vor, dass die Bochumer Symphoniker 80 % der Zeiten in diesem Haus belegen. Das heißt, da wird es nur ganz wenige andere Veranstaltungen geben. Im Prinzip wird es da die Bochumer Symphoniker geben. Sie brauchen eine Heimat und jeder Betrieb mit 100 Mitarbeitern hat sicher seine Produktionsstätten, seine Büroräume und genau daran ist gedacht. Es ist an keinen Prunkbau gedacht mit Marmortreppen oder wie immer man sich das vorstellen mag. […] Die Bürgerschaft in Bochum hat dafür insgesamt 12,5 Millionen Euro schon eingesammelt, die für den Bau zur Verfügung gestellt würden, wenn er realisiert wird und ich muß sagen, dass kann man nicht einfach von der Hand weisen, wenn die Bürgerschaft mit einem solchen Engagement, mit einer solchen Summe, für sich einen Bedarf an einer solchen Spielstätte definiert, ist das ja auch eine Aussage. […]“
(Direktlink zu YouTube)

Zur kolportierten definitiven Ablehnung eines Bochumer Konzerthauses durch die Bezirksregierung in Arnsberg:

„Also ich denke die Bezirksregierung in Arnsberg achtet darauf, und das ist ihre Aufgabe, dass die Stadt Bochum ihren Hauhalt, ihre finanziellen Möglichkeiten nicht überzieht. Das ist ihre Aufgabe. Ich denke konkrete Projekte, die die Stadt Bochum betreffen, sind eigentlich Dinge… wir sind ja keine Außenstelle der Bezirksregierung, wir werden nicht verwaltet von der Bezirksregierung, sondern wir haben Selbstverwaltungsorgane, demokratische Selbstverwaltungorgane und wenn wir unseren Haushalt in Ordnung haben, entscheiden wir sicherlich als Stadt selber was wir machen und was wir nicht machen.“
(Direktlink zu YouTube)

„Früher fuhr der Nordrhein-Westfale Pfingsten nach Holland ans Meer, wir hoffen, dass er dieses Jahr verstärkt ins Ruhrgebiet kommt und alles was neu eröffnet wird, denke ich wird ganz spannend, ist ganz aufregend und das sollte man sich angucken. […]“
(Direktlink zu YouTube)

Michael Townsend im Interview (3/4)

Kulturelle Weiterentwicklung nach dem Kulturhauptstadtjahr 2010

Michael Townsend im Interview (4/4)

Web 2.0, Blogs, Soziale Netzwerke wie Facebook, persönliche Internet-Nutzung, die Kulturhauptstadt-Seite bochum-2010.de

Warum Michael Townsend bei Facebook aktiv ist:

„Also ich bin begrenzt aktiv. Man muss natürlich aufpassen, diese Medien sind natürlich auch echte Zeitfresser. […] Es ist wichtig für mich, Tendenzen zu sehen, zu erkennen, es ist aber auch wichtig für mich Themen dort platzieren zu können, in Diskussionen zu kommen, und ich denke, dass gelingt über diese Medien sehr gut und ich glaube, dass man das ohne diese Medien … dass man ganz bestimmte Zielgruppen, die man erreichen will, mittlerweile ausschließt. Denn ich sehe das in meinem privaten Umfeld, Menschen unterhalb eines bestimmten Alters […] kommunizieren gar nicht mehr anders. […]“
(Direktlink zu YouTube)

Welche Rolle Blogs kulturpolitisch spielen:

„Explizit im Kultur- und Bildungsbereich eine enorme Rolle. […] Da kann man sehr viele Beispiele für nennen. Eines will ich mal nennen, was hier lokal bedeutsam ist: In den Blogs ist zum ersten Mal eine von uns aus Geldmangel ‚home made‘-produzierte Internet-Seite ein bißchen naserümpfend betrachtet worden, nach dem Motto – Das ist nicht ’state of the art‘ in dem Bereich – und das hat dann zu einer entsprechenden Presseresonanz geführt, die wiederum dazu geführt hat, dass die Kreativwirtschaft der Stadt gesagt hat, also dann bringen wir unsere Ressourcen als unseren Beitrag zur Kulturhauptstadt ein und ich finde, dass ist ein großartiger Schulterschluß zwischen Kulturverwaltung, zwischen Stadt Bochum und der Kreativwirtschaft hier in Bochum. […]

Aus meiner Sicht kommt es letzlich auf den Content an, auf das was inhaltlich drin steht, journalistisch, künstlerisch, und nicht, dass irgendwelche toten Bäume bedruckt werden.“
(Direktlink zu YouTube)

Noch mal zur Bochumer Internet-Seite zur Kulturhauptstadt (bochum-2010.de: Festspielplatz RUHR)

„Natürlich wenn man kritisiert wird, dann guckt man erstmal, mit welcher Substanz passiert das. Und was ich sagen muss, was mich überrascht hat ist, was völlig aus dem Rahmen fällt, ist dass es nicht bei der Kritik geblieben ist, sondern dass man die Ärmel hochgekrempelt hat, angepackt hat und hat gesagt, wir lösen das Problem. Nicht wir meckern, sondern wir lösen das Problem. Und dass muss ich sagen, das ist sehr typisch für die Region, und deshalb liebe ich es hierher gekommen zu sein und das ist natürlich auch typisch Bochum. Das ist Ruhrgebiet, das ist Bochum: Nicht meckern, Ärmel hochkrempeln, Probleme lösen. Und mit dieser Resistenz gegen Unbill, mit dieser bodenständigen Mentalität hat das Ruhrgebiet ja schon viele Krisen überstanden und wird auch diese [die Finanzkrise ist gemeint; Anm. d. Bloggers] überstehen, da bin ich mir ganz sicher.“
(Direktlink zu YouTube)


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