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Jens Matheuszik — 19. November 2009, 13:09 Uhr

Qualitätsjournalismus der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung


Die vor über einem Jahr bekannt gewordenen Sparpläne bei der WAZ-Mediengruppe sorgten dafür, dass ein gemeinsamer Newsdesk der Zeitungstitel Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ), Neue Ruhr / Neue Rhein Zeitung (NRZ) und Westfälische Rundschau (WR) geschaffen wurde.

Dieser gemeinsame Newsdesk soll laut Ulrich Reitz (WAZ-Chefredakteur) nicht einfach nur Kosten senken, sondern vielmehr auch und insbesondere für mehr Qualität sorgen:

Interview in der Süddeutschen Zeitung:

SZ: Was ist Ihr journalistisches Ziel?

Reitz: Wenn jemand sich über diese Region informieren will, soll er wissen: Wenn du wirklich wissen willst, was hier gespielt wird, musst du die WAZ-Blätter lesen. Das wird uns nicht immer gelingen, aber es ist unser Anspruch. Deshalb finde ich es toll, dass wir mit einem eigenen, wahrscheinlich siebenköpfigen Rechercheteam die Chance bekommen, uns hier ein solches Schmuckstück zu basteln. Daran sehen Sie, dass unser Haus nicht nur vom Sparen spricht, sondern voll auf Qualitätsjournalismus setzt.


Interview beim Goethe-Institut:

[Goethe-Institut:] Ihr Credo lautet, dass es möglich ist, Kosten zu senken und zugleich die Qualität zu verbessern. In der Branche gelten Sie deshalb als Zauberer. Kaum jemand versteht, wie das funktionieren kann.

[Ulrich Reitz:] Das ist keine Magie, sondern Handwerk. Eine Frage der Organisation. Wohin entwickelt sich Zeitung? Sie bekommen heute die Mainstream-Nachrichten an jeder Ecke – und müssen die auch in der Zeitung haben. Aber außerdem brauchen Sie Elemente, die Sie in anderen Medien nicht haben. Das heißt: Sie müssen Überraschung organisieren. Alles andere ist verwechselbarer Journalismus. Ein solches Konzept bedeutet: Umstellung im Kopf, Bekenntnis zu Leidenschaft und Qualitäts-Journalismus. Fertig.

Bericht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:

Wir verbinden mit dem Mantelkonzept einen Qualitätssprung“, sagt Reitz, „und das meinen wir ernst. Dahinter steckt die unternehmensstrategische Aussage, dass wir uns zum Qualitätsjournalismus bekennen.“

Wie sieht die Qualität à la WAZ aus?

Wie die neue Qualität der WAZ aussehen kann, sah ich dann heute morgen bei der Lektüre der Tageszeitung:

WAZ vom 19.11.2009 mit

Da wird einfach ein billiges Vorurteil genutzt um die Nachricht, dass US-Präsident Barack Obama auf der großen Mauer in China war, zu betiteln.

Als Leser erwarte ich so etwas von einer Qualitätszeitung nicht wirklich. Das ganze ist übrigens in der normalen Druckausgabe noch etwas schlimmer, denn dort sieht man aufgrund der hälftigen Faltung der WAZ den Kopf von Barack Obama kaum, so dass ich mich erst fragte, was denn die WAZ zu Michael Ballack (und dann mit einem vergessenen L im Namen) geschrieben hat…

… aber obwohl es den gemeinsamen Newsdesk von WAZ, NRZ und WR gibt, gibt es diese Peinlichkeit heute nur auf dem WAZ-Titel, wie man bei der Meedia-Übersicht der Titelblätter der Tageszeitungen sehen kann. Sowohl die NRZ als auch die WR bleiben davon verschont. Insofern hat der oben zitierte Artikel aus der FAZ recht, denn dort heißt es direkt im Anschluss:

An einem inhaltlichen Wettbewerb zwischen den Zeitungstiteln soll es jedenfalls auch weiterhin nicht mangeln, betrieben von den Chefredakteuren und den Titelredaktionen, die aufgerufen seien, ihre Marken trennschärfer als heute herauszustellen, wie es in dem Konzept heißt.


7 Kommentare »

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  1. (1) Kommentar by pillenknick @ 19. November 2009, 13:17 Uhr

    Das gelang allerdings wunderschön, das trennscharfe Herausstellen der Marke WAZ. Gestern stand sie am Abgrund und musste sich von 300 Mitarbeitern trennen (oder so), heute ist sie schon einen Schritt weiter.


  2. (2) Kommentar by Markus @ 19. November 2009, 13:54 Uhr

    Naja, wenigstens nicht wieder aus der Wikipedia abgeschrieben: Die WAZ und die Wikipedia 😉


  3. (3) Kommentar by tweet_addiction @ 20. November 2009, 10:07 Uhr

    Bravo, Jens !

    Du hast es auf „6 vor 9“ im BildBlog geschafft:

    http://www.bildblog.de/13872/broder-waz-heddesheim/


  4. (4) Kommentar by A. Hofmann @ 20. November 2009, 15:12 Uhr

    Diese Bildüberschrift ist umso dümmlicher, als viele „Chinesen“ das „R“, wie es im Deutschen oder Englischen erforderlichen wäre (nicht unbedingt das im Bayerischen…) sehr gut aussprechen können, und dass rein phonetisch nicht jedes dieses Satzes ausgesprochen würde… „der“ iwrd deutsch „deä“ gesprochen und seltener „derrrrrr“…. Aber das begreifen diese Qualitätsjournalisten mit ihrem Vorurteilsquabbel (z.B. gesprochen Voa ua teils…) im Kopf nicht.


  5. (5) Kommentar by lupe @ 20. November 2009, 18:47 Uhr

    Die Sache mit dem „L“ ist diskriminierend.

    Doch: Was ist schon dabei, würden Sie denken, wenn Sie wüssten, was eine andere Regionalzeitung an Inhalt verkauft. Sie behauptete sogar, Hochwertiges zu bieten – um eine Preiserhöhung zu begründen.

    Was der Verlag unter hochwertig versteht, können Sie täglich in meinem Blog besichtigen, insgesamt weit über 7000 Mal, und Sie werden die Sache mit dem „L“ häufig ziemlich belanglos finden. Tatsächlich, es gibt Schlimmeres.


  6. (6) Kommentar by Fritz Wepper @ 21. November 2009, 02:21 Uhr

    Mal so am Rande: Da hat sich Herr Reitz höchstpersönlich mit seiner Idee gegen alles durchgesetzt, was sich zu wehren versucht hat. Und das waren ziemlich viele.


  7. (7) Kommentar by Jens @ 25. November 2009, 20:38 Uhr

    @pillenknick (1): Hehe… das war jetzt aber nicht nett.

    @Markus (2): Danke für den Linkhinweis, ich habe das ja nachher noch einmal aufgegriffen!

    @tweet_addiction (3): War auch etwas überrascht…

    @A. Hoffmann (4): Tja, wenn man Vorurteile hat, dann überprüft man das eher weniger.

    @lupe (5): Danke für den Hinweis, wobei ich mich bisher mit dieser Region eher weniger beschäftigt hat.

    @Fritz Wepper (6): Ach, der „Balack auf del gloße Mauel“ war eine Idee von Ulrich Reitz persönlich?


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