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Jens Matheuszik — 5. Oktober 2009, 23:37 Uhr

Bochumerin sorgt mit Ehrenmord-Krimi selbst für Aufregung


DerWesten: Genese eines ArtikelsDie Bochumer Autorin Gabriele Brinkmann hat es geschafft – quasi über Nacht wird sie auf einmal mit einem nicht veröffentlichten Buch deutlich bekannter als mit allen veröffentlichten auf einmal.

In letzter Zeit war sie vor allem als ein Teil des Autorinnen-Duos Minck & Minck bekannt, deren zweiten Roman Abgemurkst: Maggie Abendroth und das gefährliche Fischen im Trüben ich vor einigen Monaten hier rezensiert hatte.

Unter dem anderen Pseudonym1 „W. W. Domsky“ schrieb sie jetzt den Roman Wem Ehre gebührt. In diesem Krimi geht es um einen Ehrenmord, doch wie SPIEGEL Online am Wochenende in einer Vorabmeldung mitteilte, zieht der Droste-Buchverlag diesen Roman noch vor Veröffentlichung aus dem Programm zurück.

Hintergrund für diese Entscheidung sind Aussagen im Roman, die laut dem Verleger Felix Droste

„die Sicherheit meiner Mitarbeiter oder meiner Familie beeinträchtigen könnten“.

Der Verlag bat um Änderung einiger Passagen, die Autorin weigerte sich – und damit könnte die Geschichte zu Ende sein. Doch sie ist es nicht:

Der Spiegel berichtete, dass der Verlag die Rechte an dem Roman an die Autorin zurückgab und mit etwas Verzögerung sind auch die Bochumer Medien auf den Fall angesprungen. Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) bzw. das Internet-Portal DerWesten veröffentlichten den Beitrag Verlag nimmt Ehrenmord-Krimi aus dem Programm (siehe Abbildung), in dem die Autorin ihr Unverständnis über die Entscheidung des Droste-Verlages äußert.

Dem Artikel Brinkmann-Roman vom Verlag abgelehnt der Ruhr Nachrichten (RN) zufolge gibt es jedoch auch auf Seiten des Verlages Unverständnis. Dort heißt es (die Hervorhebung stammt von mir):

Nachdem Gabriele Brinkmann ihre Kritik an der Verlagsentscheidung öffentlich geäußert hat, wird dieser jetzt von einer ganz anderen Seite als ursprünglich befürchtet mit Anrufen und E-Mails bombardiert. „Wir werden als Islamfreunde beschimpft“, ordnet der Düsseldorfer Verleger Felix Droste die Anfeindungen der rechten Ecke zu. Er hat deshalb die Polizei eingeschaltet. Ob es unter diesen Umständen zu einer Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Gabriele Brinkmann kommt ist ungewiss. „Das Vertrauensverhältnis ist zerstört.“ Ursprünglich waren sieben Folgen der Maggie Abendroth-Reihe geplant, drei sind bislang erschienen.

Auf der Internet-Seite des Droste-Buchverlages findet sich eine Pressemitteilung zum Thema, in der man unter anderem folgendes lesen kann:

Der Droste Verlag lehnte ein Buchprojekt mit der Autorin Gabriele Brinkmann ab, in dem sowohl den Koran als auch den Islam verunglimpfende und beleidigende Passagen vorkamen. Jüngst veranlasste Frau Brinkmann aufgrund dieser Entscheidung eine Pressekampagne gegen den Droste Verlag.

Der Droste Verlag hat sich in der Vergangenheit immer wieder mit politisch brisanten Themen sachlich kritisch auseinandergesetzt.
[…]
Auch zukünftig wird sich Droste nicht scheuen, kritische Inhalte zu publizieren
[…]
Allerdings werden wir auch in Zukunft in unseren Publikationen nicht die religiösen Gefühle Dritter verletzen, wie es von der Autorin Frau Brinkmann vorgesehen war.
[…]
Über die Pressekampagne zu dem vom Droste Verlag abgelehnten Krimi „Wem Ehre gebührt“ von Gabriele Brinkmann, den die Autorin unter dem Pseudonym „W. W. Domsky“ veröffentlichen wollte, zeigt sich der Verlag sehr erstaunt, zumal der Vertrag in gegenseitigem Einverständnis mit Rückgabe aller Urheberrechte und Forderungen aufgelöst worden ist. Dass Teile eines internen Schriftverkehrs zwischen Agentin und Verlag für diese Kampagne missbräuchlich herangezogen wurden, ist außerdem mehr als fragwürdig.

Um es mal salopp zu formulieren – beim Droste-Buchverlag ist man wohl nicht wirklich erbaut über das was dort geschehen ist. Nicht nur, dass anscheinend vertrauliche eMails veröffentlicht wurden – nein, das ganze führte auch noch zu einigen hetzerischen Aktionen gegen den Verlag, die so nicht hätten sein müssen.

Das ganze finde ich übrigens sehr schade – denn unter Umständen hätte dieser Streit zwischen Droste und Brinkmann böse Konsequenzen für die Maggie Abendroth-Reihe, die ich eigentlich sehr gerne lese.

PS: Die WAZ veröffentlicht in ihrer digitalen Pressemappe zur Angelegenheit den Kommentar Ab in die Druckerei! und fordert darin einen Druck des Romanes. Das sollte die WAZ nicht einfach nur fordern – sondern machen: Schließlich gehört der WAZ-Mediengruppe auch der Essener Klartext-Verlag.

PPS: Als eine Art Disclosure sei darauf hingewiesen, dass ich das Autorinnen-Duo Minck & Minck (und somit auch Gabriele Brinkmann) kenne und in letzter Zeit ein paar Mal (beispielsweise bei Lesungen) gesehen habe.

  1. warum schreiben manche Autoren eigentlich immer wieder unter neuen Pseudonymen? will man im Buchladen nicht wiedergefunden werden? []

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