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Jens Matheuszik — 3. Oktober 2009, 22:34 Uhr

Katharina Borchert (DerWesten): Go, Schnarre, go! (solche Artikel werde ich vermissen)


WAZ Wochendende Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Katharina Borchert, die Chefredakteurin von DerWesten (dem Internet-Portal der WAZ-Mediengruppe), zum 2. Quartal 2010 das Ruhrgebiet in Richtung Hamburg (zu SPIEGEL Online) verlassen wird, was nicht nur im Pottblog (Im Westen wird gewechselt…), sondern auch bei den Ruhrbaronen (Borchert verlässt den Westen) thematisiert wurde.

Bei den Ruhrbaronen fragte John Dean in diesem Kommentar, ob jemand treffende politische Kommentare von Katharina Borchert kennen würde (da ein anderer Kommentator hoffte, dass es solche Kommentare auch bei SPON geben wird). Heute ist mal wieder einer der vielen treffenden politischen Kommentare veröffentlicht worden (siehe Abbildung):

Im Beitrag Go, Schnarre, go! schreibt Katharina Borchert über Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) folgendes:

Die meisten von ihnen werden sich nicht mal an Frau Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) erinnern. Schließlich ist sie als Justizministerin vor fast 15 Jahren zurückgetreten, als viele heutige Netzsperrengegner kaum Wichtigeres kannten als ihren Gameboy.
[…]
Die Vorratsdatenspeicherung findet so wenig Gnade vor ihren Augen wie die Netzsperren.
[…]
Genau deshalb ist sie seit dem Wahlabend wieder Hauptgesprächsthema im Netz. Viele Kommentatoren möchten sie in der neuen Regierung sehen als würdige Gegenspielerin von Zensursula und Schäuble.
[…]
Der erste Arbeitsauftrag steht ebenfalls schon fest: Die Verbannung der Netzsperren in die Annalen der Geschichte, Abteilung „evolutionäre Sackgassen”.

Absolute Zustimmung meinerseits – und ganz ehrlich: So einen Kommentator würde ich viel lieber direkt auf der Seite 2 der WAZ lesen als in der Wochenend-Beilage!

Wobei ja der Kommentator Liberale Ministerien von WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz1 inhaltlich in eine ähnliche Richtung geht.

Wenn solche vernünftigen Kommentare, die auch von Sachkenntnis zeugen2, demnächst bei SPIEGEL Online veröffentlicht werden, wäre das natürlich auch nicht schlecht.

  1. diesmal in der Internet-Variante iteressanterweise nicht mit dem üblichen „spitzbübischen“ Lächeln als Portrait, sondern mit einer Miene, als ob Rot-Rot-Grün die Mandatsmehrheit im neuen Bundestag hätte… []
  2. was oft bei den Befürwortern der Netzsperren nicht der Fall war… []

3 Kommentare »

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  1. (1) Kommentar by John Dean @ 5. Oktober 2009, 20:42 Uhr

    Ob das nun ausgerechnet ein Beispiel für einen guten und kenntnisreichen politischen Kommentar war? Ich habe daran meine Zweifel. Zwar mag man kaum fehl gehen, wenn man mit Schnarre einen bürgerrechtlichen Liberalismus verbindet, aber vielen Beobachtern dürften zwei Entwicklungen der letzten 15 Jahre entgangen sein:

    1. Schnarre hat sich, gemeinsam mit ihrer Partei, neo“liberalisiert“. Das heißt, weniger ideologisch gesprochen, dass sie einer Liberalismusidee mit einem Primat für Wirtschaftsinteressen anhängt. Da hat sie sich in den letzten 15 Jahren weiter entwickelt (zwar nicht so weit wie Westerwelle & Co), und das hat durchaus Einflüsse auf die diskutierten Gesetze bzw. Schnarres Haltung dazu. Es gab Andeutungen aus ihrem Umfeld, meines Wissens, dass Netzsperren zugunsten urheberrechtlicher Ansprüche doch eine eigentlich ganz gute Sache seien…

    2. Schnarre war in den letzten 15 Jahren bei Antiporno-Kampagnen engagiert und hat die Pläne aus dem Laien-Ministerium gut geheißen. Vielleicht wird Schnarre da von ihrer eigenen Partei zurückgepfiffen bzw. erweist sich als lernfähig, aber gerade in Sachen Vorratsdatenspeicherung und Netzsperren würde ich mir von Schnarre nicht sonderlich viel erhoffen.

    3. Trotzdem war Schnarre zu ihrer Zeit eine gute und unabhängig denkende Ministerin. Ich sehe, trotz gewisser Entwicklungen, durchaus Chancen dafür, dass sie das wieder sein wird. Nur hätte ich wenig Hoffnungen darauf, dass im Kampf mächtiger ökonomischer Interessen (z.B. Rechteindustrie) und der Freiheitsinteressen der Bürger mit Schnarre die Ergebnisse zustande kommen, die sich Frau Borchert vorstellt.

    Ehrlich: Ich halte diesen einen Kommentar, so sehr ich seine Hoffnungen verstehen kann, doch eher für einen Kommentar, der von politischer Oberflächlichkeit und Wunschdenken geleitet war.

    Frau Borchert geht meines Erachtens wirklich alles (!) ab, was zum Verfassen kenntnisreicher und zugespitzter politischer Kommentare notwendig ist. Sogar das Interesse.

    Pardon.

    Vielleicht sind meine persönlichen Eindrücke von Frau Borchert aber auch gänzlich unausgewogen, ja, ich hoffe sogar darauf. Vielleicht tue ich ihr Unrecht an. Aber ich halte von ihrem politischen Verstand nur wenig.

    Immerhin: Es gibt gewiss Schlimmeres als die Borchert-typische Weichspülerei und Oberflächlichkeit in politischen Angelegenheiten.


  2. (2) Kommentar by Jens @ 7. Oktober 2009, 13:05 Uhr

    @John Dean (1):
    Nur kurz – wenn man sich die sonstige Berichterstattung gerade in der WAZ zum Thema Netzsperren angeschaut hat, waren die Kommentare von Katharina Borchert etwas wohltuend erfrischendes dagegen.


  3. (3) Kommentar by Jens @ 11. Oktober 2009, 00:01 Uhr

    @John Dean:

    Jetzt noch die etwas ausführlichere Antwort:

    1.) Das mit dem Urheberrecht mag ja sein (und wundert mich nicht wirklich) – nur wenn man generell gegen Netzsperren auftritt, kann man nicht in diesem Bereich dann doch dafür sein.

    2.) Das Problem bei den Netzsperren ist ja (und das war ja die perfide Hoffnung von Zensursula), dass man eigentlich gar nicht dagegen sein kann. Das ist jetzt jedoch anders und eigentlich ist fast jeder, den man kurz darüber aufklärt, nicht wirklich ein Befürworter davon (einige Hardliner mal ausgenommen). Ich habe noch niemanden erlebt, der den Gegenargumenten zu den Netzsperren nicht zugänglich war. Da waren auch CDU/CSU-Mitglieder drunter, die das Gesetz auch für „Schmarrn“ halten.

    Da die FDP im Wahlkampf viel in Sachen Bürgerrechten argumentiert hat, dürfte es hier schwer fallen, wenn man da nichts erreichen kann.

    Allgemein zur These:
    Ich kann jetzt nicht beurteilen was irgendwem abgeht oder nicht – aber wenn ich mir die ansonsten übliche Berichterstattung zu Themen wie Zensursula & Co. durchlese, dann sind die Kommentare von Katharina Borchert dagegen wirklich ein Licht im Dunkeln. Mag sein, dass das nicht für den Wächterpreis qualifiziert – aber gut finde ich es dennoch.


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