Search:

Werbung:

Google+:

Archiv:


Jens Matheuszik — 18. September 2009, 07:01 Uhr

BarCamp Stuttgart 2: Der Sonntag


BarCamp Stuttgart 2Bei einem Beitrag mit dem Titel BarCamp Stuttgart 2: Der Samstag ist es irgendwie nur konsequent, wenn es dann auch die Fortsetzung mit dem Sonntag im Namen gibt. Und das hier ist der entsprechende Beitrag zum zweiten Tag des BarCamp Stuttgart 21 , bei dem ich am vergangenen Wochenende zu Gast sein durfte.

Am Sonntag musste ich, als ich das Literaturhaus (den Veranstaltungsort des BarCamps) erreicht hatte, auch gleich wieder umkehren – denn schlauerweise hatte ich die ganze Zeit vom Auschecken im Hotel bis zum BarCamp meinen Zimmerschlüssel aus dem Hotel in der Hand… aber der Weg zurück war ja nicht so weit, da das Hotel recht nahe lag.

Beim zweiten Eintreffen bekam ich dann mein zweites Los2, denn diesmal wurde weiter verlost. Zwischenzeitlich wurde ich gefragt ob ich nicht zu meinen Kommunalwahlerfahrungen in der Stadt Olfen (Kreis Coesfeld) eine Session halten würde, da ich doch das entsprechende Material vorliegen hätte3. Da Christoph Hoerl auch etwas zum nicht-Landes- bzw. Bundeswahlkampf im Internet bringen wollte, haben wir unsere beiden Sessionpläne einfach mal zusammengelegt. Wäre ja doof, wenn die an Politik interessierten BarCamp-Besucher ggf. zwei Sessions parallel zum Thema zur Auswahl hätten. Wenn parallel dann schon in einer Session… 😉

Aber bevor es dahingehend politisch wurde, kam es zur Wahlauswertung:

Das BarCamp Stuttgart 2 hat gewählt

Die am vorherigen Tag durchgeführte Wahl wurde ausgewertet und die teilweise recht überraschenden Beiträge kann man direkt auf der bcs2-Wiki-Seite zum Thema Wahl sehen bzw. bei Wahlleiterin Paula in ihrem Blog. Die vielen Stimmen für die Piratenpartei haben mich nicht gewundert – schließlich waren mir am Vortag schon die vielen Parteilogos der Piraten aufgefallen. Erstaunt haben mich eher die Fragen auf die Wunschkoalition, denn hier führt Schwarz-Gelb knapp vor Rot-Grün. Aber selbst die von mir ausgewählte Ampel-Koalition wurde von mehreren gewünscht und landete auch vor Jamaika…

Repräsentativ sind diese Zahlen allesamt jedoch nicht – und die Koalitionspräferenz für Schwarz-Gelb kann man sich ja eventuell dadurch erklären, dass man hier „im Ländle“ war.

Online Wahlkampf bei der FDP

Nachdem am Vortag man einiges über den Wahlkampf der Grünen erfahren konnte gab es einen Tag später dann das entsprechende Gegenmodell von der FDP. Michael Conz, der örtliche FDP-Kandidat zur Bundestagswahl, stellte erst einmal die Online-Aktivitäten der FDP auf Bundesebene kurz vor (sinngemäß: „Ich habe da mal mit der Bundesgeschäftsstelle telefoniert und erfahren, dass wir folgendes machen: …“). Danach erklärte er dann, was man selber vor Ort macht.

Für jemanden wie mich, der sich für Politik interessiert war das eine sehr interessante Session, vor allem auch wegen der Zitate, die Conz teilweise en passant formulierte. Beispielsweise erklärte er sinngemäß:

„Wo die FDP nicht ist: Xing und MySpace. Und da bin ich auch froh drüber. Xing nutze ich doch ernsthaft.“

Warum Silvana Koch-Mehrin, die FDP-Spitzenkandidatin zur Europawahl, bei Facebook so viele Freunde hat sei auch leicht zu erklären. Dahingehend sagte er sinngemäß:

„Silvana Koch-Mehrin hat 2400 Freunde. Das Äußere haut ja bei solchen Plattformen auch ‚rein.“

Als er Silvana Koch-Mehrin ansprach, war das für mich der Anlass ihn auf die Angelegenheit Silvana Koch-Mehrin vs. Ruhrbarone anzusprechen, worauf er sinngemäß4 erklärte:

„Wenn in irgendeinem Blog was steht, was mir nicht passt, dann ist es halt so. Es ist völlig utopisch sowas per Gericht zu regeln. Die Abmahnung war unglücklich.“

Sowas hört man als Blogger doch gerne – denn auch meiner Meinung nach war die Abmahnung unglücklich und vor allem nicht gerechtfertigt, sondern diente eher der Einschüchterung. Aber die FDP wird wohl draus gelernt haben, denn durch die Abmahnung wurde ja die ganze Angelegenheit (die vermeintlich hohen Fehlzeiten von Silvana Koch-Mehrin) erst recht bekannt.

Doch auch aus dem Plenum gab es gute Zitate – wer immer

Linkspartei und CDU – um mal die Extreme zu nennen.“

sagte5 hatte die Lacher auf seiner Seite.

Conz erklärte auch seine Strategie bezüglich der Social Networks und erklärte, dass er bei Xing Anfragen von allen Leuten ablehnen würde, die er nicht kennt. Hingegen bei Facebook dürfe jeder sein Freund sein. Das passt ja zur vorherigen Aussage, dass er Xing ernsthaft nutzt. Zum Thema Fundraising bedauerte er es, dass es in Deutschland leider keine Spendenkultur geben würde und man in diesem Bereich nicht wirklich erfolgreich sei. Seinen Aussagen zufolge reichen die Wahlkampfkostenerstattungen die es bei der Bundestagswahl gibt auch gerade einmal für die Bezahlung der Ausgaben bei den Fernsehspots, die aufwändig produziert werden müssten.
Dies sei auch einer der Gründe, warum er für den Internet-Wahlkampf genau 0,- Euro ausgeben würde – für mehr sei kein Geld da. Beispielsweise gebe es kein Bild von ihm bei abgeordnetenwatch.de, da dieses 200,- Euro pro Bundestagskandidat kostet.
Hier muss man jedoch sicherlich auch Unterschiede machen – zwischen einem Direktkandidaten der FDP und einem Direktkandidaten von beispielsweise der SPD, denn letzterer hat ja dann doch eher die Chancen mit der Erststimme direkt gewählt zu werden und deswegen ggf. auch für den Wahlkampf und damit letztendlich auch für das Internet ein höheres Budget.

Irgendwann wurde es mir dann doch zu selbstbeweihräuchernd als er die FDP in Sachen Bürgerrechte lobte und erklärte wie bedauerlich er es gefunden hätte, dass es doch keine Datenschutz-Demo in Stuttgart (zusätzlich zur „Freiheit statt Angst“-Demo in Berlin) geben würde, wie es ursprünglich geplant gewesen sei. Da erinnerte ich ihn (und die Teilnehmer der Session) erst einmal daran, dass bei aller Kritik an den großen Parteien in Sachen #Zensursula und Netzsperren-Gesetz es doch gerade die FDP Baden-Württemberg war, die das ganze mit durchgewunken hat. Denn im Bundesrat hätten einfach nur die Länder mit FDP-Regierungsbeteiligung sich enthalten müssen und die Netzsperren hätten eine Niederlage erlitten.

Dazu erklärte er dann:

„Unser Justizminister ist nicht so gestrickt, dass wg. #Zensursula die Koalition bricht.“

Schade eigentlich. 😉

Eigentlich soll dieser Sessionbericht keine Zitate-Sammlung sein, aber das letzte Zitat was ich mir aufgeschrieben hat, hat mir recht gut gefallen:

Session-Teilnehmer 1: „Nichts ist besser als eine organisierte Minderheit.“
Session-Teilnehmer 2: „Schreib in Klammern FDP dahinter.

Internetwahlkampf unterhalb der Landesebene

Unter diesem recht sperrigen Titel präsentierten die Verlierer der #bcs2-Wahlen (Christophs CSU hatte nur eine Stimme, meine SPD nur sechs Stimmen) ihre zusammengesetzte Session.

Ich persönlich fand vor allem die Diskussionen rund um die Session interessant: Soll man eigene Social Networks nutzen ja oder nein (wo beispielsweise die anwesenden Vertreter von CDU und CSU unterschiedlicher Meinung waren – wie im richtigen politischen Leben auch…), lohnt es sich nur für den Wahlkampf so etwas zu starten usw.

Schön fand ich auch, dass Michael Conz, der eigentlich nur seine Session halten wollte, hier dann auch noch dabei war und sich aktiv beteiligt hat – aus ihm könnte noch ein richtiger BarCamper werden. :)

Auch hier sind gute Zitate gefallen, aber da ich ja einen Teil der Session selber was vorgestellt habe, konnte ich mir das nicht alles merken. Aber das folgende sinngemäße Zitat fand ich recht amüsant:

(durch ein CDU-Mitglied) „Wir sind jetzt nicht mehr CDU, wir sind jetzt Angela Merkel.“

Bundestagswahl und Web 2.0

Nach dem Mittagessen (was wieder einmal sehr lecker war!) ging es gleich weiter mit einer politischen Session. Die fand ich jedoch etwas optimierungsfähig gegenüber der ersten (über die zweite kann ich mich schlecht selber äußern). Hier wurden Vergleiche zwischen den Internet-Seiten der Parteien hierzulande und im Vergleich zu Frankreich gezogen und die These in den Raum gestellt, dass das andere Wahlsystem Frankreichs (wo es so etwas wie eine Reserveliste nicht gibt) dafür ausschlaggebend sein könnte, dass sich dort die Politiker mit dem Internet viel mehr auseinandersetzen, da sie dort schließlich ihre Wähler gut erreichen können, während das hierzulande nicht unbedingt notwendig ist.

Ansonsten habe ich von dieser Session nur noch in Erinnerung, dass nicht geglaubt wurde, dass Frank-Walter Steinmeier (SPD) seine Blogbeiträge selber schreibt.

Praktische & gute iPhone Apps

Leider fiel die danach stattfindende iPhone-Session (erstmal) aus. Später erfuhr ich dann, dass sie nur verschoben wurde – auf den letzten Session-Slot, wo ich jedoch schon bei einer anderen Session war.

Mac OS X Hints

Eine sehr schöne Session gab es zum Schluss – nicht nur, weil man wieder einmal lernen konnte, warum es sinnvoll ist, fremde Nutzer an seinen eigenen Rechner höchstens im Gast-Modus zu lassen, sondern auch weil es sehr sehr viele Tipps und Tricks gab. Das ganze ist übrigens auch im bcs2-Wiki dokumentiert.

Abschlußsession

Kodak Zx1Vor der eigentlichen Abschlußsession wurden auch noch die letzten Preise verlost – und ich hatte nach dem Gewinn am Vortag (wo ich eine Kodak Zx1 gewonnen hatte (siehe Bild)) wieder Glück. Diesmal hatte ich Biersticker gewonnen – wo mit man seinen Bierflaschen eigene Etiketten verpassen kann. Da ich a) am Vortag schon gewonnen hatte und b) eher weniger Bier trinke habe ich dann einfach mal auf den Preis verzichtet, damit noch jemand Glück hat.

Im Rahmen der Abschlußsession kam übrigens noch einmal kurz die Frage auf, warum man nicht die Sessionplanung eines BarCamps schon im Vorfeld via Internet minutiös genau durchführt, was jedoch – vernünftigerweise – auf Ablehnung gestoßen ist. Gerade das macht ja ein BarCamp aus. Natürlich gibt es schon vorab Sessionvorschläge und sicherlich auch den einen oder anderen vorab schon bekannten Sessionbeitrag, aber die Spontanität sollte da meiner Meinung nach nicht verloren gehen, denn ansonsten hätte man sich ja gleich bei einer Konferenz anmelden können.

So hätte ich beispielsweise nie meine erste BarCamp-Session beim BarCamp Stuttgart 2 gehalten, wenn ich mich nicht spontan am Sonntag früh dazu entschieden hätte.

Neben zahlreichem Lob (besonders der Verpflegung und damit dem Catering-Unternehmen gegenüber) gab es auch einige kritische Stimmen (Sessionräume zu klein), aber gerade für konstruktive Kritik ist eine solche Abschlußsession ja auch da. Jan Theofel, einer der Organisatoren des #bcs2, wies dann auch gleich auf bcstuttgart3.mixxt.de hin – die Plattform für das BarCamp Stuttgart 3, welches 2010 auch wieder stattfinden soll. Ich hoffe auch, dass dann manche ausgefallenen Sponsoren dann doch nicht ausfallen – denn hier gab es dieses Jahr kurz vor dem BarCamp zu kurzfristigen Problemen, da gemachte Zusagen nicht eingehalten wurden, was natürlich gerade für die Organisatoren, die dafür ja nichts können, keine schöne Situation ist.

Felix: Die eigentliche Abschlußsession

Den richtigen Abschluß gab es dann im nahegelegenen Felix beim Abendessen, an dem sich nach dem „Rückbau“ des Literaturhauses noch rund 20 BarCamper dran beteiligten, bevor man dann auch langsam zum Zug musste.

Hier habe ich dann übrigens auch einen weiteren Kameratest mit der (wie bereits erwähnt) gewonnenen Kamera gemacht, aber noch hatte ich leider keine Zeit mir die Videoaufnahmen genau anzusehen und online zu stellen. Das kommt aber noch. :)

Fazit zum BarCamp Stuttgart 2

Um es kurz zu machen: Es war ein tolles BarCamp! Großen Dank an die Organisatoren, die Teilnehmer und alle Sponsoren die das ganze möglich gemacht haben. Ich fand es schön alte Bekannte wieder zu sehen und mit ihnen zu klönen, noch schöner fand ich es neue Bekanntschaften zu machen – und ganz witzig fand ich es, wenn man Bekannte wie Rozana, die man aus einem ganz anderen Kontext6 kennt, dort trifft.

Auch inhaltlich habe ich einiges mitgenommen und hoffentlich auch dem einen oder anderen Stuttgart-Besucher das BarCamp Ruhr 3, welches im kommenden Jahr stattfinden soll, schmackhaft gemacht.

  1. #bcs2 – als Stichwortkürzel für das BarCamp Stuttgar 2 []
  2. nach dem Samstag []
  3. von der Socialbar Ruhr, wo ich entsprechend drüber informiert hatte []
  4. ich weiß, ich schreibe andauernd sinngemäß – das liegt daran, dass ich die Zitate nicht wörtlich mitgeschrieben habe []
  5. diesmal nicht „sinngemäß“, sondern direkt so zitiert []
  6. Rollenspiele, Das Schwarze Auge (DSA) []

2 Kommentare »

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URI.

  1. (1) Kommentar by Basti @ 20. September 2009, 17:35 Uhr

    Das Konzept eines Barcamps müsste ich mir mal genauer anschauen… was Sessions sind usw. hatte ich vorher noch nie gehört.


  2. (2) Kommentar by Jens @ 23. September 2009, 08:21 Uhr

    @Basti (1):
    Mach das, ich denke als erste Quelle dürften der Wikipedia-Artikel BarCamp und die Seite BarCamp.org an.


Schreib einen Kommentar

Line and paragraph breaks automatic, e-mail address never displayed, HTML allowed: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Mit dem Absenden eines Kommentars wird akzeptiert, dass der angegebene Name, die eMail-Adresse und die derzeit aktuelle IP-Adresse Ihres Internetanschlusses zusammen mit dem Kommentar gespeichert wird. Weiteres hierzu in den entsprechenden Datenschutzhinweisen.