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Jens mobil — 23. Juli 2009, 19:21 Uhr

Umweltservice Bochum ließ Mitarbeiter von Detektiven überwachen


Im aktuellen Stern gibt es den Artikel Wenn der Chef den Detektiv holt. Hier wird aufgezeigt, dass viele Arbeitgeber auf der Suche nach Kündigungsgründen keine Scheu haben, ihre eigenen Mitarbeiter zu überwachen und dafür Detektive zu engagieren.

So etwas kannte man ja bisher nur von Lidl – und der Discountkonzern gelobte ja auch Besserung. Doch solche Arbeitgeber gibt es überall – egal beispielsweise wie groß die Firma ist, denn laut Johannes Röhrig, dem Autoren des Artikels, wird so etwas in Apotheken oder auch Gärtnereien gemacht – und auch beim Umweltservice Bochum (USB):

Genauer gesagt die Müllabfuhr des USB ist gemeint.

Am Beispiel des USB zeigt der Artikel auf, „wie schwierig es sein kann, Recht von Unrecht zu trennen“, so der Stern:

  • Fall 1:
    Hier bestand der Verdacht auf schmiergeldfinanzierte Mitnahme von unangemeldeten Müll.
    Der Verdacht bestätigte sich, die Staatsanwaltschaft ermittelt.
  • Fall 2:
    Hier wurde pauschal der Tagesablauf eines Kehrmaschinenfahrers überwacht. Laut USB auf konkreten Verdacht hin und unter Einschaltung des Betriebsrates. Wenn ich zwischen den Zeilen so lese, dann war das wohl meiner Meinung nach doch nicht so konkret mit dem Verdacht.

Ich finde sowas schlimm, denn es zeigt doch, dass Arbeitgeber immer tabuloser werden. Das sowas anscheinend auch beim USB mindestens zweimal passiert ist (ich frage mich gerade, wie hoch eine mögliche Dunkelziffer ist), wundert mich schon ein wenig, da ich von einem städtischen Unternehmen so etwas nicht erwartet hätte.


7 Kommentare »

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  1. (1) Kommentar by Marc The Provider @ 23. Juli 2009, 23:03 Uhr

    Und das sind nur die „menschlichen“ Überwachungen, bei der Softwareüberwachung sind die Einsatzhemmschwellen noch viel niedriger, bzw. teilweise schon gang und gebe, siehe Call-Center.
    Typisch ist auch die Überwachung der Arbeitnehmern und ihren Surfgewohnheiten… Dazu brauchen die noch nicht einmal eine Zusammenarbeit mit Providern, wie andere…


  2. (2) Kommentar by Stefan @ 24. Juli 2009, 09:18 Uhr

    Aus der USB-Selbstdarstellung: “ Dank einer nachhaltigen Unternehmensführung wird der USB (…) höchsten ökonomischen, ökologischen und sozialen Ansprüchen gerecht.“


  3. (3) Kommentar by Jens @ 24. Juli 2009, 21:33 Uhr

    @Marc (1):
    Wir leben in einer schlechten Welt…

    @Stefan (2):
    Dann bin ich ja froh, dass es die höchsten sozialen Ansprüche sind. Stell Dir mal vor, die wären nicht so hoch: Was würden die dann machen?


  4. (4) Kommentar by Anoym @ 25. Juli 2009, 17:07 Uhr

    Lieber Jens,

    wie Du selbst schreibst, hat sich (zumindest im ersten Fall) der Anfangsverdacht bestätigt. In der Sache ging es nicht um die Einhaltung der Mittagspausenzeit oder um ein paar Cent Trinkgeld, sondern um Korruption in erheblichem Umfang.

    Die Überwachung von Mitarbeitern als letztes Mittel zum Nachweis von Straftaten ist hier absolut legitim. Korruption ist nicht nur geschäfsschädigend (aus unternehmerischer Sicht), illoyal (aus Sicht der Kollegen) sondern auch gesellschaftschädlich. Letzten Endes sind es wir alle, die über die Müllgebühren den „Nebenverdienst“ von ein paar Kriminellen finanzieren. Damit bin ich nicht einverstanden.

    Und entschuldige bitte, aber dass der Vergleich mit Lidl (Kameras zur Überwachung der Pinkelpausen) einigermaßen schwachsinnig ist, hätte Dir eigentlich auffallen müssen.

    Glück auf.


  5. (5) Kommentar by Jens @ 25. Juli 2009, 20:03 Uhr

    @Anonym (4):
    Erstmal der Hinweis – anonyme Diskussionen mag ich nicht, deswegen würde ich mich freuen, wenn bei einem etwaigen Antwortkommentar das Visier offen ist.

    Erkläre mir aber bitte mal was der Unterschied ist, wenn eine Lidl-Kamera filmt wie jemand Geld aus einer Kasse nimmt oder aber eine USB-Kamera (bzw. eine entsprechend beauftragte…) jemand filmt, wie er Schwarzgeld annimmt?


  6. (6) Kommentar by Anonym @ 26. Juli 2009, 21:36 Uhr

    (Zur Metaebene: Deine Einstellung als Gastgeber zu anonymen Kommentaren kann ich in gewisser Weise nachvollziehen. Ich würde mich trotzdem gern am Diskurs beteiligen, ohne meinen Namen im Internet zu hinterlassen oder ihn Dir persönlich in Form der Mailadresse preiszugeben. Auch ohne Namen werde ich mich in Deinem Blog ordentlich benehmen. [Bis auf folgende grenzwertige, unfaire Polemik: Man könnte es ein winziges ironisch finden, wie Du einerseits das Recht auf informationelle Selbstbestimmung – hier bin ich voll auf Deiner Linie – vehement verteidigst, Du andererseits mir dieses Recht nur ungern zugestehen magst.] Und als ernstgemeinte Frage eines Nicht-Bloggers: Wäre es Dir tatsächlich lieber, ich kommentierte unter Phantasienamen und Phantasienamen-Mailadresse statt anonym?)

    Der Unterschied besteht darin, dass bei Lidl präventiv und flächendeckend überwacht wurde, dass die Privatsphäre von Mitarbeitern und Kunden massiv verletzt wurde und dass die Überwachung gegen geltende Gesetze verstoßen hat (-> 1,5 Mio Euro Bußgeld). Kriminell ist in diesem Fall die Geschäftsführung.

    Beim USB hingegen wurde nach einem begründeten Anfangsverdacht in einem Einzelfall im öffentlichen Raum eine Überwachung der Tonnenleerungen durchgeführt, die zum Nachweis von Straftaten geführt hat. Kriminell sind in diesem Fall die Mitarbeiter.

    Also, jetzt mal wirklich: Da besteht doch ein gewisser quantitativer und qualitativer Unterschied.


  7. (7) Kommentar by Jens @ 30. Juli 2009, 06:39 Uhr

    @Anonym (6):
    Zur Meta-Ebene: Es verlangt ja niemand hier zu kommentieren… ich sehe es mit einem Blog ein bißchen wie ein Wohnzimmer. Da kann ich ja als Gastgeber auch bestimmen, dass man dort nicht raucht und Pantoffeln statt Straßenschuhe anzieht, obwohl man damit niemanden (für den Bereich außerhalb des eigenen Wohnzimmers) Straßenschuhe oder Zigaretten allgemeingültig verbieten kann.
    Insofern wäre es mir beispielsweise lieber, wenn man von mir aus mit einem Pseudonym und einer ggf. erreichbaren eMail-Adresse kommentiert. Letzteres ist für den Kommentator auch von Vorteil – man bekommt einfach mit, wenn sich etwas bei den Kommentaren getan hat.

    Zum eigentlichen Thema:
    Ja, da besteht natürlich ein quantitativer wie qualitativer Unterschied. Es heißt ja nicht umsonst, dass man jetzt sieht, “wie schwierig es sein kann, Recht von Unrecht zu trennen”. Bei dem 1. Fall ist es meiner Meinung nach klar, beim 2. schon nicht mehr so sehr – und ich frage mich, wie viele weitere Fälle gibt es, von denen wir nichts wissen? Gehören diese eher zur Kategorie 1 oder 2?


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