Search:

Werbung:

Google+:

Archiv:


Jens Matheuszik — 1. Juni 2009, 17:04 Uhr

SPD-Werbung im redaktionellen Korsett von bild.de


Da surft man so ganz harmlos durchs Web, landet auch bei bild.de und sieht dann plötzlich diese Anzeige ganz am Ende des Ressorts „Politik/Wirtschaft“:

SPD-Werbung bei bild.de (Teaser)

Da ich mich ja bekanntlich sowohl für die Politik an sich, die Europwahlen im speziellen und vor allem auch sehr für die SPD interessiere1 , klickte ich einfach mal auf das Banner mit Martin Schulz, dem SPD-Spitzenkandidaten zur Europawahl, und Frank-Walter Steinmeier, den SPD-Kanzlerkandidaten und Bundesaußenminister. Nach dem Klick wurde ich dann doch sehr überrascht:

Das Banner verlinkt nicht zu einer externen Seite der SPD, wie ich es eigentlich erwartet hatte, sondern auf eine interne Seite bei bild.de. Die Seite namens Mehr SPD: Die Volkspartei für ein soziales und starkes Europa – Sie haben die Wahl am 7. Juni ist dabei unter der Adresse

http://www.bild.de/BILD/politik/partner/spd/europawahl.html

abrufbar.

Das ganze sieht dann wie folgt aus (wenn man auf das Bild klickt, kann man sich den Screenshot auch in groß anschauen):

SPD-Werbung bei BILD.de

Das was dort steht, das kann ich ja inhaltlich gut verstehen und teile die dort erwähnten Ansichten auch. Aber dennoch wundert es mich schon ein wenig, wie die SPD hier bei bild.de wirbt. Einerseits wundert es mich, dass die SPD beim Internet-Ableger der Bild Werbung schaltet, aber vielleicht geschieht das ja nach dem Motto, dass man hier am ehesten unentschlossene Wählerinnen und Wähler erreicht. Oder aber, dass hier das „Eroberungspotential“ mit am größten ist.

Andererseits wundert es mich jedoch, auf welche Art und Weise das geschieht:
Der gesamte Bericht ist im typischen bild.de-Layout gehalten, selbst der aktuelle TV-Spot zur Europawahl wurde im „Bild-Videoplayer“ eingebunden.

Zwar steht oben rechts relativ klein das Wort „Anzeige“ und man erkennen, dass das eine von der SPD gestaltete Seite ist, da zum Beispiel bei der Fotoillustration mit Martin Schulz und Frank-Walter Steinmeier auch die im Wahlkampf von der SPD verwendete Schriftart genutzt wurde.

Mich wundert jedoch, dass bild.de so etwas den Anzeigekunden ermöglicht. Schließlich wird hier bezahlter Anzeigeninhalt in das redaktionelle Korsett von bild.de verpackt, damit – und ich gehe davon aus, dass dies ein Ziel der Anzeige ist – der flüchtige Beobachter glauben mag, dass das normaler redaktioneller Inhalt von bild.de ist.

Ich weiß jetzt gar nicht was schlimmer ist: Das die SPD so eine Anzeige gebucht hat (von deren Standpunkt her ist das wahrscheinlich eine tolle Möglichkeit – das wäre wohl nur noch zu toppen von einer entsprechenden Plazierung einer SPD-Werbung in der Print-Ausgabe der Bild) oder aber, dass bild.de Werbekunden2 eine solche Möglichkeit anbietet.

Aber in Zeiten, wo Zeitungen wie die Welt oder die Welt am Sonntag3 auch schon ihre komplette Titelseite einem Werbekunden verkaufen, darf das wohl nicht mehr verwundern. Mich wundert’s dennoch.

PS: Wenn man in der oben erwähnten Adresse der SPD-Werbung bei bild.de einfach das Kürzel „SPD“ durch „CDU“ ersetzt, landet man auf einer entsprechenden CDU-Werbung bei bild.de, wo jedoch interessanterweise kein Spitzenkandidat der CDU zur Europawahl abgebildet ist (auch nicht im Video).

  1. ich bin schließlich SPD-Mitglied []
  2. in diesem Fall ist die SPD ja nichts anderes als ein zahlender Kunde []
  3. interessanterweise auch aus dem Axel-Springer-Verlag []

8 Kommentare »

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URI.

  1. (1) Kommentar by hajo @ 1. Juni 2009, 20:10 Uhr

    ich habe mich gewundert bzw. erschreckt, als ich auf der rückseite der prisma (tv-magazinbeilage diverser lokalzeitungen) eine wahlwerbung der cdu samt megakonterfei von angela merkel entdeckte.


  2. (2) Kommentar by Blinkfeuer @ 1. Juni 2009, 23:43 Uhr

    Tja, im aktuellen „Freitag“, S.12, suggeriert die HartzPD, der Freitag Leser sei ihr Wähler. Beschwerde ist raus. Antwort von Gassmann ist Müll. Freitag kann auch weg.


  3. (3) Kommentar by Jens @ 2. Juni 2009, 08:21 Uhr

    @hajo (1):
    Die Werbung habe ich auch gesehen, wollte aber nicht drüber bloggen. Außerdem: Das war ja eine „normale“ Anzeige, so wie Anzeigen halt aussehen. Konnte man ja nicht mit einer Programmseite der Prisma verwechseln.


  4. (4) Kommentar by Jay @ 2. Juni 2009, 08:32 Uhr

    16 (Antwort auf die Mathematik-Frage)!

    Aber zum Thema:
    Da sieht man, welche Partei Geld in den Wahlkampf steckt. CDU und SPD können sich solche Anzeigen leisten, die anderen nicht.


  5. (5) Pingback by 6 vor 9: Steul, SPD, Facebook, Songs » medienlese.com @ 2. Juni 2009, 08:54 Uhr

    […] 2. “SPD-Werbung im redaktionellen Korsett von bild.de” (pottblog.de, Jens) Die SPD schaltet Werbung auf bild.de. Doch nicht einfach so: “Der gesamte Bericht ist im typischen bild.de-Layout gehalten, selbst der aktuelle TV-Spot zur Europawahl wurde im ‘Bild-Videoplayer’ eingebunden.” […]


  6. (6) Kommentar by clemenstimpler @ 2. Juni 2009, 23:08 Uhr

    BILD ist nicht die erste Zeitung, die Parteien aufn Pott setzen wollte. Die WAZ wollte sich im Netz wohl für 25.000 € verkaufen. Mal rechnen: (80 Mio/7 Mio)*25.000 = 285.000 € – und nirgends steht, daß für den Inhalt der Wahlwerbespots die Parteien verantwortlich sind. Für alle Seiten ein gutes Geschäft…


  7. (7) Kommentar by Knotz Fischfurther @ 3. Juni 2009, 16:07 Uhr

    Und das Dolle ist: Auch die NPD hat bei Bild.de ihren Platz:
    http://www.bild.de/BILD/politik/partner/npd/europawahl.html
    :o)


  8. (8) Pingback by die alten medien im aeltesten gewerbe « one thing is promised @ 4. Juni 2009, 10:58 Uhr

    […] thema, zurueck zur prositution. via 6vor9 (schoen, dass es dich noch gibt) bin ich eben auf den pottblog-artikel ueber eine weitere unfassbarkeit in der deutschen mediensphaere gestoßen. die spd schaltet nun also camouflage-wahlwerbung auf bild.de, im redaktionslayout mit […]


Schreib einen Kommentar

Line and paragraph breaks automatic, e-mail address never displayed, HTML allowed: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Mit dem Absenden eines Kommentars wird akzeptiert, dass der angegebene Name, die eMail-Adresse und die derzeit aktuelle IP-Adresse Ihres Internetanschlusses zusammen mit dem Kommentar gespeichert wird. Weiteres hierzu in den entsprechenden Datenschutzhinweisen.