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Jens Matheuszik — 6. April 2009, 06:23 Uhr

DerWesten zieht Wahlangebot (das mit den Höschen) zurück


Zu den – wann auch immer stattfindenden – nordrhein-westfälischen Kommunalwahlen im Herbst dieses Jahres plante DerWesten, das Internet-Portal der WAZ-Mediengruppe, den Parteien ein spezielles Angebot zu machen. Darauf machte Anfang März onlinejournalismus.de im Beitrag Gegen Bezahlung: DerWesten lässt das Höschen runter unter Berufung auf den taz-Artikel Wahlwerbung auf DerWesten.de: Parteien aufm Pott aufmerksam.

Doch mit der PDF-Präsentation zum Angebot zu den Kommunalwahlen 2009 ((gespeichert auf dem Server der Linkspartei)) machte sich DerWesten aufgrund des verwendeten Höschen-Motivs ((es wurde eine entsprechende Toilettenszene gezeigt – siehe nachfolgende Abbildung)) nicht gerade beliebt:

Die Linkspartei spricht davon, dass die WAZ-Mediengruppe mit „platter, sexistischer Attitüde die männlichen Entscheidungsträger in den Parteien ködern will“, während seitens der Grünen das Motiv für „sexistisch und geschmacklos“ gehalten wird. Am Ende des Artikels schreibt die taz, dass es keinerlei Reaktionen von CDU, SPD und FDP gab.
Das sieht jetzt aber anders aus:

DerWesten-Werbung: "Ein echter Griff ins Klo"

In der aktuellen Ausgabe der Kommunale ((einer Zeitung für Kommunalpolitik der SPD in NRW)) wird auf das DerWesten-Angebot wie oben abgebildet eingegangen. „Ein echter Griff ins Klo“ – so bezeichnet die AsF-Vorsitzende ((AsF = Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen)) das Angebot aufgrund der „Höschen“-Werbung.

Wie mir auf Rückfrage Frank Schlötzer ((Director Sales & Marketing von DerWesten)) erklärte, hat „die zugegebenermaßen unglückliche Motivwahl“ das DerWesten-Angebot in ein falsches Licht gerückt.

Dieses Angebot wurde seitens DerWesten dann „nach der unsachlichen und teilweise falschen Berichterstattung“ zurückgezogen. Daher konnten sich CDU und SPD laut Aussage von Frank Schlötzer dazu auch nicht mehr äußern.

Die interessierten Parteien können jetzt – wie üblich – ganz normal Werbeplätze buchen. Außerdem erklärte Schlötzer, dass DerWesten „zu keiner Zeit versucht [hat] unsere Berichterstattung zu den Kommunalwahlen mit diesem Angebot zu koppeln. Die Berichterstattung über unsere Redaktionen ist absolut unabhängig und hat nichts mit einer werblichen Schaltung zu tun.“

Schlußendlich merkt Schlötzer auch noch persönlich an, dass er vermutet, dass die Linkspartei „offensichtlich versucht [hat], mit unserem Angebot Wahlkampf zu treiben“, was jedoch hier nicht gelungen sei.

Persönlich zeigt er sich auch über die Verwunderung der diversen Medien erstaunt, „da Werbeplatzierung auf anderen Medien im Wahlkampf Standard sind – nur im Online Business scheinen (noch) andere Regeln zu gelten.“

Übrigens: Zum Beitrag bei onlinejournalismus.de stellte bereits vor einiger Zeit Katharina Borchert ((Chefredakteurin von DerWesten)) per Kommentar fest, dass das „nicht wieder vorkommen [wird]“. Auf meinen Kommentar mit der Frage, ob damit „das Höschen“ oder aber „der Anschein der käuflichen Wahlberichterstattung“ gemeint sei ((der im ursprünglichen Beitrag angesprochen wurde)), kam leider keine Antwort mehr als Kommentar dort an.

Geantwortet wurde dennoch – im news.de-Beitrag Wahlwerbung auf «Der Westen»: Striptease erregt Parteien in Nordrhein-Westfalen, denn dort heißt es:

Auch gegen den «Anschein der käuflichen Wahlberichterstattung», den ein Kommentator auf Onlinejournalismus.de ins Feld führt, verwehrt sie [Katharina Borchert, Anm. d. Bloggers] sich: «Das ist absolut hanebüchen. Wir haben einen Pressekodex im Haus und uns noch nie gekaufter Inhalte schuldig gemacht.»

Na wenigstens gab es noch eine Antwort – auch wenn ich eigentlich dachte, dass man eher direkt antwortet, am Ort der eigentlichen Diskussion. Katharina Borchert glaube ich das übrigens schon – die WAZ-Mediengruppe hat schließlich ihren eigenen Verhaltenskodex und sich meines Wissens „noch nie gekaufter Inhalte schuldig gemacht“.
Meiner Meinung nach fast schon eher im Gegenteil.


3 Kommentare »

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