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Jens Matheuszik — 4. Dezember 2008, 21:52 Uhr

WR-Chefredakteurin Kathrin Lenzer kündigt in der WAZ-Krise, 260 Stellen sollen abgebaut, Lokalredaktionen geschlossen werden


(dies ist ein Beitrag aus der Beitragsserie
13 Monate DerWesten / Die WAZ-Krise)
 

Kathrin Lenzer (siehe Bild, welches von waz-mediengruppe.de stammt), die Chefredakteurin der Westfälischen Rundschau hat nach einem Bericht der FAZ ihren Posten (selbst) gekündigt und wurde umgehend beurlaubt.

Ihr Nachfolger wird Malte Hinz, der Vorsitzende der Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di – also jemand aus den Reihen der Gewerkschaft, der auch im Betriebsrat der Westfälischen Rundschau aktiv war.

Das ganze geschieht einen Tag vor der erneuten Betriebsversammlung in der Lichtburg (nach der ersten Betriebsversammlung der Betriebsräte von WAZ, NRZ, WR und WP am selben Ort).
Übrigens: Zur Betriebsversammlung informiert das WAZ-Protestblog in einem eigenen Beitrag über die Regeln für die Betriebsversammlung.

Gründe für die Kündigung?


Laut der obigen FAZ-Meldung hat Kathrin Lenzer selber gekündigt und Bodo Hombach soll darüber enttäuscht sein.

Dazu sollte man jedoch wissen, dass zum Teil die WR-Chefredakteurin intern umstritten war (siehe in diesem Beitrag den letzten Absatz).

Das „war“ im vorherigen Absatz ist nicht umsonst fettgedruckt – denn als die Sparpläne bei der WAZ-Mediengruppe bekannt wurden, war Kathrin Lenzer wohl eine der wenigen hochrangigen Mitarbeiter die sich anscheinend etwas dagegen geäußert haben (siehe verlinkten Artikel am Ende). Die wohl intern in WR-Kreisen verschickte Mail von Kathrin Lenzer, die als Hieb aus Dortmund von der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht wurde, veranlasste die WAZ-Gruppengeschäftsführung in ihrem Blog ihrer Online-Pinwand sich auch direkt an Frau Lenzer zu wenden.

Schon zu diesem Zeitpunkt wurde gemunkelt, dass Kathrin Lenzer nicht unbedingt mehr sehr lange Chefredakteurin sein wird. Jetzt die Kündigung Lenzers, die übrigens nicht „im gegenseitigen Einvernehmen“ geschah (jedenfalls nicht laut den bekannt gewordenen Berichten dazu), sondern wohl wirklich selbständig von Kathrin Lenzer vorgenommen wurde. Vielleicht geschah dies von Kathrin Lenzer noch vor der Bekanntgabe der konkreten WAZ-Sparpläne am morgigen Freitag.

Gewerkschaftsboss als neuer Chefredakteur

Es scheint wirklich ein taktisches Meisterstück von Bodo Hombach zu sein, dass er mit Malte Hinz einen hochrangigen Gewerkschaftsvertreter (Bundesvorsitzender!), der anscheinend auch WR-Betriebsratsvorsitzender ist bzw. war, als Nachfolger für Kathrin Lenzer gewinnen konnte.
Schaut man sich die Diskussionen im WAZ-Protestblog (z.B. ab diesem Kommentar an, dann scheint diese Entscheidung nicht wirklich auf Verständnis zu treffen. Man hat dort anscheinend eher den Eindruck gewonnen, dass dies ein Grund gewesen sein könnte, warum seitens des Betriebsrates es eher ruhig war…
Ob diese Vorwürfe stimmen kann ich nicht beurteilen – ein gewisses Geschmäckle dürfte diese Entscheidung jedoch haben.

Im Lokalen wird abgebaut

Laut den Ruhrbaronen empfehlen die von der WAZ-Mediengruppe beauftragten Gutachter der Schickler-Gruppe den Abbau von rund 260 Redakteursstellen. Meedia veröffentlicht die ersten bekanntgewordenen Zahlen und Details zum WAZ-Sparpaket. Dort heißt es u.a.:

[…] Das Konzept der Unternehmensberater, die die Abläufe bei den Zeitungen untersucht hatten, hätte zur Folge, dass mehr als 30 Prozent der Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlieren. Dies wird unter anderem dadurch erreicht, dass an allen Orten, an den mehrere WAZ-Titel Lokalredaktion haben, nur noch eine erhalten bleiben soil. Wie MEEDIA erfuhr, soll dies stets der jeweilige Marktführer sein. Dies ist in aller Regel die „WAZ“. Lokalredakteure der „Westfälischen Rundschau“ sowie der „Neuen Rhein Neuen Ruhr Zeitung“ würden dann nicht mehr gebraucht.
[…]
Unter der Headline „Gruselfilm in der Lichtburg“ fasst die „SZ“ die wichtigsten Fakten zusammen, die der Belegschaft am Freitag im Essener Kino „Lichtburg“ präsentiert werden:

  • Von den 890 Stellen in der Zeitungsgruppe sollen 261 wegfallen, davon 209 in den Lokalredaktionen
  • […]
  • Der Stellenabbau soll durch Altersteilzeit (150 Mitarbeiter) und Teilzeitverträge sozial abgefedert werden
  • Die neue zentrale Mantelredaktion („Content Desk“) soll 85 Stellen erhalten, die einzelnen Zeitungen sollen im Gegenzug nur noch 14 statt 60 Redakteure im Mantel beschäftigen, die Artikel von der Zentrale beziehen und lediglich für das jeweilige Blatt anpassen
  • […]

Man darf gespannt sein, wie es bei der WAZ-Mediengruppe weiter geht – insbesondere morgen im Rahmen der Betriebsversammlung.

Episoden der Beitragsserie 13 Monate DerWesten / Die WAZ-Krise

  1. 13 Monate DerWesten / Die WAZ-Krise

1 Kommentar »

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  1. (1) Pingback by dogma pillenknick » Blog Archive » WAZ solls? @ 12. Dezember 2008, 12:33 Uhr

    […] mit don alphonso über die qualität des webauftritts derwesten und schrieb immer wieder über die aktuellen entwicklungen in der waz-krise. weiterhin wichtig zur information: das waz-protestblog, initiiert vom deutschen […]


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