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Jens Matheuszik — 28. November 2008, 13:04 Uhr

Interview mit Stefan Laurin und Djure Meinen (13 Monate DerWesten)


(dies ist ein Beitrag aus der Beitragsserie
13 Monate DerWesten / Die WAZ-Krise)
 

DerWestenIm Rahmen der Artikelreihe rund um „DerWesten ist ein Jahr 13 Monate alt“ gibt es nun nachfolgend ein Interview mit Stefan Laurin (Ruhrbarone) und Djure Meinen (50hz), welches ich anlässlich des Jubiläums mit den beiden durchgeführt habe.

Thema ist – logischerweise – DerWesten aber auch die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) selber.

Jens Matheuszik: Wir wollen ein wenig über die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, kurz WAZ und das Internet-Portal der WAZ-Mediengruppe namens DerWesten reden. Zu diesem Interview begrüße ich jetzt Stefan Laurin und Djure Meinen. Könnt Ihr Euch bitte kurz vorstellen?

Stefan Laurin: Ich heiße Stefan Laurin, bin Journalist und blogge bei den Ruhrbaronen.

Djure Meinen: Mein Name ist Djure Meinen, im Netz auch als 50hz bekannt. Seit Anfang des Jahres arbeite ich als freier Kommunikationsberater in der Werkstatt für Netzkommunikation. Bis zum Sommer habe fast 10 Jahre in Bochum gelebt, wohne jetzt aber mit meiner Famile in Varel am Jadebusen. Die WAZ lese ich seit der Ankündigung der WAZ, eine neue Internetplattform unter Leitung von Katharina Borchert zu entwickeln.

Jens Matheuszik: Djure, Du hast gerade gesagt, dass Du seit dem Start des Projektes DerWesten die WAZ gelesen hast und Du hast ja auch den Start des Internet-Portals DerWesten.de hautnah als Benutzer und 24h-Betatester miterlebt. Wie war damals vor etwas über einem Jahr Dein erster Eindruck?

Djure Meinen: Ich war grundsätzlich positiv gestimmt und hatte große Erwartungen, vor allem bezüglich interaktiver Elemente und Dialogbereitschaft. Die technischen Schwierigkeiten zum Start waren wenig überraschend. Das geht in Ordnung. Enttäuscht hat mich am Anfang vor allem das Design. Es sieht leider nach wie vor wie ein Abklatsch von Spiegel Online aus. Schlimmer sind jedoch die Schwächen bei der Usability, etwa bei bestimmten Schriften und Farben.

Jens Matheuszik: Du meinst die berühmte hellgraue Schrift auf weißem Hintergrund?

Djure Meinen: Nein, eigentlich das dunkelgraue auf hellgrau.

Jens Matheuszik: Stimmt, das gibt es auch noch.

Djure Meinen: Dann kommt noch eine gewisse Browserinkompatibilität hinzu, die es wohl immer noch gibt. Ich fürchte, da muss man noch mal sehr grundlegend ran. Doch auch bei den Inhalten gab es damals Probleme: Die WAZ-Lokalredaktion in Bochum hat den Start total verschlafen und drei Tage lang überhaupt keine Inhalte bereitgestellt..

Jens Matheuszik: Wie war das bei Dir, Stefan?

Stefan Laurin: Ich fand es gut, dass endlich alle Archive zusammengefügt waren. Musste man früher bei WAZ, NRZ & Co. separat suchen, war das endlich zusammengefügt. Auch der gemeinsame Zugriff auf die Lokalteile der verschiedenen Titel hat mir gut gefallen.

Jens Matheuszik: Inzwischen ist DerWesten mehr als ein Jahr alt. Das Jubiläum wurde jedoch – zumindestens ist es nicht bekannt – nicht gefeiert, wahrscheinlich weil die sehr einschneidenden Änderungen bei der WAZ-Mediengruppe schon bekannt waren. Bekanntlich drohen ja Stellenstreichungen im großen Ausmaße, Schließungen von Lokalredaktionen usw. bei der WAZ-Mediengruppe.

Abgesehen davon – hat DerWesten fast 13 Monate nach seinem Start zu recht oder zu unrecht auf eine Feier verzichtet?

Stefan Laurin: Nach einem Jahr gibt es noch keinen Grund zu feiern. Wenn jetzt DerWesten 10 Jahre alt wäre, dann könnte man ein Partyhütchen aufsetzen und eine Feier veranstalten. Aber nicht nach einem Jahr. Abgesehen davon dass es sich natürlich verbietet zu feiern, wenn viele Mitarbeiter der WAZ-Mediengruppe entlassen werden müssen sollen1.

Jens Matheuszik: Djure, wie siehst Du das?

Djure Meinen: Ich war ja total überrascht, dass die Seite tatsächlich erst knapp ein Jahr als ist. Ich habe den Eindruck, dass das schön viel älter ist. Das liegt vielleicht daran, dass sich bei mir im letzten Jahr soviel verändert hat. Was zu feiern gibt es ehrlich gesagt jedoch nicht. Allenfalls die Tatsache, dass man das erste Jahr irgendwie überlebt hat.

Jens Matheuszik: Was erwartet ihr denn von der WAZ im Print- bzw. DerWesten im Online-Bereich?

Stefan Laurin: (siehe Bild) Die WAZ sollte sich auf ihre Hauptkompetenzen konzentrieren. Und das ist nunmal die Lokalberichterstattung im Ruhrgebiet. Daher finde ich es auch schade, dass es keine Ruhrgebiets-Seite mehr in der WAZ gibt, sondern nur noch die Rhein-Ruhr-Seite. Die lokale Kompetenz ist vor Ort vertreten und sie ist über Jahrzehnte gewachsen. Das ist eine sehr große Kompetenz. Es kann nicht jeder Berichterstattung aus den Räten machen. Um zu verstehen, was da passiert, muss man nicht nur zu den interessanten und spannenden Sitzungen gehen, sondern auch zu den anderen, eher langweiligeren Terminen um die ganzen Abläufe vor Ort nachvollziehen zu können.

Ich bin auch kein Anhänger davon, alle Texte zeitgleich mit der Druckausgabe ins Internet zu stellen. Da ist die Gefahr der Kannibalisierung hoch. Das sollte man daher aufteilen. Internet und Print sollten ein eigenes redaktionelles Profil haben. Da kann dann die Internet-Seite sofort über ein Abstimmungsergebnis aus dem Rat berichten und die Höhepunkte der Diskussion darstellen, aber die Details und Hintergründe müssen dann in der Print-Ausgabe stehen. Online könnte die WAZ auch auf die zunehmenden Differenzierung der Leserschaft eingehen. Im Print steht was alle interessieren sollte, online finden sich dann die schnellen Nachrichten, ein Archiv und Infos zu speziellen Zielgruppen, aus den Stadtteilen oder aus den Vereinen.

Djure Meinen: Das sehe ich ähnlich. DerWesten wird ja nicht gelesen, weil da irgendwelche bundespolitisch oder weltweit wichtigen Nachrichten stehen – die gibt es bei anderen Anbietern zu Genüge. Es wäre also sinnvoll, wenn die WAZ sich auf Nordrhein-Westfalen …

Stefan Laurin: … auf das Ruhrgebiet!

Djure Meinen: … meinetwegen auf das Ruhrgebiet aber erweitert auch auf NRW konzentrieren würde. Dabei müssen dann die Inhalte die lokal erarbeitet werden auch vernünftig im Internet zu finden sein.

Jens Matheuszik: Ich sehe das also richtig, dass ihr beide ein Plädoyer für mehr lokale und regionale Berichterstattung gehalten habt?

Stefan Laurin: Ja, denn gerade die lokalen Inhalte unterscheiden DerWesten ja von Anbietern wie Spiegel, Stern und Focus.

Djure Meinen: Der WAZ sollte es wie alle Medienhäuser mit Jeff Jarvis halten. Das machen, was man wirklich gut kann, den Rest kann man verlinken. Die Idee, künftig auf dpa zu verzichten, finde ich interessant. Diese Mittel sollte man statt dessen für Lokales und Regionales verwenden.

Jens Matheuszik: Das heißt also die vermuteten Pläne der Schließungen von Lokalzeitungen wären eher kontraproduktiv?

Stefan Laurin: Absolut!

Djure Meinen: Nicht unbedingt. Bestimmte Lokalredaktionen haben so wenig Auflage, dass man diese Bereiche ruhig den jeweiligen Platzhirschen überlassen kann. Doch die Lokalredaktionen, an denen man festhält, müssen gestärkt werden. Und natürlich braucht die WAZ eine schlagkräftige Redaktion in der Nähe der Landesregierung.

Jens Matheuszik: Wobei man sich fragen muss, ob die WAZ unter dem aktuellen Chefredakteur noch eine besondere Nähe zur Landesregierung wirklich benötigt…

Stefan, Du hattest ja gesagt, und Djure hat zugestimmt, dass die lokale Berichterstattung das wichtigste sei und der Bereich wäre, wo man am meisten Kompetenz besitzt. Man könne online auch ruhig kurz berichten, dass z.B. der Rat in Bochum den Bau der Symphonie beschlossen hat, aber im Print würde man dann ausführlich darauf eingehen, dass z.B. die rot-grüne Koalition in dieser Frage zerstritten ist und eine große Koalition aus SPD und CDU dies beschlossen hat.
Meine Frage wäre jetzt an Euch: Glaubt Ihr denn wirklich, dass die Lokalredaktionen online solche Informationen bringen können. Ich erinnere mal nur daran, dass die Bochumer WAZ in den ersten Stunden es nicht geschafft hat, die Wahlergebnisse vom Bürgerentscheid in Bochum zu bringen.

Auch die Wahl des Düsseldorfer Oberbürgermeisters fand online weitestgehend ohne Berichterstattung der WAZ bzw. NRZ statt und das wo Düsseldorf doch auch zum Einzugsgebiet der WAZ-Mediengruppe gehört.

Djure Meinen: (siehe Bild) Eigentlich müssten die die Kompetenz haben. Aber wie man auch bei der Bombenentschärfung in der Bochumer Innenstadt sieht, klappt das nur selten. Ich war da in Berlin und las via Twitter, dass irgendwas in Bochum los sei. Bombenentschärfung, umfassende Evakuierung und Verkehrschaos auf Straße und Schiene. Beim Westen gab es lange Zeit überhaupt keine Nachrichten und später nur dürre Agenturmeldungen.

Das hätte eine Sternstunde des Lokaljournalismus werden können:
Berichte über Evakuierungsmaßnahmen, Interviews mit Betroffenen. Bilder und Geschichten lagen buchstäblich auf der Straße.
Doch nichts davon. Als Entschuldigung wurde später nachgeschoben, man sei evakuiert worden. Das zeugt nicht gerade von Leidenschaft.

Jens Matheuszik: Wobei nach meinen Recherchen bei der Stadt Bochum auch die WAZ-Redaktion im Evakuierungsgebiet lag.

Djure Meinen: Mir soll kein Journalist erzählen, er könne nicht berichten, weil er nicht ins Büro kann. Zur Not nimmt man sein eigenes Laptop oder bittet per Handy die Essener um Unterstützung.

Jens Matheuszik: Wie siehst Du das Stefan?

Stefan Laurin: Die Lokalkompetenz ist vorhanden, dass das ganze jetzt bei der Bombenentschärfung nicht geklappt hat, mag Gründe haben, die wir jetzt nicht kennen.

Jens Matheuszik: Eigentlich wollte ich jetzt mit Djures twitter-Zitat „DerWesten ist wie ein Starbucks mit dem besten Karamelsirup der Stadt. Leider habt ihr keinen Kaffee und die Milch ist sauer.“ weitermachen, aber eigentlich hast Du das ganze ja schon erklärt. Wobei ich noch anmerken muss, dass ich bisher Nico Lumma nicht bei DerWesten gesehen habe.

Djure Meinen: Das ganze war natürlich für Twitter und die Grenze von 140 Zeichen etwas zugespitzt. Natürlich ist DerWesten nicht so schlecht, wie in dem kurzen Statement beschrieben. Denn dann wäre er ja wirklich ungenießbar.

Stefan Laurin: Ich finde den Westen gar nicht mal so schlecht. Wenn man da mal den Vergleich zieht zu anderen Regionalzeitungen, wie z.B. der Frankfurter Neuen Presse oder der HNA zieht, dann ist das schon eine gute Seite, die dort gemacht wird.

Djure Meinen: Stimmt und wenn ich hier oben die Nordwestzeitung betrachte, dann ist die auch noch nicht wirklich im Internet angekommen.

Jens Matheuszik: Sollte man wirklich Zeitungen von der Küste oder aus dem hessischen Hinterland als Vergleich heranziehen? Oder sollte man nicht eher Zeitungen aus dem gleichen Land nehmen? Da gibt es z.B. die Rheinische Post, die auch ein sehr engagiertes Angebot mit rp-online.de haben. Die hatten ja sogar einen Liveticker von der Beerdigung von Oberbürgermeister Joachim Erwin. Das fand ich zwar übertrieben und nicht gut, aber da haben sie eine wie auch immer geartete Online-Kompetenz gezeigt.

Stefan Laurin: Das war aber ja schon Hofberichterstattung hoch zehn was die Rheinische Post damals gemacht hat. Das sehe ich jetzt nicht als guten Vergleich. Ansonsten kann ich zur Rheinischen Post nicht so viel sagen, weiss aber, dass ich z.B. den Artikel in der NRZ zum Tod von Joachim Erwin der ja auch online zu finden war viel besser fand. Erwin war ja in Düsseldorf nicht nur beliebt. Da gab es zwar Befürworter aber auch sehr viele Gegner und dazwischen eigentlich nichts, weil er ein OB war, der stark polarisierte. Das hat man aus der NRZ viel besser erfahren als aus der RP.

Jens Matheuszik: Mir geht es ja jetzt gerade nicht unbedingt um die inhaltliche Bewertung, sondern um die Nutzung von technischen Möglichkeiten. Ich empfand zwar den NRZ-Artikel auch deutlich anders als die Live-Berichterstattung vom Friedhof, wobei man da wohl wissen sollte, dass der Autor auch schon zu Lebzeiten deutlichst Erwin kritisiert hat. Aber ich denke man sollte DerWesten eher mit RP-Online messen, als mit einer niedersächsischen Zeitung oder einem Blatt aus der Heimat von Thorsten Schäfer-Gümbel, da schließlich RP-Online der Marktführer im Bereich der regionalen Zeitungen im Netz ist.

Stefan Laurin: Dazu muß ich jetzt sagen, dass ich die RP Online nicht täglich lese. Ich lese immer nur bei Lukas‘ Seite Coffee & TV darüber. Und das was man dort liest lässt ja nicht unbedingt auf Qualität schließen.

Jens Matheuszik: Djure, ist DerWesten besser als RP-Online?

Djure Meinen: Ich kenne RP-Online auch nicht richtig.

Jens Matheuszik: Ich hätte das lieber Lukas fragen sollen…

Djure Meinen: Es ist übrigens ja nicht so, dass nicht auch ich dazulernen würde. Hätte man mich beispielsweise vor anderthalb Jahren gefragt, ob man bei einer Zeitungsseite im Internet alles kommentieren können sollte, hätte ich sofort und ausdrücklich mit „Ja!“ geantwortet. Inzwischen sehe ich das anders. Reine Nachrichten muss man nicht kommentieren können. Nur bei Texten, die einen klaren Absender haben, kann ein vernünftiger Dialog entstehen. Und auch nur dann, wenn der Autor die Diskussion begleitet.

Stefan Laurin: Ich glaube auch, dass viele WAZ-Leser mit den Kommentaren im Westen arge Probleme haben. Was da geschrieben wird ist zum Teil sehr extrem und dürfte den klassischen WAZ-Leser eher abschrecken als zum Mitmachen animieren.

Jens Matheuszik: Wobei man dazu sagen muss, dass bei DerWesten nicht jeder Artikel zum Kommentieren freigegeben ist. Bei Artikeln, wo die Gefahr zu gewissen Kommentierungen besteht, gibt es oft gar kein Kommentarfeld. Spontan würde mir da z.B. das Thema Moscheebau in Köln einfallen. Und bei den Artikeln die kommentiert werden können gibt es zum Teil doch schon eine deutliche Moderierung und nachträgliches Editieren. In vielen dieser Kommentaren findet sich daher der Hinweis, dass dieser Kommentar gelöscht worden sei.

Die nächste Frage ist eigentlich schon beantwortet worden. Ich wollte jetzt nach den größen Baustellen von DerWesten fragen. Die WAZ-Mediengruppe hat ja einiges an Geld in die Hand genommen – ein höherer einstelliger Millionenbetrag soll es wohl gewesen sein – um DerWesten zu starten. Und mit Katharina Borchert, die mal als Lyssa von der gleichnamigen Lounge bekannt war, hat man doch jemanden engagiert, die sich online sehr gut auskennt.

Was sind die größten Baustellen des Westens und was kann man dagegen tun?

Stefan Laurin: Zum Inhalt aus dem Lokalen haben wir ja beide schon einiges gesagt. Man muss jetzt natürlich auch berücksichtigen, dass die allgemeinen Sparpläne bei der WAZ-Mediengruppe sicherlich nicht für mehr Engagement sorgen. Wenn man Angst um seinen Job hat ist das eine extreme Belastung und man überlegt sich dann zweimal ob man noch zusätzlich berichtet.

Djure Meinen: Technisch gesehen muss da einiges verbessert werden, so ist ja die fehlende Browserkompatibilität ein großes Manko. Da muss man wahrscheinlich nochmal von Grund auf ran. Inhaltlich ist eigentlich schon alles gesagt, wobei ich anmerken muss, dass gerade im Bereich Bochum [wo es früher arge Probleme gab; Anm.d.Bloggers] sich auch was Positives getan hat. Inzwischen findet man Kommentare korrekt verlinkt, Anreißerbilder auf der Startseite usw. Das könnte glatt noch was werden.

Jens Matheuszik: Gerüchten zufolge soll bei der WAZ-Lokalredaktion in Bochum jemand von der WAZ selbst dorthin abgeordnet worden sein um die Online-Arbeit dort zu unterstützen. Das soll jemand von der WAZ sein, denn die Mitarbeiter bzw. Chefs von DerWesten haben ja keine „Befehlsgewalt“ über die Lokalredaktionen, da es sich um getrennte Gesellschaften innerhalb einer Gruppe handelt.

Stefan Laurin: Wenn das ein organisatorisches Problem ist, dann muss die WAZ da etwas gegen unternehmen.

Djure Meinen: Es ist aber schon positiv zu sehen, wie sich die Online-Kompetenz vor Ort verbessert. Verlinkte Kommentare, vereinzeltes Geotagging – endlich macht man dort auch etwas für Online.

Jens Matheuszik: Primär jetzt eine Frage an Stefan, aber natürlich soll auch Djure antworten: Seid ihr der Meinung dass ein das Ruhrgebiet umspannendes Nachrichtenportal DerWesten die beste Methode für ein zu einendes Ruhrgebiet ist, da die Berichterstattung nicht an irgendwelchen Stadtgrenzen aufhört?

Stefan Laurin: Unbedingt! Es ist gut, wenn man über das gesamte Ruhrgebiet berichtet und die Leute dadurch über den Tellerrand schauen. Schön wäre es auch, wenn man sich auch als Medium dem Gedanken des geeinten Ruhrgebietes mehr anschließen könnte und da mehr Engagement zeigt.

Jens Matheuszik: Das Engagement hast Du jetzt in Sachen Essener Philharmonie. Ist damit aber nicht die journalistische Unabhängigkeit gefährdet? Kann man eine Zeitung noch als neutral bezeichnen, wenn z.B. – wie bei der NRZ – der Chefredakteur plötzlich im Freundeskreis von Michael Kaufmann, dem Intendanten der Essener Philharmonie, auftaucht und dementsprechend auch die NRZ aber auch die WAZ gegen die Pläne der Stadt Essen schreiben?

Stefan Laurin: Die Zeitungen leben auch davon, dass sie Stellung beziehen. Das war z.B. damals bei der Frage des Erhaltes Lichtburg so – da haben die Lokalteile von WAZ und NRZ verschiedene Positionen eingenommen. Ich denke das kann man heutzutage ohne Probleme so machen. Das zeigt aber auch, wie wichtig es ist, dass mehrere Angebote vor Ort bestehen. Meinungsmonopole sind natürlich nicht OK, relativieren sich aber auch über die geringere Zahl der Leser.

Jens Matheuszik: Abschließend gefragt: Wo seht Ihr DerWesten in einem Jahr? Ich erweitere dann auch die Frage auf „in zehn Jahren“, da wir das am Anfang hatten. Wird DerWesten dann in einem Atemzug mit den größten journalistischen Angeboten wie SPIEGEL Online genannt, ist man in Essen dann gerade am Online-Ableger der Rheinischen Post vorbeigezogen und die Nr. 1 bei den regionalen Portalen oder dümpelt man im namenlosen Mittelfeld der diversen Portale?

Djure Meinen: Ich glaube im nächsten Jahr wird sich nicht allzu viel getan haben. Die WAZ-Mediengruppe hat sich gerade Veränderungsprozesse aufgeladen, die extrem viel Kraft und schmerzliche Prozesse bedeuten. Ob da noch Kraft für Veränderungen beim Westen bleibt? Zehn Jahre sind eine extrem lange Zeit im aktuellen Mediengeschäft. Wer weiß, wie sich die Mediennutzung bis dahin verändert hat…

Jens Matheuszik: Beschwer Dich bei Stefan, der hat die 10 Jahre am Anfang ins Spiel gebracht.

Stefan Laurin: In einem Jahr wird DerWesten ähnlich sein wie heute, ein paar Änderungen wird es gebe. Und in zehn Jahren? Die Medienbranche ist so um Umbruch, dass niemand Prognosen über einen so langen Zeitraum machen sollte.

Jens Matheuszik: Vielen Dank für die Bereitschaft kurzfristig für das Interview zur Verfügung zu stehen!

Episoden der Beitragsserie 13 Monate DerWesten / Die WAZ-Krise

  1. 13 Monate DerWesten / Die WAZ-Krise
  1. Ursprünglich stand hier ‚müssen‘ – Stefan Laurin machte mich jedoch darauf aufmerksam, dass er ’sollen“ gesagt hatte, was aufgrund von technischen Problemen bei der Aufzeichnung nicht ganz genau ‚rüber kam, so dass ich es jetzt entsprechend verändert habe. []

3 Kommentare »

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  1. (1) Pingback by 50hz - Werkstatt für Netzkommunikation » Blogarchiv » Nur im Pottblog: Die wahre Wahrheit über den Westen @ 17. Dezember 2008, 13:59 Uhr

    […] einige wirklich lesenswerte Stücke und Interviews. Dazu gehört übrigens auch ein Interview mit mir und Stefan Laurin, das man aber zumindest um meinetwillen nicht unbedingt lesen muss. Viel prägnanter und in […]


  2. (2) Kommentar by Randolf @ 18. Dezember 2008, 02:09 Uhr

    Hätte ich mir eigentlich denken müssen, dass sich zwei alte Bochumer Medienhasen wie Stefan und Djure kennen. Lustig das auf diesem Weg mitzubekommen…


  3. (3) Kommentar by Jens @ 22. Dezember 2008, 00:26 Uhr

    @Randolf (2):
    Wärest Du mal bei einer pl0gbar dabei gewesen… wobei sich glaube ich die Termine wo sowohl Djure als auch Stefan da waren glaube ich an (k)einer Hand abzählen lassen.


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