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Jens Matheuszik — 10. November 2008, 05:23 Uhr

Betriebsversammlung der Betriebsräte von WAZ, NRZ, WR und WP in der Essener Lichtburg


Die Sparpläne bei der WAZ-Mediengruppe, wonach angeblich 30 Millionen Euro eingespart werden sollen und ein Drittel der 900 Arbeitsplätze bei den Redakteuren in Gefahr sind, sorgen natürlich bei den Beschäftigten der betroffenen Zeitungstitel Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ), Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung (NRZ), Westfälische Rundschau (WR) und Westfalenpost (WP) für Aufregung.

So gibt es ein neues Mantelkonzept für WAZ/NRZ/WR/WP, welches die WAZ-Mediengruppe in ihrem eigenen „Blog“ ((zumindestens steht Blog in der Adresse – eine richtige blogtypische Kommunikation findet dort jedoch noch nicht statt)) vorgestellt hat. Die taz formuliert es recht drastisch in einem Artikel mit der Überschrift WAZ wird pampe. Weiter heißt es dort:

Das Ende des WAZ-Modells

Die klassischen Ressorts werden aufgelöst, stattdessen „Newsdesks“ installiert, die wiederum von einem zentralen „Content-Desk“ beliefert werden. Der bietet Geschichten an zu Innen- und Außenpolitik, Wirtschaft, Sport, Kultur, Vermischtem – kurz: zu allem. Bestimmen, was in ihr Blatt kommt, sollen aber weiter die Chefredakteure.

Die ärgsten Befürchtungen haben sich damit bestätigt: Schon im Frühjahr berichtete die taz, dass die Beerdigung des „WAZ-Modells“ bevorsteht: Drei Jahrzehnte lang sicherte das Konstrukt den Zeitungen Eigenständigkeit zu. Lediglich das verlegerische Geschäft wurde nach dem Zukauf der anderen Titel in den Siebzigern in der Zentrale gebündelt. Nun wird Essen auch redaktionell zur Schaltstelle.

Das WAZ-Modell: Der Königsweg zum Erfolg – jetzt nicht mehr?
Wenn diese Pläne wirklich so durchgezogen werden (wovon wohl auszugehen ist), sollte die WAZ-Mediengruppe mal schnell ihre eigene Homepage aktualisieren. Auf der Seite Das WAZ-Modell heißt es schließlich (noch):

Die WAZ übernahm Mitte der siebziger Jahre die Titel Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung (NRZ), Westfälische Rundschau (WR) und Westfalenpost (WP).

Durch das Erkennen und Nutzen von Synergiepotentialen im Tageszeitungsgeschäft konnte die redaktionelle Eigenständigkeit der NRZ, WR und WP gewahrt bzw. deren Existenz gesichert werden.

Die Redaktionen blieben selbständig […] Das sogenannte „WAZ-Modell“ war geboren. Es war der Königsweg zum Erfolg.

Und wenn man gerade dabei ist sich zu informieren, dann kann auch ein Blick ins Betriebsverfassungsgesetz nicht schaden. Dort wird nämlich geregelt, dass die Arbeitnehmervertreter (Betriebsrat) zusammen mit dem Arbeitgeber vertrauensvoll zusammenarbeiten sollen, der Betriebsrat vom Arbeitgeber über geplante Änderungen informiert wird und man gemeinsam an Lösungen arbeitet, die dem Interesse der Arbeitnehmer dienen.

Personalversammlung der Betriebsräte von WAZ, NRZ, WR und WP in der Essener Lichtburg am morgigen Dienstag
Dies scheint jedenfalls nicht überall bekannt zu sein – anders kann ich es mir nicht erklären, dass die Einladung der Betriebsräte von WAZ, NRZ, WR und WP zu einer Betriebsversammlung in der Essener Lichtburg im offiziellen „Blog“ der WAZ-Mediengruppe mit einem eigenen „Blog“beitrag namens Ungünstige Terminwahl der Betriebsräte? bedacht wird. Liest man sich diesen Beitrag komplett durch, sollte nach Meinung der Gruppengeschäftsführer der Betriebsrat eine Betriebsversammlung erst durchführen, wenn die Pläne der Geschäftsführung quasi schon beschlossen sind. Dass jedoch eventuell der Betriebsrat andere Vorschläge einbringt, die nicht den Vorstellungen der beauftragten Unternehmensberatung entsprechen – das scheint man nicht einmal ansatzweise für möglich zu halten.

Einsparpläne auch im lokalen Bereich?
Wenn man die Horrorzahlen von 30 Millionen Euro bzw. 300 gefährdeten Arbeitsplätzen in den Redaktionen mit den Plänen des „gemeinsamen Newsdesks“ von WAZ, NRZ und WR (warum die WP bei der „Gleichschaltung“ nicht dabei ist, wird nicht wirklich erklärt) verbinden will, dürfte klar sein, dass die Abschaffung der klassischen Ressorts in den drei Einzeltiteln kaum ausreichen wird um auf eine so hohe dreistellige Zahl zu kommen.

Insofern dürfte sich der Blick der Sparmaßnahmen auch gerade auf die Lokalteile der jeweiligen Zeitungen richten. Hier sind schließlich auch am meisten Personen beschäftigt. Das jedoch gerade die Lokalteile für viele Leser der Grund des Zeitungsabonnements sind wird leider anscheinend in den Führungsetagen nicht gesehen.

Es gibt schon die Gerüchte, denen zufolge die WAZ-Regionalredaktion „Unser Vest“ in Recklinghausen geschlossen werden soll. Angesichts sinkender Abozahlen im Kreis Recklinghausen und der Stadt Olfen könnte man diese Entscheidung sogar eventuell verstehen.
Nur: Das Problem „Unser Vest“ ist hausgemacht und zeigt eigentlich der WAZ-Mediengruppe wie man es nicht machen sollte: Durch die Schließung zahlreicher Lokalredaktionen und Einführung eines gemeinsamen Regionalteiles, in dem die Leser nur sehr schwierig Sachen finden, die sie interessieren (nämlich die Berichte aus ihrer jeweiligen Stadt), hat die WAZ deutlich (angeblich im vierstelligen Bereich) Leser verloren.

Dies kann doch kaum Ziel der WAZ-Mediengruppe sein, denn es wird wohl kaum jemand die WAZ wegen ihres (inzwischen) geschrumpften Mantel-Teiles lesen.

Traue keiner Statistik, …
Angeblich sollen diverse Lokalredaktionen eher rote als schwarze Zahlen schreiben. Hier muss man sich natürlich fragen wie da genau gerechnet wird. Stimmt es, dass z.B. Anzeigenerlöse in den Lokalteilen nicht den Lokalredaktionen zugerechnet werden?

Wird der Arbeitsaufwand, den die Lokalredaktionen mehr oder weniger für das Internet-Portal DerWesten haben, durch interne Verrechnung/Bezahlung durch WAZ NewMedia den Lokalredaktionen finanziell gut geschrieben? Oder bekommt das Internet-Portal die Zuarbeit von 900 Redakteuren kostenlos auf dem Silbertablett geliefert, während die Redakteure wertvolle Arbeitszeit dafür investieren müssen Artikel online aufzubereiten – Zeit, die dann für die Print-Ausgabe nicht mehr vorliegt?

Nach der Betriebsversammlung
Nach der Betriebsversammlung laden Deutscher Journalistenverband (DJV) und die Deutsche Journalisten-Union (dju) zu einer Pressekonferenz ein, in denen die beiden Organisationen ihre Meinung zu den geplanten Plänen bekannt geben werden.

Außerdem wird es – wenn alles klappt (da ist man ja immer auf die Kooperation der Ansprechpartner angewiesen!) – ein Gespräch mit einer betroffenen Lokalredakteurin der WAZ-Mediengruppe hier im Pottblog geben.

PS: Das oben verwendete Bild ist eine Montage, basierend auf dem Bild der Lichtburg in Essen, welches aus dem verlinkten Wikipedia-Beitrag stammt und vom Wikipedia-Benutzer Baikonur erstellt wurde.


7 Kommentare »

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