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Jens Matheuszik — 24. Oktober 2008, 12:23 Uhr

WAZ dementiert Reduzierung des Zeitungsumfang – und so sieht es am Beispiel Bochum aus


Im Beitrag Sparpläne bei der WAZ-Mediengruppe werden konkreter erwähnte ich auch kurz, dass der WDR von einer Reduzierung des Zeitungsumfangs berichtete:

Wie der WDR erfahren hat, werden die Zeitungen der Gruppe in Nordrhein-Westfalen ab Freitag (24.10.08) nur noch in reduziertem Umfang erscheinen. Dies betrifft die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, die „Westfälischer Rundschau“, die „Neue Ruhr/Rhein Zeitung“ und die „Westfalenpost“. Bis auf weiteres soll der Umfang von 48 auf 32 Seiten reduziert werden.

WAZ-DementiBegründet wird dies (siehe dazu auch den Beitrag WAZ wird dünner bei den Ruhrbaronen) mit den sinkenden Auflagezahlen der WAZ-Mediengruppe.

Eine offizielle Pressemitteilung seitens der WAZ gibt es dazu nicht, wie man bei Coffee & TV nachlesen kann, doch WAZ-Konzernsprecher Paul Binder dementiert den WDR-Bericht sowohl z.B. in der heutigen Print-Ausgabe der WAZ selbst (siehe Abbildung) als auch im Internet-Portal DerWesten (siehe hier) und erklärt dabei (in diesem Fall nur im Print-Artikel), dass der Bericht über eine dramatische Entwicklung „dramatisch falsch“ sei.

Er dementiert damit die Aussage der WDR-Meldung, wonach die Ruhrgebiets-Titel der WAZ-Mediengruppe „generell ihren Umfang verringern“ würden.

Weiter heißt es:

„Binder erläuterte, die neue Richtgröße von 32 Seiten sei eine Folge von zurückgehendem Anzeigenvolumen. Ab sofort werde es insbesondere weniger Sonderseiten und ganzseitige Eigenanzeigen geben. Die Regelumfänge pendelten jedoch schon immer zwischen 32 und 38 Seiten. Nur in seltenen Ausnahmefällen bei extremen Anzeigenvolumen gibt es Umfänge von 48 Seiten, was selbstverständlich auch in Zukunft bei entsprechendem Anzeigenumfang wieder möglich sein werde, so Binder.“

Ich habe mir mal erlaubt die Seitenzahlen der gestrigen mit der heutigen Ausgabe der WAZ Bochum zu vergleichen:

WAZ Bochum – 23.10.2008

  • Mantelteil: 12 Seiten
  • Sport (und weiteres): 10 Seiten
  • Lokalteil Bochum: 12 Seiten
  • Kultur (und weiteres): 10 Seiten

Insgesamt also 44 Seiten.

WAZ Bochum – 24.10.2008

  • Mantelteil: 8 Seiten
  • Sport (und weiteres): 8 Seiten
  • Lokalteil Bochum: 8 Seiten
  • Kultur (und weiteres): 8 Seiten

Insgesamt also 32 Seiten.

Da frage ich mich: Hat sich die wirtschaftliche Lage der Anzeigenkunden von einem Tag auf den anderen so sehr geändert?


15 Kommentare »

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  1. (1) Kommentar by Malte @ 24. Oktober 2008, 15:17 Uhr

    Habe heute noch mit jemanden aus der Redaktion in GE gesprochen. Das mit der Reduzierung stimmt natürlich. Mir wurde auch gesagt, das 300 [!] Redaktuere bundesweit gehen müssen..!


  2. (2) Kommentar by Malte @ 24. Oktober 2008, 15:20 Uhr

    Sorry, vergessen, 30 Millionen € sollen eingespart werden..


  3. (3) Kommentar by Micha @ 24. Oktober 2008, 15:40 Uhr

    „Weniger Sonderseiten und ganzseitige Eigenanzeigen“. Soso. Soll das bedeuten, daß Sonderseiten nix wert und deswegen überflüssig sind? Oder daß die WAZ-Leserschaft bisher ganz unnötig mit 6 bis 16 ganzseitigen Eigenanzeigen pro Zeitung beglückt wurde? Sollten wir Leser so dumm gewesen sein, daß wir das jahrelang nicht gemerkt haben?
    Tatsache ist, daß heute bei uns die Zeitung viel dünner war und ganz klar unser Lokalteil auch kleiner war. Es war eine Seite weniger als sonst und es standen Anzeigen da, wo sonst komplette Seiten waren. Insgesamt also viel weniger.
    Es kann ja sein, daß das notwendig ist. Dann sollte Herr Binder auch so ehrlich sein, das zuzugeben. Er verfährt im „Dementi“ wie im Lied von Hans Scheibner: „Das macht doch nichts, das merkt doch keiner“. Dumm ist nur, daß man es doch merkt.


  4. (4) Kommentar by frenzy @ 24. Oktober 2008, 16:14 Uhr

    Selten so gelacht wie bei der „erläuterung“ von herrn binder. Sonderseiten und eigenanzeigen dienen meistens dazu, innerhalb des blattes für eine balance der seiten zu sorgen, weil man ja zum beispiel wenn jemand eine größere anzeige bestellt, dafür nicht einfach eine einzelne seite zusätzlich einschieben kann. Es müssen dann mindestens zwei oder sogar vier für ein doppelblatt sein. Wenn das jetzt nicht mehr gemacht wird, nimmt eine solche anzeige stattdessen redaktionellen platz weg. So einfach ist das.


  5. (5) Kommentar by Bauherr @ 24. Oktober 2008, 19:00 Uhr

    Bleibt bloß zu hoffen, das der Preis pro Zeitung auch sinkt. Ich sehe nicht ein, wieso ich soviel wie vorher bezahlen soll, wenn die Zetung jetzt dünner ist.


  6. (6) Kommentar by frenzy @ 25. Oktober 2008, 10:42 Uhr

    Wenn sie einfach nur dünner würde. Es wird die qualität leiden, wenn so viele redakteure gehen. 300 von 800 sind ja eine ganze menge. Am ende steht vorne noch wp, wr, oder nrz drauf, ist aber überall nur noch waz drin. Ein kräftiger schlag gegen die pressevielfalt. Bin gespannt, wie sich die auflagen entwickeln, wenn die sparbarone an der ruhr so weiter machen.
    Was mich wundert ist, dass die ihre vier stammzeitungen jetzt mit gewalt in die knie zwingen, während sie zugleich überall auf shopping-tour gehen. Zuletzt haben sie sich den fernsehsender nrw tv geholt, in albanien vizion+ und die zeitschrift frau im spiegel auch. Wenn die waz-gruppe als zweitgrößter deutscher tageszeitungsverlag inzwischen über 50 zeitungen, über 170 zeitschriften und 2 fernsehsender besitzt, dann vor allem, weil mit den vier nrw-blättern gut verdient wurde. Gedankt wird es denen aber nicht.
    In der süddeutschen zeitung bestätigte der neue geschäftsführer nienhaus indirekt, dass die kasse der waz-gruppe gut gefüllt ist und dass jetzt sogar noch mehr zukäufe in südosteuropa geplant sind. Im selben Atemzug spricht er von betriebsbedingten kündigungen in nrw. Stellenabbau trotz konzerngewinn, das erinnert an die moral eines herrn ackermann und seiner deutschen bank.


  7. (7) Kommentar by Malte @ 25. Oktober 2008, 13:22 Uhr

    Eventuell ist im Ausland einfach mehr zu holen? Gibt es darüber, schon, Zahlen?


  8. (8) Kommentar by frenzy @ 25. Oktober 2008, 16:20 Uhr

    Wenn sich die waz bei irgendwas zurückhält, dann sind es angaben zum gewinn. So viel ist bekannt: Der umsatz betrug 2006 etwa 1,7 mrd euro, 2003 waren es 1,9 mrd Euro. 2003 wurden etwa 40 % des umsatzes im ausland gemacht. 2003 lag die rendite „im zweistelligen bereich“. Bedenkt man, dass man da auch schon munter von der medienkrise sprach, so war eine zweistellige rendite nicht übel. Ob die jetzt, wenn sie leute entlassen wollen, genauere angaben zu ihrer rendite rausrücken? Wohl kaum.


  9. (9) Kommentar by Blinkfeuer @ 26. Oktober 2008, 00:41 Uhr

    @1 „bundesweit“ liest sich da keck, wo ein Konzern die Bundesrepublik Jugoslawien nicht mehr wünschte, dies bekundete, und sich nun wundert, daß die dort „Befreiten“ nicht den Quatsch aufsaugen, der aus dem westen kommt.
    Taten nur die Befreiten, nahe dran .
    Thüringer Blatt, war wohl nix,
    Weltkonzern II?

    @6 Knete muß ja da sein, denn wenn der OTTO Versand- erfolgreicher als alle Bertelsdinger, seine Anteile retour erwirbt,
    schreibt schon morgen unsere erfolgreiche SOZI- gazette vom WolleC:
    und wundert sich, wenn nich okeh!
    Und keiner kauft, lesen istb ja eh wurscht.


  10. (10) Kommentar by Jens @ 28. Oktober 2008, 09:45 Uhr

    @Malte (1,2):
    So wie ich das verstanden habe ist die Zahl 300 die Maximalmenge, falls nichts geändert wird.

    Deswegen ja die 30 Millionen Euro die eingespart werden sollen, damit es nicht 300 Mitarbeiter werden.

    @Micha (3):
    Gerade so etwas merkt man schließlich schnell. Man müsste glatt mal erfragen, ob es Sonderkündigungsrechte gibt. Kaufe ich mir einen Ford Galaxy und bekomme statt der sechs Sitzplätze nur vier ist das schließlich auch ein Drittel weniger.

    @frenzy (4):
    Und ein neues (Doppel-)Blatt wird wohl erst dann eingelegt, wenn genügend Anzeigen dafür da sind. Ansonsten geht es wohl an die redaktionelle Substanz.

    @Bauherr (5):
    Ich glaube damit wirst Du auf Granit beißen.

    @frenzy (6):
    Ich glaube schon, dass die Aussagen stimmen, dass momentan nur die WAZ schwarze Zahlen schreibt. Insofern halte ich es schon für vernünftig da gegen zu steuern. Über die Wahl der Mittel kann man sich natürlich streiten.

    @Malte (7):
    Auf jeden Fall gibt es da kein Bundeskartellamt…


  11. (11) Kommentar by frenzy @ 28. Oktober 2008, 23:31 Uhr

    @jens(10):
    Die wirtschaftliche situation der vier titel ist äußerst undurchsichtig, weil die waz-gruppe nie geschäftszahlen veröffentlicht. Ganz sicher wird der konzern als ganzes aber immer noch die stärksten renditen der medienbranche erzielen. Deine ansicht, dass nur die zeitung waz schwarze zahlen schreibt, wird bereits deshalb so nicht zutreffen, weil an den standorten, an denen zwei verlagsprodukte parallel auf dem markt sind, und das sind die meisten Standorte, diese zeitungen mit ihren identischen anzeigen eine wirtschaftliche einheit bilden. Manche anzeigen werden auch über das gesamte nrw-verbreitungsgebiet der waz-gruppe, also in allen vier zeitungen geschaltet. Es liegt dann nur in der hand der buchführung, welchem Produkt dieser Umsatz zugerechnet wird.

    Eines ist allerdings bemerkenswert. Wenn jetzt gesagt wird, mit der behaupteten, aber nicht bezifferten „quersubventionierung“ müsse schluss sein, so bleibt dabei unerwähnt, dass es über Jahrzehnte diese vier zeitungen des waz-modells waren, die mit dem dort verdienten geld den zukauf der heute vielleicht lukrativeren konzernteile erst ermöglichten.


  12. (12) Kommentar by Rosa @ 29. Oktober 2008, 11:07 Uhr

    Das ausgerechtnet die WAZ schwarze Zahlen schreiben soll, ist eher unwahrscheinlich, wo doch gerade in deren Kernregion kaum neue Leser zu gewinnen sind.

    Und abzusehen war die Situation schließlich auch. Von Einsparungen und „Synergiepotenzialen“ war ja schon im September in einem Interview der Süddeutschen die Rede(18.9.). „Es ist einfach nicht sinnvoll, dass beim Spiel einer Ruhrgebietsmannschaft vier Redakteure von vier Titeln im Stadion sitzen, die vier mehr oder weniger gleiche Artikel schreiben. Da wollen wir ran“, so WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus. Und das beträfe den kompletten Mantel. Also alles erst der Anfang.
    Mies finde ich allerdings das Vorgehen gegenüber den Mitarbeitern. Die haben zuletzt von den neuen Wegen erfahren, ebenso natürlich der Betriebsrat. Super, wenn man übers Fernsehen erfährt, dass man am nächsten Tag reduziert erscheint. Bleibt also spannend, wie weiter vorgegangen wird


  13. (13) Kommentar by frenzy @ 1. November 2008, 10:53 Uhr

    Nicht zu vergessen den wazeigenen „wochenblick“, der seit jahren kostenlos und haushaltsabdeckend in riesenauflage verteilt wird. Der ist vollgestopft mit anzeigen aller art. Das sind logischerweise genau die anzeigen, die den vier tageszeitungen fehlen. Wenn jetzt von „zurückgehendem anzeigenvolumen“ bei den ruhrgebietstiteln die rede ist, dann wird bewusst verschwiegen, dass ein großer teil dieses anzeigenvolumens längst über den „wochenblick“ verkauft wird. Und der redaktionelle teil dieses lukrativen Anzeigenblattes besteht ausgerechnet aus den texten der angeblich defizitären tageszeitungen. Tolle konstruktion, oder?


  14. (14) Kommentar by Jens @ 5. November 2008, 00:16 Uhr

    @frenzy (11):
    Naja, es ist ja nicht meine Ansicht, dass nur die WAZ schwarze Zahlen schreibt, sondern die Ansicht der WAZ-Mediengruppe.

    Aber Du hast wohl recht, dass es wohl vielmehr auch eine Frage der Verrechnung ist.

    @Rosa (12):
    Naja, kommt ja drauf an, wie hoch der Gewinn bisher war und wie hoch er jetzt ist. Insofern halte ich das nicht für unwahrscheinlich, dass die WAZ wirklich Gewinn abwirft.

    Bzgl. der „Mantel“-Zusammenlegung: Abgesehen davon, dass ich das kartellrechtlich problematisch finde, ist das zwar teilweise vielleicht wirklich gerechtfertigt, aber wenn das alles vereinheitlicht wird, könnte man auch nur noch eine Zeitung herausbringen.

    Das die Art der Bekanntgabe sch…lecht war ist natürlich klar.

    @frenzy (13):
    Gutes Stichwort!


  15. (15) Pingback by Vanity Care » Blog Archiv » Medienkrise im Überblick @ 20. November 2008, 20:46 Uhr

    […] bisher bis zu 48 Seiten soll künftig “die neue Richtgröße von 32 Seiten” gelten. Grund: Zurückgehendes Anzeigenvolumen. Außerdem droht bis zu 300 Mitarbeitern die […]


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