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Jens Matheuszik — 6. September 2008, 11:05 Uhr

Reaktion von RottenNeighbor.com zur angeblichen Selbstsperrung in Deutschland (aktualisiert)



Vor einigen Tagen berichtete ich, dass RottenNeighbor.com in Deutschland wohl gesperrt sei. Hintergrund war die Tatsache, dass man diese umstrittene Internet-Seite von zahlreichen deutschen Providern nicht aufrufen konnte.

Ob der Grund dafür eine von offiziellen Stellen angeordnete Sperrung, ein technisches Problem oder eine sonstige Ursache war, ist bis jetzt immer noch nicht zu 100% geklärt. Wobei es einige Indizien gibt, die für eine Selbstsperrung(!) sprechen, was somit die These der offiziell angeordneten Sperrung als falsch deklarieren würde.

Das ganze Thema wurde zwischenzeitlich von heise telepolis, gulli news und auch diversen Blogs (ichblogdich.de, Reizzentrum und netzwertig.com aufgegriffen.

Demnach scheint die Sperrung technisch gesehen erst bei Rackspace, dem US-Provider von RottenNeighbor, zu greifen. Bis dahin kommen alle deutschen Zugriffsversuche, doch dann verläuft es dort im Sande. Auch jetzt noch, denn wenn ich momentan versuche über einen ganz normalen Telekom-Zugang (Call & Surf Comfort) die Seite aufzurufen, klappt das nicht.

Ruft man jedoch dieselbe Seite z.B. als Kunde von T-Home Entertain auf, sieht man z.B. folgendes in der Essener Innenstadt:


Daran sieht man – es klappt doch. Die Theorie, dass RottenNeighbor bewusst deutsche Zugriffe ausfiltert, wurde auch davon bestärkt, dass auf Anfragen aus Deutschland bisher seitens RottenNeighbor nicht reagiert wurde. Doch jetzt gibt es eine erste offizielle Reaktion von RottenNeighbor:

DerWesten, der hierzulande RottenNeighbor erstmals eine große publizistische Plattform bot, veröffentlichte heute den Artikel User-Ansturm bringt Rottenneighbor ins Wackeln.

Demnach haben offizielle Stellen in Deutschland aber auch Provider eine Verantwortung für die Sperrung abgelehnt. Doch auch die bisher favorisierte Meinung, dass RottenNeighbor sich selber sperrt, wird dort verneint:

Und es meldet sich Brant Walker, Gründer von Rottenneighbor. […] Vom deutschen Zugangsproblem scheint er noch nicht gehört zu haben. Er bestätigt allerdings einen sprunghaften Anstieg in deutschen Zugriffen „von mehreren tausend auf mehrere hunderttausend am Tag“ innerhalb des vergangenen Monats, die „zu viele unserer Ressourcen beansprucht“ hätten. Es seien daher für einige Tage Konfigurationsarbeiten am Server durchgeführt worden, um des Ansturms aus Übersee besser Herr zu werden. Eine „Down Time“, einen Ausfall des Servers, habe es aber eigentlich nicht geben sollen.

Möglicherweise war die ganze Diskussion das, was einige Beteiligten selbst vermutet haben: Ein Sturm im Wasserglas. Demnach hat der Ausfall eine simple Erklärung: Ende Juli, Anfang August wurde Rottenneighbor zum Medienthema. Das Interesse stieg, die Anzahl der Zugriffe ebenfalls. Aus den virtuellen Landkarten deutscher Städte schossen die roten und grünen Häuschen, Symbole für abwertende und wohlwollende Nachbarschafts-Kommentare, in die Höhe.

Erst einmal finde ich es gut, dass DerWesten es geschafft hat einen Verantwortlichen von RottenNeighbor zu erreichen. Schön finde ich auch, dass indirekt meine These, dass erst die deutschen Medien durch ihre RottenNeighbor-Berichterstattung die Seite in Deutschland richtig bekannt gemacht haben, hier auch bestätigt wird.

Weiter heißt es jedoch:

Die Server waren überlastet. Und Konfigurationsarbeiten erschwerten den Zugang zusätzlich. Die in Deutschland tätigen Carrier betreiben unterschiedlich zuverlässige Netze, die Schnittpunkte (Peering Points) zwischen Carriern und Webhosts unterscheiden sich in ihrer Qualität. Vielleicht ist das alles. Solange sich die gesetzliche Grundlage nicht ändert, jedenfalls.

Das wage ich zu bezweifeln. Ich kann mir nicht erklären, warum z.B. bei der Telekom normale Zugriffe über dynamische IPs nicht funktionieren, die selben Telekom-Zugriffe aber mit einer leichten Konfigurationsänderung ohne Probleme möglich sind. Für eine Serverüberlastung spricht dies nicht – eher für ein bestimmtes Routing, wonach bestimmte IP-Bereiche bei Rackspace ausgesperrt werden und andere eben nicht.

Doch auch wenn der Artikel meiner Meinung nach die falsche Schlußfolgerung zieht (was aber aufgrund der Aussagen Walkers nachvollziehbar ist), ist er meiner Meinung nach ein guter Artikel, denn hier hat DerWesten ein aktuelles Thema aufgegrifffen, die Diskussion in den Blogs verfolgt und – das machen manche Medien ja gar nicht gerne – auch die entsprechenden Blogs verlinkt.

Wenn dann noch ein wenig Selbstkritik in Bezug auf „Deutsche Medien sorgen für deutschen Nutzeransturm bei RottenNeighbor.com“ dort aufgetaucht wäre – dann wäre es meiner Meinung nach ein noch besserer Artikel.

Nachtrag: Im Notizblog wird auf die Stellungnahme Walkers ggü. dem Westen Bezug genommen. Als mögliche Ursache könnte es daher schlicht und ergreifend sein, dass RottenNeighbor.com seine Server falsch konfiguriert hat, so dass die Zugriffe aus Übersee nicht korrekt verarbeitet werden.
Man kann dann zwar immer noch von einer „Selbstsperrung“ sprechen, wobei man dann unbedingt das vorangehende Adjektiv „unbeabsichtigte“ zur korrekten Beschreibung heranziehen sollte.

Schön finde ich auch das abschließende PS dort:

„PS: Offenbar wirkt Kritik der Medienwächter zu einer Art DDOS-Angriff der Neugierigen.“


10 Kommentare »

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