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Jens Matheuszik — 27. August 2008, 21:23 Uhr

Kaukasus-Konflikt: Was sind die Unterschiede zwischen Georgien und Serbien?


Nachdem der russische Präsident Medwedew für Russland die Unabhängigkeit der georgischen Provinzen Abchasien und Südossetien anerkannt hat, geht der Kaukasus-Konflikt in eine neue Runde.

Das Problem was ich damit habe:
Ich verstehe das ganze nicht.

Ich halte mich für einigermaßen politisch interessiert, aber die Hintergründe in Sachen Georgien vs. Abchasien / Südossetien verstehe ich nicht wirklich. Vor allem verstehe ich nicht die Reaktionen des Westens – angefangen über die USA bis hin zu Deutschland, wo unsere eigene Regierung erklärt, dass die russische Anerkennung Südossetiens und Abchasiens nicht akzeptabel sei.

So heißt es in der offiziellen Pressemitteilung:

Die russische Anerkennung Südossetiens und Abchasiens nannte die Bundeskanzlerin völkerrechtswidrig und „absolut nicht akzeptabel“. Das Handeln Russlands widerspreche dem Prinzip der territorialen Integrität, einem der grundlegenden Prinzipien des internationalen Völkerrechts.

Das klingt ja alles schön und gut – aber inwiefern unterscheidet sich die Situation in Georgien mit Südossetien und Abchasien von der Situation in Serbien mit dem Kosovo?

Auch der Kosovo hat sich für unabhängig erklärt. In diesem Fall haben jedoch einige Staaten (vor allem die USA, Groß-Britannien, Frankreich und Deutschland) anscheinend völkerrechtswidrig den Kosovo anerkannt. Da war dann die territoriale Integrität Serbiens wohl egal.

Mir geht es jetzt nicht darum das Verhalten Russlands gutzuheißen – ich will einfach nur verstehen, warum hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Ich ging nämlich immer davon aus, dass es in unserer Außenpolitik auch primär um das Selbstbestimmungsrecht der Völker gehen würde. Und nicht um irgendwelche Gas- oder Erdölpipelines im georgischen Hinterland.

Mal sehen – vielleicht reagieren ja die aktuellen TwitterStars auf meine entsprechende Frage. :)

PS: Die oben abgebildete Karte von Don-kun habe ich aus dem verlinkten Wikipedia-Eintrag, respektive dieser Seite des WikiMedia Commons-Archives, entnommen.


7 Kommentare »

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  1. (1) Kommentar by el-flojo @ 27. August 2008, 22:21 Uhr

    Bin auch sehr gespannt, ob du von einem unserer Volksvertreter ne ehrliche und gute Antwort bekommst.

    Ich bin da aber eher pessimistisch.


  2. (2) Kommentar by Chajm @ 27. August 2008, 22:31 Uhr

    Beide Situationen unterscheiden sich grundsätzlich voneinander. Georgien erkannte Abchasen und Osseten eine Autonomie im Staatenverbund an und unternahm auch nichts gegen die Volksgruppen.
    In Serbien gab es eine staatlich organisierte Erniedrigung der albanischen Bevölkerungsteile und einen Plan, den Kosovo wieder serbisch zu machen. Zudem führte die Nato keinen Angriffskrieg im Sinne eines Drittlandes. Rußland zieht ja im eigenen Interesse in den Krieg.


  3. (3) Kommentar by Frei @ 28. August 2008, 09:27 Uhr

    >>Beide Situationen unterscheiden sich grundsätzlich voneinander. Georgien erkannte Abchasen und Osseten eine Autonomie im Staatenverbund an und unternahm auch nichts gegen die Volksgruppen.<>In Serbien gab es eine staatlich organisierte Erniedrigung der albanischen Bevölkerungsteile und einen Plan, den Kosovo wieder serbisch zu machen.<>Zudem führte die Nato keinen Angriffskrieg <>Rußland zieht ja im eigenen Interesse in den Krieg.<<
    Richtig ! Genauso wie die Nato Anno 1999.


  4. (4) Kommentar by .peter @ 28. August 2008, 15:45 Uhr

    Das wesentliche wurde ja schon gesagt, daher nur soviel: Wenngleich die Meinungen und Positionen einzelner Länder durchaus diskutabel sein können, und nun auch mal davon ausgehend (rein hypothetisch versteht sich) das die beiden Konflikte (Serbien und Südossetien) miteinander vergleichbar wären:

    Kosovo wurde von einigen mehr Staaten anerkannt, Südossetien nur von einem einzigen. Und dieser einzige hat auch noch ein direktes territoriales Interesse, was beim Kosovo nicht der Fall war … im Gegenteil: Serbien sollte an die EU herangeführt werden, doch dem stand und steht die EU-Meinung zu Kosovo in direktem Widerspruch.

    Viel mehr Parallelen gibt es dagegen in Bezug auf Abchasien: Auch hier war die Minderheit ursprünglich die abchasische, die wie die Kosovoalbaner ihre serbischen Nachbarn, die Eingesessenen, vertrieben und bekämpft haben, und nun für solche ethnischen Säuberungen auch noch mit quasi-Autonomie belohnt wurden.
    Kosovo hat seine Autonomie von der EU, Abchasien seine aber von Georgien selbst.

    Also auch hier sind die Unterschiede gewaltig. Wobei Georgien aber auch nicht unschuldig ist, jedoch nicht vergleichbar mit Serbien.


  5. (5) Kommentar by Casi @ 30. August 2008, 09:07 Uhr

    Ich hab neulich einen Bericht gelesen, der auch die gleiche Frage aufgeworfen hat und zum Glück auch mit einer Antwort aufwarten konnte. Der Westen hat demnach den Kosovo als „einmaligen“ Fall behandelt, weil seitens der Serben dort Völkermord betrieben wurde. Hier der Link zum ganzen Artikel bei der „Welt“: http://www.welt.de/politik/article2359174/Was-der-Westen-nun-gegen-Russland-tun-kann.html


  6. (6) Kommentar by chilly76 @ 30. August 2008, 17:22 Uhr

    es gibt unterschiede,aber nicht solche die hier in den medien im sinne der nato-politik propagiert werden, sondern rein juristische. kosovo wurde völkerrechtswiedrig aus serbien am 17.02.2008 seziert, also fast ein jahrzehnt nach dem krieg, nach dem krieg rief man die un-resolution 1244 in dem serbiens teritoriale integrität bekraftigt wird, sogar nach dem krieg haben die albaner eine art unmik autonomie weitgehendst genossen belgrad war seit 99 nicht mehr militärisch oder polizeilich present im kosovo, hat sich ganz klar zur eu und zu der un resolution 1244 bekannt forderte lediglich das die 250 000 vertriebenen serben auch das recht bekommen in ihre häuser zurück zu gehen. und zwei wochen vor disem 17.02.2008 den pro eu presidenten (boris tadic) im amt bestätigt, also gab es keinen einzigen grund von teilen der nato-sekte die serbische teritoriale integrität im jahre 2008 völkerrechtswiedrig zu missachten, vorallem wenn man bedenkt das serbien bei den staatusverhandlungen den albanern eine unabhängigkeit wie es das hongkong geniesst geboten hat. (was ja mehr freiheit als jetzt ist) es ist ganz klar aus machtpolitischen nato-gründen, völkerrechtswiedrig passiert.

    über die taten die ein saakaschwilly in diesem monat gebracht hat brauch ich nicht grossartig schreiben, wer militärisch auf zhinwalli losgeht und die bürger unter nächtlichen dauerbeschuss nimmt, braucht sich nicht wundern das diese bürger dann sich das recht nehmen (völkerecht-recht auf unabhängigkeit bei direkter egsistenzbedrohung) für unabhängig zu erklären.

    aber anscheinend ist ein saakaschwilly ein leuchturm der demokratie wärend ein boris tadic ein schurke ist dem man 15% seiner heimat rauben kann.
    aber stimmt die zwei kann man nicht vergleichen

    übrigens wenn schon gruppen sich demokratisch für unabhängig erklären wollen , dann bitte per referendum in dem jeder bürger eines staates um desen teritoriale integrität es sich bei der frage handelt mitabstimmen kann, wenn es ABER um eine ethnie geht kann die ethnie nur selbstabstimmen über sachen die diese ethnie berühren, im falle der südserbischen provinz stimmten nur die albaner ab. und das ist ganz klar völkerrechtsbruch zudem noch auf rassismus basiert. so sieht es das völkerrecht.

    hier zeitzeugen die über das thema berichten
    http://video.google.de/videoplay?docid=9022337190221762301


  7. (7) Kommentar by Jens @ 31. August 2008, 16:36 Uhr

    @el-flojo (1):
    Bisher noch keine einzige…
    Da wird wohl auch nichts mehr kommen.

    @Chajm (2):
    Hmm… dass die Menschen im Kosovo eine andere Situation hatten als die in den georgischen Provinzen, das glaube ich sofort.
    Mir geht es aber um das vielzitierte Völkerrecht.

    Bzgl. Russlands Intervention: Also nach allem was man inzwischen dazu hören und lesen kann haben die georgischen Truppen Südossetien angegriffen – und auch die russischen Kräfte dort, die mit einem internationalen Mandat dort ausgestattet waren. Dass die Russen sich da verteidigen – das wundert mich nun gar nicht. Dass die Russen die Situation jetzt für sich nutzen, natürlich auch nicht, aber dann muss man sich fragen, wie blauäugig man in Georgien gehandelt hat.

    @Frei (3):
    Über die Frage ob der NATO-Einsatz 1999 völkerrechtsmäßig in Ordnung war oder nicht – da wollte ich hier eigentlich nicht drüber diskutieren…

    @.peter (4):
    Zählt jetzt das Mehrheitsprinzip bei Anerkennungen? Und welches direkte territoriale Interesse hat Russland offiziell? Die haben ja nie gesagt, dass sie Süd-Ossetien als eigene Region ansehen, sie haben ja ganz im Gegenteil dazu dessen Unabhängigkeit anerkannt.

    @Casi (5):
    Danke für den Link!
    Der Artikel ist interessant – und fast genau so interessant finde ich die dortige Abstimmung, wo gefragt wird, auf welche Seite Europa sich in den Konflikt stellen soll. Die Mehrheit ist eher pro russisch und ich habe bei vielen Diskussionen mitbekommen, dass viel Leute nicht verstehen, warum in diesem Fall andere Maßstäbe gelten sollen als beim Kosovo. Was ja auch für mich dann der Grund für diesen Blogbeitrag war.

    @chilly76 (6):
    Ich weiß nicht ob es der Sache dient, wenn man von der NATO als eine Art Sekte spricht.


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