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Jens Matheuszik — 25. August 2008, 19:09 Uhr

Gulli wars (TM): Interessante Einblicke in eine Subkultur des Netzes


Dieser Beitrag erschien ursprünglich bei Westropolis, dem Kulturportal der WAZ-Mediengruppe, welches zum 1. Januar 2011 seine Pforten schließt.

Fast jeder Internet-Nutzer kennt die "üblichen verdächtigen" Internet-Seiten: Ob nun Google, YouTube, eBay, Amazon, SPIEGEL Online oder DerWesten – diese Seiten sind zum Teil wahrscheinlich auch denen bekannt, die das Internet gar nicht nutzen.

Doch das Internet ist noch viel mehr – und neben dieser "heilen Welt" gibt es auch noch viele weitere Bereiche des Internets, die rechtlich gesehen eher in einer Grauzone angesiedelt sind.

 

Eine dieser Seiten ist gulli.com – welches sich seit über einem Jahrzehnt "mit verschiedenen Themen aus den rechtlichen Grauzonen der Internetnutzung beschäftigt. Dominierend sind unter anderem Hacken, Warez und Dateitausch." – so heißt es jedenfalls im dazugehörigen Wikipedia-Eintrag zu der Seite, die laut Aussage der Buchautoren zu eine "der Top50-Adressen in Deutschland" wurde.

 

Zu dieser Website gibt es jetzt mit gulli wars (TM) ein eigenes Buch, welches ich im Rahmen eines Vorabexemplares lesen konnte.

 

Das Buch gulli wars (TM) beschäftigt sich dabei mit der Geschichte von gulli.com von den Anfängen 1998, wo man noch nicht mal richtig wußte, was eine Internet-Flatrate ist bis hin zum Jahr 2008 – dem Jahr, in dem die bisherigen Betreiber von gulli.com ihre Seite verkauft haben.

Die drei Autoren schildern dabei auf 256 Seiten nicht nur die Geschichte der eigenen Internet-Seite von den ersten Anfängen bei freien Webspace-Anbietern bis hin zu eigenen Servern, die erst politisch und dann nach der Sesamstraße benannt wurden, sondern quasi nebenbei auch über die vergangenen 10 Jahre in der IT- und Netzgeschichte. Raubkopien, Serials, Filesharing-Technologie, Dialer bis hin zum Web 2.0 bilden den Rahmen der durch die eigenen Erlebnisse rund um gulli.com aufgefüllt wird.

Ob zum Beispiel Rechtskonflikte im Domainbereich oder Hausdurchsuchungen aufgrund von vermeintlichen Urheberrechtsverletzungen, zu all diesen und weiteren Themen findet man Informationen in dem Buch. Wo es geht gibt es auch jeweils Verweise zum jeweiligen Thema ins Internet – quasi Offline-Links.

 

Bewertung

Ich selber kannte die Website gulli.com bis vor ein, zwei Jahren eigentlich nur vom Namen her. Um das Buch zu lesen und sich unterhalten zu fühlen muss man gulli.com nicht kennen – denn wer sich ein wenig im Internet auskennt, wer weiß was Filesharing ist (oder es wissen will!), für den lohnt sich das Buch meiner Meinung nach allemal. Wer sich etwas besser auskennt und z.B. schon einmal Community-Foren besucht oder gar moderiert hat, der wird das eine oder andere Mal schmunzeln, denn manche Vorfälle scheint es überall zu geben.

Für die regulären Besucher von gulli.com dürfte das Buch erst recht interessant sein, da man in diesem Fall wahrscheinlich auch diverse Anspielungen versteht, über die ich wahrscheinlich einfach so hinweg gelesen habe.

Natürlich ist das Buch nicht unbedingt immer objektiv geschrieben, dennoch (oder vielleicht gerade deswegen?) macht es Spaß sich das ganze durchzulesen, da man auch immer wieder die persönlichen Wertungen teils durch die Blume, teils als winkende Zaunreihe (da reicht ein Pfahl nicht mehr aus) mitbekommt. In der von mir gelesenen Vorabfassung des Buches gibt es übrigens so einige Rechtschreibfehler, die jedoch in der Verkaufsfassung minimiert worden sein sollen.

Ob das so ist, werde ich in Kürze testen, denn auf der Internet-Seite gulliwars.com kann man das Buch als PDF-Datei kostenlos herunterladen. In dieser Fassung werden dann auch im Internet gemeldete Fehler als Errata korrigiert.

Ich persönlich bevorzuge jedoch bei längeren Texten die Lektüre in der "totes Holz"-Variante. Die PDF-Variante dürfte jedoch für all die Personen, die nicht wissen, ob sie 20,- Euro investieren wollen, sinnvoll sein um das Buch anzulesen.

 

FAZIT

Wer einen kurzweiligen Überblick über die vergangenen 10 Jahre der IT- und Netzgeschichte in Deutschland lesen will, wer sich über Communities und ihre Entwicklung informieren möchte, wer wissen will, warum Filesharing grundsätzlich nicht böse ist – der sollte "gulli wars (TM)" lesen. Natürlich dreht sich ein Großteil um die Website gulli.com (wen wundert's bei dem Titel?) aber das ganze ist ja auch eine Rückschau auf die Geschichte dieser Seite.

Doch auch wer – wie ich – diese Seite nicht wirklich kennt bzw. kannte dürfte beim Lesen auf seine Kosten kommen, vor allem wenn man sich ein wenig mit dem Internet beschäftigt. Angesichts der Tatsache, dass es das Buch auch als PDF-Datei zum freien Download gibt, kann ich jedem der zögert nur empfehlen sich die PDF-Datei anzuschauen und anzulesen.

Für die Käufer des Buches lohnt sich die PDF-Datei auch so, denn das Buch bietet zwar – wie jede handelsübliche Software – einen kryptischen, paragrafenverseuchten (und rechtlich unwirksamen) Endbenutzerlizenzvertrag / End User License Agreement (EULA), aber nicht die sehr sinnvolle Funktion Strg-F, mit der man bestimmten Begriffen z.B. im Index suchen kann. Insofern ist die PDF-Variante auch für die Buchleser als Zusatz auch sehr sinnvoll.    


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