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Jens Matheuszik — 15. Juli 2008, 06:23 Uhr

T-Mobile und das Mysterium der Rufnummernmitnahme


Rufnummernmitnahme - § 46 TKGWie schon ein-, zweimal angedeutet wäre für mich die Rufnummernmitnahme bei einem Wechsel zu T-Mobile zwecks Nutzung des Apple iPhone 3G ein unbedingtes Muß.

Nicht nur, dass meine Nummer halt schon seit Jahren im Gebrauch ist, es ist indirekt sogar eine Art Vanity- bzw. Buchstabennummer, für die ich Geld bezahlt habe (als Wunschrufnummer bei ePlus).

Insofern war für mich klar – wenn ein Wechsel zu T-Mobile, dann nur mit meiner Rufnummer. Eine solche Rufnummernmitnahme nach § 46 TKG (siehe Bild) ist seit einiger Zeit möglich, wobei es da einige Regeln zu beachten gilt.

Das man grundsätzlich die Rufnummer nur zum Ende des alten Vertrages zum neuen Anbieter mitnehmen kann – das ist ja fast schon verständlich. Wobei ich es schon schöner finden würde, wenn man sich gegen ein gewisses Entgelt aus seinem Vertrag „freikaufen“ könnte.

Auf meine Rückfragen bei T-Mobile erfuhr ich dann, dass es bei T-Mobile leider nur dann möglich sei die Rufnummer von einem anderen Anbieter mitzunehmen, wenn dies einerseits den Erfordernissen der Rufnummernmitnahme entspricht und andererseits zeitgleich zum Beginn des neuen Vertrages bei T-Mobile stattfindet. Sprich: T-Mobile sagt, man kann nur zu Vertragsbeginn die Nummer wechseln. Oder um mit dem Kundenservice zu sprechen, den ich hier sinngemäß zitiere (aus einer Antwort auf eine per eMail gestellte Frage):

Eine Rufnummernmitnahme auf einen bestehenden T-Mobile Vertrag ist nicht möglich. Nur in Verbindung eines Neuvertrags kann man die Rufnummer von einen anderen Anbieter zu T-Mobile mitnehmen.

Ich hatte eigentlich gedacht, dass es möglich wäre jetzt bei T-Mobile einen Vertrag abzuschließen, erstmal eine temporäre Nummer von T-Mobile zu bekommen um dann – zum Zeitpunkt wo der alte Vertrag ausläuft – diese Nummer dann bei T-Mobile nutzen zu können. Aus Erfahrungen aus dem Verwandten- und Freundeskreis weiß ich, dass dies im Mobilfunk möglich ist.

Also schrieb ich noch einmal zum Kundenservice von T-Mobile (bei solchen Sachen vertraue ich lieber auf eine Mail – da hat man nachher zur Not was „schwarz auf weiß“, während man bei Telefonaten mit der Telekom-Hotline sich nicht immer sicher sein kann) und konkretisierte meine Anfrage:

„Ich habe jetzt von mehreren Bekannten gehört, dass es weder bei Vodafone, noch bei ePlus oder bei O2 Probleme gibt die Nummer später zu übernehmen, so dass jetzt erstmal eine temporäre Nummer vergeben wird. Ich wäre auch bereit eine gewisse Gebühr für einen nachträglichen Rufnummernwechsel zu bezahlen, so dass ich jetzt erst mit irgendeiner T-Mobile-Nummer aus dem T-Mobile-Netz telefonieren würde und dann zum Zeitpunkt des Endes des ePlus-Vertrages zu dieser Rufnummer wechseln wollen würde.“

Die Antwort die ich kurze Zeit später darauf bekommen habe, war jedoch eindeutig (sinngemäß wiedergegeben):

Eine bisher verwendete Rufnummer kann nicht in einen bestehenden Vertrag bei T-Mobile portiert werden, eine temporäre Rufnummer bei T-Mobile ist nicht möglich. Diese Festlegung stammt nicht von T-Mobile, sondern von der Regulierungsbehörde. Die Voraussetzungen für eine Portierung sind die fristgerechte Kündigung der Rufnummer, der gleiche Vertragspartner und die Schaltung einer neuen Rufnummer. Einen Portierungsauftrag kann man vier Monate vor Vertragsende bis vier Wochen danach entgegennehmen. Ein Portierungsauftrag im September 2008 kann also nicht für den Februar 2009 erteilt werden, da ein paar Tage fehlen.

Das hat mich natürlich ein wenig stutzig gemacht, so dass ich mir erlaubt habe, bei den anderen Mobilfunkanbietern (nur den eigentlichen Anbietern, nicht den zahlreichen Resellern und Serviceprovidern) nachzuhaken. Das Ergebnis sieht wie folgt aus:

ePlus
Bei ePlus hat man meine Anfrage nicht richtig verstanden. ePlus ging davon aus, dass ich meine im jetzigen ePlus-Vertrag befindliche Nummer auf einen neuen Vertrag übertragen lassen wolle was nicht gehen würde. Das habe ich aber auch gar nicht vor (wenn ich das machen wollte könnte ich ja eine Vertragsverlängerung mit gleichzeitiger Tarifänderung veranlassen). Wenn ich jedoch mir den Kündigungshelfer bei ePlus durchlese, dann scheint das mit einer temporären Nummer zu klappen, denn eine der Fragen lautet (mitsamt Antwort):

Kann ich meine Rufnummer von einem anderen Anbieter auch auf einen bestehenden E-Plus Vertrag portieren?

Ja, das ist möglich. Bis zum Zeitpunkt der Rufnummern-Mitnahme telefonieren Sie in Ihrem laufenden E-Plus Tarif wie gewohnt mit Ihrer alten E-Plus Rufnummer. Nach diesem Zeitpunkt telefonieren Sie zwar weiterhin in Ihrem E-Plus Tarif, aber mit der Rufnummer des anderen Anbieters. Ihre bisherige E-Plus Rufnummer wird abgeschaltet und verfällt.“

Ergebnis: ePlus kann es.

Vodafone
Von Vodafone habe ich ein anscheinend standardisiertes Antwortschreiben bekommen, welches auf den Kernpunkt meiner Anfrage (Stichwort: temporäre Rufnummer) nicht wirklich eingegangen ist. Und mich an einen Vodafone-Shop verwiesen hat, um zu erfahren welche tollen Handys ich bei Vodafone bekommen kann.

Im Vodafone-Shop in Bochum habe ich dann nachgefragt. Klar würde eine Rufnummernmitnahme gehen. Falls diese jedoch nicht zu Vertragsbeginn des Vodafone-Vertrages stattfinden würde, dann hätte man ein finanzielles Problem. Man könnte das nämlich gerne dazubuchen, das würde dann aber 5,- Euro pro Monat kosten.

Leider habe ich auf der nicht ganz so übersichtlichen Vodafone-Seite dazu nichts gelesen. Bei den Informationen zur Rufnummernmitnahme stand nichts davon und auch bei den InfoDoks (wie es dort heißt) zu speziellen Tarifen habe ich diesen 5,- Euro/Monat-Aufpreis nicht gefunden.

Ergebnis: Vodafone kann es wahrscheinlich auch.

O2
O2 hat übrigens fast am schnellsten geantwortet. Und zwar so wie erwartet: Man würde dort umgehend ein neues Handy erhalten und eine vorläufige von o2 zugeteilte Rufnummer, mit der man dann telefonieren könne. Die alte Nummer würde dann zur Verfügung stehen, wenn der bisherige Vertrag abgelaufen sei.

Ergebnis: O2 kann es.

Das war mir eigentlich klar, dass es bei O2 so abläuft – denn da weiß ich es aus nächster Nähe, dass so etwas geht. Auch auf deren Internet-Seite zum Thema Rufnummernmitnahme wird das mit der temporären Nummer ausdrücklich erwähnt.

Ich habe jedoch nicht nur die Mobilfunkanbieter angeschrieben, sondern auch die angeblich so böse Behörde, die T-Mobile dazu zwingt so zu handeln:

Bundesnetzagentur – die Regulierungsbehörde
T-Mobile hat es ja mir gegenüber mit der Regulierungsbehörde begründet, die ein anderes Verfahren nicht möglich machen würde. Also habe ich auch an die Bundesnetzagentur gemailt, die mir übrigens am schnellsten geantwortet haben (die Mail an die Bundesnetzagentur ging ein paar Minuten nach den ungefähr zeitgleich verschickten Mails an ePlus, O2 und Vodafone raus).
Die Antwort der Bundesnetzagentur war sehr lang und ausführlich, der gesamte Prozess der Rufnummernmitnahme, die rechtlichen Grundlagen usw. wurden erklärt.
Die nachfolgend sinngemäß wiedergegebene Passage war jedoch die entscheidende (auf die Frage ob das Verfahren von T-Mobile durch die Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde so vorgeschrieben sei):

Eine derartige Festlegung der Bundesnetzagentur/Regulierungsbehörde gibt es nicht. Die Portierung von Rufnummern geschieht auf Grundlage der zwischen den Mobilfunkanbietern vereinbarten „Spezifikation administrative und betriebliche Abläufe beim Wechsel des Mobilfunknetzbetreibers / Diensteanbieters“ ohne direkte Beteiligung der Bundesnetzagentur.

T-Mobile lügt dehnt die Wahrheit – oder: Fazit

Als Fazit kann man erst einmal ziehen, dass die Leute bei der Bundesnetzagentur sehr fix sind – ganz im Gegensatz zum üblichen (aber sehr oft sehr falschen) Behördenklischee. Von allen angeschriebenen Organisationen haben sie als erste geantwortet.

Faszinierend finde ich, dass die vom T-Mobile Kundenservice bewußt oder unbewußt nicht ganz die Wahrheit sagen. Es ist eben nicht so, dass die Regulierungsbehörde vorschreibt, dass man keine temporäre Rufnummer bei T-Mobile bekommen kann, bevor dann irgendwann später der Altvertrag endet und die damit verbundene Rufnummer übertragen werden kann.

Mich wundert es nur, dass T-Mobile anscheinend nicht willens ist eine temporäre Rufnummer zu vergeben.
Dass sie es technisch nicht können möchte ich einfach mal ausschließen, weil das angesichts der Erfahrungen mit anderen Anbietern einfach nur peinlich wäre. Wobei die diversen Hotlines von T-Mobile auch immer wieder unterschiedliche Aussagen dazu tätigen – so hat gestern abend laut diversen Twitter-Berichten die Hotline das ganze erst einmal als möglich bezeichnet und nachher bei einem anderen Anrufer hieß es dann, dass das Problem mit der nachträglichen Portierung in einen bestehenden Vertrag angeblich etwas mit der in der SIM-Karte hinterlegten Nummer zu tun habe.

Es wäre nicht das erste Mal, dass T-Mobile bzw. die Telekom Sachen nicht ermöglichen, die technisch von den Mitbewerbern ohne Probleme erledigt werden können. Bis die Telekom es schaffte Voice-over-IP (VoIP) mit der regulären Festnetznummer anzubieten dauerte es ein paar Monate.

Mal sehen ob und wie schnell T-Mobile es schafft hier kundenfreundlich zu werden. Eigentlich sollten die das sofort einführen – es geht schließlich um wechselwillige Kunden, die sie von konkurrierenden Anbietern bekommen könnten. Wenn T-Mobile aber das Geld dieser Kunden erst in einigen Monaten haben will…


52 Kommentare »

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