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Jens Matheuszik — 24. April 2008, 02:04 Uhr

Wie die BILD über die BVB-Medienschelte berichtet


Gestern berichtete ich darüber, dass BVB-Trainer Thomas Doll quasi auf den Spuren von Trappatoni wandelt, da dieser auf der Pressekonferenz zur kommenden Bundesliga-Begegnung Eintracht Frankfurt vs. Borussia Dortmund sich mit sehr impulsiven und klaren Worten an die Pressevertreter gewandt hat.

Im Gegensatz zu Trappatoni hatten diese klaren Worte jedoch keine Schelte den Spielern gegenüber zum Inhalt, sondern eine Kritik an die Medienlandschaft, die gerade im Vorfeld des DFB-Pokalfinale 2008 zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München für Verdruss beim BVB gesorgt hat.

Doll, über den die BILD-Zeitung schon länger schreibt, dass er an sich schon gefeuert sei, es ihm aber noch keiner mitgeteilt habe, greift auch indirekt die BILD-Zeitung selbst an, in dem er auf Punkte eingeht, die die BILD immer wieder an den Dortmundern kritisiert haben (als Stichwort sei die BILD-Wortschöpfung „Opa-Abwehr“ für Christian Wörns und Robert Kovac genannt).

Natürlich berichtet auch die BILD-Zeitung über diese Pressekonferenz, in der Online-Ausgabe ist der Artikel Wutrede wie Trappatoni sogar recht prominent verlinkt.

Faszinierend jedoch, wie die BILD es in dem Artikel komplett schafft die eigentlichen Adressaten der Kritik, nämlich die Medien, nicht zu erwähnen. Um dieses Ziel zu erreichen wurden in dem Artikel jedoch auch noch die Fakten ein wenig verbogen:

So fängt der Artikel mit folgenden Worten an:

„Mittwoch, 12.04 Uhr, Pressekonferenz bei Borussia Dortmund. Alles scheint wie immer.“

Ob die Uhrzeit korrekt ist oder nicht, das weiß ich nicht, aber der zweite Satz ist gelinde gesagt eine deutliche Untertreibung. Denn es ist eben nicht wie immer:

Josef SchneckBevor Thomas Doll anfing, begrüßte BVB-Pressesprecher Josef Schneck (siehe links; Bildherkunft: bvb.de) die anwesenden Gäste und entschuldigte den aus Krankheitsgründen abwesenden Sportdirektor Michael Zorc.

Und dann fing er selber eine (deutlich gemäßigter formulierte) Kritik an den Medien an (dies kann man z.B. im hier bei den Ruhr Nachrichten verlinkten Video sehr gut hören und sehen).

Nachfolgend eine schriftliche Wiedergabe seiner Aussagen, wobei die fettgedruckten Überschriften/Stichworte nachträglich von mir hinzugefügt worden sind und somit keine Zitate darstellen:

[…] Ich möchte vorab in eigener Sache zwei, drei Sätze sagen. Das was so in den letzten Tagen, in den letzten sechs Tagen, an Nachrichten oder sogenannten Nachrichten erschienen ist, macht mir meine Aufgabe, meine Arbeit, meinen Job, nicht leicht, weil ich immer gefragt werde „Wie kann sowas kommen?“.

Ich wollte eigentlich nur mal an dieser Stelle ganz kurz noch resümieren, was wir zwei Tage vor dem Beginn des Pokalfinales bis heute an Dingen in der Welt haben die Unruhe erzeugen, ob gewollt oder nicht, weiß ich nicht.

Pagelsdorf
Da wurde gemeldet, einen Tag vor dem Pokalfinale: „Pagelsdorf wird neuer Trainer beim BVB“.

Klopp
Am Tag des Pokalfinales läuft über einen sogenannten Nachrichtensender die Meldung: „Klopp wird neuer Trainer des BVB“.

Ich bin von mir einem mir nicht bekannten Journalisten nach dem Pokalfinale abends in der Mixed-Zone gefragt worden, wann am Sonntag in Dortmund die Pressekonferenz ist, wo Herr Klopp vorgestellt wird.

Torwart aus Luzern
Es wird gestern ein Torwart aus Luzern, dessen Namen beim BVB niemand bis dato kannte, nicht etwa mit dem BVB in Verbindung gebracht – sondern es wird geschrieben, er hat beim BVB unterschrieben.

Michael Zorc
Es wird heute eine Geschichte mit Michael Zorc veröffentlicht, die selbstverständlich Unruhe erzeugt. Ich war bei einem Gespräch dabei als Michael Zorc gesagt hat „Ich kann das Wort schade nicht mehr hören“. Das kann ich auch nicht mehr hören. „Und ich würde mir wünschen, dass die Mannschaft immer so spielt wie am Samstag in Berlin.“

Ich lasse das einfach mal so im Raum stehen. Ich habe große Probleme dem Trainer, den Spielern, jedwedem der mich fragt, zu erklären, was das für ein Journalismus ist. Ich weiß es selber nicht. Ich darf empfehlen, für jeden, der sich ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzt einen Artikel der Rhein-Zeitung, Rhein-Zeitung Online: „Nachrichtensender streute vor Pokalfinale das Gerücht“, wo der Autor Jörg Schneider diese Thematik aufgreift und ich glaube da wird einiges deutlich und jeder möge bitte sich doch in einer stillen Stunde mal fragen, ob alles so, wie es derzeit läuft rund um den BVB richtig ist. Es gibt noch viele Beispiele, ich wollte die nur für alle exemplarisch nennen. […]“

Zwar nannte er keine Namen aber diese oben genannten exemplarischen Fälle lassen sich relativ einfach zuordnen:

Pagelsdorf:
Bericht der BILD

Klopp:
Bericht von N24 – leider keinen Link vorhanden; wurde aber anscheinend u.a. im „Laufband“ von N24 berichtet.

Torwart aus Luzern:
Bericht der BILD

Michael Zorc:
Bericht der BILD

Wen wundert es jetzt noch, dass die BILD in der Online-Ausgabe zwar Ausschnitte aus der Pressekonferenz bringt, aber nur Ausschnitte von Thomas Doll und nicht die einleitenden Worte von Josef Schneck?

Zwar zeigt das (technisch übrigens schlechte) Video der BILD auch Aussagen von Josef Schneck – hierbei handelt es sich aber um die Aussagen, die er nach den oben zitierten einleitenden Worten zum kommenden Spiel Eintracht Frankfurt vs. Borussia Dortmund getroffen hat.

Insofern schon interessant was die BILD-Zeitung ihren Lesern von der Pressekonferenz bekannt gibt und was nicht. Oder um Josef Schneck zu zitieren:

„Ich lasse das einfach mal so im Raum stehen.“


4 Kommentare »

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  1. (1) Kommentar by Nicole @ 24. April 2008, 12:16 Uhr

    Ich habe gerade einen Teil im Fernsehen gesehen. Aber ist es nicht öfter so, dass die Presse Dinge so dreht, wie es passt, vor allem, wenn so wie hier, die BILD selbst betroffen ist?


  2. (2) Kommentar by Rolf @ 24. April 2008, 23:07 Uhr

    @nicole Presseleute sind wie Päpste: unfehlbar per Definition und kurz vor’m lieben Gott. Und wenn jemand wagt, Kritik an ihnen zu äußern, schicken sie gleich die Inquisition los.

    Mit der Springer-Presse kennen ich mich nicht so aus – es reicht mir, morgens beim Bäcker die erste Seite zu sehen, um mir zu denken: „So, in der Bild hat’s gestanden. So what?“


  3. (3) Kommentar by Nicole @ 25. April 2008, 10:55 Uhr

    @Rolf:
    Typischer Fall von: ordentlich außteilen, aber nicht einstecken können. Gebe dir vollkommen recht.


  4. (4) Kommentar by Jens @ 26. April 2008, 15:47 Uhr

    @Nicole (1):
    Leider. Aber in diesem Beispiel finde ich das besonders krass.

    @Rolf (2):
    😉

    @Nicole (3):
    Ja. Wobei es natürlich auch eine Art von Können oder Fertigkeit bedeutet, wenn man so darüber berichtet, dass der eigentliche Sinn vollständig ignoriert wird.


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