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Jens Matheuszik — 30. März 2008, 07:23 Uhr

6 % mehr Lohn und die Gewerkschaften lehnen den Schlichtungsspruch ab? Was wollen die denn noch?!


Lothar SpäthNach den ersten Warnstreiks im öffentlichen Dienst Mitte Februar und Anfang März waren die Verhandlungsrunden zwischen den Arbeitgebern und den Gewerkschaften nicht erfolgreich und es kam zur sogenannten Schlichtung.

Unter Leitung des stimmberechtigten Schlichters Lothar Späth (CDU; siehe Bild) wurde ein Schlichtungsspruch verkündet, der 6 Prozent mehr Lohn versprach und dennoch von ver.di als nicht akzeptabel angesehen wurde.

Von vielen habe ich gehört, dass sie sich fragen:
Was wollen die Gewerkschaften eigentlich? 6 Prozent mehr Lohn sind doch gut, angesichts von Tarifrunden wo 5 % mehr Lohn vereinbart wurden.

Leider informieren die Medien, die ja auch Arbeitgeber sind, nicht korrekt – wie z.B. in dem Artikel Tarifkonflikt Öffentlicher Dienst: Flächendeckender Arbeitskampf droht, wo einfach unreflektiert erklärt wird, dass insgesamt (in zwei Stufen) 6 Prozent% mehr Lohn angeboten wurden.

Lothar Späth wird ja nicht umsonst Cleverle genannt – denn er hat zwar nicht die Quadratur des Kreises geschafft, sondern die Verwandlung von 6 Prozent in nur noch rund 3 Prozent:

Einerseits soll die Lohnsteigerung erst im April beginnen – und somit kann man die geplanten 4 Prozent für das Jahr 2008 kaum als 4 Prozent bezeichnen, denn aufgrund der fehlenden drei ersten Monate sind es eher 3 Prozent.

Durch die geplante Arbeitszeiterhöhung ab Juli 2008 muss jedoch davon noch 0,65 Prozent abgezogen werden. Und schon sind wir bei einem Wert, der deutlich unter der Inflationsrate liegt und somit indiskutabel ist.

Auch für das Folgejahr sieht es ähnlich aus – wobei man dort für die Arbeitszeiterhöhung mal eben 1,3 Prozent abziehen muss (da sie im ganzen Jahr greift – statt zwei Prozent landet man dann bei 0,7 Prozent Erhöhung.

Selbst wenn man noch die Einmalzuschläge (die steuerlich sich sehr ungünstig auswirken und somit dem Staat fast zur Hälfte wieder zukommen) berücksichtigt ist dieses Angebot schlicht und ergreifend eine Mogelpackung.

Ich hoffe doch, dass die Gewerkschaften (egal ob verdi.de oder dbb Tarifunion) diesen Schlichtungsspruch ablehnen werden.

Auch und vor allem auch aufgrund der Arbeitszeiterhöhung:
Da geht es ja nicht schlicht um eine halbe Stunde mehr pro Woche – sobald die Arbeitszeit erhöht wird, werden auch die jährlichen Personalkürzungen im öffentlichen Dienst noch mehr steigen. Falls jemand glaubt, dass im öffentlichen Dienst zu viele Personen beschäftigt sind, der sollte z.B. einfach mal ein Krankenhaus aufsuchen und schauen wie viel Pflegepersonal dort noch auf den einzelnen Stationen ist und ob man da noch mehr kürzen sollte.

PS: Aus aktuellem Anlass: Ich fände es natürlich auch nicht schön, wenn ich auf dem Weg zur re:publica 08 auf einen streikenden öffentlichen Personennahverkehr stoßen würde und nicht wüsste, wie ich dahin kommen soll.
Nichtsdestotrotz sind gerade im Berliner ÖPNV die Streikforderungen sehr berechtigt – da dort die Tarife auf Landesebene noch deutlich größere Kürzungen in der Vergangenheit bedeutet haben.

PPS: Das obige Bild von Lothar Späth stammt aus dem entsprechenden Wikipedia-Beitrag, der oben auch verlinkt wurde.


24 Kommentare »

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