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Jens Matheuszik — 19. Dezember 2007, 23:54 Uhr

Es wird diskutiert im Westen


DerWestenEigentlich sollte dieser Artikel eine andere Überschrift haben und ganz anders anfangen:

WAZ-Gruppe übernimmt Süddeutsche Zeitung

Diese Schlagzeile werden wir wohl nicht mehr lesen – aber Bernd Graff, der stellvertretende Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, würde sich ggf. bei der WAZ-Mediengruppe wohl fühlen – jedenfalls wenn er den Artikel Denen werd ich’s zeigen… von Frank Stenglein lesen würde, der bei DerWesten.de, dem Internet-Portal der WAZ-Mediengruppe, veröffentlicht wurde…

Doch ich hab mich dann doch anders entschieden und beschlossen lieber allgemein über die Diskussionen im Westen zu schreiben, die auch Djure schon unter der geschichtsträchtigen Analogie Bedingt diskussionsbereit angesprochen hat.

Grundsätzlich zeigt es sich, dass man im Westen sehr wohl auch diskussionsbereit ist – da gab es ja schon (vor allem direkt nach dem Start des Portals) viele Stimmen, die gerade im Bereich der Nutzerkommentare noch einiges im Argen sahen. Jetzt, nach einigen Wochen, kann man jedoch feststellen, dass immer mehr Artikel kommentiert werden – und es manchmal sogar schon solche Ausmaßen annimmt, dass man nicht unbedingt die Lust hat alle Kommentare zu einem Thema zu lesen.

In der Diskussion zu dem oben genannten Artikel ist es aber dennoch sehr interessant, denn dort wird auch über Löschungen bei DerWesten.de berichtet. Kleiner Vorabhinweis: Ich weigere mich in diesen Fällen von „Zensur“ zu sprechen, wie es gerne gemacht wird. Wenn die Verantwortlichen einer Website beschließen einen Kommentar/Beitrag nachträglich zu löschen, dann ist das rechtlich gesehen keine Zensur einer möglicherweise mißliebigen Meinung. Denn der Schreiber dieser Meinung wird ja nicht daran gehindert seine Meinung an anderer Stelle (z.B. bei sich selbst) zu veröffentlichen.

In einem Kommentar wurde dann auch dahingehend erläutert, dass nichts zensiert wird, sondern

„[…] nur offline gestellt (wg. der Staatsanwaltschaft) […]“

Ich persönlich habe das so verstanden, dass das vorsorglich geschieht – andere Kommentatoren schlossen jedoch was anderes daraus (sogar, dass seitens DerWesten selbst die Staatsanwaltschaft informiert wird). Dem ist aber nicht so, wie Chefredakteurin Katharina Borchert in einem weiteren Kommentar erklärt:

„DerWesten erstattet nicht Anzeige, sondern das tun unter Umständen Nutzer, die sich in den Kommentaren beleidigt / verleumdet oder sonstwie justiziabel betroffen fühlen. Das geht übrigens schneller als man denken sollte. Dann dauert es meist nicht lang und die Staatsanwaltschaft verlangt die Herausgabe von Daten (da hilft es meist auch nichts, wenn man unter Pseudonym kommentiert).
Um also den Kommentatoren (und uns) sehr viel Ärger zu ersparen, stellen wir manche Kommentare aus besagten rechtlichen Gründen offline. Mit böser Zensur hat das herzlich wenig zu tun.“

Insofern dürften sich dahingehend die Gemüter beruhigen – ich persönlich würde ja sogar so weit gehen (siehe oben), dass selbst ein anderer Löschgrund (statt der angestrebten Prävention) keinesfalls als Zensur zu werten ist. Weiter erklärte sie explizit- auf Anfrage des Pottblogs via eMail – dass natürlich keine Nutzer von DerWesten.de angezeigt werden (außer ggf. Hacker, die versuchen mittels Sabotage in das System einzudringen) und sich in der Vergangenheit schon viele Kommentatoren für das Offline-Stellen ihrer ggf. fragwürdigen Aussagen bedankt haben, da sie nicht erahnt haben, was für Konsequenzen solche Äußerungen hätten haben können.

Was mich jedoch an der lebhaften Diskussion eher stört – und da schließe ich mich Djures Beitrag voll an:
Die mangelnde Diskussionsbereitschaft des Autors!

Wenn ich als Autor der NRZ einen Artikel über das Internet schreibe und wenn ich nicht gerade in den vergangenen Wochen mit verschlossenen Augen durch das Ruhrgebiet gewandert wäre, dann wüsste ich vom Start von DerWesten.de, dem Internet-Portal der WAZ-Mediengruppe und wüsste somit auch, dass dort auch Artikel im Internet veröffentlicht und dann von den Lesern diskutiert werden.

Insofern müsste ich als Autor eigentlich wissen, dass ein kritischer Artikel zum Thema auch im Internet veröffentlicht und dort diskutiert wird. Und wenn ich dann einen so pointierten Artikel veröffentliche, dann sollte man diese Diskussionen auch verfolgen. Man erwartet ja nicht, dass der Autor von anders denkenden Kommentatoren überzeugt wird – aber eine Diskussion entsteht nicht, wenn der Autor der Diskussionsgrundlage sich aus der aktiven Diskussion verabschiedet bzw. sich ihr erst gar nicht erst annähert.

Man muss jetzt natürlich berücksichtigen, dass evtl. der Autor des Artikels gar keine Zeit momentan hat (so gibt es einen Kommentar, wo – nicht-verifizierbar – erwähnt wurde, dass er heute gar nicht in der Redaktion sei) und daher vielleicht noch gar nichts von der lebhaften Diskussion weiß. Es soll ja auch andere Schreiber bei DerWesten.de geben, die z.B. mit dem geplanten ÖPNV-Geblogge nicht nachkommen, aber das kann man hier schlecht vergleichen – da ich davon ausgehe, dass Stenglein für seine Arbeit bei der NRZ entlohnt wird, während mein öffentliches Personennahverkehrsgeblogge dort gänzlich für Gotteslohn erfolgt.

Ich hoffe jedoch einfach mal, dass sich der Autor der Diskussion noch annimmt – denn wenn nicht, dann würde das die mangelnde Diskussionsbereitschaft dokumentieren und (in diesem Fall) zeigen, dass DerWesten eher Web 1.0 als 2.0 ist.


15 Kommentare »

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